Posts mit dem Label Foto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Foto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Das Meer in Zahesi


Ich habe die Kamera im Sommer 2014 in einem Geschäft in Tiflis gekauft. Ich habe sie zum Arbeitswerkzeug bestimmt. Ich kaufte eine Spiegelreflexkamera. Früher habe ich nur kleine Kompaktkameras benutzt.

In kurzer Zeit wurde das Arbeitswerkzeug zum Teil meiner Identität. Seine Verwendung radikal veränderte meine Beziehung zur Forschung. Die Kamera zwingt mich, durch ihrer Linse die Bedeutung der Orten und Menschen neu zu interpretieren. Der Bildausschnitt und die daraus folgenden Bilder sind nicht das Ergebnis eines zufälligen Klicks. Im Gegenteil, ich möchte einen bewussten visuellen Bericht über den Gegenstand meiner Forschung geben. Das Bild ist nicht bloß der Anblick auf den von mir unabhängig existierenden Raum und Menschen, sondern der Abdruck eines innigen und ständigen Dialogs zwischen uns, wo Ästhetik und Praxis in einem unwiederholbaren Moment übergehen.

„Was die Fotografie endlos reproduziert, hat nur einmal stattgefunden: sie wiederholt mechanisch, was sich existentiell nie mehr wird wiederholen können. Die Fotografie ist das absolute Besondere, die unbeschränkte Kontingenz, sie ist das Bestimmte (eine bestimmte Fotografie nicht die Fotografie), kurz, das Glück, der Zufall, das Zusammentreffen, das Wirkliche in seinem unerschöpflichen Ausdruck.“ (R. Barthes, Camera Lucida 1)

Die Flexibilität und die Funktionalität des Werkzeugs ermöglicht es mir, die Umwelt und die Leute um mich herum ständig neu zu interpretieren. Schnell entdeckte ich, dass selbst wenn ich Fotos über den gleichen Platz mache, passen sich meine Bilder nicht nur zu den momentanen Bedürfnissen der Forschung und den beabsichtigten Beschreibungen, sondern, als das Fotografieren bereits zu einem Teil von mir geworden ist, auch zu meinen momentanen Stimmungen und Visionen. Es ist auch sehr interessant, die Kamera in die Hände meiner Informanten zu geben, damit sie ihre Aufnahmen machen. Diese Bilder sind „von Innen gesehene“ Ansichten der Wirklichkeit, ihre noch persönlicher Vorstellungen.


Ich laufte auf den Treppen des Hochhauses ab. Ich wollte auf der Hauptstraße durchgehen, die den Zahesi-Viertel halbiert, und zum Jvari-Kloster führt. Ich war von Begeisterung erfüllt über das Gerät in meiner Hand, über die Idee, das ich die Wirklichkeit um mich herum schließlich – und auch für mich selbst – erzählen kann.

Ich bin zu einem bisher unbekannten Teil des Viertels gelangen. Einige Frauen unterhalteten sich selbstvergessen, die schwarzen Konturen ihrer Kleidung zeichneten sich scharf gegen den grauen Wohnblocke ab. Ich fragte sie über den Weg. Sie starrten auf die Kamera, einer von ihnen deutete zerstreut in irgendwelche Richtung. Ich folgte in jener Richtung. Bald fand ich ein kleines, von der Vegetation halb überwuchertes Gebäude. Am glatten Wand, kräftige Figure von Tänzern und Musikern, versteift nur durch die Unbeweglichkeit des grauen Materials, das nicht zu den Träumen passt. Nach den Blockhäusern, schließlich etwas, um mein Gerät zu testen. Es war nicht einfach. Ich fühlte dass ihc noch nicht empfindlich genug war. Nach ein paar Klicks verließ ich den Ort mit verknappten Selbstvertrauen.

Aber die helle Sonne versprach alles gut. Ich kümmerte weniger mit dem neuen Spielzeug, und mehr damit, dass ich ein geeignetes Objekt finde, als ob Robert Capa nach Tiflis zurückkehrte. Üppige Vegetation ringsum, ein paar verfallene Betonbauten, sonst nichst. Ein paar kleine Jungen kamen auf mich auf der Straße, sie lachten, entweder über einander, oder über mich. Ich habe sie nicht gefragt. Ich musste mein Thema selbst finden. Nach einem langen Spaziergang scheinte der Anblick eines blauen Flecks durch die Zweige. Vielleicht ein alter Brunnen, oder ein Spielplatz. Ich habe es nie kennengelernt. Fische, Wellen, Algen. Die winzigen Steine des Mosaiks wurden sorgfältig vom Arbeiter oder Künstler angeordnet, der persönlich von Breschnew, oder vielleicht nur von einem lokalen Funktionär beauftragt wurde, eine gewisse Lebendigkeit in die Wohnsiedlung zu bringen. Das Meer in Zahesi. Kitano in Zahesi.


