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Die drei Synagogen des Konzentrationslagers


Bei der Veröffentlichung der „Rassengesetze“ von 1938, 9170 jüdische Ausländer aufhielten sich mit Genehmigung in Italien. Viele von ihnen lebten dort jahrzehntelang, andere flohen dorthin nach den Nürnberger Gesetzen von 1935, wegen der völligen Entrechtung – einschließlich der Ausbürgerung –, und der Judenverfolgung durch das NS-Regime. 1938 begann für sie die Odyssee auch in Italien. Ihre Route leitete meist über Genua. Viele von ihnen waren Studenten, von den besten Schulen Osteuropas, die ihre Studien in Italien beginnen und hoffentlich auch beenden wollten. Ihre persönliche Akten können noch an den Universitäten von Genua und anderer italienischen Städten gefunden werden, einschließlich ihrer Registerdaten sowie der Informationen über ihr Studien, die bestandenen Prüfungen, Noten, Thesen, die Adressen in ihrer Heimat und in Italien. Am oberen Rand von vielen Akten zeigt ein Stempel die Gehörigkeit des Studenten zur jüdischen Rasse. Die Wanderung von Universität zu Universität in der Hofnung, ihr Studium abzuschließen, machte „wandernde jüdische Studenten “ von allen.



Ihre Wanderung endete 1940, als sie alle in die Konzentrationslagern für ausländische Juden aus osteuropäischen Ländern interniert wurden. Eines davon wurde neben Ferramonti di Tarsia im süditalienischen Kalabrien aufgestellt. Das Lager wurde in einer sumpfigen Region errichtet, als eine Erweiterung der Kasernen für die Arbeiter der Firma Parrini, die die Entwässerung durchführten. Obwohl das Gebiet nicht den Anforderungen des Innenministeriums entsprach, gelang es Parrini, über seine Verbindungen eine Konzession an die Erweiterung des Lagers zu erhalte, und die ersten jüdischen Internierten als seine Arbeiter zu registrieren. Darüber hinaus gelang es ihm, die entsprechende Nahrungsversorgung für die Internierten zu erhalten.

Das Lager von Ferramonti

Das Innere einer Baracke in Ferramonti

Ferramonti war eher ein Dorf als ein Konzentrationslager, und aus mehr als einem Grund. Einige der Lagerkommandanten waren extrem humane Personen, sowie der erste von ihnen, Paolo Salvatore. Die Gefangenen, die meist hochqualifizierte Fachleute waren, verhielten sich immer in intelligenter und kooperativer Weise. Auch das großzügige und empfangene Verhalten der örtlichen Bevölkerung trug wesentlich dazu bei, ebenso wie das Dasein eines Mönchs aus dem Vatikan, der in erster Linie nicht spirituelle, sondern praktische Aufgaben leistete.

Pater Callisto Lopinot

Wegen der milden Behandlung des Lagerkommandanten Paolo Salvatore ging das Leben auf dem erträglichsten Weg im Lager. Er nie verweigerte eine Ausreisegenehmigung, wenn es notwendig war. Die Leute konnten Fotos machen und Radio hören. Man hat eine Grundschule errichtet, und Salvatore selbst nahm die Kinder regelmäßig mit dem Auto ins Dorf für ein Eis, oder fuhr sie auf seinem Motorrad um das Lager herum.

Paolo Salvatore

Das Lager hatte eine eigene Bibliothek, wo eine kleine Lokalzeitung gedruckt wurde. Sie hatten ihre eigene Bäckerei, wo auch rituelle Matze gebacken wurde, sowie eine Schneiderei, wo das Kleid der Gefangenen nach Größe zugeschnitten wurde.



Das Lager hatte sein eigenes Parlament, wohin jede Baracke einen Vertreter delegierte. Die Verträter wählten dann den „obersten Führer“, der mit den Kommandanten über die Angelegenheiten des Lagers verhandelte.

Rabbiner Pacifici im „Parlament“ von Ferramonti

Die Familien wurden nicht getrennt, und es hielte auch Hochzeiten. Einundzwanzig Kinder wurden in Ferramonti geboren.

