Otta Seife


Die Koží, das heißt, Ziegelgasse in der Altstadt von Prag bewahrt, wie ein geologisches Fossil, die Spuren, wo die asanace – die Assanierung, das heißst, die vollständige Beseitigung des überfüllten Armenviertels, vor allem des jüdischen Viertels, die 1893 mit seismischer Kraft begann – in den 1920er Jahren endete. Die linke Seite der Straße wurde auf die Ebene der neu errichteten Neorenaissance- und Jugenstil-Paläste aufgeschüttet, die wie ein glattflächiger See über den verschwundenen krummen Straßen des ehemaligen Josefov liegt, und den tiefer liegenden jüdischen Friedhof und die zwei überlebenden Synagogen wie eine negative Insel umschließt. Die rechte Seite der Straße blieb jedoch an der Ebene vor der Assanierung, und seine verwinkelten Gassen setzen das fehlende Gewebe von Josefov fort.


Ich streife im Viertel des Heiligen Kastalius umher, das nur hundert Meter, aber auch mindestens hundert Jahre entfernt von den Palästen des Jugendstil-Prags liegt, als in der Straße der Schwestern der Barmherzigkeit, an der Rückwand des verlassenen und verfallenden mittelalterlichen Gemeindehauses erblicke ich eine sonderbare Verputz-Werbung.


Die Geistwerbung popularisiert die Otta Seife. Sein Logo, der Krebs (in Tschechisch, rak) deutet darauf hin, dass das Unternehmen 1869 in Rakonitz/Rakovník von Joseph Otta gegründet wurde. Aber wann hat man sie hier gemalt? Die Zeitgrenze sind weit, als die Firma Otta, wenn auch verstaatlicht, wurde auch nach dem Krieg fortgeführt, bis in die 1990er Jahre, wenn sie von Procter & Gamble übernommen wurde.

Ich erforsche in der Bibliothek die Spuren einer verschwundenen Gasthauses von Prag, des Goldenen Engels von Smichow am anderen Ufer des Moldaus, als ich unter den alten Fotografien von Smichow plötzlich auf dieses Foto treffe, das das Gebäude Štefánikova 9/57 darstellt:


Der angrenzende Nummer 10/53 wurde in den 1920er Jahren gebaut, und dann hat er die Feuerwand des Nummers 57 frei und werbungsfähig gelassen. Das Foto wurde 1935 aufgenommen. Werbungen ändern sich schnell, denn ihre Wirksamkeit fußt auf ihrer Neuheit. Daher kommt wahrscheinlich auch die Verputz-Werbung in der Straße der Schwestern der Barmherzigkeit aus dieser Zeit. Das heißt, sie hat Otta Seife für mindestens achtzig oder neunzig Jahre gewerbt, seit dem Ende der Assanierung der Altstadt, schon für die fünfte Generation. Die Zeit blieb wirklich stehen in der Ziegelgasse.

Tábor, der Turm der Südböhmischen Industrie- und Militär-Ausstellung von 1929, von dem der Präsident der Republik mit Trompeten begrüßt wurde, von hier

„Ein Rätsel. Kinder, was ist das? Eine Figur? Nein! Es ist der Name «Otta», die Seife mit dem Krebs-Logo! Ausgezeichnet und gut für alles“

„Flügelt über die ganze Welt ohne Flügeln / der ausgezeichnete Ruf der Otta Seife“


Postkarte mit unbekannten Kindern


Familienalbum:
Alba, 1867
Hong Kong, 1897
Marseille, 1900
Paris, 1904
Valenciennes, 1918
Buenos Aires, 1930
Dies ist kein Foto aus dem Album, sondern ein von diejenigen, die ich in der Schachtel gefunden habe. Ein Foto mit einem Stempel darauf, und mit einem Brief auf der Rückseite.

Es ist unmöglich, das Datum des Stempels zu entziffern, aber aus dem Inhalt des Briefes kann man sich vorstellen, das es kurz nach der Geburt meiner Großtante geschrieben wurde – sagen wir, 1904.

Ich weiß auch nicht, wo das Bild aufgenommen wurde, so ist meine Rekonstruktion vielleicht nicht mehr als bloße Phantasie.

