Schäfer



Der zehn Jahre alte Pandurist Rezo spielt und singt bei einem Fest im Kloster Katskhi

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Kutaisi erwacht



Der Hahn kräht

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Gelati, Königskloster



Mama o shenma. Mönche des Klosters und Sängerschule Zarzma
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Für St.-Georgs-Tag



Gestern Abend vor St. Georgs Ikon im königlichen Kloster Nikortsminda des elften Jahrhunderts. Nach der alten georgischen Tradition hat St. Georg nicht den Drachen, sondern Kaiser Diokletian besiegt.


აღდგომასა შენსა (Aghgdomasa shensa) Deine Auferstehung. Die Mönche des Klosters und Sängerschule Zarzma

Weinberge neben dem Kloster Nikortsminda, in der Chwantschkara-Weinregion, gestern Nachmittag

Ostern auf dem Friedhof


Ostern ist in Lemberg nicht nur das Fest der Lebenden, sondern auch der Toten. Wie in anderen orthodoxen Regionen, besuchen zu diesem Zeitpunkt die Familien die Gräber ihrer Lieben, sie beten zusammen, und speisen das am vorigen Tag gesegnete Essen.

Der Łyczakowski-Friedhof ist der älteste erhaltene Friedhof Lembergs. Er wurde 1788 eröffnet, nachdem Joseph II die Grabstätten innerhalb der Stadtmauern geschlossen hat, und seitdem galt er als polnischer Pantheon. Eine große Anzahl von polnischen Künstler, Wissenschaftler und Aristokraten liegen hier, sowie die Märtyrer der Aufstände von 1830-1831 und 1863. Und in der südöstlichen Ecke des Friedhofs, in einer gesonderten Parzelle, die „Adlerjungen“, die zur Zeit des ukrainisch-polnischen Bürgerkrieg von 1918-1920 die einsame Lwów gegen die unabhängige ukrainische Armee verteidigten, während die von Piłsudski geführte polnische Armee die Rote Armee von Budjonny und Stalin von Warschau zurückschlag. Im 1924 erbauten Heldenfriedhof kann man Namen von Jungen und Mädchen auf den in langen Schlangen stehenden weißen Kreuzen lesen. Keiner von ihnen war älter als zwanzig. Zu Ostern kommt hier niemand, aber die frischen Blumen und die polnischen Fahnen beweisen häufige Besucher.

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Nach der Vertreibung der Polen aus Lemberg im Jahre 1945 begann der Heldenfriedhof zu verfallen. Die Denkmäler wurden abgerissen, und die meisten der Gräber mit Panzern zerstört. Nur 2005, nach der festen Unterstützung Polens bei der ukrainischen „orangenen Revolution“ erhielt die polnische Regierung die Erlaubnis, die Nekropole wiederherzustellen. In der Zwischenzeit errichteten auch die Ukrainer ihren eigenen Heldenfriedhof in der unmittelbaren Nähe des polnischen. Auf ihrem höchsten Punkt steht Erzengel Michael an der Spitze einer hohen Säule, mit gezogenem Schwert, und im Friedhof reihen sich aneinander die Denkmäler und die wirklichen oder symbolischen Gräber der unabhängigen ukrainischen Armee von 1918, der ukrainischen SS-Division Galichina, der nationale Armee von Bandera, und der ukrainischen Partisanen, die bis 1955 gegen die sowjetischen Okkupanten kämpften. Sie sind über das ganze Jahr nicht nur von den Familienmitgliedern, sondern auch von der ukrainischen Armee, den Pfadfindern, und den patriotischen Vereinigungen bekränzt.