Jüdische Hochzeit

Kinder in Ferramonti

Da sie alle Juden waren, gab es in Ferramonti so viele wie drei Synagogen. Eine Orthodoxe, eine Reformsynagoge, und eine dritte für die zionistische Betar-Organisation.

Das Innere einer der drei Synagogen

Kultur und Sport halfen, die verschiedene Gruppen zu verbinden. Es wurden Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Poesiewettbewerbe veranstaltet. Viele der Gefangenen waren Künstler, für die eine besondere Baracke als Atelier aufbehalten war. Hier arbeitete zum Beispiel Michel Fingenstein, der renommierter Maler und Exlibris-Künstler. Europa-Fußballmeisterschaften fanden ebenfalls statt. Vom jugoslawisch-polnischen Fußballspiel haben wir die volle schriftliche Chronik.

Am Klavier Lav Mirski; die beiden Sänger sind Gildin Gorin und Elly Silberstein

Die Studio-Baracke. Der erste von links ist Michel Fingenstein

Fußballspiel

Trotzdem waren Hunger und Insekten auch in Ferramonti daheim, zusammen mit dem Gefühl, dass etwas Schreckliches da draußen in der Welt passiert.

Die Internierten waren Juden aus Rom, Deutschland, Österreich und Polen, Exilanten aus Osteuropa, Juden aus Libyen, Laibach und Serbien, sowie die Passagiere des Pentcho. Der letztere Flussdampfer segelte aus dem Hafen von Bratislava in der Hoffnung, Palästina zu erreichen, aber er scheiterte neben der Insel Rhodos, die damals zu Italien gehörte.

Pentcho

Zu den Bewohnern des Lagers gehörten auch jugoslawische, griechische und chinesische Partisanen.

1943, als die deutsche Armee in Italien begann sich zurückzuziehen, waren die meisten der Internierten, vor allem die Jüngsten von den benachbarten Bauern in den Wäldern und in ihren Häusern verborgen. Der Mönch schaffte es, die Deutschen davon zu überzeugen, dass eine Cholera-Epidemie im Lager wütete, und damit ihr Eindringen zu verhindern. Das Lager wurde im September 1943 von den Briten befreit, die zugleich die Auswanderung nach Palästine verboten. Viele Menschen blieben dort bis zum Ende des Krieges, bevor sie entschieden, wo ihr neues Leben zu beginnen.

Die jüdische Brigade von Ferramonti


Viele von ihnen wurden berühmt als Künstler, Schriftsteller, Gelehrte oder Athleten. Der Berliner Arzt und Psychiater Ernst Bernhard wurde ein hervorragender Student von Carl Gustav Jung in Zürich. Richard Dattner aus Polen emigrierte in die USA, wo eir ein renommierter Architekt wurde. Oscar Klein aus Österreich wurde weltberühmter Jazz-Trompeter. Der in Budapest geborene Imi Lichtenfeld wurde einer der bedeutendsten Kampfkünstler des Jahrhunderts, ein Gründer der Krav Maga Selbstverteidigungstechnik und der israelischen Armee. Der jugoslawische Arzt David Melt wurde wiederholt für den Nobelpreis für die Entdeckung des Impfstoffs gegen die Dysenterie nominiert. Alfred Weisner war der Entdecker des Algida Eis-Prozesses, und Begründer des gleichnamigen Unternehmens.

Wie habe ich diese Geschichte gefunden? Durch den Dokumentarfilm Ferramonti, il campo ʻsospeso’ (Ferramonti, das „aufgehobene“ Lager) von Christian Calabretta, der von Rai Storia an einem Sonntagnachmittag aufgeführt wurde. Ich wollte sie tiefer kennenlernen, deshalb schrieb ich an Mario Rende, der Verfasser des bei Mursia veröffentlichten Essays Ferramonti di Tarsia. Durch ihn lernte ich besser die Gruppe der „Genua-Juden“ kennen. Ich verbrachte zwei Tage im Archiv der Universität Genua, wo ich die persönlichen Akten der Studenten, insbesondere der Medizinstudenten forschte.

