Verlassend die Stadt von Alaverdi, die seit undenklichen Zeiten die gesamte Region mit Kupfer aus seinen unerschöpflichen Gruben versah, und die Brücke aus dem 12. Jahrhundert überquerend, auf dessen Balustraden vier steinernen Katzen schlummern in der Sonne, der steile Bergpfad wird schließlich Kloster Sanahin leiten. Über das Tal hinaus ist das Kloster von Haghpat sichtbar, und die beiden stehen auf gegenüberliegenden Seiten eines Nebentals des Debet-Flusses, der durch Armeniens nördlicher Provinz von Lori fließt. Laut Wikipedia bedeutet der Name „sanahin“ soviel wie „dies ist älter als das“, mit scheinbarem Hinweis auf seinen nahe gelegenen Rivalen.
Es ist fast ein Jahr her, dass ich erst dort war, ein paar Stunden nach einem Spätwinter-Schneefall. Die Luft war frisch und kühl, und in der Nachmittagssonne tropfte das Wasser reichlich von den Ästen, die durch ihren schnell zerfallenden Gewicht noch stark verbeugten. Wie ich es oft beim Besuch ungewohnter Orten tue, habe ich eine Tonaufnahme dieser Atmosphäre gemacht.
Ich freue mich zu sagen, dass die Aufnahme auf die Liste der „Best Winter Music von 2016“ der Website A Closer Listen aufgenommen wurde
„Die Filecasts von nula gehören zu den geheimnisvollsten online. Regelmäßig veröffentlicht er Fieldaufnahmen, die Zeit und Ort mit besonderem Kraft wachrufen. Diese kommt aus dem armenischen Kloster von Sanahin, wo „die späte Winterschnee ist nass und schwer, und sie trieft ergiebig in der Nachmittagssonne“. Die Aufnahme erinnert daran, dass der Wechsel der Jahreszeiten auch eine spirituelle Veränderung wiederspiegeln kann, wo die schwere Belastung leichter wird, die Herzen sind geschmolzen, und die Augen wenden sich wieder der Sonne. Auch von Interesse ist nulas neueste Komposition, cold fire.“
Musik des Winters in Sanahin. Aufnahme von Lloyd Dunn, Februar 2016 (11'10")
Die wenigen Häuser von Öræfi sehen nach diese zum Meer hin offene Ebene
Jetzt sehen wir sie wie sie ist. Wir können uns aber die Torfkirche (Hofskirkja) der kleinen Gemeinde Öræfi im Süden von Island auch vorstellen als ein einfaches Bauernhaus, ein Ort der Zuflucht und des notwendigen Rückzugs mit einem Blick auf die desolate Wiesen entlang des Meeres. Man begrabt hier auch die Toten, unter einem unfreundlichen Erde und nach einem Leben harter Arbeit. Dieser Bereich war immer vom Rest der Insel getrennt, weil auf der benachbarten, leicht überfluteten Ebene war die Aufenthaltung jeglicher Straße unmöglich. Die steilen Felsen hinter der Kirche haben alle Alternative der Annäherung des Dorfes ausgeschlossen. Nun, als die Island-Ring ist vollständig und sicher, kann Öræfi aus Reykjavik in einem Atemzug erreicht werden.
Das Leben auf dem Bauernhof hat sich kaum verändert, seit die heutige Kirche zwischen 1883 und 1885 gebaut wurde. Sie wurde sicherlich über einer anderen errichtet, deren älteste schriftliche Erwähnung aus 1343 stammt. Das Gebäude in seiner jetzigen Form wurde aus ein Meter lang und 5-10 cm großen Blöcke von Strengur, Torf gebaut. Sie gehört zu einer Zeit, wenn diese Art in der ganzen Island weit verbreitet war. Die wenigen überlebenden Exemplare brauchen dringend Herstellung, wenn auch nur als Zeugnis einer weit entfernten Vergangenheit. Und natürlich damit sie in die die Insel nährende Touristindustrie integriert werden.
