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Lenin lebte

Und zwar zweimal gleichzeitig. Diese sensationelle Entdeckung ist dem russischen Blogger alexiiru zu danken. Es ist sein Verdienst, dass er das in unserem früheren Post veröffentlichte Archivfoto, die so viele gesehen und übersehen hatten, sortfältig untersuchte, und durch einige kleine Anomalien so wichtige Schlussfolgerungen vorlegte, die die Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert vollständig neu schreiben werden.


Auf dem Foto gibt es anscheinend nichts Besonderes. Lenin im Jahre 1925 in weiblicher Kleidung, zusammen mit seiner Tochter Natascha, nach die finnische Grenze reisend. Wir kennen den kritischen psychischen Zustand des alten Lenins, deshalb können wir seine krankhafte Leidenschaft für weibliche Kleidung verstehen, als auch den Wunsch, vor seinem Tod noch einmal die nostalgische Szene seiner Jugend zu sehen und seiner kleinen Tochter zu zeigen, wo er seinen Freund Stalin zum ersten Mal traf.

Trotzdem, als der Blogger hindeutet, Lenin, wie sein dem CK der Partei geschriebene geheimer Brief beweist, hielt Stalin für keinen Freund zu diesem Zeitpunkt. Und wenn das allein nicht genug überzeugendes Argument wäre: nach unserem Wissen hatte er keine Tochter. Was mehr ist, war er 1925 schon seit einem Jahr tot. Was ist denn dieses verwirrende Rätsel?

Der Blogger ähnte mit einem instinktiven Gefühl voraus, das der Schlüssel zur Lösung in den Initialen von Lenins Namen liegt. Die Bildunterschrift nennt ihn S. I. Uljanov. Unsere Lenin aber war V. I. Es handelt sich also nicht von unserem Lenin. Dies ist ein anderer Lenin, der demjenigen zum Sprechen ähnlich ist. Wer ist er denn?

Diese Frage ließ den Blogger nicht ruhen. Er begann eine lange Forschung, bei der, wie die Stücke einer Puzzle, die zufällig überlebenden Bilder eines Familienalbums, die als verloren angenommen war, wurden auf der ganzen Welt gefunden. Und wie üblich, die anhaltende Forschung war schließlich mit einem beeindruckenden Fund gekrönt. Auf der Seite des russischen Malers Rinat Voligamsi hat der Blogger einundzwanzig Fotos gefunden, die zweifellos zum verlorenen Fotoalbum gehörten, und die wie mit einem hellen Lichtstrahl die Dunkelheit des historischen Rätsels belichteten. Mit Hilfe von diesen, sowie von Dokumente aus den Archiven des KGB gelang es ihm, eine atemberaubende Geschichte zu rekonstruieren, worüber Stalin und seine Schergen geglaubt hatten, sie zum ewigen Dunkel der Vergessenheit verurteilt zu haben.

Die Fotos und Dokumente zeigen deutlich, dass Wladimir Iljitsch Uljanow, der zukünftige Lenin einen Zwillingsbruder namens Sergei hatte. Die beiden Kinder sind zusammen auf dem ursprünglichen Familenfoto des Uljanows zu sehen, aus dessen verfügbaren Kopien Sergei nach Stalins gut bekanntes Verfahren später ausretuschiert wurde.

Die Familie Uljanow, 1879

Die frühesten Bilder des bei Voligamsi überlebenden Albumfragments enthüllen die gemeinsame Kindheit und die unterschiedlichen Wege der beiden Jungen. Während Wolodja seine revolutionäre Berufung folgte, siedelte Serjozha im Gouvernement Ufa nieder. Er begann mit Wachs zu handeln, heiratete ein einheimisches Mädchen, und er trat zum Islam über.

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Nach dem Untergang der Revolution von 1905 kamen harte Zeiten auf die junge kommunistische Partei. Am Tiefpunkt, im Februar 1906 schrieb Wladimir Iljitsch seinen berühmten Brief an seinen Bruder, den reichen Kaufmann: „Aus Mangel an finanziellen Mitteln die Revolution stirbt.“ Als Antwort auf die Forderung seines Bruders verkaufte Sergei seine Wachgeschäft, und mit dem Geld reiste er nach St. Petersburg, wo er sich der revolutionären Sache völlig gewidmet hat.

S. I. Uljanow befördert das Geld, 1906

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Nach Lenins Tod startete Stalin eine Fahndung für alle Verwandten und MItstreiter des Führers des Kommunismus. Die blutige Liste hatte in erster Linie Sergei Iljitsch, der so entschließ auszuwandern. Wie man auf dem ersten Foto sehen kann, gelang es ihm, die finnische Grenze in Verkleidung mit seiner Tochter zu überqueren. Dann eine lange Odyssee begann. Er floh nach Litauen, von dort nach die königliche Rumänien, und dann, auf dem Weg der russischen Exilanten, in die Schweiz. „Ich fürchte nur, dass sie mich zum Schweigen bringen, und ich mein Land nicht mehr dienen, und die Arbeit meines Bruders nicht fortsetzen kann“, schrieb er in sein Tagebuch. Auf der Suche nach Verbündeten reiste er überall auf der fortschrittlichen Welt, von Mexiko durch Bagdad und Kabul nach Kuba.