Eine vollständige Liste der Internierten mit den Geburtsdaten und den Bedingungen der Internierung wurde von Anna Pizzuti erstellt, und ist nun vollständig im Internet forschbar: Ebrei stranieri internati in Italia durante il periodo bellico.

Wir kennen sogar die Gesichter von vielen, dank der von der Universität von Bologna und der Munizipalität von Ferramonti am Internet zur Verfügung gestellten Dokumentation. Ich auch veröffentliche einige von ihnen, aber ich bin sicher, dass viele weitere Bilder in den Familienalben gefunden werden können, die in Europa und auf der ganzen Welt verstreut sind. Die Bildunterschriften beinhalten die Namen der Personen, die Namen ihres Vaters und Mutter, Geburtsort und -datum.

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Auf Wunsch von Yolanda Bentham, der Tochter des 1913 in Lemberg geborenen und in Genua studierten David Ropschitz gelang es mir, mit mehreren Monaten Forschungsarbeit die Identität eines Kollegen und später Mitgefangenen und lieben Freundes ihres Vaters bestätigen.

David Ropschitz, Isaac Klein, Isacco Friedmann

Es war nicht einfach, denn die Geschichte von Isacco ist sehr verschieden von der der anderen Studenten. Er wurde 1914 in Brody geboren. 1921 kam er in Italien, wo sein Vater Leone, der im Ersten Weltkrieg gefangengenommen worden war, seine Frau und seinen Sohn nach ihm kommen ließ. In der genuesischen Festung Forte Begato, wo er seine Gefangenschaft verbrachte, fand er eine freundliche Umgebung, wo er seine Arbeit fortsetzen konnte. Brody war ein der bedeutendsten jüdischen Zentren der österreichisch-ungarischen Monarchie, die oft als „das österreichische Jerusalem“ genannt wurde, sowie ein Schlüsselpunkt des russisch-österreichischen Handels. Vor dem Krieg waren die Schneider mit 139 Werkstätten und kleinen Fabriken, die alle in jüdischen Händen waren, eine der bedeutendsten Industriezweige in der Stadt. Die Schneidergilde gehörte zu den einflussreichsten Korporationen, und besaß einen eigenen Rabbiner, der in der ganzen jüdischen Gemeinde hoch angesehen wurde.



Leones Entscheidung rettete das Leben seiner Frau Sara und des kleinen Isacco. Während der Nazi-Besetzung wurden alle jüdischen Einwohner von Brody, darunter die 16 Angehörigen von Isacco, getötet, die Mehrheit auf der Stelle, und der Rest in den Konzentrationslagern.

Der Eingang des Ghetto von Brody, 1942-1943

Juden von Brody warten auf die Deportation

Sara unternahm die große Reise durch ganz Europa. Sie war gezwungen, für eine Weile in Prag zu bleiben, weil der kleine Isacco Typhus bekam. Als sich die Familie wieder vereinigte, dämmerte ein neuer Boom für die Friedmanns.

Von links nach rechts: Isacco (Iso), seine Mutter Sara, seine kleinen Brüder Giuseppe und Sigismondo (Gigi), die bereits in Italien geboren waren; und dahinter der Vater Leone

Isacco studierte in der Liceo Cassini. Am 11. July 1939 absolvierte er die Medizinischen Fakultät, und lebte damit ein ganz anderes Leben als seine jüdischen Mitschüler, die wegen der Rassengesetze ihre Familien und ihre Heimat verlassen mussten. Aber sein sorgloses Leben endete 1940 mit der Internierung in Ferramonti.