Sagen wir, dass ich einen Platz gefunden habe, der vor mehr als einem Jahrhundert dieser Ort gewesen sein konnte.

Ein Ort, der heute verlassen ist, in der Tat verlassen seit dem Tod des alten Schmiedes vor dreißig Jahren. Seine Witwe hat dann das Haus und die Werkstatt geschlossen, und ging weg.


Kann der Schmiede eines der Kinder auf dem Bild gewesen sein? Nein, er war zu jung dazu als er starb, er konnte nicht vor 1910 geboren sein. Vielleicht wird er der Sohn eines der Männer sein, die hier an uns lächeln.

Und die beiden kleinen Mädchen, geboren um 1900?
Ich weiß nichts von ihnen.


Aber es gibt Geschichten über zwei solche kleine Mädchen im Dorf, zwei verwaiste Schwestern, die mit der Unterstützung des Fürsorgevereins aufgewachsen wurden. Sie haben nie geheiratet, blieben Diener bis zu ihrem Tod. Die ältere, nur um ein Jahr, hieß Luise, die jüngere Blanche.
Ich kennte nur Blanche als ich ein Kind war. Louise war schon seit Jahren tot, aber mein Vater erinnerte sich noch daran, wie sie ihn als kleinen Knaben verfolgte, und ihn in einem Wutausbruch mit Brennnesseln peitschte. Die Blanche, die ich kennte, war eine große, wilde Frau mit einem Knoten von weißem Haar und einer Schubkarre voller Wäsche, die für sich sprach. Sie hatte einen alten, müden schwarzen Hund, und sie schrie immer auf ihn in den Dorfgassen: „Allez viens, Gamin!“ – „Komm, Bub!“
Eine sehr beängstigende alte Dame – aber auch sie muss vor langer Zeit ein Kind gewesen sein, wie jeder andere. Einen Tag, als sie aus der Waschküche kam, traf sie meine Mutter auf der Straße, und, obwohl sie mit niemandem sprach, griff sie in ihren Korb ein, zog ein Bündel von Zwiebeln aus, und gab es meiner Mutter. „Nimm, es ist deines”, sagte sie. Ich hoffe, das für jenes Bündel von Zwiebeln bekam sie eine kleine, ruhige Ecke im Himmel.

Was die verlassene Werkstatt betrifft, vermute ich, das sie ist dieselbe, als auf der Postkarte. Der Handwerker war ein bescheidener Eisenarbeiter, der Eisentore, Dachrinnen, Gitter, Ketten und Spannstangen für die Maurer und Zimmerleute des Dorfes fertigte – einige von diesen, an die Wand gelehnt, warten immer noch, verwendet zu werden. Und hinter den staubigen Fenstern erscheint die Werkstatt ruhig, gespenstisch ruhig, mit allen jenen Maschinen, die darauf warten, die Arbeit wieder zu beginnen.

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Überblendung: Traditionelle Rollschuhe

Berlin, Schloßstraße, Woche des niederländischen Schuhes, Februar 2014, von hier

Prag, Altstadt, Kettengasse/Řetězová 245/8, „U černého strevíce“ (Schwarzer Schuh-Haus), Fassade 1603

Brot


In dem überfüllten Markt gibt es keine Atempause. Das endlose Gewühl und Getümmel der Käufer und Verkäufer wie eine Fliegenwolke wirbelt im staubigen, einschläfernden Nachmittag. Frauen im Tuch und in mit schrillen Farben bedruckten langen Kleidern bewegen sich durch die Masse, ihr gefälliges Lächeln enthüllt Wände von goldenen Zähne. Gedrungene Männer in langen Mänteln und vierseitigen bestickten Kappen verschlungen ihre Hände hinter dem Rücken, als sie die Waren mit wachsamen Augen und gut einübter Gleichgültigkeit studieren, bereit, um auch für den kleinsten Preisnachlaß bis zum Äußerstem zu feilschen.