S. I. Uljanow in seiner Antiquitätenhandlung in Zürich, 1937

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Hier, in Kuba beendete der Weg der der Sache des Internationalismus bis zum Tode verpflichteten Revolutionären. Er starb 1965, unter dem Schlag der Ablösung Chruschtschows, mit dem er einen gemeinsamen Plan zur Stürzung der Zitadelle des Imperialismus, die Vereinigten Staaten schmiedete. Wenn Chruschtschow nur ein wenig länger an der Macht geblieben hätte, würde der ganze Faden der Geschichte des 20. Jahrhunderts anders gewesen.

In seinem Garten in Santiago de Cuba, 1964

Sardinien 1959 – Aserbaidschan 2015

Was veranlasst uns, weit zu gehen? Weit im Raum, ich meine, wenn unser Raum eineschränkt scheint? Eher als der Raum, ist es die Suche nach die verlorene Zeit. Es gibt ein woanders, wo die verlorene Zeit noch vorhanden scheint. Wenn wir uns in diesen Welten eintauchen, finden wir eine langsamere Zeit, eine Isolation, die uns hilft, uns selbst zu hören. Wir verlassen unsere Rollen, und wir bekommen wieder uns selbst, mit unserem Lächeln, mit unserem Blick, oft mit unseren Schweigen. In diesen Schweigen finden wir, zusammen mit der Zeit, die verloren schien, eine reellere Welt, die für uns, für unser Leben aufgehört hatte zu existieren.

Nach der Heimkehr aus Aserbaidschan war der Vergleich mit Sardinien, worüber ich im früheren Post über das wunderbare Buch von Carlo Bavagnoli gesprochen habe, unvermeidlich. Auf den folgenden Doppelbildern die Fotos aus Xinaliq sind meine. Xinaliq war das meistbegehrte Ziel unserer Reise. Ich hatte über es das schöne Figli di Noè der herausragenden polnischen Reisenderin und Fotografin Monika Bulaj gelesen, dessen Einzelausstellung im letzten Monat in Mailand wir natürlich besucht haben, und wir sahen auch ihren Dokumentarfilm Figli di Noè.

Man kommt in Xinaliq nach vielen Kilometern in einer entfremdenden natürlichen Umgebung an. Das Gefühl ist sehr stark. Atemberaubende Ausblicke erschienen vor meinen Augen, und der Rest, die Personen und die Häuser enthüllten sich erst nach und nach. Xinaliq ist in meinem Herzen geblieben, und ich möchte zurückkehren, wenn es möglich wird. Nach Sardinien, wo aus der von Carlo Bavagnoli porträtierten Welt noch etwas geblieben ist, werde ich auf jeden Fall zurückkehren. Während der Wartezeit blättere ich gerne beide Bücher, sehe auf unsere Fotos an, und finde neue Analogien. Die in Xinaliq genommene Fotos sind keine gestohlene Bilder. Zwischen den Bildsubjekten und mir gab es immer ein Spiel der Blicke. Und, natürlich, der Schweigen.

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Sardinien 1959. Carlo Bavagnoli: Afrika zu Hause


Vielleicht ist es, weil ich Sardinien liebe, vielleicht weil für mich Sardinien in erster Linie das Innenhochland ist, oder vielleicht weil ich 1959 geboren wurde… wie auch immer, sobald ich das Buch von Carlo Bavagnoli sah, wusste ich sofort, dass ich es haben will.


Von Carlo Bavagnoli, der Fotograf ich hatte nicht einmal gewusst, dass er existiert, wofür ich mich ein wenig beschämt fühle. Aber das Sardinien, worüber seine Bilder erzählen, kenne ich sehr gut. Zunächst aus den Romanen von Grazia Deledda, und später von unseren Wanderungen in Baronia und Barbagia.

Weil die Armut der Vergangenheit ist immer noch offensichtlich hier. Diese verfallenden alten Häusern aus Stein und Lehmziegeln sind noch Teile der Stadtlandschaft.


Und sie üben einen unwiderstehlichen Charme auf uns. Da in diesen Steinen sind die Geschichten derjenigen Personen eingeschrieben, die hier bis zum Beginn des Wirtschaftsbooms in extremer Rückständigkeit und Elend lebten, während sie ihre Würde, Stolz, und auch eine gewisse Eleganz gewährten. Es ist genug, um mit jedem alten Mann oder Frau zu sprechen, um dies zu verstehen.


Carlo Bavagnoli kam auf Saradinien im Jahr 1959 mit Livio Zanelli, der Herausgeber der Espresso. Aufgrund der hier gesammelten Beweise veröffentlichten sie das Interview-Reihe im Journal, das die Armut des Südens im Auftrag eines parlamentarischen Ausschusses dokumentierte.

„Warum fliehen sie nach Norden? Afrika zu Hause”

Für Carlo Bavagnoli war dies nicht das erste Bericht aus sardinien. Im Vorjahr besuchte er Orani, wo er die Aktivität des Malers und Bildhauers Costantino Nivola dokumentiert hatte.

Costantino Nivola: Weibliche Figur

Costantino Nivola: Heimkehr nach Ithaka. Foto von Carlo Bavagnoli – Orani, Gassen der Altstadt

Eine Menge Leute verlassen Sardinien in jenen Jahren, und gingen zum Festland in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ein schweres Schicksal wartete auf sie, der Verlust ihrer Wurzeln, Unsicherheit und Marginalisierung. Das Gleiche, das heute für diejenige wartet, die Afrika verlassen. Wenn der Berg nicht zu Mohammed geht, sagten sie, muss scdhließlich Mohammed zum Berg gehen. Das Wunder, es ist klar, ließt auf sich warten.

