Uferstraßen



Aleksej Fatjanov – Boris Mokrousov: На Заречной улице (An der Uferstraße). Aus dem Film Весна на Заречной улице (Frühling an der Uferstraße, 1956).

praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight praguenight


Es lebe die Republik!

Unter den Fotos der gestern vorgeführten Dicescu Sammlung gibt es ein – Bild 13 im ersten Mosaik – in welchem, wie es scheint, können wir das früheste Beispiel des bekannten stalinistischen Photoshop-Verfahrens entdecken.


Auf dem in den ersten Tagen der Februarrevolution aufgenommenen Foto die für ein Gruppenbild auf dem Litejny Prospekt von St. Petersburg posierenden Soldaten jubeln mit gezogenen Schwerten die Revolution. Dies wird auch durch die Inschriften des Spruchbandes und der Fahne im Hintergrund betont: В борьбе обретешь ты право свое – „Im Kampf erringst du dein Recht“, und Долой монархию! Да здравствует республика! – „Nieder mit der Monarchie! Es lebe die Republik!“

David Kings große Übersicht, Stalins Retuschen: Foto- und Kunstmanipulationen in der Sowjetunion (1997) veröffentlicht jedoch auch eine frühere Version dieses Bildes.


Das Winken der Fahne ist hier viel natürlicher als auf dem vorherigen Foto, aber wir wissen nicht, was (wenn überhaupt etwas) auf ihr steht. Und was das Spruchband anbelangt, es stellt sich heraus, dass es auf die Stelle eines Ladenschildes retuschiert war, dessen ursprüngliche Inschrift war die folgend: Часы, золото и серебро – „Uhren, Gold und Silber.“

Bei David King endet hier diese schöne runde Geschichte als eines der frühesten Beispiele der kommunistischen Fotoretuschen. Es gibt jedoch einige zusätzliche Details, die Aufmerksamkeit verdienen.


Auf dem russischen Internet kann man schon das bisher unveröffentlichten Urstück dieses Bildes finden. Das ursprüngliche Foto zeigt deutlich, dass die Fahne tatsächlich eine Inschrift hatte, und sie wirklich begann mit Долой мо…


Und auf einem anderen Foto, das die gleichen Soldaten in einer anderen Pose zeigt, kann man nicht nur das vollständige Ladenschild, sondern auch die Inschrift der Fahne erkennen. Und sie ist die gleiche wie auf dem retuschierten Bild, wenn auch etwas fehlerhaft: Долой монорхію. Да Здравствует Демократическая Республика – „Nieder mit der Monorchie. Es lebe die demokratische Republik!“


Dass auch das vorherige Bild nicht vollständig retuschfrei ist, wird durch diese „ursprünglichere” Version mit handschriftlichen Beschriftung gezeigt, was darauf hindeutet, dass es war auch in der Ion Dicescu Sammlung bewährt.

Aber was ist die andere, auf das Foto retuschierte Inschrift: Im Kampf erringst du dein Recht? Wenden wir an den Klassiker für Hilfe:

„Korejko beobachtete aufmerksam Sinickys neues Rätsel. Auf dem schönen Bild der Gans gab es auch einen Sack, aus dem die folgenden Dinge kuckten: ein Buchstabe T, ein Tannenbaum, hinter dem die Sonne aufging, und ein auf musikalische Stangen sitzende Spatz. Das Rätsel endete mit einem Komma auf dem Kopf.
– Dies ist sicherlich kein Kinderspiel zu entschlüsseln – sagte Sinicky. – Sie müssen darauf für eine Weile den Kopf zerbrechen!
– Ach was! – antwortete Korejko mit einem Lächeln. – Nur diese Gans stört mich. Was auf der Erde hat die Gans hier zu tun? Aha! Verstanden! Fertig! Im Kampf erringst du dein Recht!
– Ja – sagte der alte Mann, frustriert, auf gedehntem Ton. – Wie haben sie es so schnell herausgefunden? Sie sind ein unglaublich talentierte Person. Man kann sofort sehen, dass Sie ein erstklassiger Buchhalter sind.

