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Der hebräische Seemann


Pola ist eine charmante Kleinstadt auf der istrischen Halbinsel, in der tiefen Bucht der Adria. Sie hat ein römisches Amphitheater und ein Siegestor, einen mittelalterlichen Hauptplatz und ein Renaissance-Rathaus, eine venezianische Festung, eine Markthalle aus der Zeit der Monarchie, und ein permanent geschlossenes archäologisches Museum. Und vor hundert Jahren hatte sie auch einen Militärhafen.

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Die Karte von Pola aus dem Baedeker Österreich-Ungarns von 1910. In hoher Auflösung hier. Durch einen Klick auf einen beliebigen Punkt können Sie die alten Postkarten durchblättern.

Die österreichische Marine wahlte 1859 den Hafen von Pola als ihre Hauptbasis und das Zentrum des Schiffbaus aus. So blieb es bis zum 31. Oktober 1918, dem letzten Tag des Krieges, wenn einige von D’Annunzio inspirierten italienischen Offiziere führten die spektakulärste Heldentat der italienischen Marine aus, und sprengten in die Luft im Hafen von Pola das Kriegsschiff Viribus Unitis, das Flaggschiff der Monarchie. Der einzige Schönheitsfehler des Unternehmens war, dass die Helden wussten nicht, dass der Krieg schon vorbei war, und das Schiff dem neu gegründeten südslawischen Staat übergeben geworden war, dessen vierhundert Schiffsmänner bei der Explosion starben.

Dies zeigt auch, dass die Mannschaft der Flotte immer multi-ethnisch war, wie die Monarchie selbst. Heute fühlen insbesondere die Tschechen eine Sehnsucht nach das erste und letzte Meer ihrer Geschichte – wenn wir dasjenige nicht zählen, das Shakespeare gab ihnen –, und im letzten Jahr gedachten sie mit einer großen Ausstellung und einigen Memoiren der tschechischen und mährischen Schiffsleute der Monarchie, worüber wir bald berichten werden. Nach den Statistiken erfüllten sie und die Deutschen meist technische und organisatorische Aufgaben, die Mehrheit der Kanoniere waren ungarisch, während die Matrosen meist italienisch und kroatisch. Aber wir wissen auch über russinische, polnische und rumänische Schiffsleute, und um die Jahrhundertwende dienten auch vier jüdischen Seeoffizieren in Pola. Allerdings gab es nur einen hebräischen Seemann in der Monarchie: Aurél Göndör, der populäre Komiker von Budapest.



Aurél Göndör: Héber tengerész (Der hebräische Seemann), um 1909

Tudja rólam mindenki, hogy nem vagyok merész
Leider mégis vagyok én egy héber tengerész.
Tauli * lettem, be is hívtak engemet Pólába
S ott tartottak tengerésznek ebbe a gúnyába

Refr:
Hej, mondd Lipi, hitted-e, hogy tengerész leszel
Hogy életedben a hajón szolgálatot teszel
No de sebaj, nem busulok, sorsom bár nehéz:
Én vagyok az egyedűli Jordán-tengerész.

Hogyha már a kegyetlen sors engem idetett,
Ó, Jehova, hallgasd meg az én kérésemet:
Zsidó vagyok, vitorlázom sima Adrián,
Add meg nékem, Jordán vizén legyek kapitány.

Refr, azzal az utolsó sorral:
…én vagyok az egyedűli zsidó tengerész.

Hogyha járnak dühös szelek, s minden háborog
A hajó kész ringlispíl, amely forog-forog.
Én áthajlok a korláton, s mérgem kiadom
Fájó lelkem ott kóvályog zsidó piacon (?)

Refr:
…én vagyok az egyedűli Jordán-tengerész.

Én Istenem, hogy hiányzik a hajón a nő.
Éjjel csupa tűz a testem, és a fejem fő.
A tengertől ovakodjék Izráel szent népe:
Csak álmában áll előtte Vénusz asszonyképe.

Refr:
Lipi, Lipi, ne busulj, ha letelik időm
Hazamegyek, szabad leszek, lesz is szeretőm
Szőke-barna, mindenfajta, zsidó-keresztény,
Minden leány így kiált: Lipi derék legény!
Jeder weiß dass ich nicht abenteuerlich bin,
Leider bin ich trotzdem ein hebräischer Seemann.
Ich war tauli, * also wurde ich in Pola gebracht,
und dort als Seemann in dieser Uniform gehalten.