Ich war 1959, im Jahr der Fotoreportage geboren.


Aus meinem ersten Klassenjahr erinnere ich mich auf die Spardose, in der wir Geld für die armen Kinder in Afrika und Bangladesch sammelten. Es machte die Erwachscnen für besser erscheinen, aber diese Armut weit weg von uns war nicht unsere persönliche Verantwortung. Ich erkannte nur viele Jahre später, dass das Schweigen über das Südn beabsichtigt war. Während meiner Wanderungen wollte ich immer fragen, warum sie die Ruinen erhalten. Ich denke, damit sie nicht vergessen, wer sie waren, und was Sardinien war. Ich denke, dass das Buch, das ich gekauft habe, stellt dasselbe für mich dar. Und auch eine kleine Wiedergutmachung. Da genau am gleichen Tag, an dem ich im Norden Italiens geboren wurde, am 20. November 1959, ging jemand aus Norditalien nach Sardinien, um nur das zu sehen, was er dort sehen wollte.


Carlo Bavagnoli wurde 1932 in Piacenza geboren. Nach dem klassischen Gymnasium schrieb er sich in Mailand in die juristische Fakultät ein. In Brera hat er einige junge Fotografen, Alfa Castaldi, Mario Dondero und Ugo Mulas getroffen. 1955 zog er nach Mailand, wo er begann als Fotograf für Illustrazione Italiana, Tempo illustrato und Cinema Nuovo zu arbeiten.

1956 wird er Fotograf für die Epoca, und zieht sich nach das Rom, Hauptquartier des Journals. Hier beginnt er, den Alltag des Stadtteils Trastevere zu dokumentieren. Dank dieser kam er in Verbindung mit dem amerikanischen Journal Life, wo er einige seiner Fotos veröffentlichte.

Im März 1958 geht er zum ersten Mal nach Sardinien, in die Stadt Orani, wo er Constantino Nivelas Arbeit an der Fassade der Kirche von der Madonna d’Itria fotografiert, und seine auf den Straßen der Stadt aufgestellten Statuen dokumentiert.


Das folgende Jahr verbringt er einen Monat in New York, wo er für Life eine Fotoreportage über den Alltag der Stadt bereitet. Zwei Jahre später wird er zum ständigen italienischen Korrespondenten des Journals. Für einige Jahre arbeitet er als freier Mitarbeiter für verschiedene Journals.

1960-1961 im Auftrag der Espresso kehrt er nach Sardinien, nach Loculi und Irgoli wieder, wo er über die Armut in Italien berichtet. In den folgenden Jahren reist er immer wieder nach Amerika. Für Life dokumentiert er die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Beerdigung von Papst Johannes XXIII, und den Wahl von Paul VI. In der Zwischenzeit kontinuierlich veröffentlicht er auch in der Epoca.

1964 ist ein Wendepunkt in seinem kreativen Leben. Er wird als der einziger Italier in die Redaktion der Life aufgenommen. Nach einem Jahr in New York zieht er nach Paris, der Hauptquartier des Journals um.

Seit 1972, die Beendigung der Life wendet er sich wieder nach Italien. Er reist oft nach Hause, veröffentlicht eine Reihe von Fotoalben, macht Dokumentumfilme für den italienischen TV, und beschäftigt sich mit klassischer Musik.


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Abraham Ganz am Hindukush

Широка страна моя родная, ein weites Land ist Russland, es hat Platz für alle Völker. Wie Araz im gestrigen Post die aserbaidschanischen Fotos aus Prokudin-Gorskis russischem Reichsprojekt auswählte, so habe ich auch überprüft und gefunden mindestens zwei Fotos mit ungarischer Beziehungen unter den 1902 digitalisierten Farbbilder der Library of Congress.

Eine Suche nach „Ungarn“ in der Datenbank gibt ein einziges Foto. Sein ursprünglicher Titel ist nicht erhalten, aber auf Anraten des Elektroingenieurs Paul Cooper, und des ausländischen militärischen Experten Martin Chadzynski versahen es die Bibliothekare mit dem Titel „In Budapest, Ungarn gefertigter Generator in der Maschinenhalle eines Wasserkraftwerks in Iolotan, auf dem Fluss Murghab (zwischen 1905 und 1915)“.


Dieses Foto im Katalog der Library of Congress ist das Ergebnis der automatischen Rekonstruktion aus von Blaise Agüeras y Arcas. Die andere Version ist die handgefertigte Rekonstruktion von Walter Frankhausen aus 2001.


Das Wasserkraftwerk Hindukush von Iolotan wurde 1909 auf dem Fluss Murghab in Transkaspien (Закаспийская область), das heisst, im Südosten der modernen Turkmenistan gebaut. 1887 hat Zar Alexander III von den turkmenischen Stämmen hier, in der Nähe der antiken Stadt von Merv (heute ein Weltkulturerbe) ein riesiges Wüstenland gekauft, um dort dan modernen Nachfolger der legendären fruchtbaren Oase Merv zu schaffen. Durch der Einsiedlulng von hohol – ukrainischen – Siedlers in die Zarengüter hat man eine riesige moderne Modellwirtschaft, eine Art von Technopolis gegründet, mit extensiver Bewässerung, florierende Baumwollverarbeitung, und anderen Industrien. Das Kraftwerk Hindukush, das mit ihrer Produktion von 1350 kW das Wasserkraftwerk mit der höchsten Leistung des zaristischen Russlands war, wurde gebaut, um die Gegend mit Strom zu versorgen. (Zum Vergleich: im Jahr 1917 betrug die Gesamtleistung der vielen Tausenden von Wasserkraftwerken in Russland 19 MW.)