Kelaptari: Sacekvao. Vom Album Georgian Dancing Melodies (2012).

ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1 ushguli1

Ein Jahr in Subkarpatien


Am 17. Januar, als die Subkarpatischen Fotos von László Végh in Magyar Nemzet veröffentlicht wurden, teilte ich sie auf dem Facebook von río Wang. Jetzt, in Vorbereitung für unsere Galizien-Tour am Ende Aprils sah ich sie wieder, und ich dachte, sie auch auf dem Blog zu teilen, damit sie von mehr Menschen gesehen seien, und nicht nur in Ungarisch.

Olena zog vor vielen Jahrzehnten von Moskau nach Kőrösmező/Jassinja

„Dank dem József Pécsi Fotostipendium, hat der Fotoreporter von Magyar Nemzet Subkarpatien wiederholt besucht. Er traf sich mit Soldaten auf der Rückkehr vom Schlachtfeld, Familien, die um ihre Angehörigen trauerten, tatarische Flüchtlinge von der Krim. Und mit außergewöhnlichen Gastfreundschaft.

Man kann keinen großen Fotoreport ohne Vorbereitungen beginnen, also begann ich auch mit der Forschung, bevor ich nach Subkarpatien fuhr. Zunächst trat ich in Verbindung mit einem lokalen Journalisten, der mich an mehreren Stellen begleitete, führte mich einer Reihe von Personen ein, und, wenn nötig, mir übersetzte. Er war mein Fixer, als der Journalistenjargon diejenige Personen mit Lokalkenntnisse nennt, die im Zuge einer großen Feldarbeit die ausländischen Journalisten und Fotografen führen und unterstützen.

Das erste Mal, als ich dort ging, war es März. Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich ging nach Verbőc/Verbovec, zum Begräbnis eines im ostukrainischen Konflikt gefallenen Soldaten. Nach 316 Kilometern kam ich an der Grenze. Reisepass. Unterlagen. Kontrolle. Ankunft in Subkarpatien. Schlechte Straßen. Die Abdrücke der Vergangenheit, überall. Graue. Strömender Regen. Und auf dem Weg von Bereszász/Beregovo aus, Polizeistrafen. Nicht wenig. Fast eine Stunde Verspätung. Erschöpft kam ich zu meiner Unterkunft an.

Das Begräbnis von Viktor Márkusz. Er diente im 128. Berg-Infanterie-Regiment

So sehr ich auch es versuchte, konnte ich in den ersten paar Monaten den lokalen Rhythmus nicht aufnehmen. Dann wurde ich mehr und mehr Menschen vorgestellt, die mir geholfen haben. Zum Beispiel, Tante Slava, dessen Sohn ein 22-jähriger Vertragssoldat ist. Sie ist in ständigem Kontakt mit den Soldaten aus Subkarpatien an der Front, also sie kennte die Antworten auf alle meine Fragen, und half mir in allem. Andernfalls unterrichtet sie ukrainische Sprache in der ungarischen Klasse einer zweisprachigen Schule.

Und sehr oft hatte ich Glück. Zum Beispiel, in Kőrösmező/Jassinja, wo ich in die falsche Richtung in die Berge aufbrach, und so stolperte ich auf Olena, die aus Russland nach Subkarpatien umgezogen war. Oder einen Abend, als wir, auf dem Weg zu unserer Unterkunft, eine flackernde Kerze in einem benachbarten Fenster erblickten. Unser Gastgeber, eine ungarische Familie erzählte mir, dass eine alte Dame lebt dort, Mária András, der jeden Morgen und Abend betet auf dieser Weise. Es ist uns gelungen, sie zu besuchen, und sie erlaubte mir, ein paar Fotos von ihr zu machen, während sie betete. Oder Onkel Frédi in Fancsika/Fantschikovo, der über meine Wanderung in Subkarpatien und Fotografieren den Alltag der Menschen gehört hat. Er sagte einem Freund im Dorf, dass er mir seine Tauben gerne zeigen würde.