Allerdings scheint es, dass der Versuch, diese Gebäude als Teile des Welterbes zu schützen, wird zu ihrem Ende bringen. Ihr Baustoff ist sehr instabil – in der Tat, es ist lebendiges Material –, und sie erfordern ständige Aufmerksamkeit und schnelle Erneuerung. Die konservative Kulturpolitik dieser Gebäude, als ob sie mittelalterliche Gemälde wären, wo man den genauen Pinselstrich des Malers bewahren muss, hat dazu geführt, dass die wenigen traditionellen Meister, die immer noch mit diesen Techniken bauen, verweigern jede aktive Zusammenarbeit in ihrer Aufenthaltung. Sie beschweren, dass man von ihnen erfordert, sogar die Blöcke zu nummerieren und nach jedem Eingriff an ihre ursprünglichen Plätze zurückzusetzen. Für sie ist das Gebäude kein endgültig bestimmtes Wesen, sondern ein lebendiger Organismus, der durch Regeneration und nötigenfalls vollständige Erneuerung überleben muss, wie die Natur erneuert und explodiert sich in dieser vulkanischen Insel jedes Jahr nach dem Eis des Winters.
Rund um die Kirche gibt es ganze Generationen von anonymen Gräbern, weichen Erdhügel. Auf einigen hat man die Kreuze erneuert, und die Plaques mit den Namen und Daten sind gut lesbar. Und es gibt auch einige, die wirklich jünger sind. Unter dem mehrere Monate lang dauernden kalten Eispanzer der Oberfläche erneuert sich das Land von Island jedes Jahr. Im Frühling sieht man wieder überall die vulkanischen Wurzeln der Insel. In diesem Friedhof ist es nicht schwer, die surrealistisch sentimentalische Dichtung der uruguayischen Juana de Ibarbourou nachzufühlen:
Amante: no me lleves, si muero, al camposanto.
A flor de tierra abre mi fosa, junto al riente
alboroto divino de alguna pajarera
o junto a la encantada charla de alguna fuente.
A flor de tierra, amante. Casi sobre la tierra,
donde el sol me caliente los huesos, y mis ojos,
alargados en tallos, suban a ver de nuevo
la lámpara salvaje de los ocasos rojos.
A flor de tierra, amante. Que el tránsito así sea
más breve. Yo presiento
la lucha de mi carne por volver hacia arriba,
por sentir en sus átomos la frescura del viento.
Yo sé que acaso nunca allá abajo mis manos
podrán estarse quietas.
Que siempre como topos arañarán la tierra
en medio de las sombras estrujadas y prietas.
Arrójame semillas. Yo quiero que se enraícen
en la greda amarilla de mis huesos menguados.
¡Por la parda escalera de las raíces vivas
Yo subiré a mirarte en los lirios morados!
Nimm mich nicht in den Friedhof, mein Liebe,
wenn ich sterbe, auf der Oberfläche öfne mir das Grab
neben dem göttlichen Treiben einer Voliere
oder der verzauberten Plauderei einer Quelle.
Auf der Oberfläche, mein Liebe. Fast darüber,
damit die Sonne meine Knochen wärmt, und die Augen
mit verlängerten Stielen kommen wieder zu sehen
die wilden Blitzen der roten Sonnenuntergänge.
Auf der Oberfläche, mein Liebe. Damit der Übergang
kürzer seie. Ich ahne den Kampf meines Leibes vor,
wieder an die Oberfläche zu kommen,
um die Frische des Windes in seinen Atomen zu fühlen.
Ich weiß, dass dort unten können meine Hände
nie still bleiben: wie Maulwürfe
gehen sie herum, die Erde kratzend
zwischen depressiven und schmalen Schatten.
Wirf Samen auf mich. Damit sie sich einwurzeln
im gelben Ton meiner sich auflösenden Knochen.
So entlang der braunen Leiter der lebenden Wurzeln
komme ich auf, dich in den Lilien zu schauen.