Das Kraftwerk Hindukush auf einer Postkarte vom 24. Januar 1911. Aus der Serie „Ansichten Turkestans“

Prokudin-Gorski besuchte die Region zweimal, zuerst in 1906-1907, dann 1911. Aus Bezirk Merv haben wir 68 seine Fotos: neben den Ruinen der antiken Stadt Merv und den ethnographischen Bildern turkmenischer Hirten finden wir vor allem Bilder der Baumwollfelder und Baumwollfabriken, sowie des Wasserkraftwerks. Dieses letzteres, das er offensichtlich nur auf der Expedition von 1911 fotografieren könnte, wird von sechs Fotos in der Library of Congress vertreten. Da das Registrierungalbum, das nach der Expedition zusammengesetzt wurde, ist nicht überliefert, enthielt der Katalog keine Information über die Lage der meisten Fotos. Sie wurden vom internationalen Projekt „The Legacy of Prokudin-Gorsky“ identifiziert.

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Damals war in Ungarn nur die Ganz Werke in der Lage, einen so leistungfähigen Generator herzustellen. Das Unternehmen wurde 1845 vom schweizerischen Abraham Ganz als Eisengießerei und Maschinenfabrik gegründet, dessen ursprüngliches Gebäude in Buda seit 1964 als ein Museum funkzioniert. 1869 hat sein Nachfolger András Mechwart das Unternehmen mit einer Elektroabteilung erweitert, und machte es zu einer weltberühmten Firma, und einer der größten Unternehmensgruppe der österreich-ungarischen Monarchie. Die Ganz und Co. Danubius Elektrische, Maschinen-, Wagen- und Schiff-Fabrik GmbH lieferte Maschinen in der ganzen Europa und Asien. In Odessa habe ich selbst die von ihnen hergestellten alten Schiffskrane gesehen. Nach dem Krieg wurde es verstaatlicht, und 1959 mit dem benachbarten Lokomotiven- und Wagenfabrik unter dem Namen Ganz-MÁVAG. In meiner Kindheit war dieser bezirkgroße Gebäudeblock in Kőbánya, am Industriestadtrand von Budapest eine Stadt in der Stadt, die einem erheblichen Anzahl der einheimischen Arbeiter Arbeitsplätze gab. Wir haben bereits den Gesang über Lenin von ihrem Chor und Orchester zitiert. Dann mit der politischen Wende von 1989 wurde das Unternehmen stillgelegt und im Namen der sogenannte Privatisation verschleudert, an der ich als Dolmetscher für italienische Investoren auch teilnahm. Seitdem funkzioniert der Gebäudeblock als der größte chinesische Markt Europas. Sein wertvollster Teil ist das kleine chinesische Lokal, das ich nach so vielen Jahren immer noch für eines der besten chinesen Restauranten in Budapest halte.

Das Wasserkraftwerk Hindukush von Joloten wurde jedoch nicht durch der politischen Wende erschüttert. Es arbeitet kontinuierlich seit mehr als einem Jahrhundert mit der Originalausstattung, über die tinmekun im Jahr 2011, genau ein Jahrhundert nach den Fotos Prokudin-Gorskis auf yandex.ru eine Fotoserie veröffentlichte. Es ist klar, dass im Maschinenhalle nichts geändert wurde. Die gleichen Bodenfliesen, die gleiche Aufteilung der Fenster, die gleichen Maschinen, das gleiche grelle Licht auf dem Boden. Und auch der Messingtafel hat die gleiche Aufschrift, wie vor hundert Jahren.




Ганцовская электр[отехническая] комп[анія] въ Будапештѣ – Ganz Elektrotechnische Werke, Budapest

Übrigens war der Import der modernsten westlichen Ausrüstung keine seltene Sache im zaristischen Russland. Auf einem anderen Foto von Prokudin-Gorski sehen wir eine Sägemaschine in der Tischlerei der Eisenhütte von Zlatoust, die nach seinem Messingtafel in Berlin-Reinickendorf hergestellt wurde, nur einige S-Bahn-Haltestellen von wo ich jetzt dies schreibe. Die Fabrik von Reinickendorf existiert noch. Ich bin neugierig, ob auch die von Zlatoust vorhanden ist, mit der Maschine innen.



Über das andere Foto Prokudin-Gorskis mit ungarischer Beziehungen werden wir in einem nächsten Post schreiben.

Allah sei dir gnädig, Prokudin-Gorski

Einige unserer Besserwisser-Landsleute würden bei dem Wunsch „Allah rəhmət eləsin“ wahrscheinlich beeilen zu sagen, dass er, als nicht-muslimisch, kein rəhmət gewinnen könne. Als aber dieser Ausdruck in unserer Sprache aus der arabischen Grabinschrift-Formel „رحمة الله عليه“, das heisst, „Möge Allah ihm barmherzig sein“ kommt, der Wunsch hat bereits seinen Ziel erreicht, den All-Hörenden und All-Sehenden, den Gnädigsten und Barmherzigsten, so gibt es keinen Platz für weitere unnötige Worte.