– Zweitklassiger – korrigierte Korejko. – Aber für wen haben Sie dieses Rätsel gemacht? Für die Presse?
– Für die Presse.
– Dann war es eine völlig sinnlose Arbeit – sagte Korejko. – Im Kampf erringst du dein Recht: das ist die Parole der Sozialrevolutionäre. Nicht geeignet für den Druck.“

Ilf-Petrov, Das goldene Kalb

Die Sozialrevolutionäre – die Esers (эсеры oder „S.R.s“) –, die bis zum bewaffneten bolschewistischen Putsch im Oktober die führende Partei der Revolution und die Organisatoren der Arbeiter- und Soldatenräte waren, liehen die Parole ihrer Bewegung vom deutschen Jurist Rudolf von Jhering ab.

„Im Kampf erringst du dein Recht.“ Sozialrevolutionäre Posters, 1917


Das retuschierte Foto hat daher nichts mit den Kommunisten zu tun. Im Gegenteil, stammt es von der Partei, die sie als ihre stärksten Konkurrenten ansahen, und deren Andenken sie nach dem Bürgerkrieg in Vergessenheit verurteilten. Und der Zweck der Retusche war auch nicht jene Art von Geschichtsfälschung, jene Orwellsche rückwirkende Änderung der Vergangenheit, die wir aus den manipulierten Fotos des Stalinismus kennen.

Denken wir hinein: Diese Fotos wurden direkt nach den wohlbekannten Ereignissen in Form von Postkarten verteilt. Ihr Ziel war die Propaganda, die Popularisierung der Errungenschaften der Revolution, und der hinten ihnen stehenden Partei. Sie ändern nicht die auf ihnen geschilderten Ereignisse, sondern in der Art der völkischen Luboks machen sie ihre Botschaft eindeutiger für die Empfänger, die mit diesem visuellen Formel vertraut sind. Eine der beiden retuschierten Inschriften macht nur deutlicher sichtbar die Parole, die die Soldaten in der Tatsache aufhielten, und die andere stellt diejenige dar, die irgendwo auf dem Bild stehen musste, um es klar zu machen, wem die Republik zu danken ist. Es könnte auch in einer Beschriftung dargestellt werden, aber wenn es für sie Platz am Ort des absolut irrelevanten Ladenschildes gibt, sei sie dort, wie auf den Luboks. So wie auf jenem anderen Bild aus der Dicescu Sammlung, dessen Postkartenversion auch durch eine Fahne mit der Inschrift Es lebe die Republik! für den Zweck der Eindeutigkeit ergänzt wurde.



„Absolut irrelevantes Ladenschild“, sage ich, obwohl in Kenntnis der späteren Jahrzehnten der russischen Revolution ist es prophetisch relevant, dass man „Uhren, Gold und Silber!“ am Platz der Parole der Roten Armee liest. Genau wie die Tatsache, das die dieses Streben verratendn Zeichen sorgfältig aus dem Bild retuschierte wurden, wie wir bereits darüber im Zusammenhang mit Jewgeni Chaldejs Reichstagfoto von 1945 geschrieben haben.

Die Frauentagrevolution

„Die Tage der Revolution. Die Polizei füllt Reiseunterlagen aus“

Jeder weiß, wenn die Oktoberrevolution war. Im November. Aber wann war die Februarrevolution? Natürlich im März. Nämlich am 8. März, den Frauentag.