Die himmlische Sonne sank in den Nest des Ozeans (Iceland’s Folksong Heritage. Vom Album Classic Collection von Bjarni Dorsteinsson)
Die Straße, die bei Zestaponi von der Tbilisi-Hauptstraße nach Chiatura abbiegt, verläuft entlang einer Hügelkette, die sich zwischen den Buja- und Kvirila-Flüssen steigt. Sanfte Hängen auf beiden Seiten, die gelb-grüne und rostbraune Streifen der nassen Wiesen und Feldern dampfen in der Sonnen nach zwei Tagen des Regens.
Nach der Abzweigung nach Dilikauri, die tiefe Schlucht der Kvirila erscheint plötzlich auf der rechten Seite. Dahinter, steile Hügen mit kleinen Dörfern und Kirchen auf ihren Gipfeln, wie in Umbrien. Und als die Straße ansteigt, wird das Panorama des Tales mehr und mehr dramatisch.
Vor Katskhi führt die Straße um eine breite Biegung des Katskhura-Bachs, der in die Kvirila fließt. Als ob wir entlang dem Rand eines Kraters mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern vorwärtsgingen, man kann das Ganze von jedem Punkt sehen. Zu Beginn der Biegung ein Denkmal, das Grab eines im südossetischen Krieg von 2008 gefallenen Helden wacht über das Tal. In einer ordentlichen Reihe hochkant gestellte Trinkgläser stehen auf dem Stein, und die aus Altmetall geschweißte Tisch laden uns ein, zu stoppen, um zu seinem Gedächtnis zu trinken, und zu versuchen, in der Ferne, irgendwo um die Mitte des Kraters, die vor den Kalksteinwände der Schlucht allein stehende Katskhi-Säule auszumachen.
Der vierzig Meter hohe Kalksteinmonolith hat die religiöse Vorstellungskraft seit Beginn des Christentums in Georgien fasziniert. Ein besonders verehrtes Objekt der georgischen Christen ist die Heilige Säule der Kathedrale von Mzcheta, die vom über dem Mantel von Christ gewachsenen Baum geschnitzt wurde, und die Katskhi-Säule wurde als sein von Gott geschaffenenen Steingegenstück betrachtet. Im 10. Jahrhundert wurde eine Einsiedelei an seiner Oberseite gebaut, die in den 1990er Jahren restauriert wurde. Es war dann, das Vater Maxim aus Chiatura hierher zog, und seitdem lebt er hier als ein moderner Stylit. Ein kleines Kloster wurde am Fuß der Säule errichtet, wo jetzt zehn bis fünfzehn junge Mönche leben.
Die Säule erscheint zum ersten Mal, als wir die Brücke der Katskhura erreichen. Unterhalb, entlang des Flusses sehen wir die Reste einer ehemaligen Trafo, um der Schafen beweiden. Nach ein paar Kurven eine schwierige Piste führt in die Richtung des Klosters. Ein geräumiges Feld öffnet zwischen den Klippen, mit einer herrlicher Aussicht auf die Säule und die Umgebung, bereits am Höhepunkt der goldenen Stunde.
Wir kommen zum Kloster kurz vom Feierabend, die letzten russischen Besucher fotografieren sich gegenseitig vor der Säule. Wir sind die Einzigen, die noch auf dem Hof verweilen. Ein bißchen weiter, vor dem Wohnbereich sitzt eine kleine Gruppe von jungen Mönche in Kreis, zusammen mit Vater Maxim. In der Mitte spielt ein zehnjähriger Junge, Rezo, auf Panduri, die georgische dreisaitige Laute, während der ältere Priest neben ihm singt dazu. Man bietet uns ein Stuhl und ein Glas Wein an. Es ist der Geburtstag des Dorfpriesters, und er ist aufgekommen, um den zusammen mit den Mönchen zu feiern. Er hat auch fünf Katecheten mitgebracht, junge Menschen mit schönen, reinen Gesichtern und Augen. Der jüngste, der bereits erwähnte Rezo spielt ganz gut auf dem Panduri, georgische Volkslieder, alte Chansons, zeitgenössische Popmusik. Jemand hebt sein Glas, sagt einen Toast, dann der Priest antwortet darauf. Obwohl nicht klar ist, was er sagt, von den funkelnden Augen und dem Lachen verstehen wir, dass sie in geistreicher Sclagfertigkeit tätig sind. Die Antwort wird durch ein Lied gefolgt, während die Gläser wieder aufgefüllt werden.