Und es waren die ungarischen Familien, die ihre Lieben im Krieg verloren haben. Ich verbrachte Stunden mit ihnen. Bei vielen Gelegenheiten habe ich nicht einmal meine Kamera herausgenommen, wir sprachen nur. Am 16. September war das Begräbnis von Sándor Lőrinc in Fancsika. Als ich den Nachricht gehört habe, sass ich in den Wagen, und fuhr zu der Familie den vorigen Abend. Ich stellte mich vor, ich sagte ihnen, wer ich war, woher ich kam, und was ich wollte. Ich sprach viel mit der Mutter Sándors, Tante Anna. Ich dürfte auch an der Nachtwache im kleinen Raum des kleinen Hauses, bei dem mit der ukrainischen Flagge bedeckten Sarg anwesend sein. Am nächsten Tag, bei dem Begräbnis gab es vielen Menschen, alle Bewohner des Dorfes. Und viele ukrainische Soldaten, die ich in Verbőc in März getroffen hatte. Sie begrüßten mir, und sagten dass sie hoffen, uns beim nächstes Mal in einem fröhlicheren Ereignis zu treffen.

Nach dem Begräbnis wollte ich nach Budapest zurück. Allerdings sagte Tante Anna, dass ich nicht gehen könne, bevor ich mit ihnen Abend esse. Ich entschuldigte mich, aber sie haben micht nicht gehen gelassen. Sie haben mir sogar Krapfen verpackt für die Straße. Budapest ist weit weg.

Fancsika/Fantschikovo. Begräbnis des in der Ostukraine gefallenen ungarischen Soldaten Sándor Lőrinc

Überall dort, wo ich während dieser Zeit in Subkarpatien ging, stieß ich auf einen freundlichen Empfang. Und nicht nur bei der ungarischen Familien. Ich besuchte auch tatarische Familien, die von der Krim geflohen waren, und mit denen wir durch ein Computer-Übersetzungsprogramm gesprochen haben. Die Kinder haben es wirklich genossen, wenn wir einander manchmal nicht verstanden haben, und wir uns durch Gesten erklärten. Activity. Ich habe Soldaten besucht, und Freiwillige, die für den subkarpatischen Soldaten auf dem Schlachtfeld Nahrung und Kleidung sammelten. In Aknaszlatina/Solotvino, unter den Ruinen des alten Salzbergwerks stießen wir auf Onkel Jura, der dort gearbeitet hatte, und ist heute ein Nachtwächter im Minengebiet. Wir trafen auch Onkel Béla, in dessen Garten einen großen „Krater“ gibt, weil der Boden über einer ehemaligen Mine eingestürzt hat.

Die Zahl der Ungarn in Subkarpatien wurde drastisch reduziert. In der Volkszählung von 2001 etwa hundertfünfzigtausend Personen erklärten sich Ungarn. Es gibt viele Mischehen, wo die Kinder nicht mehr Ungarisch sprechen. In der schlechten wirtschaftlichen Situation alle diejenigen, die es leisten können, suchen Arbeit im Ausland. Es ist viel schwieriger denjenigen, die entscheiden, zu bleiben. Sie leben auf wenig Geld von Tag zu Tag, aber sie glauben, dass es nicht hoffnungslos ist, zu bleiben, und dass sie eine Zukunft in ihrer Heimat haben. Die durch die Laune der Geschichte in den letzten hundert Jahren fünf Mal Besitzer gewechselt hat.

veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1


Sardinien 1959 – Aserbaidschan 2015

Was veranlasst uns, weit zu gehen? Weit im Raum, ich meine, wenn unser Raum eineschränkt scheint? Eher als der Raum, ist es die Suche nach die verlorene Zeit. Es gibt ein woanders, wo die verlorene Zeit noch vorhanden scheint. Wenn wir uns in diesen Welten eintauchen, finden wir eine langsamere Zeit, eine Isolation, die uns hilft, uns selbst zu hören. Wir verlassen unsere Rollen, und wir bekommen wieder uns selbst, mit unserem Lächeln, mit unserem Blick, oft mit unseren Schweigen. In diesen Schweigen finden wir, zusammen mit der Zeit, die verloren schien, eine reellere Welt, die für uns, für unser Leben aufgehört hatte zu existieren.