Isacco Friedmann (links) mit einer Gruppe von in Ferramonti internierten Ärzten

Isacco kam in Ferramonti mit der ersten Gruppe an, die das Lager für die späteren Ankünfte bewohnbar machte. Er gewann das Vertrauen des Lagerkommandanten Salvatore, der ihn in das nahe gelegene Lungro versetzte, praktisch unter freien Bedingungen. Als er aber seine ärztlichen Dienste kostenlos und mit Erfolg den Einheimischen anbot, hat der örtliche Arzt ihn angezeigt, deshalb musste er ins Lager zurückkehren. Dort blieb er bis zum 30. Juli 1942. Danach wurde er nach Santo Stefano D’Aveto in der Nähe von Genua abkommandiert, wo er bis 12. November 1943 blieb. Um eine Verhaftung zu vermeiden, zog er dann sich in die Berge zurück, wo er, wie sagte, die zwei schlimmsten Jahre seines Lebens verbrachte. Nach dem Krieg hatte er eine erfolgreiche medizinische Karriere, wurde verheiratet und hatten einen Sohn, und ist er noch, im Alter von 102, ein brillanter, gebildeter und charmanter Gentleman, wie ich es erfahren habe, als wir uns persönlich trafen. Im August dieses Jahres teilten sie mit Yolanda, die aus England kam, ihre Fotos, unglaubliche Geschichten und nicht immer angenehmen Erinnerungen mit, die ein außergewöhnliches Zeugnis darüber ablegen, was in Ferramonti passiert worden war.

Inge und Isacco Friedmann (links) mit Yolanda Bentham

Auf Wunsch übersende ich gerne Kopien der Personalakten der genuesischen Studenten. Hiermit möchte ich Roberta Rabboni, Leiterin der Sekretariats der medizinischen und pharmazeutischen Fakultät Dank sagen, ohne deren Hilfsbereitschaft ich keinen Zugang zu diesem Material gehabt hätte. Und natürlich freue ich auf alle weiteren Erinnerungen oder Fotos, die ich mit den Forschern des Museums in Ferramonti teilen werde. Jeder kann zur Rekonstruktion dieser Geschichte beitragen, wer Zeuge all dieser Gewalt und Leidens war, aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bewahrte. Und wer sich noch daran erinnert, dass Ferramonti im Grunde eine Geschichte der Rettung war.

Herbst



Warren Ellis, Three Pieces for Violin

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Rosa Postkarten 1.

Diese Briefe, die wir nun zu veröffentlichen beginnen, folgten einander für viele Jahren. Wir wollen auch, mit Gottes Hilfe, sie während der gleichen Zeitperiode veröffentlichen, jedes von ihnen genau hundert Jahre nachdem es gesendet wurde.

Lernen wir zuerst (zumindest oberflächlich) die Empfänger und den Absender dieser Briefe kennen.

Das Mädchen, Antonia Zajac wurde 1896 in einem westgalizischen Dorf, Cieklin, im Tal des Dunajec geboren.
Ihre Vorfahren stammten aus einer Kleinadelsfamilie, die ihr Vermögen mit Lustbarkeiten und auf Karten allmächlich verloren. Ihr Vater, der schwierig ertrug, dass er als Angestellte in ihren ehemaligen Gutshof arbeiten musste, entschied sich, anstatt der stetigen Scham nach Amerika auszuwandern.
Aus iher Heimat schien es am einfachsten durch einen Adriahafen abzureisen, der den selbstverständigen Weg für die große Auswanderungswelle der Bürger der Monarchie darstellte. Als sie aber an Budapest ankamen, der Vater starb, und die Mutter mit ihren vier Kindern blieb in der fremden und anscheinend hoffnungslosen Stadt. Aber Óbuda – Altofen, der halb landwirtschaftliche, halb industrielle nördliche Vorort von Buda, der Budapest 1873 beitreten wird – hat die Waisen nicht verlassen, so wie sie auch viele anderen obdachlosen Familien unter ihrer Obhut nahm. Sie nahm unter ihre Schutzflügel die Söhne und Töchter der ungarischen, deutschen, jüdischen, slawischen und anderen ethnischen Gruppen, die von der Armut und von einem gemeinsamen Instinkt des Überlebens zusammengebunden waren.
Der älteste Junge, Feri, wurde Polsterergeselle. Zwischen seinen drei jüngeren Schwestern, Antónia (eine der Hauptdarsteller unserer Geschichte) war in einer Posamenterie beschäftigt, während Vera und Manci bekamen Arbeit in der renommierten lokalen Goldberger Textilfabrik, die Goli, wie es allgemein genannt wurde.