Demonstration der Arbeiterinnen der Putilov-Werken in Petrograd (heute Sankt Petersburg) am 8. März 1917 (nach dem Julianischen Kalender, 22 Februar). Die Spruchbände verkündigen: „Füttert die Kinder der Verteidiger des Vaterlandes!“ „Erhöht die Zahlungen an die Familien der Soldaten – die Verteidiger von Freiheit und Frieden der Welt!“

Der Frauentag wurde am 8. März zum ersten Mal genau vor einem Jahrhundert, im Jahre 1914 gefeiert. Obwohl die Arbeiterinnen von Amerika und Europa es seit 1908 an einem der ersten Sonntage im März feierten, es fiel am 8. März zum ersten Mal im Jahre 1914, am Vorabend des Weltkrieges. Und zum zweiten Mal im Jahre 1917, am Vorabend der Revolution.

An diesem Sonntag fast fünfzigtausend Arbeiterinnen von Petrograd – die Plätze der eingezogenen Männer wurden weitgehend von Frauen in den meisten Fabriken besetzt – gingen auf die Straße und forderten Brot und das Ende des Krieges. Die Proteste setzten am nächsten Tag fort, und am dritten Tag traten alle Petrograder Fabrikarbeiter in Streik. Die Duma vergeblich suchte Hilfe bei dem Zar an der Front, als er wollte die Gefahr nicht wahrnehmen, und wütend löste die Duma auf. Die zur Verteidigung der Hauptstadt geordnete Truppen sympathisierten zunehmend mit den Demonstranten. Am 13. März, die Praxis der Revolution von 1905 folgend, wurden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Auf Antrag der Vertreter der Duma hat der Zar abgedankt, und eine provisorische Regierung wurde gegründet. Und zehn Tage später hat Deutschland, zur weiteren Destabilisierung der Situation in Russland, Lenin und seine Gefährten aus ihrem Exil in Schweiz mit deutschen Pässen und an deutschen Staatskosten zu Hause gesendet. Sie haben in der April-Thesen die Fortsetzung der Revolution bis zum endgültigen Sieg des Kommunismus verkündet.

„Die Tage der Revolution. Das Schlittenauto des ehemaligen Zars“

Die folgenden 54 Fotos, die die ersten, hektischen Tagen der Februarrevolution dokumentieren, wurden erst vor kurzem im Internet veröffentlicht. Die Originale sind im Russischen Staatlichen Museum für Politische Geschichte verwahrt, und nach den spärlichen Daten zur Verfügung kommen sie aus der Sammlung von Ion Dicescu.

„23. März. Die Beerdigung der Opfer der Revolution. Ein Gesamtbild der Fahnen“

Ion Dicescu, auf Russisch Ivan Osipovitch Dik (1893-1938), wurde als Sohn eines Zimmermalers in Bukarest geboren. Im Alter von 18 Jahren trat er der Sozialdemokratischen Partei bei, und wurde Journalist der Zeitung der Partei. Im Jahre 1916, als Rumänien in den Ersten Weltkrieg eintrat, kämpfte er in Siebenbürgen. Während des Rückzugs wurde er verwundet, und er war in einer der im verbündeten Russland aufgerichteten rumänischen Feldlazarette behandelt. Zu Beginn 1917 wurde er in Petrograd gebracht, wo er in Kontakt mit der bolschewistischen Partei getreten ist. In April trat er der Partei bei, und wurde Journalist der Prawda. Nach der Oktoberrevolution kämpfte er in der Roten Garde. 1924, zusammen mit anderen rumänischen Kommunisten im Exil, hat er einen offiziellen Vorschlag zur Gründung der Sozialistischen Sowjetrepublik Moldawien angebracht – die damals nur ein schmaler Streifen, ungefähr das Gebiet der heutigen transnistrischen Republik war –, als Vorbereitung auf die Wiederannexion der rumänischen Bessarabien. 1938 wurde er unter dem Vorwurf von Spionage hingerichtet.