Toast und Lied. Aufzeichnung von Lloyd Dunn
Im Licht der untergehenden Sonne formt der Wind fantastische Wolkenzeichnungen über der Säule. Vater Maxim berührt sanft den Arm von Lloyd, und zeigt nach oben in den Himmel, als ob ihn zu bitten, seine Schönheit zu bewundern.
Toast und Lied. Aufzeichnung von Lloyd Dunn
Die Sonne ist schon hinter den Bergen gesetzt, wenn die Feier endet. Wir sagen Danke für die Gastfreundschaft, und nach dem Brauch der georgischen Männer umarmen uns und küssen uns gegenseitig auf die Wange. Die Mönche begleiten uns zum Tor. Wir sehen ihre vor dem Kloster stehenden magere, schwarze Figuren bis sie an der nächsten Kurve aus unserer Sicht verschwinden.
„In der neurotischen, abgehetzten Europa blieb Portugal eine Ecke der Anziehung und Charme. […] Der Humanismus der Portugiesischen […] lebt in Harmonie mit ihrer christlichen Tradition und Toleranz. Im Allgemeinen zeigt die Eleganz ihrer Denk- und Ausdrucksweise – unabhängig von der sozialen Klasse – die am besten mit dem Wort „großzügig“ beschrieben werden kann, diesen glücklichen Unterschied zu den meuternden und brutalen Gesellschaften anderen Länder.“
Diese portuguiesischen Könige waren ziemlich seltsame Figuren. Wie könnte es anders sein, wenn auch der erste von ihnenungarisch war? Zum Beispiel konnten sie etwas so ungewöhnliches an der Wende des 13. und 14. Jahrhunderts, wie das Lesen, und einer von ihnen ging sogar noch weiter. Don Dinis hat schreiben gelernt, was in jener Zeit sehr gering geschätzt war. Er schrieb wunderbare Ritters- und Liebeslieder, cantigas im alten Portugiesen, er übersetzte aus anderen Sprachen, und er setzte die Gesta seines Großvaters Alfonso el Sabio, der weise König von Kastilien zusammen. Auch Alfonso war eine seltsame Figur. Vor und zusammen mit Rudolf von Habsburg war er auch König von Deutschland, und er begann den kastilischen Dialekt zu standardisieren.
Und Don Dinis Enkel, einer der Helden unserer Geschichte, Pedro, liebte. Er liebte und immer noch liebt – das Präsens ist kein Fehler, als sie bald verstehen – eine Frau, wie niemand sonst in dieser Welt, und diese LIebe veranlasste ihn zu solchen Dingen, erhob ihn so hoch und ließ ihn so niedrig fallen, wie vielleicht keinen sonst in dieser Welt. Die wahre Geschichte dieser Liebe, als ob es ein Shakespeare-Stück wäre, zeigt gleichzeitig die Wunder, das Güte und die dunklen Tiefen des menschlichen Herzens, und ist immer noch im portugiesischen Geist, Metaphern und täglichen Sprache vorhanden.
Der Frühlingshimmel über Portugal ist wunderbar blau. Es konnte nicht anders sein im Jahre 1340, als eine neue, sorgfältig geplante dynastische Ehe zwischen Pedro, dem Kronprinzen von Portugal, und der kastilischen Prinzessin Constança vorbereitet wurde. Die erste Ehe des Kronprinzen war nicht erfolgreich. In Ermangelung eines mit Spannung erwarteten Nachfolgers schied sich Pedro von seiner Frau, der kastilischen und aragonischen Prinzess Branca. Die neue Erwählte, Prinzess Constança schien eine perfekte Partie aus allen persönlichen und politischen Aspekten.