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Im vergangenen Jahr eine dritte, neue Parzelle wurde im Heldenfriedhof eröffnet, die jetzt der am schnellsten wachsende Teil des Friedhofes ist. Hier wurden die bei der Verteidigung der Ostgrenzen des Landes gefallenen jungen Soldaten begraben. Die Kränze sind noch frisch auf den meisten Gräbern. Am Ostersonntag gibt es Besucher an fast jedem Grab, die Familie, Freunde, viele in Uniform, einige sogar besuchen zwei oder drei Gräber. Sie sind schon über der ersten Erschütterung, sie vollenden mechanisch und mit trockenen Augen die Rituale des Grabbesuches. Sie sprechen nicht, und essen auch nicht, nur legen auf das Grab aus dem mit sich gebrachten Osterkorb einen Osterkuchen, halbierte Eier, lammförmiges Gebäck.

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Ostern in Lwiw



Die orthodoxe Kirche in Lemberg wurde zu Ehren der Dormitio der Jungfrau Maria (Uspeńska/Успенська) errichtet, aber in der Stadt ist sie als „die walachische Kirche“ (Wołoska/Волоська) bezeichnet, weil seine erste Version wurde zwischen 1547 und 1549 vom moldauischen Fürsten Alexandru Lăpușneanu finanziert. Nachdem sie 1571 niederbrannte, wurde sie von 1574 an in der vorliegenden Form von der religiösen Bruderschaft der orthodoxen Kaufleute der Stadt, die Uspenska Orthodoxe Bruderschaft wieder aufgebaut.

Die Bruderschaft, die auch die orthodoxe Druckerei und Schule der Stadt betätigte, wurde in der 1530er Jahren von den ruthenischen, griechischen und moldauischen Kaufleuten von Lwów gegründet, um sich besser einerseits gegen die Assimilationsversuche des Patriarchen von Moskau (die Kirche der späteren Ukraine war zu dieser Zeit von Moskau unabhängig, und direkt dem Patriarchen von Konstantinopel untergeordnet) und andererseits der Bestrebungen der polnischen katholischen Kirche zu verteidigen, die 1596 einen großen Teil der orthodoxen in eine von Rom abhängige griechisch-katholische Kirche konvertierte. Die Hauptschirmherr der Kirche war ebenfalls ein moldauischer Fürst, Ieremia Movilă, der Vater des Metropoliten von Kiew Petro Mohyla, der, als wir darüber schon geschrieben haben, sich um die Schaffung einer westlich gebildeten ruthenischen orthodoxen Kirche bemühte, und dessen einzigartige Experiment nur durch die Russifizierungsmaßnahmen von Peter der Großen unterbrochen wurden.

Es ist deshalb kein Wunder, dass sich die Erscheinung der Kirche vom russischen Kirchenmodell unterscheidet. Sein fünfundsechsig Meter hoch Glockenturm, der nach seinem Erbauer, der kretische Kaufmann Konstantinos Korniaktos als Korniakt-Turm genannt wurde, erinnert italienische Renaissance-Stadttürme, und auch seine Schnitzereien Renaissance-Muster folgen. Im Einklang mit den früheren Bestrebungen nach Unabhängigkeit gehört sie heute wieder der autonomen Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die dreimal, 1921, 1942 und 1990 wiederaufstand, und die auf den Druck des Moskauer Patriarchats immer noch nicht von den anderen orthodoxen Kirchen anerkannt ist.

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Am Karfreitagsnachmittag ist das Grab des am Kreuz gestorbenen Christus, in den Seitenkapellen der orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen errichtet, und wird durch die ganze Nacht von den Gläubigen in langen Schlangen besucht. Am nächsten Tag gehen alle Familien der Stadt in ukrainischen Trachten zu Fuß ins Freilichtsmuseum der russinischen Holzkirchen, wo die Lebensmittel, die si in kleinen Körben mitbringen, von morgens bis abends gesegnet wird. Dieses gesegnete Essen wird am Sonntag Morgen, nach der Nacht der Auferstehungsmesse und Prozession von den Familien gegessen. Man kann gesegnete Kuchen und Eier sogar am Buffet des Hotels finden.