Die in der sogenannten Dicescu-Sammlung erhaltenen Bilder waren wahrscheinlich nicht von Dicescu selbst aufgenommen. Ihre ausgezeichnete Kompositionen zeugen von erstklassigen Pressefotografen, von denen – wie wir darüber noch schreiben werden – es in Sankt Petersburg zu Beginn des Jahrhunderts viele gab. Die auf die Bilder geschriebenen Bildunterschriften könnten darauf hindeuten, dass sie redaktionelle Duplikate von für die Prawda aufgenommenen oder verkauften Pressefotos waren. Es würde sich lohnen, zu überprüfen, ob sie in der Prawda oder in anderen Tageszeitungen veröffentlicht wurden. Es ist sicher, dass viele von ihnen nach der Oktoberrevolution als Postkarten verbreitet wurden. Aber darüber werden wir in einem späteren Post mehr schreiben.

„Die Tage der Revolution. Newski-Prospekt“

february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1 february1

„23. März. Beerdingung der Opfer der Revolution. Trauerzug auf dm Newski-Prospekt.“ Der Spruchband verkündigt: „Ihr fielt Opfer zum tödlichen Kampf“, den ersten Vers des Arbeitertrauermarsches. Auf seine verschiedene Versionen siehe unseren früheren Post.

february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2 february2

„Die Tage der Revolution. Barrikaden auf dem Litejnij-Prospekt“

Gulistan


„Frage, was du nicht weißt, weil die Demütigung des Fragens wird dich auf die Würde des Wissens führen“
Saʿdi: Gulistan

Gulistan – Vargaar: همساده Homsadah (Nachbarn)

Diejenigen, die auf dem río Wang reisen, kennen den Wert von Serendipität. Am Ende des letzten Jahres fielen mir auf einem lokalen Antiquitätenmarkt zwei Dokumente mit markanter Kalligraphie ins Auge. Eine zweihundert Jahre alte persische Handschrift in East Yorkshire deutet auf eine interessante Reise. Zusammen mit den Dokumenten gab es auch ein maschinengeschriebenes Brief vom 30. August 1967, von G. Meredith-Owens, Direktorstellvertreter des Department of Oriental Printed Books and Manuscripts des British Museum. Es lautet so:

Sehr geehrter Herr,

Die drei Dokumente, die Sie im Oriental Students’ Room gelassen haben, sind wie folgt:

1) Diplom vom Schah von Persien von A.H. 1227 (A.D. 1812-13) über die Verleihung einer Dekoration (des Ordens des Löwen und der Sonne) an Sir Gore Ouseley (gest. 1844), britischer Botschafter in Persien.

2) Ein Brief (wahrscheinlich eine Kopie) an ʿAbbās Mīrsā, Gouverneur von Aserbaidschan, von seinem Bruder. Es ist eine Petition für Gefälligkeiten von einem reichen Verwandten.

3) Ein Brief auf Armenisch. Leider haben wir keinen armenischen Expert an der Abteilung, aber es scheint, dass das Italienisch die Übersetzung des Briefes ist.

Ich sende die drei Dokumente per Einschreiben zurück.


Es scheint, dass ich zwei von der drei so beschriebenen Dokumenten habe, aber welche? Das Diplom über die Verleihung des Ordens des Löwen und der Sonne an Sir Gore Ouseley, und das Brief auf Armenisch? Ich habe nichts auf Italienisch. Während man einige Informationen über Sir Gore Ouseley finden kann, über das zweite Dokument gibt es keine, und ich würde dankbar für irgendwelche Hilfe den Lesern von río Wang.

Das Diplom zeigt einige Wasserschäden an einer Kante, und war offensichtlich in der Vergangenheit eng gefaltet, ist aber ansonsten in gutem Zustand. Es ist derzeit gerahmt und unter Glas, so dass die folgende Bilder imperfekt, aber lesbar sind. Es ist empfohlen, den Ansicht zu vergrößern.



Wer war Sir Gore Ouseley?