Auch Mirza Jalil begann seine Novelle „Qurbanəli bəy von 1907 mit dem Motto „Qoqol, Allah sənə rəhmət eləsin“ das heisst, „Gogol, möge Allah dir gnädig sein“. Die kritische und satirische Schriften des klassischen Autors der russischen Literatur, Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809-1852) hatten einen großen Einfluss auf das Werk von Jalil Mammadguluzade (1869-1932), und sie trugen zum Geburt der „Molla Nəsrəddin“ Literaturschule bei.

Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski (1863-1944) gilt als einer der Pioniere der Farbfotografie. Der Grund, warum wir ihm „rəhmət“ wünschen ist, dass er der Schöpfer des wahrscheinlich ersten bekannten Farbfotos von Aserbaidschan und Aserbaidschaner war.

Wer war Prokudin-Gorski?

Es ist interessant, dass die Familie Prokudin-Gorski vom tatarischen Großherzog Murza Musa (1350-?) stammt, der zusammen mit seinen Söhnen von der Goldenen Horde zum Herzogtum von Moskau übertrat, und das orthodoxe Christentum und den Namen Pjotr aufnahm. Also der Halbmond und Stern auf dem Wappen der Familie ist ein Verweis auf die tatarischen Wurzeln, während die symbolische Darstellung eines Flusses auf den Neprjadwa, ein Nebenfluss des Dons, und auf die Teilnahme an der Schlacht von Kulikowo von 1380. In diesem Schlacht, der mit dem Sieg des Großherzogs Dmitrijs (1350-1389) über die Armee von Mamaj Khan (1335-1381) endete, verlor Pjotr alle seine Söhne. Herzog Dmitrij, der sich von diesem Schlacht den Beinamen Donskoj gewonnen hatte, gab Pjotr die Prinzessin Mariya aus Rurik-Dynastie zu Weib, und verlieh im das Land genannt Gora („Berg“ auf Russisch). So hat die Familie Gorski mit Pjotr Gorski begonnen, während sein Enkel Prokopij Alfjorowitsch (1420-1450) den Spitznamen Prokuda („übermütig“ auf Russisch) erhielt, so dass seine Nachkommen Prokudin-Gorski genannt wurden.

Aus der Kurzbiografie Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorskis ist es deutlich, dass er bis 1890, als er 27 war, sehr verschiedene Studien gemacht hat. Von 1883 bis 1886 studierte er im Alexander-Lyzeum, 1886-88 besuchte er naturwissenschaftliche Vorlesungen an der Fakultät für Physik und Mathematik der Universität Sankt Petersburg, 1888-90 war er Student an der kaiserlichen Militär-Medizinischen Akademie, nahm Teil an Malkursen an der Kaiserlichen Akademie der Künste, hatte ein ernsthaftes Interesse an der Geige, aber er hat nie seine formale Ausbildung in diesen Orten abgeschlossen. An der Universität Sankt Petersburg gehörte der berühmte Wissenschaftler Dmitrij Mendelejew (1834-1907) zu seinen Professoren, und er hat sein Interesse für die Chemie und Fotografie gerufen.

An dem Skuritskhali-Fluss. Selbstbildnis. Studie an Orta-Batum. 1912. Quelle: The Library of Congress.

Prokudin-Gorski wurde Mitglie der Abteilung der Technologie der Chemie, und später derjenigen der Fotografie der Kaiserlichen Russischen Technischen Gesellschaft, wo er von 1897 an Vorträge über seine fotografischen Experimenten hielt. 1901 eröffnete er seinen „fotozinkographischen und fototechnischen Studio“ in Petersburg. Im Jahr 1902, während seiner Reise in Deutschland studierte er bei den führenden Forschern der Farbfotografie, vor allem Adolf Miethe (1862-1927), und erwarb die modernste technische Ausstattung. Das erste Farbfoto war 1861 demonstriert geworden. Das dort angebrachte Prinzip der „Farbtrennung“ schlug vor, dasselbe Foto mit roten, grünen und blauen Filtern aufzunehmen, und während der Demonstration dieselbe Bilder durch den entsprechenden Filtern übereinander zu projizieren. Eines der Hauptprobleme war die Entwicklung von Fotoemulsionen, die eine korrekte Wiedergabe der Farben ermöglichten, und Prokudin-Gorski hat einen bedeutsamen Beitrag zur Forschung auf diesem Gebiet geleistet.

Prokudin-Gorskis Dreifarbenprojektor, und der Vorgang der Projektion. Viktor Minatschins Figur aus der Ausstellung The World of 1900-1917 In Color.

In den folgenden Jahren veranstaltete er Fabfoto-Projektionen, reiste zu den verschiedenen Regionen des russischen Reiches für Fotoaufnahme, und organisierte den Ausgabe von Farbpostkarten in seinem Studio. Sein Ruhm war noch mehr befestigt dadurch, dass er 1908 das Farbfoto des 80-jährigen lebenden Klassikers der russischen Literatur Lew Tolstoi (1828-1910) fertigte. Er wurde oft zu Empfängen der russischen High Society eingeladen, um seine Farbfoto-Projektionen aufzuführen.


