Dohány Straße 68


Sommer 1944 gab est fast zweitausend Judenstern-Häuser in Budapest, aber dem Open Society Archive ist es gelungen nur ein bißchen mehr als hundert für den Johannistag-Presentation zu eröffnen. Der Rest blieb geschlossen. Die Seite des OSA veröffentlicht ihre vollständige Liste, und betet die Leser, ihre Geschichte zu erzählen.

Ich möchte auch mit einem Haus von den fast zweitausend beitragen. Aber selbst wenn mann es schafft, in ein von ihnen einzutreten, und die Bühne zu verewigen, auf der viele Generationen ihre Geschichte gespielt haben, as erzählt uns die Bühne von diesen Geschichten? Ich kann erst Bilder veröffentlichen, in die jeder die Geschichte eines Jahrhunderts hineinbilden kann – oder den Post damit ergänzen, was er oder sie darüber weiß.

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„Meine Mutter hatte noch eine ganze Schublade von diesen Briefen. Seit 1880 kauften sie Land, Stück für Stück, wie sie konnten. Sie wirtschaften darauf. In den 50er Jahren, nachdem das Land weggenommen wurde, fürchteten sie sogar die Papiere zu bewahren, sie könnten Probleme verursachen. So worfen sie sie ins Feuer, Stück für Stück. Nur diese wenigen wurden mir übrig.“


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Zu vier Händen


„Mein Großvater spazierte hinüber von Buda nach Pest, in Falk Miksa Straße, um seine Schwester Kamilla, die mit ihrer Tochter Klárika in einem Judenstar-Haus dort lebte – ihre drei Söhne wurden bereits zur Zwangsarbeit übernommen – zu besuchen. Sobald er eintrat, setzten sie sich zu vier Händen zu spielen. Es war tatsächlich charakteristisch für die Familie, dass jeder mit jedem zu jeder Zeit zu vier Händen spielen hinsetzen konnte. Sie spielten Operetten, Arien, aber auch ernstere Genres. Und die Zeit verging beim Spielen, und es war schon fünf Uhr, die Zeit, als ein Jude auf die Straße gehen durfte, vorbei. ʻSag schon, was kann passieren’, mein Großvater sagte, ʻniemand wird sich um einen alten Juden kümmern!’ Es passierte nicht so. Am Ende November, so wie er hinüberspaziert hatte, in einem dünnen Mantel, in löchrigen Schuhen, wurde er zu Fuß nach Deutschkreuz in Österreich getrieben.“


Das Doppelhaus am Keleti Károly Straße 29-31 wurde 1909 vom größten architektonischen Duo des ungarischen Jugendstils, Marcell Komor und Dezső Jakab entworfen. Die beiden Straßenfrontflügel für Mietshäuser, und das Gebäude etwas höher, am Ende des Gartens, für ihre eigenen Familien. „Damit ihre legendäre Zusammenarbeit um nichts gestört wäre, sie haben alles klar getrennt“, erinnert sich Marcell Komors Enkel, Tamás Székely, selbst Ingenieur. „Nach links war das Komor-Mietshaus, und nach rechts das Jakab-Mietshaus. Im Oberhaus, nach links das Komor-Wohnung, und nach rechts das Jakab-Wohnung, mit besonderen Eingängen und besonderen Treppenhäusern. Nur das Komor- und Jakab-Büros am ersten Geschoß wurden mit einer Tür zusammengebunden. Auf der Straßenfront stand einmal eine riesige geschnitzte Tor, mit zwei kleinen Toren: die Komor-Tor nach links, und die Jakab-Tor nach rechts. Und wir gingen immer durch die Komor-Tor ein und aus, und die Familie Jakab immer durch die Jakab-Tor, und ich erinnere mich an keinen Fall, wenn es nicht so passierte.“

Die einzige Ausnahme ist das Foto, das vermutlich kurz nach dem Bau des Hauses gemacht wurde. Auf diesem Bild sitzt Marcell Komor an der rechten Seite des Hauses, auf dem Jakab-Bank, mit seiner Tochter Anna.

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„Nur die linke Seite des Gebäudes wurde für Judenstern-Haus erklärt, das Jakab-Haus nicht. Viele Leute zogen sich ins Haus ein, sowohl Bekannten als auch Fremden. Mein Großvater blieb dort, hat die Situation mit Würde und Gelassenheit ertragen.“

Das Komor-Haus wurde von einer Bombe am Ende Januar 1945, nur zwei Wochen vor dem Ende der Belagerung von Budapest getroffen. Der obere Teil, die Wohnung der Familie Komor wurde vollständig niedergebrannt. Aber das Haus wurde lange vor dem geplündert.