Nach der Heimkehr aus Aserbaidschan war der Vergleich mit Sardinien, worüber ich im früheren Post über das wunderbare Buch von Carlo Bavagnoli gesprochen habe, unvermeidlich. Auf den folgenden Doppelbildern die Fotos aus Xinaliq sind meine. Xinaliq war das meistbegehrte Ziel unserer Reise. Ich hatte über es das schöne Figli di Noè der herausragenden polnischen Reisenderin und Fotografin Monika Bulaj gelesen, dessen Einzelausstellung im letzten Monat in Mailand wir natürlich besucht haben, und wir sahen auch ihren Dokumentarfilm Figli di Noè.

Man kommt in Xinaliq nach vielen Kilometern in einer entfremdenden natürlichen Umgebung an. Das Gefühl ist sehr stark. Atemberaubende Ausblicke erschienen vor meinen Augen, und der Rest, die Personen und die Häuser enthüllten sich erst nach und nach. Xinaliq ist in meinem Herzen geblieben, und ich möchte zurückkehren, wenn es möglich wird. Nach Sardinien, wo aus der von Carlo Bavagnoli porträtierten Welt noch etwas geblieben ist, werde ich auf jeden Fall zurückkehren. Während der Wartezeit blättere ich gerne beide Bücher, sehe auf unsere Fotos an, und finde neue Analogien. Die in Xinaliq genommene Fotos sind keine gestohlene Bilder. Zwischen den Bildsubjekten und mir gab es immer ein Spiel der Blicke. Und, natürlich, der Schweigen.

sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3 sardegna3

Sardinien 1959. Carlo Bavagnoli: Afrika zu Hause


Vielleicht ist es, weil ich Sardinien liebe, vielleicht weil für mich Sardinien in erster Linie das Innenhochland ist, oder vielleicht weil ich 1959 geboren wurde… wie auch immer, sobald ich das Buch von Carlo Bavagnoli sah, wusste ich sofort, dass ich es haben will.


Von Carlo Bavagnoli, der Fotograf ich hatte nicht einmal gewusst, dass er existiert, wofür ich mich ein wenig beschämt fühle. Aber das Sardinien, worüber seine Bilder erzählen, kenne ich sehr gut. Zunächst aus den Romanen von Grazia Deledda, und später von unseren Wanderungen in Baronia und Barbagia.

Weil die Armut der Vergangenheit ist immer noch offensichtlich hier. Diese verfallenden alten Häusern aus Stein und Lehmziegeln sind noch Teile der Stadtlandschaft.


Und sie üben einen unwiderstehlichen Charme auf uns. Da in diesen Steinen sind die Geschichten derjenigen Personen eingeschrieben, die hier bis zum Beginn des Wirtschaftsbooms in extremer Rückständigkeit und Elend lebten, während sie ihre Würde, Stolz, und auch eine gewisse Eleganz gewährten. Es ist genug, um mit jedem alten Mann oder Frau zu sprechen, um dies zu verstehen.


Carlo Bavagnoli kam auf Saradinien im Jahr 1959 mit Livio Zanelli, der Herausgeber der Espresso. Aufgrund der hier gesammelten Beweise veröffentlichten sie das Interview-Reihe im Journal, das die Armut des Südens im Auftrag eines parlamentarischen Ausschusses dokumentierte.

„Warum fliehen sie nach Norden? Afrika zu Hause”

Für Carlo Bavagnoli war dies nicht das erste Bericht aus sardinien. Im Vorjahr besuchte er Orani, wo er die Aktivität des Malers und Bildhauers Costantino Nivola dokumentiert hatte.

Costantino Nivola: Weibliche Figur

Costantino Nivola: Heimkehr nach Ithaka. Foto von Carlo Bavagnoli – Orani, Gassen der Altstadt

Eine Menge Leute verlassen Sardinien in jenen Jahren, und gingen zum Festland in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ein schweres Schicksal wartete auf sie, der Verlust ihrer Wurzeln, Unsicherheit und Marginalisierung. Das Gleiche, das heute für diejenige wartet, die Afrika verlassen. Wenn der Berg nicht zu Mohammed geht, sagten sie, muss scdhließlich Mohammed zum Berg gehen. Das Wunder, es ist klar, ließt auf sich warten.

Ich war 1959, im Jahr der Fotoreportage geboren.