„Lieber Lew Nikolajevitsch,
Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich die Gelegenheit, eine farbfotografische Platte zu entwickeln, die jemand, dessen Namen ich vergessen habe, von Ihnen gemacht hat. Das Ergebnis war extrem schlecht, da es scheint, dass der Fotograf nicht gut mit seiner Aufgabe vertraut war.
Fotografie in natürlichen Farben ist meine Spezialität, und es ist möglich, dass Sie vielleicht durch Zufall meinen Namen in der Presse gelesen haben. Nach vielen Jahren der Arbeit bin ich jetzt in der Lage, ausgezeichnete Wiedergabe von Bildern in Echtfarben zu leisten. Meine Farbdiaprojektionen sind so in Europa als in Russland bekannt.
Jetzt, als der Prozess der Fotoaufnahme mit meiner Methode und meiner Platten nur ein bis drei Sekunden erfordert, bitte ich um Ihre Erlaubnis, damit ich für einen oder zwei Tage Sie besuche (unter Berücksichtigung Ihrer Gesundheitszustand sowie des Wetters), und mehrere Farbbilder von Ihnen und Ihrer Gattin aufnehme…
Es scheint mir, dass ich durch die Wiedergabe Ihres Bildes in Echtfarbe einen Dienst für die ganze Welt leisten werde. Diese Bilder sind ewige – sie ändern sich nicht. Keine gemalte Wiedergabe kann solche Ergebnisse erzielen.

Sergei Mikhailovich Prokudin-Gorski“

„Dorffriedhof“. Farbpostkarte aus dem Studio Prokudin-Gorskis, Poststempel 19. Januar 1907. Quelle: Library of Congress


Eine Sonderdemonstration für Zar Nikolaus II und seine Familie in Mai 1909 gab einen großen Anstoß der kreativen Arbeit des Forschers. Durch die Farbbilder erstaunt, stellte der Zar an Sergei Michailowitsch zur Verfügung alle Transportkosten und Berechtigungen, die zur Dokumentation in natürlichen Farben aller Sehenswürdigkeiten in Russland nötig waren. Nach ein paar Wochen begann Prokudin-Gorski seine erste Expedition. Er plante, in zehn Jahren zehntausend Fotos zu bereiten. Trotz finanzieller Schwierigkeiten, Weltkrieg und Revolutionen gesammelte Sergei Michailowitsch ein wertvolles fotografisches Material auf seinen Reisen nach verschiedenen Provinzen, darunter mehrmals nach Turkestan und den Kaukasus, während er auch mit Farbfilm experimentierte. 1917 wurde der Romanow-Dynastie gestürtzt, und bald kam die bolschewistische Revolution. Bis dann gab es bereits etwa 3500 Fotos in Prokudin-Gorskis einzigartige Sammlung.

Prokudin-Gorski auf einer Draisine außerhalb Petrozavodsk, auf der Murmanbahn, 1915. Quelle: Library of Congress

Bei der ersten Gelegenheit emigrierte Prokudin-Gorski aus Sowjetrussland. 1918 wurde er auf einer Mission nach Norwegen geschickt, und er kam nie wieder zurück. Später lebte er in England, und von 1921 bis seinem Tod im Jahr 1944 in Frankreich. Interessanterweise konnte er Erlaubnis erhalten, einen Teil seiner Sammlung, umgefähr 2300 Negative nach Frankreich mitzunehmen. Mehr als 1200 Negative und 1000 Farbdias blieben in Sowjetrussia, und ca. 400 in Frankreich gespeicherten Negative gangen verloren. 1948 kaufte die US Library of Congress von den Söhnen Prokudin-Gorskis all, was aus der Sammlung geblieben wurde. Die derzeit in der Bibliothek aufbewahrte Sammlung besteht hauptsächlich aus den dreifachen Negativen von 1902 Fotos. Darüber hinaus enthalten 14 Registrierungalben die kleinen Schwarz-Weiß-Kopien dieser Fotos mit Erklärungen.

Diese wertvollen historischen Dokumente waren für die breite Öffentlichkeit für viele Jahre unbekannt. 2000 wurde die Sammlung digitalisiert, und für den offenen Zugang auf der Website der Library of Congress veröffentlicht.

Instagram Aserbaidschan, 1912

Die Prokudin-Gorski-Sammlung hat Dutzende von Fotos über Aserbaidschan. Von den Erklärungen unter den kleinen schwarzen und weißen „Thumbnail“-Bilder der Registrierungalben mit dem titel „Views in the Caucasus and Black Sea area“ kann man erfahren, wo sie aufgenommen wurden, und was sie darstellen.

Seite 33 des Albums „Views in the Caucasus and Black Sea area“. Quelle: The Library of Congress.

Die meisten Bilder wurden 1912 auf der Mughan-Steppe aufgenommen, und sie sind auf Seiten 33 bis 38 des Albums mit 44 Seiten registriert. Die Reihe beginnt mit dem Foto „Река Араксъ у Саатлы. Мугань“, das heisst, „Der Araz-Fluss in der Nähe von Saatly. Mughan“, und stellt vor allem Baumwollanbau rund Nikolajewsk, Grafovka und Petropavlovsk (seit 1931 Sabirabad) dar, wo ukrainische Bauer aus Charkow angesiedelt wurden. Übrigens hat 1899 auch der Gründer der aserbaidschanischen Presse, der bedeutende Intellektuelle Hasan Bey Zardabi (1837-1907) diese Siedlungen in seiner Artikel in der Zeitung „Kaspi“ erwähnt.