„Am 19. März 1944 kamen einige deutsche Offiziere zum Komor-Jakab-Haus, das natürlich voller Wertgegenstände, Antiquitäten, Skulpturen, Gemälde war.
Im Jahr 1944 war Dezső Jakab nicht mehr im Leben, Marcell Komor lebte noch.
Jakabs Witwe, Irén Schreiber * laß die extrem höflichen und eleganten Offiziere ein, die die ungarische Grenze an demselben Morgen überquert hatten.
Als die alte Dame keinen Zweifel über den Zweck des Besuchs der Offiziere hatte, sie bot sofort an, sie durch die Wohnung zu führen, und die Wertgegenstände aufzuführen.

Die Soldaten aber haben dies höflich abgelehnt, und sagten, dass sie am denselben Tag noch viele weitere Orte zu besuchen müsssen. Sie nahmen nur ein Papier aus, mit der genauen und detaillierten Liste aller Wertgegenstände im Haus, bis auf den letzten kleinen Bilderrahmen. Am Ende der Liste ein paar Zeile ankündigten, dass der deutsche Nationalbank würde für alles, sobald der Krieg vobei war, bezahlen. ʻSchreiben Sie es hier unter, bitte’, sagten die schneidigen Soldaten, die, sobald ihre Mission in der Komor-Wohnung beendigten, gingen weiter.“
Iván Bächer: “Komorok. Egy pesti polgárcsalád históriájából”
(Die Komors. Aus der Geschichte einer Pester Bürgerfamilie), Budapesti Negyed 1996/4

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„Damals war ich nicht zu Hause. Ich war achtzehn, und ich diente der Heimat weit weg von hier. Erst nach meiner Rückkehr erfuhr ich, was passiert ist. Ich fragte einen Kollegen meines Großvaters, einen Architekt, der zusammen mit ihm nach Deutschkreuz deportiert wurde, obwohl es ihm gelungen war, nach Hause zu kommen. Ich fragte ihn, wie mein Großvater starb. Er wollte darüber nichts sprechen. Erst nach langer Zeit hat er gesagt, dass es schrecklich war, dass es ganz schrecklich war. Ich habe nicht mehr darüber erfahren.“


Brahms: Fünfter ungarischer Tanz zu vier Händen. Mirka Lachowska und Edgar Wiersocki, 2008


Oberflächen

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Licht

„Ewig brennende Straßenlaterne in Erinnerung an die Bewohner dieses jüdischen Viertels.“

In Lublin, am Eingang des auf dem Platz des von den Nazis gesprengten und vom kommunistischen Regime applanierten jüdischen Viertels.

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Pfingsten, 1915


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Pfingstfahrt des Vereins für Geselligkeit und Wandern vor neunundneunzig Jahren. Aus dem Berliner Flohmarkt

Der fruchtbare Punkt


Wenn man sich auf den Weg über den Berg nach Vișeu de Jos/Alsóvisó aus Izakonyha in Maramuresch macht – auf Yiddish קעכניא, auf Rumänisch Cuhea bis 1973, wenn Ceaușescu ihm den Namen des legendären mittelalterlichen Woiwode Bogdan, und das spätere Regime im Jahre 2008 auch seine Bronze-Denkmalgruppe gab –, und nach etwa sechs Kilometern, kurz vor Erreichen des Dorfes Bocicoel/Kisbocskó noch einmal vom Bergkamm zurücksieht, wird sich eine atemberaubende Aussicht vor seinen Augen entfalten. Mit tausend warmen Farben malt die goldene Stunde die durch Gebirgsbächen zergliederten Hänge, die nach und nach ins im Nebel schwimmende Tal des Iza hinabsteigen, und von dort sich wieder allmählich zu der nicht allzu fernen Bergkette der Țibleș erhöhen, die an fast regelmäßigen Abständen von den Gipfeln des Țibleș/Cibles (1839 m), Hudin/Hunyad (1615 m), Secului/Székelykő (1311) und, ganz rechts, des vor kurzem erwähnten Gutâi/Gutin (1443) gegliedert ist. Das Becken des Iza ist nur eine der vier großen Flusstäler – Vișeu/Visó, Iza, Mara/Mára, Sapânța/Szaplonca –, die zusammen Maramuresch bilden, aber diese Ansicht scheint die ganze Region in einer einzigartigen Art und Weise zusammenzufassen. Es ist daher kein Zufall, dass wir mit diesem im vergangenen Mai aufgenommen Foto die Ankündigung unserer ersten Maramuresch-Bukowina-Tour eingeführt haben.

Die vom Iza-Tal zum Bergkamm herauf- und von dort zum Vișeu/Visó-Tal herabschlängelnde schmale Straße ist nicht vielen bekannt, wird nicht von den Reiseführern empfohlen, und sogar der Google-Routenplaner schlägt einen Umweg stattdessen vor. Dennoch, wie wir es im vergangenen Mai fanden, so haben auch viele andere diesen verborgenen, magischen Aussichtspunkt gefunden, und die von hier genommenen Fotos, genau wie in unserem Blog, haben in verschiedenen Publikationen über Maramuresch eine ikonische Rolle gespielt.