Refrain:
Hei, Lipi, hast du jemals gedacht, ein Seemann zu sein?
dass du jemals auf einem Schiff dienen werdest?
Es mach nichts, auch wenn dein Schicksal ist schwer:
Ich bin der einzige Jordan-Seemann.

Wenn der grausame Schicksal mich einmal hier brachte,
ach, Jehova, höre meine Bitte:
Ich bin ein Jude, ich segele auf der glatten Adria,
lass mich aber einmal Kapitän auf dem Jordan sein.

Refrain, mit dem letzten Vers:
…Ich bin der einzige jüdische Seemann.

Wenn böse Winde kommen, und alles aufwirbeln,
ist das Schiff ein Karusell, das immer nur umdreht.
Ich beuge mich über das Geländer, ich gieße meinen Zorn aus,
und meine Seele irrt auf dem jüdischen Markt um.

Refrain:
…Ich bin der einzige Jordan-Seemann.

Ach mein Gott, wie vermisse ich die Frauen auf dem Schiff!
In der Nacht ist mein Körper und Kopf all Feuer.
Behüte sich das heilige Volk von Israel vom Meer
wo man sieht die schöne Venus nur in Träumen.

Refrain:
Lipi, Lipi, es macht nichts, deine Zeit wird vorbei sein
Ich gehe nach Hause, ich werde viele Liebhaber haben.
Blondinen, Brunetten, alle Art, Juden und Christen,
alle Mädchen schreien: Lipi ist ein tapferer Bursche!

Ich bin nicht ganz sicher, wie ich „Jordan-Seemann” schreiben soll. Es kann kein Volksname (”jordanische Seemann“) sowie „hebräisch“ und „jüdisch“ sein. Der Autor konnte offensichtlich nicht das jordanische Königreich im Auge haben, das erst 1946 unabhängig wurde, und mit dem er sich onehin nicht identifiziert hätte. Vielleicht stellt er sich lieber als Matrose auf dem Jordan dar, wie er es auch in seinem Gebet bittet. Dieser Hinweis zeigt die post quem des Liedes, die Jahrhundertwende, wenn sowohl der Zionismus als der Sänger ihre ersten großen Erfolgen erzielten. Und die Tatsache, dass er sein Verlangen nach christliche Frauen offen verkünden kann, zeigt auf eine traurige ante quem, die er glücklicherweise nicht erlebte. Er starb 1917, noch vor der Auflösung der österreichisch-ungarischen Pola.

Ist es vielleicht er, Aurél Göndör, am Ausgang in Pola? (Fortepan)

…und im Dienst?

Die um 1909 veröffentlichte Grammophonscheibe wurde zusammen mit vielen anderen Scheiben Auréls Göndör vom Gramofon Online digitisiert. Und jetzt das Ungarische Jüdische Museum und Archiv von Budapest feiert mit sie ihre Zentenarausstellung, die morgen, Samstag Abend um 20:155 geöffnet wird. Wir empfehlen den Besuch allen unseren Lesern. Mazel tov!


Rosa Postkarten 25



Absender: Károly Timó, 1. 1. Marschregiment
Addresse des Absenders: Martini Batallion Bányay Kompanie
Feldpost 350

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Addresse: An das geehrte Fräulein Antonia Zajác
III. Bezirk, Kis-Korona Straße 52.
Budapest





Vorige Postkarten (graue Punkte):

Galizien, 25 Juli 1915
Galizien, 14 Juli 1915
Galizien, 12 Juli 1915
Galizien, 6 Juli 1915
Galizien, 25 Juni 1915
Galizien, 10 Juni 1915
Debrecen, 5 Juni 1915
Budapest, 1 Juni 1915
Budapest, 1 März 1915
Budapest, 10 Februar 1915
Kecskemét, 30 Januar 1915
Dukla Pass, 11 Januar 1915
Felsőhunkóc, 4 Januar 1915
Sztropkó, 31 Dezember 1914
Budapest, 23 Dezember 1914
Budapest, 21 Dezember 1914
Budapest, 11 Dezember 1914
Budapest, 2 Dezember 1914
Budapest, 28 November 1914
Budapest, 27 November 1914
Budapest, 18 November 1914
Budapest, 27 Oktober 1914
Debrecen, 25 September 1914
Szerencs, 28 August 1914
Mein lieber Sohn2 August