Seite 38 des Albums „Views in the Caucasus and Black Sea area“. Quelle: The Library of Congress.

Nur wenige dieser Fotos stellen Leute dar. Das Bild mit dem Titel „Персидские татары. Саатлы. Мугань“, das heisst, „Persische Tataren. Saatly. Mughan“ gilt wahrscheinlich als das erste Farbfoto von Aserbaidschanern. Während für viele von uns die Farbfotos in unseren Hausalben erst in den 1980er Jahren erschienen, hatten diese beiden Männer ihr Farbbild bereits am Anfang des Jahrhunderts machen lassen. Obwohl sie scheinen über diesem historischen Moment nicht besonders begeistert zu sein. Wahrscheinlich hatten sie auch keine Möglichkeit, ihr Farbfoto zu sehen. Wenn die Library of Congress diese einzigartige Sammlung nicht digitalisiert und nicht für den offenen Zugang im Internet veröffentlicht hätte, wahrscheinlich würden wir die auch nicht haben.

Das rekonstruierte Farbbild des Fotos „Persische Tataren. Saatly. Mughan“ (links) und die digitale Datei des dreifachen Negativs (rechts, von oben nach unten – die Bilder für den blauen, grünen und roten Filter). Quelle: The Library of Congress.

Ich habe diese Bild im Jahre 2010 gesehen, als ich in Amerika war und in der Website der Library of Congress in der Prokudin-Gorski-Sammlung suchte. Der Suche nach dem Wort „Aserbaidschan“ hat damals nur wenige Bilder ergeben. 2001 bestellte die Library of Congress die Rekonstruktion von 122 Bilder vom Fotografen Walter Frankhauser für die Ausstellung mit dem Titel „The Empire That Was Russia“. Die Rekonstruktion der Farbbilder aufgrund der 2000 gescannten hochauflösenden digitalen Dataien der erhaltenen dreifachen Negativen ist alles andere als eine triviale Aufgabe.

Prokudin-Gorski machte drei separate Bilder in verschiedenen Farben für jedes Foto. Während der Zeit zwischen den Aufnahmen konnten sich so die Negative als die fotografierte Subjekte bewegen. Die verschiedene physikalische Defekte in den Glasnegativplatten schaffen auch Schwierigkeiten für die Rekonstruktion. Das obige Foto, das Prokudin-Gorski an dem Flussufer darstellt, ist eines der Bilder, die von Frankhausen rekonstruiert wurden. Nur eines der in Aserbaidschan aufgenommenen Bilder – das Foto mit dem Titel „Mughan. Die Familie eines Siedlers. Siedlung Grafovka“ wurde für die Ausstellung rekonstruiert.

Später, im Jahre 2004 beauftragte die Library of Congress Blaise Agüera y Arcas mit der automatisierten Wiederherstellung und Rekonstruktion aller Farbfotos. Arcas, ein prominenter Professional von Computergrafik war 2013 in den Nachrichten, als er nach sieben Jahren in führenden Positionen bei Microsoft einen Job bei Google angenommen hat. Nach ihrem Bericht wurde beim zur Rekonstruktion der Bilder entwickelten Software neben der „starren Ausrichtung“ der drei Negativen auch die „Warpfield-Ausrichtung“ angewendet, die durch das abweichenden Verformen verschiedener Teilen der Negative einen besseren Ergebnis gibt.

Es ist daher überraschend, dass auf dem in der Online-Datenbank der Library of Congress gespeicherten rekonstruierten Foto der „persischen Tataren“ ein Geisterbild deutlich sichtbar ist, offensichtlich weil die Negative nicht gut ausgerichtet wurden. Dies ist besonders deutlich auf dem Gesicht des Persons auf der rechten Seite. Als aber das Foto in der prallen Sonne aufgenommen wurde, mussten die Belichtungszeit zwischen den Aufnahmen und damit die Unterschiede zwischen den drei Bildern gering sein, und es gibt auch keine ernsthafte Defekten auf den Negativen.

Meine übliche Faulheit aufgebend öffnete ich die dreifache Negativ in Photoshop, schneidete die entsprechenden Teile, und fügte sie in den roten, grünen und blauen Farbkanal einer neuen Datei ein. Nur durch Verschieben der Bilder nach oben und unten oder rechts und links richtete ich sie aus, obwohl für ein ideales Ergebnis hätten sie auch geringfügig gedreht geworden. Aber das daraus resultierende Bild war trotzdem befriedigend. Ich habe die Bilder in den roten und grünen Kanalen ein wenig abgedunkelt, und das Ergebnis ist unten zu besichtigen.

Ein Fragment des rekonstruierten Fotos „Persische Tataren“. Links: die Version der Library of Congress. Mitte: meine Version. Rechts: die von V. Ratnikov rekonstruierte Veersion.

Später erfuhr ich, dass viele verschiedene Projekte, die das Erbe von Prokudin-Gorski forschen, haben die Fotos rekonstruiert und im Internet veröffentlicht. Aber vorher musste ich eine kleine Ungenauigkeit im Katalog der Library of Congress beseitigen.