In der Delegation war auch Inês de Castro, eine kastilische edle Hofdame, die nach zeitgenössischen Memoiren eine herrlich schöne, attraktive und nette Person war, so dass der helle blaue Himmel hatte nicht vieles zu tun, damit der Kronprinz sich mit ihr verrückt verliebte, und seine Gefühle erwidert werden seien. Die Ehe mit Constança wurde im August geschlossen. Auch Inês blieb am Hofe.
Inês de Castro. Die spanische Frau, die nach ihrem Tod herrschte, 1944. Regie Leitão de Barros. Hauptdarsteller Alicia Palacios, Antonio Vilar und María Pradera
Damals war die Einrichtung der königlichen und fürstlichen Liebhaber üblich, und in späteren Zeiten war es sogar eine Ehre, des Königs Geliebte zu sein. Es war jedoch ziemlich ungewönlich, dass zwei Menschen sich so sehr liebten, zum Erstaunen, Eifersucht, Neid und Zorn ihrer Umgebung. König Alfonso hat Inês bald aus dem Hof gejagt, aber die Beziehung des Paares wurde nie unterbrochen.
1345 wurde Ferdinand, der spätere Don Fernando geboren, und Prinzess Constança starb sehr jung, im Alter von fünfundzwanzig oder dreißig. Pedro ließ seine Geliebte zurückbringen. Er setzte sie im Kloster Santa Clara von Coimbra, und sie lebten ganz offen und glücklich zusammen. Sie hatten drei Söhne und eine Tochter. 1345 wahrscheinlich heiratete er sie in Geheim.
Alcobaça, Januar 2015
Ihr Glück konnte jedoch nicht erfüllt werden. Unzählige Variationen können darüber gelesen werden, was den Haß gegen das Paar so verstärkte, von der Stärkung des kastilischen Einflusses zum Umkippen der Thronfolgenordnung. Ich selbst denke, dass der Hass der wichtigste Bewegungskraft war: der Hof konnte die Harmonie von zwei glücklicher Menschen nicht ertragen. Dieser Haß brachte ihre Frucht. Don Alfonso nahm den – falschen – Vorwurf des Hochverrats gegen Inês an, und verurteilte sie zum Tode. Pedro, der des Ausmasses des Hasses bewusst war, aus ganz unerklärlichen Gründen nahm keine Vorsichtsmaßnahme, auch nachdem er von der Gefahr gewarnt wurde. So am 7. Januar 1355, heute vor 661 Jahre, als er an die Jagd ging, war es leicht drei „edlen“ Herren, Pêro Coelho, Álvaro Gonçalves und Diogo Lopes Pacheco, die fünfundzwanzig oder dreißig Jahre alt Inês zu entführen, und sie in Coimbra, im Garten der Lärme, in Gegenwart von Don Alfonso zu ermorden.
Eugénie Servières: Inês de Castro bittet um Gnade an den Füßen von König Alfonso, 1822
Karl Briullov: Tod von Inês de Castro, 1834
Was Pedro auf die Nachricht gefühlt haben sollte, ist von seinen späteren Taten offensichtlich. Er verursachte fast einen Bürgerkrieg gegen seinen Vater, und nur durch die Intervention des Erzbischofs von Braga versöhnte er mit dem wahrscheinlich unheilbar kranken Don Alfonso, der 1357 starb. Don Pedro bestieg den Thron, und von da an können wir in jedem seiner Taten die Rache eines Mannes erkennen, der vom Schmerzen fast den Verstand verloren hatte.
Die drei Mörder spürten die Gefahr in guter Zeit, und fliehen nach Kastilien Pedro konnte jedoch erreichen, dass 1361 der kastilische Monarch ihm zwei von ihnen, Coelho und Gonçalves ausgeliefert hat. Ein schreckliches Schicksal erwartete auf sie.