Aus meinem ersten Klassenjahr erinnere ich mich auf die Spardose, in der wir Geld für die armen Kinder in Afrika und Bangladesch sammelten. Es machte die Erwachscnen für besser erscheinen, aber diese Armut weit weg von uns war nicht unsere persönliche Verantwortung. Ich erkannte nur viele Jahre später, dass das Schweigen über das Südn beabsichtigt war. Während meiner Wanderungen wollte ich immer fragen, warum sie die Ruinen erhalten. Ich denke, damit sie nicht vergessen, wer sie waren, und was Sardinien war. Ich denke, dass das Buch, das ich gekauft habe, stellt dasselbe für mich dar. Und auch eine kleine Wiedergutmachung. Da genau am gleichen Tag, an dem ich im Norden Italiens geboren wurde, am 20. November 1959, ging jemand aus Norditalien nach Sardinien, um nur das zu sehen, was er dort sehen wollte.


Carlo Bavagnoli wurde 1932 in Piacenza geboren. Nach dem klassischen Gymnasium schrieb er sich in Mailand in die juristische Fakultät ein. In Brera hat er einige junge Fotografen, Alfa Castaldi, Mario Dondero und Ugo Mulas getroffen. 1955 zog er nach Mailand, wo er begann als Fotograf für Illustrazione Italiana, Tempo illustrato und Cinema Nuovo zu arbeiten.

1956 wird er Fotograf für die Epoca, und zieht sich nach das Rom, Hauptquartier des Journals. Hier beginnt er, den Alltag des Stadtteils Trastevere zu dokumentieren. Dank dieser kam er in Verbindung mit dem amerikanischen Journal Life, wo er einige seiner Fotos veröffentlichte.

Im März 1958 geht er zum ersten Mal nach Sardinien, in die Stadt Orani, wo er Constantino Nivelas Arbeit an der Fassade der Kirche von der Madonna d’Itria fotografiert, und seine auf den Straßen der Stadt aufgestellten Statuen dokumentiert.


Das folgende Jahr verbringt er einen Monat in New York, wo er für Life eine Fotoreportage über den Alltag der Stadt bereitet. Zwei Jahre später wird er zum ständigen italienischen Korrespondenten des Journals. Für einige Jahre arbeitet er als freier Mitarbeiter für verschiedene Journals.

1960-1961 im Auftrag der Espresso kehrt er nach Sardinien, nach Loculi und Irgoli wieder, wo er über die Armut in Italien berichtet. In den folgenden Jahren reist er immer wieder nach Amerika. Für Life dokumentiert er die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Beerdigung von Papst Johannes XXIII, und den Wahl von Paul VI. In der Zwischenzeit kontinuierlich veröffentlicht er auch in der Epoca.

1964 ist ein Wendepunkt in seinem kreativen Leben. Er wird als der einziger Italier in die Redaktion der Life aufgenommen. Nach einem Jahr in New York zieht er nach Paris, der Hauptquartier des Journals um.

Seit 1972, die Beendigung der Life wendet er sich wieder nach Italien. Er reist oft nach Hause, veröffentlicht eine Reihe von Fotoalben, macht Dokumentumfilme für den italienischen TV, und beschäftigt sich mit klassischer Musik.


sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2 sardegna2

Fotograf hinter dem Barpult

„Bist du Fotograf?“ fragt mich der große, dünne Mann, als er mich auf Chahar Bagh Straße einholt, auf dem Weg zum Basar von Isfahan. „Nein, ich mache nur Fotos.“ „Jeder beginnt so.“ Er starrt fachmännisch an die Kamera. „Ich habe die gleiche, aber ein Nummer früher.“ „Bist du Fotograf?“ „Ja, ein Pressefotograf, vor allem für iranische Zeitungen, aber ich habe bereits auch in Spiegel und National Geographic veröffentlicht.“ „Wirst du mir deine Fotos zeigen?“ „Gerne. Ich habe ein Café hier im Basar, ich lade dich zu einen Kaffee ein.“


Hassan Ghayedis Ein-Mann-Café ist das einzige Café im Basar, der eine Stadt in der Stadt von Isfahan ist. Im durch das Embargo betroffenen Iran kann man fast nirgends Kaffee kaufen, aber im kleinen Laden Hassans kann man aus den besten Typen wählen. Heimlich bekomme ich als Nicht-Muslim eine Tasse, das Ramadan-Fasten ist noch nicht abgelaufen.