Junge Männer, einige von ihnen eher noch Kinder, überwachen die Verkaufsstände mit Kassetten unklarer Herkunft, mit fotokopierten Steckkarten statt Etiketten. Andere Jungen bieten am Ort gemischte kalte Getränke an, sie tropfen den bunten Sirup von Glasrohren ins Sodawasser. Fleischerstände stinken in der Hitze nach das Blut der frisch geschlachteten Tieren, als die Käufer schon das Angebot prüfen, und ein besseres Stück für ihr Geld fordern.

Keine Atempause, das heißt, mit Ausnahme der Teehäuser, wo die Leute im Schatten sitzen, auf erhöhten Plattformen mit Sofas und niedrigen Tischen, oder manchmal auf Stühlen um westlichen Tischen. Vor ihnen, eine Schale Tee – grün oder schwarz? mit Milch oder ohne? – und kleine Goldklumpen von Rohrzucker. Fast immer kommt der Tee in einfachen, eiförmigen Teekannen, die mit dem in Blau, Gold und Weiß stilizierten Bild der Baumwolle, die Haupteinnahmequelle der Region, geschmückt sind.

Wir bestellen unseren Tee – зелёный с молоком, пожалуйста –, und durchdenken die Reise, die wir bis zu diesem, von den Meeren am weitesten liegenden Punkt der Welt, Andijon, im fruchtbaren und fabelhaften Fergana-Tal im Osten Usbekistans gemacht haben. Hier wird der Ausländer immer beobachtet, und kann sich nicht für Anonymität unter die Menge mischen. Augen folgen uns überall, manchmal vorsichtig, manchmal neugierig oder verwirrt, vielleicht fragend, warum wir unter allen Orten in diese Ecke der Welt gekommen sind.

Wir schlürfen langsam, geben ein paar Minuten von Ruhe unseren geschwollenen Füßen, und beobachten die Bäckerjungen, als sie unter der Aufsicht ihres Meisters Teigball nach Teigball in den traditionellen Grubenofen einsetzen, um sie bald als frisches Brot auf dem langen Tisch zu bieten.


Stadtvögel


Schon die im Tageslicht auf die Straße starrende Eule im Torweg des Platteises/Platýz ist auffällig genug, aber drei Häuser entfernt, an der Neue Allee/Národní třída 37 wird es unbestreitbar: die Torwege von Prag wurden von den sich an die städtische Lebensweise assimilierenden Vögeln überfallen.



Die Taube, die ihr Nest auf der Streckkabel des Fahrdrahts, unmittelbar hinter die Taube weghaltenden Dörner baute, versucht so zu tun, als ob sie nur ein weiterer von den vielen Gags von Prag wäre. Nach einigen Minuten des Fotografierens blickt sie aber nervös von Seite zu Seite. Ich konnte mir nicht verzeihen, eine so vielversprechende evolutionäre Kette zu brechen, so setze ich meinen Weg fort.




Hrabal 100

Prag, Kleinseite, heute Morgen


„…Der Text wurde auf einer deutschen Schreibmaschine der Marke Perkeo geschrieben, auf dieser Atommaschine, die Egon Bondy, den Dichter mit einer immensen Faszination erfüllte. Ich kaufte die Maschine von meinem Klassenkameraden Bureš, der ein Geschäft in Nymburk, auf der Großen Rampe hatte. Ich verliebte mich in sie auf den ersten Blick, aber ich hatte keine dreitausend Kronen in alten Banknoten, so kam ich oft zurück, um an sie zu ergötzen, bis ich sie kaufen konnte. Sie war eine kleine Maschine von 1905, die Walze konnte nach unten gekippt werden, und ich trug die geschlossene Maschine auf zwei Riemen, wie man die Schulbücher unter der Monarchie trug. Ich war von dieser Maschine begeistert, ich schrieb auf ihr nur zum Vergnügen. Die Akzente fehlten, so dass jeder Schreibmaschinenseite ein Lächeln und ein Lachen verursachte. Ich habe gelernt so brilliant, auf ihr zu schreiben, dass ich in der Lage war, auch in der Nacht zu schreiben, wie die blinde Pianisten spielen auf ihr Instrument.“
Bohumil Hrabal: Der Verrat der Spiegel


Der hunderte Geburtstag dämmert mit Nieselregen, aber am Morgen kommt die Sonne schon zufällig aus. Ich kehre zurück zu Libeň, so wie vor zwanzig Jahren. An der Ecke des Hauses, das ich damals suchte, in der Stelle des Schrotthaufens steht jetzt eine kleine Kolonne, und die Wandmalereien an den Außenwänden der auf dem Gelände des Hauses gebauten U-Bahn-Station Palmovka wurden schon von vielen Autoren beschrieben.