Die grundlegende Arbeit über die traditionelle Maramuresch-Architektur, The Wooden Architecture of Maramureș von Dan Dinescu und Ana Bârcă (1997) – woher wir bereits das ähnlicherweise ikonische Foto der Kirche von Ieud/Jód zitierten, und worüber wir noch schreiben werden – beginnt sein Kapitel über die Dörfer der Maramuresch mit diesem Foto (klicken Sie darauf). Anstatt Mai sind wir hier bereits im Spätsommer, die silbrigen Blätter der Pappeln sind bereits dick, und im Vordergrund erhebt sich die typische Heuhaufen von Maramuresch.


Vielleich genau derselbe Heuhaufen wird bereitet im wunderschönen Album von Florin Andreescu aus Bukarest: Maramureș, țară veche (Maramureș, altes Land, 2011), worüber wir auch bald schreiben werden. Und in demselben Album, ein paar Seiten später öffnet sich auch die rechte Seite der Landschaft, mit dem Gutâi/Gutin-Gipfel im Hintergrund.


Und die linke Seite der Landschaft führt das Kapitel über die Geographie der Region in der ausgezeichneten 500-Seiten Maramuresch-Reiseführer (2007) des finnischen Metaneira-Verlags ein (klicken Sie auf das Foto). Das Foto darf vor umgefähr zehn Jahren aufgenommen geworden sein: die einsame Pappel hat schon eine ganze Reihe von jungen Rivalen, aber der kleine Apfelbaum zwei Terrassen höher wuchs nicht viel seit damals.


Die Aufnahme von weiteren ikonischen Fotos wird die Aufgabe unserer Leser sein, vor allem von denen, die uns auf unsere Maramuresch-Tour am Ende Juni, oder – da es mehr und mehr sicher ist – auf ihrer Wiederholung zwischen 20 und 24. August begleiten.

Die drei Grazien


Heute war ich im Deutschen Historischen Museum in Berlin, um die mit großem Tamtam angekündigte Ausstellung Erster Weltkrieg zu sehen. Es ist vergeblich, viele Wörter über die Ausstellung zu verschwenden, wenn ein einziger beschreibt sie: langweilig. Im Keller, in einem großen Raum versucht eine turbulente Installation, die gesamte Gesichte des Ersten Weltkriegs zu präsentieren. Der Versuch ist ein völliger Fehlschlag. Wer den Fortgang des Krieges nicht ausführlich kennt, wird nicht in der Lage, ein kohärentes Bild aus den in mit den Namen der verschiedenen Kriegsschauplätzen gekennzeichneten Sektionen mit dem Absicht der Maximierung der emotionalen Wirkung ausgestellten Objekten zusammenzustellen. Und wer den kennt, wird den Zufälligkeit und Banalität ihrer Auswahl klar sehen. Ich hätte nicht einmal darüber geschrieben, wenn ich nicht kurz vor der Ausfahrt in der den Nachkriegsentwicklungen gewidmeten Sektion eines letzten Ausstellungsobjekts ansichtig wäre.


Die mehr oder weniger ein Meter breite Bronzetafel schmückte einmal das Gebäude des kroatischen Parlaments in Zagreb, und heute ist sie im Kroatischen Historischen Museum erhalten. Nach seiner Inschrift – „narodno vijeće na spomen proglašenja slobodne nezavisne države slovenaca hrvata i srba u hrvatskome saboru, XXIX. X. MCMXVIII.“ – wurde es vom Nationalrat gesetzt, um die Verkündigung des freien und unabhängigen Staates der Slowenen, Kroaten und Serben auf 29. Oktober 1918 zu gedenken. Die die drei Völker personifizierenden drei weiblichen Figuren im klassischen Kleid stehen Hand in Hand. Die auf der linken und rechten Seite halten in ihrer freien Hand die aus einer Vielzahl von Regionen zusammengesetzten Wappen von Groß-Kroatien und Groß-Serbien. Die dritte in der Mitte hat beide Hände voll, aber sie wurde auch nicht ohne einem Wappen gelassen. Sie hat es unter ihrem Fuß.