Heute erhielte ich deine lang ersehnte Postkarte, worauf ich so lange wartete. Warum schreibst du so selten? Es scheint, dass du dich in Siófok wohl fühltest, da du mir von dort nicht einmal eine Karte gesendet hast. Aber das spielt keine Rolle. Ich hoffe, dass du es nachholen wirst. Die Hauptsache ist, dass du dich wohl fühlst. Ich bin immer noch gut, aber ich kann nicht warten, um dich zu sehen. Was ist mit deiner Mutter, ist sie gesund? Sind Veronka und Mariska wohl? Noch keine Nachricht über Feri?

Auch Stefán schrieb in dieser Woche, sie haben zu wenig Arbeit. Über Kozma und Béla gibt es keine Nachrichten. Sie haben seit langem auch an sie nicht geschrieben.

Ich habe keine andere Nachrichten.

Unzählige Umarmungen und Küsse von
Károly.

Grüße auch an die Daheimgebliebenen.

Schreib mir eine Menge



[Runde Zahl. Die fünfundzwanzigste Rosa Postkarte an die Adresse von Kiskorona Straße 52, in Óbuda, nordöstliche Budapest.

Die Straße existiert noch, doch hat die Zeit ihre unermündliche Arbeit auf sie vollendet.

Gehen wir denn zumindest im Gedanken zum Ort, in Kiskorona Straße, wohin die Rosa Postkarten adressiert wurden.

Ein Detail der Übersichtskarte von Budapest, 1:5000

Die Straße liegt auf der Bergseite der Lajos Straße, die parallel zum Ufer der Donau führt. Es verzweigt von ihr am Királydomb (Königshügel). Zuerst hieß sie Kronen Gasse, die später als Kiskorona (Kleine Krone) übersetzt wurde. Sie endete an der westlichen Seite des Heiligen Geistes-Platz, in Richtung Polgár Straße. In einigen Zeitaltern trug die ganze Straße oder ein Teil davon den Namen des Märtyrer Malers Adolf Fényes. (Die Königshügel war eine seltsame Formation. Ein nur wenige Meter hoch Hügel, mit schmalen Grundstücken und Häusern, die von seiner Mitte radial abliefen. Zwischen 1930 und 1941 haben die Ausgrabungen das unter ihnen zusammengebrochenen Soldaten-Amphitheater von Aquincum zur Oberfläche gebracht.)

Auch wenn diese Straße nicht so wichtig war wie Lajos Straße, die Hauptstraße von Óbuda, doch hatte sie eine Menge von kleinen Restaurants, Handwerksbetriebe, und die berühmte Goldberger Textilfabrik. Das Perc (Minute) Straße, die Kiskorona Straße überquerte, erhielt seinen Namen nach den Handwerkern aus der Nachbarschaft, die „Mister Minit“-s der Zeit.

Wie Ernő Zórád in seinen Aquarellen den ehemaligen Viertel Tabán in eine schöne, sonnige Hanglage mit krummen Gassen zauberte, so idealisierte Gábor Kássa Óbuda, und die ehemalige Kiskorona Straße in ihr.

Gábor Kássa: Die Kiskorona Straße

Über Nummer 52 haben wir kein Bild, nur über das dritte Haus daneben. Das am Foto von Kiskorona Straße 58 dargestellte Haus soll dem spurlos verschwundenen ähnlich sein. Warum sollte es anders aussehen?


Bis Ende der fünfziger und sechziger Jahre hatte sich diese Óbuda völlig heruntergekommen, so dass es sollte nicht zu viel Herzschmerz verursacht haben, sie zu zerstören. Die Bulldozer starteten. Nur eine Reserve von einer kleinen Hausgruppe blieb intakt um dem ehemaligen Korona-Platz. Das Bild unten darstellt das als Museum für Gaststättengewerbe renovierte Haus, sowie dasjenige daneben, in dessen Fenster der Schriftsteller Gyula Krúdy für sein berühmtes Foto posierte. Auf der rechten Seite sieht man den heutige Zivilklub von Óbuda, und weiter nach rechts, bereits das Foto verlassend, das Haus und Atelier von Gyula Knöpfler, der Fotograf der Straße, das zu ein Altenheim befördert wurde.