Segen der Lebensmittel im Freilichtsmuseum von Lemberg, 11. April 2015.


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Die Leute beginnt sich in der orthodoxen Kirche um halb zwölf zu versammeln. Sie verbreiten Teppiche auf den Steinboden, und verteilen die Prozessionsfahnen. Die Zeremonie beginnt kurz vor Mitternacht am heiligen Grab, wo der Schleier mit der Darstellung des toten Christus wird bald aufgehoben, und hinter der Ikonostase gebracht. Um Mitternacht verkünden sie inmitten großes Jubels die Auferstehung Christi, und eine Prozession läuft ab durch die Straßen von Lemberg. Wir kehren zum Haupteingang zurück, der nur einmal im Jahr – genau jetzt – geöffnet ist auf Antrag des Patriarchen, der die gute Nachricht bringt. Wir fahren zu Hause um ein Uhr, aber auf dem lokalen TV kann ich sehen, dass die Messe dauert bis vier Uhr morgens.


Orthodoxe Prozession und Auferstehungshymne, Lemberg, 11. April 2015.

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Armenisches Ostern


Das Licht strömt in Strahlen in die armenische Kathedrale von Lemberg. Die Kirche wurde 1362 von Armenier aus dem Krim nach dem Vorbild der mittelalterlischen armenischen Kirchen etwa dreitausend Kilometer vom alten Armenien gegründet, seine Wände sind von Jugendstilfresken in der Art von Klimt auf der Bestellung des armenisch-katholischen Erzbischofs Józef Teodorowicz vom in Russland geborenen und in Frankreich emigrierten polnischen Freiheitskämpfer und jüdischen Maler Jan Henryk de Rosen ausgeschmückt. Dies ist Lemberg.

Die Enthauptung Johannes des Täufers, Detail

Ein schöner Mann mit einem klugen Lächeln tretet an uns heran. „Wir Armenier feiern Ostern nicht jetzt, sondern eine Woche zuvor, wie Sie. Allerdings singe ich Ihnen ein von unseren Osterliedern. Es handelt vom Licht, das in die Dunkelheit des Grabes eindringt. So wie jetzt in die Kirche.“



Tadeos Gevorgyan, Lemberg

Am Ende des Gesanges zeigt er eine CD. „Armenische Liturgie, eine Aufnahme unseres Kirchenchors. Die Soli sind vom Dekan der Kirche, ein Mitglied der Oper gesungen.“ „Um nicht unbescheiden zu sein“, fügt er mit einem schelmischen Lächeln hinzu. „Und wir werden auch morgen während der Messe singen, kommen Sie und hören Sie zu.“

Später, im Gespräch über die armenische Gemeinschaft von Lemberg reflektiert er auf seine Vorstellung: „Ich bin oft hier, um mit den Besuchern zu sprechen. Ich finde es wichtig, dies zu tun, damit sie eine Beziehung zu unserer Gemeinde und unserer Kirche haben.“

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Weißes Ostern

Fröhliches Ostern! („Weißes Ostern in Rußland“, 1942. Aus der Sammlung von János Fellner)

Das Land der vergessenen Lieder


Reiters in traumhaften Landschaften, Menschen, die einen Ochsen zur Kirchentor führen, mit brennenden Kerzen auf seinen Hörnern, junge Mädchen singen alte Lieder mit nach innen gerichteten Blick. Und Türme überall, in Gruppen oder allein, geschlossene, dunkle Türme. Aaron Huey kommt seit sechszehn Jahren zu Swanetien zurück, seit dreizehn Jahren fotografiert er diese Region. Zehn seiner Fotos wurden in der Ausgabe von Oktober 2014 der National Geographic als Illustrationen zum schönen Essay Brook Larmers über Swanetien, aber in seinem Portfolio hat er fünf Mal mehr.