Wenn die drei südslawischen Schwesternationen ihre Verenigung auf der Wand des kroatischen Parlaments feiern wollen, los denn, obwohl die Aufrichtigkeit der Geste durch den mit Stift und Maschinengewehr gegeneinander geführten permanenten Bruderkrieg ernsthaft in Frage gestellt worden scheint. Aber dass sie bei dieser Gelegenheit es auch notwendig halten, das Treten auf das (heraldisch defekte) Wappen von Ungarn aere perennius zu verewigen, mit dem Kroatien auf der gleichen Seite den Ersten Weltkrieg durchkämpft hatte; das es nicht gewonnen hat, aber aufgrund des Friedensvertrags von ihm getrennt wurde; und mit dem es für 800 Jahren in Personalunion war und gemeinsam gegen das Osmanische Reich und seine balkanische Plünderer gekämpft hatte, so dass es hier auf sein eigenes Wappen und achthundertjährige Geschichte tretet – das gehört bereits zur Pathologie der neu geschaffenen osteuropäischen Kleinstaaten. Und es zeigt auch, zusammen mit Tausenden von ähnlichen Gesten, warum der Friedensvertrag, dessen vierundneunzigsten Jahrestages wir eben heute gedenken, jenseits aller historischen Überlegungen und Notwendigkeiten so eine lebendige psychologische und emotionale Belastung bleiben kann.

Ivo Kerdić, der Bildhauer, nach dem Ersten Weltkrieg Schöpfer von mehreren patriotischen Skulpturen und Medaillen, scheint während seiner Studienreisen die Grundsätze des römischen Klassizismus ausführlich gelernt zu haben. Es scheint jedoch, dass weder er noch seine Auftraggeber einmal über den wichtigsten Grundatz der klassischen Rom gehört hatten, mit dem sie seine Eroberungen erhalten und fördern konnte, und der in vier Wörtern als die Kunst der Regierung von Virgil in der berühmten Vers 6.853 der Aeneis zusammengefaßt wurde:

parcere subiectis et debellare superbos
die Unterworfenen schonen und die Übermütigen besiegen

Um die zweite Hälfte des Grundsatzes zu erlernen, hatten sie genügend Zeit zwischen 1991 und 2001. Die erste Hälfte jedoch scheinen sie nie gelernt zu haben.

Gegenüber der See


Kiesel auf den Gräbern.
Spielzeuge eines Kindes, Spielzeuge aus Stein.
Ein Zug, ein Flugzeug, ein Auto. Nizza, Endstation. Nice, Nizza, Niza, Nica, Nissa, Ніцца, Ηίκαια, Nicea, Nicaea, Nisa, Ницца. Sie träumten von der Riviera, und dann, einen Tag bekamen sie ihre Pässe, erhielten ihr Visum, sie konnten ihre Fahrkahrte kaufen, und voilà, man packt die Kinder, das Kindermädchen, die Großmutter, die ledige Tanten, den schwindsüchtigen Onkel, das Hund, die Papagei und die Hausmagd auf. Man zieht in Frankreich, man schickt die Kinder in die Schule, man arbeitet, man arbeitet noch mehr, man erhaltet die Einbürgerung, man tut seinen Militärdienst, man stirbt für Frankreich.

Man stirbt.
Der jüdische Friedhof von Nizza erstreckt sich seit fast einundhalb Jahrhundert auf dem Burgberg, gegenüber der See.
Auf den Gräbern, alte, gebräunte, gelöschte, gewaschte Fotos, lächelnde oder nackdenkliche oder schwere oder stolze Gesichter.

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Sie wurden geboren in Kiew, in Warschau, in Kischinjow, in Mariupol, in Cherson, in Odessa oder in Nikolajew, in Kaunas, in Berlin, in St. Petersburg, in Lemberg, in Radautz in Bukowina, heute Rădăuți in Rumänien, auch in Algerien, in Oran oder in Constantine, in Taganrog, in Konstantinopel oder in London, auch in Rangun in Birma, oder in Kairo. In Johannesburg.


Sie starben in Nizza, oder in Menton, oder manchmal mehr weit entfernt, aber ihre Familien haben sie zurückbringen gelassen, zu den Ihren, zur Sonne über der See.

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In den dunklen Jahren, die hier weniger dunkel waren als anderswo, einige starben sehr weit, nach Osten. Von ihnen sind nur ein par Zeilen zu ihr Gedächtnis geblieben.



Einige Steine überraschen uns mit ihrer archaischen Typographie. In der Tat, man zog hier die alten Gräber des früheren jüdischen Friedhofs um, der unter dem Hügel lag. Der älteste Stein stammt aus 1540. Auf anderen Steinen spiegeln die ergrünten Buchstaben die Unzahl der einmal lebendigen Sprachen: Französisch, Hebräisch, Polnisch, Italienisch, Russisch mit alter Rechtschreibung, Englisch, Deutsch. Und, graviert, alle diese gelöschten Buchstaben, vergessenen Wörter.

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Allmächlich verschwinden die Steine unter den Füßen der Passanten, die sich erinnern. Drunten, unter den Bäumen, die blendend blaue See.

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Nachmittagsmelancholie


hier gegenüber im Hof
wer entdeckt es zuerst