Der Korona-Platz vom Grundstück eines zerstörten Nebenwohnblocks gesehen

Heute sieht man in der Stelle der geraden Zahlen die unendlichen zehnstöckigen Wohnblocks, und der ungeraden Zahlen einige Ruinen. Im 14. Jahrhundert gründete hier Königin Elisabeth, die Witwe von König Karl Robert von Anjou und die Mutter von Ludwig der Große das Kloster der Armen Klarissen. Jetzt nur die kaum sichtbare Ruinen sind hier zu finden.

Auf dem kürzlich erhöhten Mauer stehend kann man sich irgendwo hinter den Bäumen das nicht vorhandene Haus, das Nonplusultra der Träume vorstellen.

P.S. Ja, ich weiß, dass dass Gerät auf dem Bild oben kein Bulldozer ist.]

Rosa Postkarten 24.


Absender: Károly Timó, 1. 1. Marschregiment
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III. Bezirk, Kis-Korona Straße 52.
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Vorige Postkarten (graue Punkte):

Galizien, 14 Juli 1915
Galizien, 12 Juli 1915
Galizien, 6 Juli 1915
Galizien, 25 Juni 1915
Galizien, 10 Juni 1915
Debrecen, 5 Juni 1915
Budapest, 1 Juni 1915
Budapest, 1 März 1915
Budapest, 10 Februar 1915
Kecskemét, 30 Januar 1915
Dukla Pass, 11 Januar 1915
Felsőhunkóc, 4 Januar 1915
Sztropkó, 31 Dezember 1914
Budapest, 23 Dezember 1914
Budapest, 21 Dezember 1914
Budapest, 11 Dezember 1914
Budapest, 2 Dezember 1914
Budapest, 28 November 1914
Budapest, 27 November 1914
Budapest, 18 November 1914
Budapest, 27 Oktober 1914
Debrecen, 25 September 1914
Szerencs, 28 August 1914
Mein lieber Sohnam 25. Juli

Ich habe mit großer Freude bekommen die Nachricht, dass du in den Urlaub nach Siófok gingst. Sei nicht traurig, dass ich dieses Mal nicht mit dir sein kann. Nächstes Jahr werden wir es beim Horányi und anderswo nachholen. Ich halte auch meinen Zeitvertreib als Urlaub, auch wenn es ein bisschen seltsam ist. Aber man kann es annehmen.

Hier haben wir ein schönes Wetter, das mich an den letzten Sommer erinnert, jene unvergesslichen Tagen.

Ich hoffe, dass du mir von dort einige schönen Postkarten senden wirst, um meine langweiligen Tagen ein bisschen angenehmer zu machen. Ansonsten fühle ich mich gut, was ich dir von Herzen wünsche. Ich kann dir keine weitere Nachrichten schreiben.

Küsse und Umarmungen vom deinen lieben
Károly

wenn du schreibst, dann
schreib so viel wie möglich



[Dieses Jahr werden sie ihren Urlaub getrennt verbringen..

Es ist ein bisschen seltsam, aber im nächsten Jahr wird es anders sein.

Nach den Plänen.]

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Urlaub in Siófok, am Plattensee, Ungarn, 1917. Fotos von László Péchy von Fortepan. Sie würden nicht glauben, dass es ein großer Krieg gibt ein paar Zentimeter weiter auf der Karte.



Nächste Postkarte: 8 August 1915

Ceci n’est pas une pipe

…ceci est une korn.

“Bretagne. Die Pfeife ist gut nur wenn sie gut brennt.” Collection Villard, Quimper. Aufgabestempel 5. 7. 1910

Die keltischen Sprachen erreichten ihre größte geographische Ausdehnung nicht in der Antike, vor der römischen Eroberung, sondern, wie Peter Burke schreibt, im Zeitalter der großen Entdeckungen. Am Beginn des 16. Jahrhunderts dienten auf den englischen und französischen Schiffen des Atlantiks vor allem Matrosen von den keltischen Küsten, aus Wales und Bretagne, damit Walisisch und Bretonisch waren die gemeinsamen Matrosensprachen am nördlichen Teil des Ozeans, vom Ärmelkanal bis zu den karibischen Inseln.