Chanters of St. Panteleimon: Aslanuri Mravaljmier. Begrüßungssong

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„Im Laufe der Geschichte wüteten Araber, Mongolen, Perser und Osmanen in Georgien, einer Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Die Heimat der Swanen jedoch, ein schmaler Streifen Land in den Schluchten des Kaukasus, blieb unbesiegt, bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Russen die Kontrolle übernahmen. Die Abgeschiedenheit hat Swanetiens Kultur geprägt und ihm seine historische Bedeutung gegeben. Wenn im Tiefland Gefahr drohte, schickten die Menschen ihre Ikonen und Preziosen zur Verwahrung hinauf in die Bergkirchen, die selbst reich ausgestattet waren. Swanetien wurde zur Schatzkammer Georgiens.

Vor allem aber bewahrten sie hinter dem Schutzwall der Berge eine noch viel ältere Kultur: ihre eigene. Schon im 1. Jahrhundert v. Chr. beschrieb der griechische Geograph Strabon die Swanen, die manche für die Nachkommen sumerischer Sklaven halten, als unerschrockene Krieger. Als sie im 5. oder 6. Jahrhundert erstmals mit dem Christentum in Berührung kamen, war ihre Identität schon fest geformt – mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Musik und einem komplizierten Kodex von Ritterlichkeit, Rache und Gemeinschaftsjustiz.

Die schmucklosen Häuser der Dörfer Oberswanetiens ducken sich im Schatten von insgesamt 200 steinernen Wehrtürmen. Diese Bergfriede, zumeist zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert gebaut, sind das sichtbarste Zeichen einer lebenden Kultur, die auf wundersame Weise die Zeiten überdauert hat. In diesen Dörfern, die zu den höchstgelegenen und einsamsten im Kaukasus zählen, haben die Menschen ihre Traditionen genauso verbissen verteidigt wie ihre jeweilige Familienehre. »Swanetien ist ein lebendes Volkskundemuseum«, sagt Richard Bærug, ein norwegischer Akademiker und Hotelbesitzer, der sich um den Erhalt des Swanischen bemüht, einer schriftlosen Sprache. »Nirgendwo sonst gibt es einen Ort, wo noch die Bräuche und Rituale des europäischen Mittelalters gepflegt werden.«“



Zedashe Ensemble: Raidio. Song für Stieropfer


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„Kaldani steht für das Überleben der swanischen Kultur – und auch dafür, wie bedroht sie ist. Der alte Mann ist einer der Letzten, die noch fließend Swanisch sprechen. Er ist auch einer der letzten Dorfschlichter, die bei Streitigkeiten gerufen werden, vom Diebstahl bis zur Blutrache. In Swanetien galt einst die Pflicht zur Verteidigung der Familienehre. Es gab so viele Dauerfehden, dass Experten davon ausgehen, dass die Wehrtürme nicht nur zum Schutz vor Angreifern und Lawinen gebaut wurden.

In den Wirren nach dem Zerfall der Sowjetunion lebte die Blutrache verstärkt wieder auf. »Ich hatte keine ruhige Minute mehr«, erzählt Kaldani. Meist handelte er einen Blutpreis aus (20 Kühe für einen Mord), und manchmal ließ er die Familien, die sich bekriegten, auch in der Kirche auf eine Ikone schwören und aneinander ein Taufritual vollziehen. »Das sorgt dafür, dass die nächsten zwölf Generationen keine Fehde mehr anfachen werden.«“



Mzetamze Ensemble: Iavnana. Heilsong


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„Das Lied von Liebe und Rache beginnt leise, nur eine Stimme folgt der uralten Melodie. Andere fallen ein, und eine dichte Folge aus Harmonien und Gegenmelodien baut sich auf, wird immer intensiver, bis sie sich in einer einzigen Note von absoluter Klarheit auflöst. Es ist eine der ältesten polyphonen Musiken der Welt, eine komplexe Form, die aus zwei oder mehr gleichzeitigen Melodielinien besteht und um Jahrhunderte älter ist als das Christentum in Swanetien. Doch an diesem Herbstnachmittag ist niemand in dem ungeheizten Raum älter als 25.