„Die größten iranischen Fotografen? Nun, Cartier-Bresson. Und Ingo Morath. Sie wußten schon alles über Iran. Wie sie die Menschen sehen, die iranische Landschaft. Das ist der Maßstab auch für uns.“

ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1 ghayedi1
Iranische Fotos von Henri Cartier-Bresson, 1950

„Ich erwuchs in der Bergregion von Lorestan, in der Nähe der irakischen Grenze. Mein Vater arbeitete in Katar, und er schickte eine Kamera meiner Schwester. Ich habe mit ihr eine Rolle fotografiert. Mein erstes Bild war eine Bergtulpe, dann die Familie. Als ich es entwickeln gelassen hatte, mein Chef, weil ich auch dort in einem Café begann, sagte dass er dieses erste Bild kaufen würde. Er hat einen guten Preis dafür bezahlt. Ein paar Tage später zeigte er mir, dass es sich in einer der beliebtesten iranischen Wochenzeitungen erschienen war, als ein ganzseitiges Bild, unter meinem Namen. Er sagte, ich sollte ein Fotograf werden. Er gebe mir eine freie Woche, um nach Teheran in den Club der Fotografen zu gehen, mich vorzustellen, um Rat zu bitten. So ist es begonnen.“

Er bittet um die Canon, macht ein Bild von den nächsten Verkäufern, lässt mich ein paar Bilder von sich selbst und seiner Frau machen, die inzwischen gekommen ist. Auch sie starrt fachmännisch an das Ergebnis. „Schönes, klares Bild.“ Es dämmert, das Ramadan-Fasten wird langsam zu Ende, Freunde sammeln sich vor dem Bar, alle kaffeehungrige Fotografen. Einer von ihnen nimmt eine Pose auf, zeigt auf sich selbst, er will, dass ich ihn aufnehme. Sie beugen über das Foto, kritisch gucken an das Ergebnis. Sie sind zufrieden. Sie alle nehmen eine Pose auf.

ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2 ghayedi2

„Was für eine Musik magst du?“ Er sinnt nach, seine Frau antwortet statt ihm. „Die persischen Meister. Shajarian. Dariush Rafee.“ Hassan nickt.

„Was fotografierst du am liebsten?“ „Ich würde gerne in fernen Ländern fotografieren, wenn das Café mich gehen lasste. Bis Abyaneh [50 km vom Basar] bin ich schon gelugen. Nach Sar Agha Seyyed [100 km] noch nicht. Du bist dort gewesen? Wirst du mir bitte deine Fotos zeigen? Wirst du sie für mich hochladen? Aber ich fotografiere meist hier in Isfahan, auf den Plätzen, in den Moscheen, auf der Brücke. Im Basar, die Verkäufer und die Besucher. Dies kenne ich, hier bin ich zu Hause.“



Hafez: Qatl-e in khasteh… Dariush Rafiʿee. Vom CD Golnâr (2006)
Fotos von Hassan Ghayedi. Viele Bilder sind nicht im Mosaik angezeigt, sie können nur durch das Klicken auf eine der Fliesen (logischerweise die erste), und das Scrollen durch die große Bilder gesehen werden.


ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3 ghayedi3


Geistzeichen


مرگ بر شاه marg bar shâh, Tod dem Schah. Jetzt, im Juli 2015. Sechsunddreißig Jahre nach der Revolution. In Isfahan, in den Gassen hinter dem Basar.

„Vierzig Tage nach den Ereignissen in Qom versammelten sich die Menschen in den Moscheen von vielen iranischen Städten, um die Opfer des Massakers zu gedenken. In Tabriz wuchs die Spannung so hoch, dass ein Aufstand ausbrach. Eine Menschenmenge marschierte durch die Straßen, und sie riefen: „Tod dem Schah!“ Die Armee rückte heraus, und hat die Stadt im Blut ertränkt. Hunderte wurden getötet, Tausende wurden verletzt. Nach vierzig Tagen versetzten sich die Städte in Trauer – es war Zeit, um das Massaker von Tabriz zu gedenken. In einer Stadt – Isfahan – ein verzweifelter, wütender Menge strömte auf die Straßen. Die Armee gab die Demonstranten um, und eröffneten das Feuer: mehr Menschen starben. Weitere vierzig Tagen hingehen, und jetzt trauernde Massen versammeln sich in Dutzenden von Stäten, um diejenigen, die in Isfahan fielen, zu gedenken.“
Ryszard Kapuściński: Schah-in-Schah, 1982


Trauerlied am Ashura-Tag über Abolfazl, der Bruder von Imam Hussein, der zusammen mit seinem Bruder bei Kerbala getötet wurde. Als wir es früher geschrieben haben, dies ist das entscheidende Ereignis des Paradigms des Märtyrertums bei den Schiiten.