Die bretonischen Seefahrer unter französischer Flagge erreichten auch die fernen brasilianischen Küste, und sie brachten zum ersten Mal den Tabak nach Europa, zusammen mit seinem ursprünglichen indianischen Namen: betum. Das Wort wurde aus dem Bretonisch ins Französisch übertragen: pétun, pétuner, ʻTabak, rauchen’. Allerdings wurde es archaisch geworden, und heute nur noch die bretonische Sprache bewahrt das ursprüngliche indianische Wort: butun, butunad. Das Wort tobacco und seine Varianten in den modernen europäischen Sprachen, die die spanischen Sprachforscher der Renaissance aus den karibischen indianischen Sprachen ableiteten, kam in der Tat von dem mittelalterlichen arabischen tabbaq, ʻArzneikraut’ ins Spanisch in der Form tabaco bereits im 15. Jahrhundert, und ging auf dem umgekehrten Weg nach Amerika. Als Nicolás Monardes schreibt in seinem Joyful Newes Oute of the Newe Founde Worlde, von John Frampton 1577 ins Englisch übersetzt:

„Many haue giuen it [tobacco] the name, Petum, whiche is in deede the proper name of the Hearbe, as they whiche haue traueiled that countrey can tell.“

„Viele nennen [den Tabak] petum, das in der Tat der ursprüngliche Name dieses Krautes ist, wie es jeder sagen kann, der in jenem Land schon gereist hat.“


Der Gebrauch von Tabak wurde erstmals 1525 in der Bretagne und in ganz Europa dokumentiert. Die erste Tabakmanufaktur wurde hier, im Hafen von Morlaix, gefunden, wo die aus dem neuen Kontinent eingeführten und fals Heilpflanze verwendeten Tabakblätter getrocknet und dann in karottenförmige Stäbchen – auf Französisch carotte, im modernen Bretonisch karot – gerollt wurden. Die „Karotten”, die noch auf den Ladenschildern der Tabakladen der Bretagne sichtbar sind, wurden dann mit Messer geschnitten, als es für die Pfeife oder zum Kauen erforderlich war. Die Pfeife selbst wurde ursprünglich von Schafshorn gemacht, und nach ihre Trichterform (cornet) wurde es in Bretonisch korn gehießen.

„Darf ich dich stören?“ – „Natürlich.“ – „Gib mir meine Tabakkarotte [tabac en carotte], bitte, lass mir meine Pfeife stopfen.” Rauchende Frau in Morlaix. Artaud et Nozais, Nantes

Während im Zeitalter der Renaissance und Barock ist Rauchen in vielen Teilen Europas „vergeschlechtlicht“, zu einem ausschließlich männlichen Vergnügen geworden, in der Bretagne blieb es die Mittel zur Dämpfung von Müdigkeit und Hunger für beide Geschlechter, wie auch in seiner ursprünglichen Heimat. Die französischen Fotografen, die am Ende des 19. Jahrhunderts das Land durchstreichten, um ethnographische Bilder zu machen, varen ganz gefangengenommen vom Anblick der Preife rauchenden alten bretonischen Frauen, die dann zu unentbehrlichen Genrefiguren solcher Postkartenserien wie La Brettagne Pittoresque oder Types Bretons wurden. Jetzt hat philaevrand eine schöne Auswahl aus seiner Sammlung an dem zu den alten französischen Postkarten gewidmeten Cparama forum veröffentlicht.


Klervi Rivière – Marie-Aline Lagadic: Labousig ar hoad. Eine bretonischsprachige gwerz – Ballad – über einen Seemann, der ein Mädchen einlädet, zusammen mit ihm nach England zu überschiffen, aber sie lehnt in ab. Von der CD Femmes de Bretagne (Die Frauen der Bretagne, 1996).