Der andere Hauptdarsteller unserer Geschichte, Károly Timó (geb. Szedlák) wurde 1892 als Sohn einer Jungfrau, Katalin Szedlák geboren, und von einem gutherzigen kinderlosen Schuster von Óbuda, Ferenc Timó und seine Frau, geborene Anna Hautschild angenommen.

Károly Timó wuchs in Óbuda. Nach der Grundschule wurde er Posamentierlehrling, und später Posamentierergeselle. Die Werkstatt seines Meisters Bernát Reiner war im Bezirk Terézváros/Theresienstadt, in einem der damals noch neuen Häuser der Johannes Kleine Gasse (später János Kis und Piroska Szalmás, jetzt László Németh Straße). Der Junge hatte weit zu gehen, um die Werkstatt zu erreichen. Die Straßenbahn war umständlich und teuer, so dass er jeden Morgen die Donau mit dem Propeller überquerte, und eine dreiviertel Stunde durch die Bezirke Angyalföld/Engelsfeld und Erzsébetváros/Elisabethstadt lief.

Allerdings wurden die kurzen Wochenenden für Privatleben vorbehalten. Der gemeinsame Wohnsitz in Óbuda, und der gemeinsame Beruf brachte die jungen Menschen nah zueinander. Das Zusammenhalten und die Familiengründung bedeutete auch eine Chance, mit den Schwierigkeiten des Lebens durchzukommen.

Dieses Foto des zarten polnischen Mädchens mit täumerischen Augen ist ein Dokument der angehenden Beziehung, eines bescheidenen Flirts.


Am 29. Okt. 1913. Zum Andenken, für Károly T., von Antónia Z.

Ihre Augen sind klar blau, das kann man auch aus den verblichenen Gesichtszüge herausnehmen. Der verfettete und abgebröckelte untere Teil des etwa abgenutzten Fotos zeigt, dass der Besitzer das ihm geschenkte Bild für eine lange Zeit mit sich getragte.

Die Studiofotos des jungen Paares deuten auf eine ernsthafte Beziehung hin, und darauf, dass eine Ehe in der nahen Zukunft geplant war.


Aber, als wir wissen, alles wurde geprüft und erwogen. Die Maschine wurde angefahren. Mit Optimismus, mit dem Versprechen des bevorstehenden Sieges. Ehe noch die Blätter fallen…

Die erste Rosa Postkarte



Name des Absenders: Károly Timó
Addresse: An das geehrte Fräulein Antónia Zajác
III. Bezirk, Kis Korona Straße 52.
Budapest

am 28. [August 1914]

Mein lieber Sohn [beachten Sie die typische Ansprache der Ehemänner und Bräutigame an der Jahrhundertwende!]
Ich schreibe diese Zeilen, während ich in Szerencs am Morgen Speck brate. Was sagst du zu dieser Überraschung? Ich dachte, dass ich noch am 10ten [September] in Budapest sein werde, Die Fahrt ist sehr angenehm, obwohl wir sehr langsam gehen. Ich schlief in Miskolc, jetzt gehe ich nach Sátoraljaújhely, und von dort nach Mezőlaborc [in 2014, Medzilaborce, Slovakei]. Während der Fahrt werden wir warme Mahlzeit bekommen, als man kocht für uns. Für einige 3-4 Tage wird es uns noch gut gehen, und dann werden wir beginnen, Soldaten zu spielen. Ich umarme und küsse dich
Károly

Meine Grüße an deine Mutter und Schwestern, und an meine Eltern.


[Die erste Postkarte wurde auf dem Weg zur Front geschrieben. Ein cooles Soldatenspielen ist in Aussicht!]

Nächste Postkarte: 25 September 1914