Sir Gore Ouseley, 1830, mit zwei wichtigen Orden (siehe unten)
„Sir Gore Ouseley, 1. Baronet (1770-1844). In Indien zwischen 1787 und 1806, im Hof von Oudh/Awadh in Lucknow, 1800-1804. Ein beträchtlicher persischer Gelehrte. Verfasser von Biographical Notes on Persian Poets. Einer der Gründer der Royal Asiatic Society.“ Dies ist, wie Sir Denis Wright führt ihn ein in The English Amongst the Persians: Imperial Lives in Nineteenth-Century Iran.

Ouseleys Ernennung im Jahre 1810 als Botschafter im Qajar-Hof von Schah Fath Ali markierte eine Verschiebung in den britischen Interessen an Persien, die bis dann weitgehend in den Händen der Ostindien-Kompanie gelassen war. Im Vorgriff auf das spätere „Great Game“ mit Persien als Pufferstaat zwischen Russland und Indien, waren nun die Beziehungen zu wichtig geworden, um sie an die Kompanie zu lassen. Die Ziele der Agenten der Kompanie in Kalkutta und der britischen Regierung in London waren zunehmend in Widerspruch, und die Ernennung von Ouseley als „Ambassador Extraordinary and Plenipotentiary“ zum Qajar-Hof war „ein Schlag ins Gesicht“ für die Ostindien-Kompanie, und ein klares Indiz der Absicht, eine ständige diplomatische Vertretung in Persien zu haben.

Banyan, Blätter und Früchte. Ein Aquarell aus der Ouseley-Sammlung, jetzt in Kew Gardens.
Ouseley hatte in Indien gedient, und war flüssig in Persisch und Arabisch. Er war auch ein Sammler von Handschriften. Seine Anweisungen von der Regierung waren allumfassend, und wahrscheinlich auf seine Ansicht gelassen, inklusive einer Petition an Schah Fath Ali für den Zuschuß eines Landes für den Bau einer der Würde des Botschafters entsprechenden Residenz in Tehran, dessen Kosten mussten £ 8.000 nicht überschreiten. Er wurde auch angewiesen, Handschriften für das Britisch Museum und Saatgut für Kew Gardens zu kaufen.

Ouseley machte sich auf dem Weg aus England am 18 Juli 1810 zusammen mit Lady Ouseley und ihrer kleinen Tochter, sowie mit seinem Bruder und Sekretär, der Gelehrte Sir William Ouseley. Auf einem zweiten Schiff folgte ihn der nach Hause kehrende persische Gesandte Mirza Abdul Hasan und seine persische Diener. In mehreren Etappen kamen sie in Januar 1811 in Bombay an. Nach einer Ruhepause und Briefwechsel erreichten sie am 1 März den Hafen von Abu-Shahr. Die Überlandfahrt von Bushehr nach Teheran mit allen Gepäcken und diplomatischen Geschenken war langsam und mühsam, besonders für Lady Ouseley, die ihrer zweiter Tochter in Shiraz Geburt gab. Es gab auch ständige Reibung wegen Protokollfragen, als diese keine bloße Handelsdelegation war, und Ouseley „streng auf die Durchsetzung der ihm als Botschafter und Bevollmächtigter gebührenden Ehre achte“.

Britische Delegation im Hof von Schah Fath Ali: Gore Ouseley, John Malcolm und Harford Jones (Teil des Wandgemäldes des Nigaristan-Palastes, 1816-20)

Nachdem sie Teheran erreichten, lehnte Ouseley ab, mit den Hofvermittlern zu unterhandeln, und wurde von Schah Fath Ali am 30. November 1811 in Audienz empfangen. Ouseley hatte aus London den auf einer früheren Ausarbeitung
Schah Fath Alis Porträt im Gulistan-Palast. Für weitere Porträts des Schahs, siehe hier
von Harford Jones basierende „Definitive Treaty“ mitgebracht. Dieser Entwurf – mit einem Auge auf Frankreich – versprach Persien britische Hilfe gegen europäische Aggression, aber mit Napoleons Niedergang und den erneuerten persisch-russischen Feindseligkeiten wurde er bereits von den Ereignissen überholt. Er wurde schließlich in März 1812 unterzeichnet.