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Die Postkarten mit identifizierbaren Orten auf der Karte der Bretagne

Weiße Weihnachten


Ein Kindheitstraum. Frisch gefallener Schnee, ein Spaziergang auf dem Hügel in der Dämmerung, auf dem knirschenden Schnee, das Licht der Kandelaber, flaumig wie der Kuchen, das Geräusch des von der Zweigen abfällende. Ein Traum, der mit der globalen Erwärmung immer unwirklicher wird. An nur wenigen Orten wird es zu Wirklichkeit. In Jerusalem, zum Beispiel, wo Két Sheng / Gyuri die folgend Szene verewigte:



Die an Schnee armen Länder, was können sie tun, leihen ihre Weihnachtspostkarten von den an Schnee reichen Ländern. Wie es Kanada tut, von wo wir im November die folgende Nachricht bekommen haben:

Ich arbeite für eine gemeinnützige Organisation in Kanada. Ich sah ein schönes Bild in Ihrem Blog, das ich gerne für unsere Weihnachtspostkarte verwenden möchte. Würden Sie bitte dafür Erlaubnis geben?

Natürlich.



Nur die Haarspalter können fragen, warum die kanadische The Centre of Israel & Jewish Affairs eine Weihnachtspostkarte sendet. In der Tat, Hanuka und Weihnachten fielen in diesem Jahr genau zusammen. Und um die Ökumene noch vollständiger zu machen, erhielte ich diese Postkarte genau heute, am Tag der orthodoxen Weihnachten, von Gyuri, der einen Pack von ihnen als Freiexemplar vom Center bekommen hatte. Also leite ich sie an unsere Leser weiter, solange das Fest dauert.


Rosa Postkarten 12.


Am 4 Januar [1915]
Feldpost. 14.
Name des Absenders: Károly Timó
Adresse des Absenders: Nagy-Sztropkó
Name of the sender: Károly Timó, 1. Infanterie-Regiment, t. Bataillon
Address of the sender: 6. Kompanie, 3. Zug

Adresse: An das geehrte Fräulein Antónia Zajác
III. Bezirk, Kis Korona Straße 52.
Budapest




Vorige Postkarten (graue Punkte):

Sztropkó, 31. Dezember 1914.
Budapest, 23. Dezember 1914.
Budapest, 21. Dezember 1914.
Budapest, 11. Dezember 1914.
Budapest, 2. Dezember 1914.
Budapest, 28. November 1914.
Budapest, 27. November 1914.
Budapest, 18. November 1914.
Budapest, 27. Oktober 1914.
Debrecen, 25. September 1914.
Szerencs, 28. August 1914.
Mein lieber Sohn
Ich lasse dir wissen, dass ich gesund bin. Ich bin gerade hier angekommen, aber ich möchte schon zu Hause sein.
Jetzt ist es sehr ruhig hier, und in den letzten wenigen Tagen gab es kaum Schlachten. Man sagt, dass es einen 21-tagige Waffenstillstand gibt, und Friedensverhandlungen sind im Gange, ist das wahr?
Wir sind in einem Dorf hinter der Feuerlinie, es ist der dritte Tag, dass wir Ruhe haben. Es gibt hier nichts, Zündholz, Tabak, Kerzen, alles ist leer, aber schicke nichts, weil es wird auf dem Weg verloren gehen. Wie geht es dir? Ansonsten kümmer nicht um mich.
Umarmung und Küsse von deinem liebenden Károly
Jetzt kannst du schon schreiben, beachte die Adresse:
Feldpost 14, wie oben


[Um Weihnachten und Neujahr ebben die heftigen Kämpfe um Dukla für ein paar Tage ab. In den ersten vier oder fünf Tagen des Jahres wandern die Einheiten des Regiments um Felsőhunkóc, Ladomérvágás, wieder Felsőhunkóc, Kismedvés, Bátorhegy.

Die Ruhe sofort suggeriert den Soldaten in den Schützengräben die Verwirklichung ihrer Träume. Sie warten auf einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen.