Foto von Abbas (Magnum Photos), 1979

Das Land der vergessenen Lieder


Reiters in traumhaften Landschaften, Menschen, die einen Ochsen zur Kirchentor führen, mit brennenden Kerzen auf seinen Hörnern, junge Mädchen singen alte Lieder mit nach innen gerichteten Blick. Und Türme überall, in Gruppen oder allein, geschlossene, dunkle Türme. Aaron Huey kommt seit sechszehn Jahren zu Swanetien zurück, seit dreizehn Jahren fotografiert er diese Region. Zehn seiner Fotos wurden in der Ausgabe von Oktober 2014 der National Geographic als Illustrationen zum schönen Essay Brook Larmers über Swanetien, aber in seinem Portfolio hat er fünf Mal mehr.


Chanters of St. Panteleimon: Aslanuri Mravaljmier. Begrüßungssong

svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1 svan1


„Im Laufe der Geschichte wüteten Araber, Mongolen, Perser und Osmanen in Georgien, einer Nahtstelle zwischen Europa und Asien. Die Heimat der Swanen jedoch, ein schmaler Streifen Land in den Schluchten des Kaukasus, blieb unbesiegt, bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Russen die Kontrolle übernahmen. Die Abgeschiedenheit hat Swanetiens Kultur geprägt und ihm seine historische Bedeutung gegeben. Wenn im Tiefland Gefahr drohte, schickten die Menschen ihre Ikonen und Preziosen zur Verwahrung hinauf in die Bergkirchen, die selbst reich ausgestattet waren. Swanetien wurde zur Schatzkammer Georgiens.

Vor allem aber bewahrten sie hinter dem Schutzwall der Berge eine noch viel ältere Kultur: ihre eigene. Schon im 1. Jahrhundert v. Chr. beschrieb der griechische Geograph Strabon die Swanen, die manche für die Nachkommen sumerischer Sklaven halten, als unerschrockene Krieger. Als sie im 5. oder 6. Jahrhundert erstmals mit dem Christentum in Berührung kamen, war ihre Identität schon fest geformt – mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Musik und einem komplizierten Kodex von Ritterlichkeit, Rache und Gemeinschaftsjustiz.

Die schmucklosen Häuser der Dörfer Oberswanetiens ducken sich im Schatten von insgesamt 200 steinernen Wehrtürmen. Diese Bergfriede, zumeist zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert gebaut, sind das sichtbarste Zeichen einer lebenden Kultur, die auf wundersame Weise die Zeiten überdauert hat. In diesen Dörfern, die zu den höchstgelegenen und einsamsten im Kaukasus zählen, haben die Menschen ihre Traditionen genauso verbissen verteidigt wie ihre jeweilige Familienehre. »Swanetien ist ein lebendes Volkskundemuseum«, sagt Richard Bærug, ein norwegischer Akademiker und Hotelbesitzer, der sich um den Erhalt des Swanischen bemüht, einer schriftlosen Sprache. »Nirgendwo sonst gibt es einen Ort, wo noch die Bräuche und Rituale des europäischen Mittelalters gepflegt werden.«“



Zedashe Ensemble: Raidio. Song für Stieropfer


svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2 svan2

„Kaldani steht für das Überleben der swanischen Kultur – und auch dafür, wie bedroht sie ist. Der alte Mann ist einer der Letzten, die noch fließend Swanisch sprechen. Er ist auch einer der letzten Dorfschlichter, die bei Streitigkeiten gerufen werden, vom Diebstahl bis zur Blutrache. In Swanetien galt einst die Pflicht zur Verteidigung der Familienehre. Es gab so viele Dauerfehden, dass Experten davon ausgehen, dass die Wehrtürme nicht nur zum Schutz vor Angreifern und Lawinen gebaut wurden.