„Grundstein des Bohumil Hrabal Zentrums“. Im Hintergrund die geschlossene Synagoge von Libeň.


„,Du kommen nach Libeň für das? Für Herr Hrabal?ʻ Er schluckt kratzig, in seinem ausgetrockneten Mund der Speichel ist milchiges Gel. ,Ich konnte Hernn Hrabal. Er liebte Bier. Er bezahlte eine Menge auch für mich.ʻ Jetzt ist es schon sicher, dass er Geld will. ,Du sprechen Tschechisch?ʻ Nein, nicke ich wiederwillig, ich würde eher los von ihm, ich krame in meiner Tasche, aber ich habe kein Kleingeld, nur Banknoten, und wir sind auch arme Leute. ,So wissen du nicht, was hier geschrieben?ʻ Nein, wirklich nicht. Tady stojím, čelo mám korunované deseti vráskami, tady stojím jako starý bernardýn a dívám se do veliké dálky, až do svého dĕtství… Er beginnt eifrig zu übersetzen: ,Ich stehe hier… Krone der zehn Falten auf meiner Stirnʻ, er schwitzt von der Anstrengung, ,Ich stehe hier, ich sehe aus wie… ein Bernhard… Rettungshund… ja, ja, ein Bernhardiner… Ich sehe weit, sehr weit, bis als ich ein Kind war.ʻ Ich freue mich, den Text zu erkennen. Ich greife in meinen Rücksack für ein lauwarmes Soproni-Bier, vielleicht wird ich damit von ihm loswerden, als ich die Tränen auf seinem Gesicht erblicke. Wir blicken uns mit Anna einander an. Wir schämen uns. ,Danke, Ungarn, das ihr gekommen seid. Um Hernn Hrabal, meinen Freund zu sehen.ʻ Ich füle mich verpflichtet, seine ausgestreckte schmutzige Hand zu schütteln.“
Mátyás Falvai: „hrabal_wall.jpg” Új Könyvpiac, September 2012

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Heute, am Geburtstag gibt es keine Veranstaltung in Libeň, nur die Schulen feiern den „Tag von Hrabal“. Am Montag wird es ein Gedenkabend im alternativen Theater von Libeň, und eine Ausstellung mit dem Titel ”Scharf beobachteter Hrabal“ öffnet sich, ich werde über beide berichten. Als private Erinnerung sitze ich ins ”U Horkých Biersanatorium“, das letzte überlebende Haus des jüdischen Viertels von Libeň, der Endstation von Hrabals berühmten Grand Slalom. Ich frage die erfahrene Kellnerin, welcher war der Stammplatz von Hrabal, um diesen Post von dort zu veröffentlichen.


Überblendung: Die Schlange

Luciano Ramo: Achtung, die deutsche Schlange ist gefangen worden! Jetzt müssen wir ihre Zähne reißen, Brescia, F.lli Geroldi 1916

Otto von Kursell: Nieder mit dem Bolschewismus! Bolschewismus bringt Krieg und Verderben, Hunger und Tod, 1919

Sergej Igumnov: Zerstören wir die Spione und Diversanten, die trockist-bucharinistischen Agenten des Faschismus, 1937.
(Die verwirrende Bildunterschrift spiegelt die Verwirrung der offiziellen Ideologie. Obwohl
die Schlange ein Nazi-Monokel trägt, sind die Deutschen in dieser Zeit potentielle, und
später tatsächliche Verbündete der Sowjetunion. Deshalb sind andere Feinde
erwähnt: Trockisten, Bucharinisten, oder sogar Faschisten, wie Nazis
in der post-sowjetischen Welt immer noch bezeichnet sind.)