Das offizielle Gedächtnis des Regiments ist etwas anders:
„Der 1. Budapester Regiment begann das zweite Jahr des Weltkrieges mit Glauben an Gott und zuversichtlicher Hoffnung. Bereits in den frühen Morgenstunden begrüßten sie mit Freude die Nachricht, dass unser oberster Kriegsherr, der für seine Völker beängstigende grauhaarige Monarch, unser Apostolischer König, Seine Majestät Franz Joseph I., sowie unser Befehlshaber der Armee, Erzherzog Friedrich, und der Korpskommandant des 1. Regiments, der von seinen Truppen heißgeliebte Erzherzog Joseph, begrüßten ihre Armeen per Telegraph anlässlich des neuen Jahres.“

Sie hätten auch ein wenig Zündholz und Kerzen schicken können.]


Das Leben in den Schützgräben, 1915. Propaganda und Wirklichkeit.

Rosa Postkarten 11.


[31. Dezember 1914.]
Name des Absenders: Károly Timó
Adresse des Absenders: Nagy-Sztropkó

Adresse: An das geehrte Fräulein Antónia Zajác
III. Bezirk, Kis Korona Straße 52.
Budapest




Vorige Postkarten (graue Punkte):

Budapest, 23. Dezember 1914.
Budapest, 21. Dezember 1914.
Budapest, 11. Dezember 1914.
Budapest, 2. Dezember 1914.
Budapest, 28. November 1914.
Budapest, 27. November 1914.
Budapest, 18. November 1914.
Budapest, 27. Oktober 1914.
Debrecen, 25. September 1914.
Szerencs, 28. August 1914.
Mein lieber Sohn
Ich schreibe diesen Brief in den Karpaten, am Licht des Lagerfeuers. Ich schicke meine Glückwünsche, damit das neue Jahr mehr angenehm sei, als das vorige. Ich bin hier in einem Dorf neben der Grenze. Die Musik zum Silvester-Abendessen wird vom Geschützfeuer gespielt. Es ist nicht kalt, aber wir schwimmen im Schlamm. Das ist ein großes Problem, und sehr anstrengend. Ich wünsche ein gutes neues Jahr auch an deine Mutter und Schwestern, und alle Leute in der Werkstatt, einschließlich des Alten.
Umarmt und küsst dich dein liebender Károly
Schreib sofort, sobald es eine Feldpostnummer gibt.


[Die Maschine startet erneut.

„Ich bin hier in einem Dorf neben der Grenze. Die Musik zum Silvester-Abendessen wird vom Geschützfeuer gespielt. Es ist nicht kalt, aber wir schwimmen im Schlamm…“

Was kann man hinzufügen?

„Sztropkó (Stropkov), eine Kleingemeinde im Berzirk des gleichen Namens in Komitat Zemplén. 2585 slowakische, deutsche und ungarische Einwohner (1910). Sein ehemaliges Schloß bestand vom 14. Jh. bis 1675; jetzt steht nur ein Teil der Ostseite. Die aus der ehemaligen Schloßkapelle ausgestaltete Kirche hat einige bemerkenswerte Kunstwerke: eiserne Kerzenständer (14. Jh.), Messgewänder (16. Jh.). Die Burgherren waren die Familien Keglevics, Perényi, Sztáray, Vécsey, und Gersei Pethő. 1760 wurde der junge Prinz Lubomirski aus Polen zum Schloß von Munkács durch Sztropkó begleitet. Die Gemeinde leidete viel während des russischen Einfalls von 1914-1915. Vgl. Ede Unghváry, Adatok Sz. mezőváros és várának történetéhez [Daten zur Geschichte des Markt Sztropkó und seines Schlosses] (Adalékok Zemplén vm. történetéhez 1897. 1–4.) (T. Cs.-Szl.)” • Révai nagy lexikona [Révais Große Enzyklopädie], XVII. 757.]



Spuren der Verwüstungen durch den russischen Einfall in den Komitaten Sáros und Zemplén, in den Siedlungen um Sztropkó. Fotos aus dem Bericht des im Mai 1915 zur Aufnahme der Schäden ausgeschickten Kornél Divald. Veröffentlicht vom Klub Vojenskej Histórie Beskydy. Der Bericht erwähnt unter den vernichteten Denkmälern, an der Nummer 68, auch die mittelalterliche Kirche von Sztropkó.

Am Ende des Jahres 2014, das im Zeichen des Feldposts passiert, soll dieser Post wahrscheinlich der letzte sein, so wünschen wir allen Lesern ein frohes neues Jahr!

Nächste Postkarte: 4 Januar 1915