Forscher A. Yusubov

Die Titel für die Bilder im Katalog der Library of Congress wurden aus dem Inschriften unter den entsprechenden Schwarz-Weiß-Miniaturbilder der Registrierungalben genommen. Diese Alben waren von Prokudin-Gorski und seinen Assistenten sehr wahrscheinlich lange nach den tatsächlichen Aufnahmen zusammengestelt geworden, da die Titel gelegentlich nicht zu den Bildern passen, oder die zeitliche Reihenfolge brechen.

Schwarz-Weiß-Bild des Fotos mit einem falschen Titel auf Seite 32 des Albums „Views in the Caucasus and Black Sea area“ (links) und das Bild des Shirvanshah-Palastes auf der alten Note von zehntausend Manat, die einfach als „Shirvan“ bekannt war (rechts). Quelle: The Library of Congress und BanknoteIndex.com.

Wahrscheinlich würde irgendein Aserbaidschaner bezeugen, dass das Bild oben die Moschee des Shirvanshah-Palastes darstellt, aber das Bild wurde im Registrierungalbum unter den Fotos von Tiflis gelegt, und fälschlicherweise als „Мечеть въ Азiатской части Тифлиса“, das heisst, „Eine Moschee im asiatischen Teil von Tiflis“ erklärt. Jedoch im Online-Katalog wurde der Titel schon korrigiert, mit der Anmerkung: „Corrected title information provided by Dmitry Vorona, 2013“.

Leider hat kein Farbnegativ dieses Foto fortbestanden, aber es mindestens bezeigt, dass Prokudin-Gorski auch in Baku fotografiert hat. Als ich das Kaukasus-Album im Online-Katalog durchlaufte, auf Seite 39 sah ich ein Foto des Palastes der Philharmonie, der allen Bewohnern von Baku vertraut ist. Es stellte sich aber heraus, dass es im Album keine Erklärung zu diesem Bild gab, und der Titel eines anderen Fotos mit diesem ausgerichtet war, deshalb wurde es als „Mechet’ w Wladikawkaze“ (Moschee in Wladikawkas) registriert.

Das rekonstruierte Farbbild des Foto des Palastes der Philharmonie (links) und der digitale Datei des dreifachen Negativs (rechts). Quelle: The Library of Congress.

Ich schickte sofort die folgende Meldung vom 25. März 2015 über das Online-Formular an den Katalog der Bibliothek:

There is no original title for the photo in Prokudin-Gorskii’s album, but the title was wrongly assigned apparently because of proximity to another photo of the Mosque in Vladikavkaz. 

This is in fact totally different building in a different city – Baku. Look at the rare aerial photo of 1918 Baku. The Summer Centre for Public Gatherings at the bottom right corner, opened in 1912 as a club for wealthy Baku elite, was architecturally inspired by l’Opéra de Monte-Carlo, and now houses the Azerbaijan State Philharmonic Hall named after Muslum Magomayev (1885-1937) – famous Azerbaijani and Soviet composer and conductor (see here). See here the modern look of the building.

Und einen Tag später erhielt ich die Antwort per E-Mail:

Dear Araz Yusubov: Thank you for your email about the caption for the image by Prokudin-Gorskii (item LC-P87-7277). You are correct that there is no title for the image in the album (LOT 10336) and that the title in the catalog record appears to be have assigned because it was close to the image of the mosque. The mosque is clearly not the same building as depicted in LC-P87-7277.

The building shown in LC-P87-7277 does look like the former Summer Centre for Public Gatherings in Baku, Azerbaijan which is shown in the aerial photo which you sent us. I have updated our database to incorporate your new information. The change should be in the online catalog within a few weeks.


Thank you very much for helping us correct and improve the information for this image in our catalog.
 

Best wishes,
Arden Alexander
Cataloger
Prints and Photographs Division Library of Congress


So ist jetzt der Titel dieses Fotos im Katalog der Library of Congress „The Summer Centre for Public Gatherings, Baku, Azerbaijan“. Und es hat auch eine kleine Anmerkung: „Title devised by Library staff. (Source: researcher A. Yusubov, 2015)“.

Weitere interessante Links

„Цвет нации“ („Farbe der Nation“). Ein Dokumentarfilm Leonid Parfjonovs von 2014 zum 150. Geburtstag Prokudin-Gorskis (auf Russisch): https://www.youtube.com/watch?v=Qx0TbbRC5RE

Viele Titel wurden korrigiert im Katalog der rekonstruierten Farbfotos auf der Website des internationalen Forschungsprojekts „The Legacy of S.M. Prokudin-Gorsky“: http://prokudin-gorsky.org/

Die Farbfotos rekonstruiert als Teil des Projekts „The Russian Empire in color photos“ der belorussischen orthodoxen Kirche: http://veinik.by/

Die Farbfotos rekonstruiert durch die Laboratorie der digitalen Technologien für Wiederherstellung der Russischen Akademie der Wissenschaften und dem „Restavrator-M“ Zentrum: http://www.prokudin-gorsky.ru/English/index.shtml

Prokudin-Gorski: Selbstbildnis. Studie am Kiwatsch-Wasserfall. Unten: eine Auswahl aus der Prokudin-Gorski-Sammlung, in der ersten Linie aus den Bildern, die im Internet seltener öffentlicht werden

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Dagestan, Dorf Arakani