Ausschnitt aus dem Film Inês de Castro, 1944. Regie Leitão de Barros
Der König verkündete seine heimliche Ehe mit Inês, und anschließend erklärte sie Königin von Portugal. Er ließ ihre Leiche ausgraben, kleidete sie in königlichen Insignien, und ließ sie auf dem Thron sitzen.
Ausschnitt aus dem Film Inês de Castro, 1944. Regie Leitão de Barros. In der Rolle des Don Pedro, Antonio Vilar
Die Mörder mussten vor dem Skelett erscheinen, Knie biegen, und die Hände küssen. Dan ließ sie Pedro nach Porto bringen, wo er ihre Herzen öffentlich herausrissen ließ.
Pierre-Charles Comte, Die Krönung der toten Inês de Castro, 1849
Während seiner Regierungszeit trug Pedro Sorge für sein Volk, und legte die Grundsteine für alle, was ein paar Jahre später die jahrhundertelange See- und Weltmacht Portugals darstellte. Allerdings kompensierte er den Horror mit anderen Horroren, Grausamkeiten, Verstöße gegen Recht, und Gewalt, und nach den Memoiren fand er oft Zuflucht in wilden Partys und Orgien.
Und doch am Ende seines zerstörten Lebens tat er zwei Dinge, die nicht ohne Rührung erzählt werden können. Der dritte, entgangene Mörder, Diogo Lopes Pacheco bat um Gnade. Er muss wohl von der saúdade geplagt werden, der die in Portugal lebenden verjagt, und diejenige, die weit von ihrem Heimat leben, wiederruft. Und Pedro begnadigte ihn. 1365 wurde Diogo Lopes genehmigt, nach Portugal zurückzukehren. Er lebte noch dreißig Jahre, überlebte alle Akteure dieser Geschichte. Er wird ein Diplomat im Dienst von Don Fernando sein, greift er wieder in der Ehe des Königs ein, soll er wieder auswandern, ist er wieder begnadigt, er kann wieder zurückkehren…
Grab von Inês de Castro, Alcobaça
Für den Portugiesen ist es natürlich, dass der Körper auferstehen wird. Man kann nicht ohne Rührung in den Gruften, neben den Särgen diejenige praktischen oder geliebten Alltagsgegenstände sehen, die wichtig für dem Verstorbenen waren, und die er oder sie wird mit Sicherheit bei der Auferstehung benötigen. Pedro, der im Alter von nur 47 das Ende seines irdischen Lebens erfasste, hat seine letzte Ruhestätte im Kloster von Alcobaça angewiesen, der seit 1178 im Bau fand. Er wollte gegenüber seiner Geliebten ruhen, „solange die Welt dreht“, damit bei der Auferstehung wäre Inês de Costa die erste, die er erblickt werde.
Sein Wille wurde erfüllt, und die beiden Sarkophage stehen unbeweglich gegeneinander seit 650 Jahren, als eines der wichtigsten Denkmäler des Landes, wo es seit ein tausend Jahren keinen wichtigen Krieg gab, und wo Millionen und Millionen von materiellen und geistigen Denkmäler die lebendige GEgenwart mit der lebendigen Vergangenheit verbinden. Solange die Welt dreht.
Im Januar war ich zum ersten Mal im Kloster, als ich bereits die Geschichte des Paares kennte. Die Sonne strahlte, der Himmel war unglaublich tiefblau, und es blühten die ersten Blumen.
Man feierte noch die Messe im Kloster, also mussten wir eine Stunde warten, bevor wir in der Nähe der beiden Sarkophage hinter dem Hauptaltar eingehen könnten. Alles wurde lebendig, und ich verstand und fühlte sofort, wie Pedro diese Frau liebte und immer noch liebt. Die Barriere ließen mir nicht in der Wirklichkeit, nur im Gedanken, die beiden Sarkophage zu streicheln. Sei es so: die beiden Säre werden sich öffnen, und das glückliche Paar wird sich wiedersehen, denn sie haben sich unaufhörlich geliebt – solange wie die Welt dreht…