John Heartfield (geboren Helmut Herzfeld, Bertold Brechts Bühnendesigner): Fordert: Verbot der Atomwaffen, 1955

Wir werden Trunksucht überwinden! Sowjetisches Anti-Alkohol-Plakat, 1960er Jahre

Spaziergänge im jüdischen Viertel


Ich kam nur für einen Kaffee ins Kazimír Haus in der Budapester Kazinczy Straße, aber als ich nach oben komme, ich finde eine fröhliche internationale Gesellschaft um den langen Tisch mit Wein, Entenleberpaste und Gitarrenmusik. „Was ist denn hier los?“ frage ich überrascht Andrea. „Wir haben gerade unsere erste Tour durch das jüdische Viertel beendet, und wie du siehst, es war ein voller Erfolg. Die nächste beginnt bald. Komm mit, wenn du Zeit hast.“

Am letzten Sonntag begann der Ungarisch-Jüdische Kulturverein seine Stadtrundspaziergänge im jüdischen Viertel, wie der 7. Bezirk von Budapest traditionell genannt wird. An den folgenden zwei Sonntagen, den 30. März und 6. April werden sie die Orte und die Traditionen des ehemaligen jüdischen Lebens vor allem für „Außenseiter“ präsentieren. Dennoch haben sie auch etwas den Kennern des Viertels zu zeigen. Wir haben auch zwei alte, in Innenhöfen versteckte Synagogen besucht, wo auch ich noch nie gewesen bin. Diejenige am Dessewffy Straße 23 wurde von den jüdischen Packträgern des nahe gelegenen Westbahnhofs aus einem Pferdestall umgewandelt – vielleicht ist diese die einzige Synagoge, wo die beiden Funktionen einander nicht in der umgekehrten Reihe folgten. Und diejenige am Vasvári Pál Straße 5 wurde 1885 von Sándor Fellner, dem späteren renommierten Architekt von Budapest, für die zur Stärkung dr Orthodoxie gegründeten Talmud-Tora-Gesellschaft (Schas Chevra) entworfen.

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Der Ungarisch-Jüdische Kulturverein wird die beiden Spaziergänge am nächsten zwei Sonntagen wiederholen. Am 13:00 bieten sie eine allgemeine Darstellung des Viertels, und am 16:00 werden sie einige versteckte Synagogen besuchen. Am 30. März wird die große Tour auf Englisch und der Synagogenbesuch auf Ungarisch, und am 6. April umgekehrt. Wenn Sie in Budapest sind, kommen Sie mit! (Anmeldung per E-Mail: mazsike@gmail.com.)

Duftende Blumen


In der Ausstellung Nebelhafte Berge, duftende Blumen – Traditionelle chinesische Tuschmalerei im 19. und 20. Jahrhundert im Kogart-Haus in Budapest, fast hundert Rollbilder und Kalligraphien sind zu sehen bis zum 30. März aus dem Drei-Schluchten-Museum von Chongqing. Fast alle Gemälde sind aus der späten Qing-Ära, akademische Arbeiten mit konservativem Geschmack, die den großen klassischen Modellen sorgfältig nachfolgen. Vielleicht sind nur die drei Bilder von Liu Xiling (刘锡玲, 1848-1923) wirklich originell und spannend: ihre gebrochene Pinselführung und abstrakte Formen lassen bereits vorausahnen die Expressivität der zeitgenössischen chinesischen Tuschmalerei, sowie ihre ironische Beziehung zum klassischen Kanon.

Diese Darstellung ist eine andere Arbeit von Liu Xiling; seine ausgestellten Werke erscheinen nicht im Katalog.

Die Natur entschädigt uns jedoch für die zurückgehaltene Intensität der Bilder. Die vier Magnolienbäume in voller Blüte an der Straßenfront des Kogart-Hauses zeigen mit explosivem Kraft, was die Meister am Ende der Kaiserzeit aus den Bildern eines früheren, für glücklicher gehaltenen Zeitalters zu sublimieren versuchten. Die Besucher bleiben stehen im Garten, wie auch die Passanten vor dem Zaun. Sie fotografieren sich glückselig im Vordergrund des Meeres von Blumen.


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