In den Wirren nach dem Zerfall der Sowjetunion lebte die Blutrache verstärkt wieder auf. »Ich hatte keine ruhige Minute mehr«, erzählt Kaldani. Meist handelte er einen Blutpreis aus (20 Kühe für einen Mord), und manchmal ließ er die Familien, die sich bekriegten, auch in der Kirche auf eine Ikone schwören und aneinander ein Taufritual vollziehen. »Das sorgt dafür, dass die nächsten zwölf Generationen keine Fehde mehr anfachen werden.«“



Mzetamze Ensemble: Iavnana. Heilsong


svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3 svan3

„Das Lied von Liebe und Rache beginnt leise, nur eine Stimme folgt der uralten Melodie. Andere fallen ein, und eine dichte Folge aus Harmonien und Gegenmelodien baut sich auf, wird immer intensiver, bis sie sich in einer einzigen Note von absoluter Klarheit auflöst. Es ist eine der ältesten polyphonen Musiken der Welt, eine komplexe Form, die aus zwei oder mehr gleichzeitigen Melodielinien besteht und um Jahrhunderte älter ist als das Christentum in Swanetien. Doch an diesem Herbstnachmittag ist niemand in dem ungeheizten Raum älter als 25.

Als die Probe vorbei ist, strömen die Musiker hinaus auf den Stadtplatz von Mestia, lachen, werfen einander Luftküsse zu – und tippen auf ihrem Mobiltelefon herum. »Wir sind alle bei Facebook«, sagt die 14-jährige Mariam Arghwliani, die im Jugendensemble »Laguscheda« antike Saiteninstrumente spielt, darunter eine L-förmige swanische Holzharfe. »Aber das heißt noch lange nicht, dass wir unsere Tradition vergessen.« Trotzdem wäre ihr Talent vielleicht untergegangen, wäre da nicht das Jugendprogramm gewesen, das der charismatische Kulturaktivist Pater Giorgi Tschartolani vor 13 Jahren auf den Weg brachte.

Tschartolani sitzt auf dem Friedhof seiner Kirche und erinnert sich an die postsowjetische Zeit, als die nach sieben Jahrzehnten kommunistischer Unterdrückung ohnehin geschwächte Kultur Swanetiens erneut in Gefahr geriet. »Das Leben war brutal«, sagt er und streicht über seinen langen Bart. Der Priester nickt in Richtung der Grabsteine; auf einigen sind Bilder der Männer eingraviert, die bei Fehden getötet wurden. »Die Dörfer starben aus, und unsere Kultur verschwand allmählich. Etwas musste geschehen.« Sein Programm, in dem Hunderte Schüler und Schülerinnen traditionelle Musik und Tanz lernen, war »ein Licht in der Dunkelheit«“.


Das Lagusheda Ensemble in Stary Sącz, Poland, am 1. Juni 2014

In dem von der National Geographic zusammengestellten Video spricht Aaron Huey über wie er Swanetien als Student und Backpacker kennenlernte, wie er bei einer Familie blieb, die ihn „adoptierten“, und wie er sich in dieses Land und diese Menschen verliebte, damit er in der Lage geworden ist, solche intime Bilder von ihnen zu machen.


„Das erste Mal, als ich nach Swanetien fuhr, habe ich nicht geplant, nach Swanetien zu fahren. Ich war auch kein Fotograf noch, ich war nur ein Backpacker. Aber dies war die Geschichte, die mich einen Fotograf gemacht hat. Ich traf einen deutschen Sprachwissenschaftler, der mir von einem Ort erzählt hat, wo die Leute noch eine Sprache sprechen, die nie geschrieben worden war, und der von 4-5 Tausende Meter hoch Gipfeln umgeben war. So hat mir dieser deutsche Sprachwissenschaftler eine Karte auf einer Serviette gezeichnet, die ich in mein Tagebuch eingezeichnet habe, und am nächsten Morgen setzte ich mich auf den Weg. Auf dem langen Busfahrt in die Berge, nach etwa zwei Stunden drehte sich eine Frau um, und sagte: „Wohin gehst du?“ Ich sagte ihr, dass wenn das Bus am Ende der Straße anhaltet, wird ich ablagern. „Nein, Kind. Bitte tu das nicht.“ Und sie nahm mich mit ihr, und sie nahm mich zu einer Hochzeit.

Diese Geschichten sind nicht nur darum, hübsche Fotos zu machen. Wir erzählen die Geschichten eines ganzen Volkes. Also, wenn wir die Geschichte recht erzählen, wir erhalten diese Dinge. Das ist unsere Aufgabe, diese Poesie zu bewahren. So viele Menschen haben noch nie von Swanetien, dieser Region von Georgien, und dieses Volk, die Swanen gehört, vielleicht ist dies das einzige, was sie jemals über dieses Volk lesen werden. Und ich denke, das ist es, was ich jetzt in allen meinen Projekten suche.“