Als die Probe vorbei ist, strömen die Musiker hinaus auf den Stadtplatz von Mestia, lachen, werfen einander Luftküsse zu – und tippen auf ihrem Mobiltelefon herum. »Wir sind alle bei Facebook«, sagt die 14-jährige Mariam Arghwliani, die im Jugendensemble »Laguscheda« antike Saiteninstrumente spielt, darunter eine L-förmige swanische Holzharfe. »Aber das heißt noch lange nicht, dass wir unsere Tradition vergessen.« Trotzdem wäre ihr Talent vielleicht untergegangen, wäre da nicht das Jugendprogramm gewesen, das der charismatische Kulturaktivist Pater Giorgi Tschartolani vor 13 Jahren auf den Weg brachte.

Tschartolani sitzt auf dem Friedhof seiner Kirche und erinnert sich an die postsowjetische Zeit, als die nach sieben Jahrzehnten kommunistischer Unterdrückung ohnehin geschwächte Kultur Swanetiens erneut in Gefahr geriet. »Das Leben war brutal«, sagt er und streicht über seinen langen Bart. Der Priester nickt in Richtung der Grabsteine; auf einigen sind Bilder der Männer eingraviert, die bei Fehden getötet wurden. »Die Dörfer starben aus, und unsere Kultur verschwand allmählich. Etwas musste geschehen.« Sein Programm, in dem Hunderte Schüler und Schülerinnen traditionelle Musik und Tanz lernen, war »ein Licht in der Dunkelheit«“.


Das Lagusheda Ensemble in Stary Sącz, Poland, am 1. Juni 2014

In dem von der National Geographic zusammengestellten Video spricht Aaron Huey über wie er Swanetien als Student und Backpacker kennenlernte, wie er bei einer Familie blieb, die ihn „adoptierten“, und wie er sich in dieses Land und diese Menschen verliebte, damit er in der Lage geworden ist, solche intime Bilder von ihnen zu machen.


„Das erste Mal, als ich nach Swanetien fuhr, habe ich nicht geplant, nach Swanetien zu fahren. Ich war auch kein Fotograf noch, ich war nur ein Backpacker. Aber dies war die Geschichte, die mich einen Fotograf gemacht hat. Ich traf einen deutschen Sprachwissenschaftler, der mir von einem Ort erzählt hat, wo die Leute noch eine Sprache sprechen, die nie geschrieben worden war, und der von 4-5 Tausende Meter hoch Gipfeln umgeben war. So hat mir dieser deutsche Sprachwissenschaftler eine Karte auf einer Serviette gezeichnet, die ich in mein Tagebuch eingezeichnet habe, und am nächsten Morgen setzte ich mich auf den Weg. Auf dem langen Busfahrt in die Berge, nach etwa zwei Stunden drehte sich eine Frau um, und sagte: „Wohin gehst du?“ Ich sagte ihr, dass wenn das Bus am Ende der Straße anhaltet, wird ich ablagern. „Nein, Kind. Bitte tu das nicht.“ Und sie nahm mich mit ihr, und sie nahm mich zu einer Hochzeit.

Diese Geschichten sind nicht nur darum, hübsche Fotos zu machen. Wir erzählen die Geschichten eines ganzen Volkes. Also, wenn wir die Geschichte recht erzählen, wir erhalten diese Dinge. Das ist unsere Aufgabe, diese Poesie zu bewahren. So viele Menschen haben noch nie von Swanetien, dieser Region von Georgien, und dieses Volk, die Swanen gehört, vielleicht ist dies das einzige, was sie jemals über dieses Volk lesen werden. Und ich denke, das ist es, was ich jetzt in allen meinen Projekten suche.“