„Am 25 Mai 1812 fuhr die Botschaft aus Teheran, die eine ungesunde Residenz während der Hitze des Sommers war, zur kühleren Hauptstadt Tabriz über die berühmte Stadt Qazwin. Auf dem Weg erhielt der Botschafter Informationen, dass der Frieden zwischen England und Russland vermutlich abgeschlossen wurde, und dass ein russischer Diplomat, Oberst Freygang vom georgischen Oberbefehlshaber zur englischen Botschaft in Tabriz gesendet wurde. Diese Tatsache wurde bald verifiziert, und sie erleichterte Sir Gore, die Friedensverhandlungen zwischen Persien und Russland durch die Vermittlung von England zu beginnen.“ (Memoir, lxxviii).

Als Vermittler auf Antrag des Russen überzeugte Ouseley den Schah, einem Friedensvertrag mit Russland beizutreten. Das war der berüchtigte Vertrag von Gulistan, der am 12. Oktober 1813 beim Fluss Seiwa, im Dorf von Gulistan (heute Goranboy, Azerbaidschan) unterzeichnet wurde. Als Wright beschreibt: „Der resultierende Vertrag von Gulistan vom 12. Oktober 1813 war ein herber Schlag für die Perser, die gezwungen waren, praktisch alle ihre Gebiete nördlich des Flusses Araz aufzugeben, der somit der nordwestliche Grenzfluss des Landes wurde und blieb.“ Während das Kaspische Meer für die gewerbliche Flotten beider Länder offen blieb, Russland hatte das ausschließliche Recht, seine Militärflotte auf dem Kaspischen zu stationieren. Die Situation wurde noch schlimmer, als London im März 1812 den „Definitive Treaty“ nachbedachte, und eine neue Version verhandelte, die in November 1814 ordnungsgemäß unterzeichnet wurde. Bis dahin war Ouseley schon auf seinem Weg zurück nach London über Sankt Petersburg. Was auch immer die politischen Realitäten waren, es war kein Höhepunkt der englisch-persischen Beziehungen. Man fragt sich daher, für welchen Vertrag Sir Gore Ouseley den Orden des Löwen und der Sonne erhielte? Für den „Definitive Treaty“ zwischen England und Persien von 1812, oder den Gulistan-Vertrag zwischen Russland und Persien von 1813?


In Sankt Petersburg erhielt Ouseley den Grand Cordon des Ordens des Heiligen Alexander Newski. Diese Medaille, zusammen mit jener des Ordens des Löwen und der Sonne, können diejenige sein, die auf dem Wappen von Ouseley erscheinen, obwohl das Datum des Diploms problematisch scheint; dennoch sieht die Medaille mit dem roten Band so wie der St. Alexander-Newski-Orden aus.


Diese etwas primitive „Miniatur“ kann zwar vom College of Arms nicht anerkannt werden, aber die an Symbolen reiche liebliche ätiologische Geschichte verdient es, hier publiziert zu werden.

„Nach einer in den alten Stammbäumen der Familie Ouseley während vielen Generationen erhaltenen Tradition verheiretete ein tapferer Kavalier der Familie eine wunderschöne junge Dame namens Agnes. Dies geschah in der Zeit Königs Edward I, der nach seinem Rückkehr aus dem Heiligen Land durch Shropshire marschierte, um den Prinzen von Wales (sic) anzugreifen. Ouseley, der ein Mann von einem gewissen Rang in dieser Grafschaft war, hielt es für seine Pflicht, eine Tagereise vor dem King zu reiten, um ihn zu treffen und in sein Haus einzuladen. Am nächsten Tag zog auch Agnes, von ihren Jungfrauen begleitet, eine kurze Strecke aus, um ihren Mann und den König zu treffen. Als sie schon in der Nähe des königlichen Heeres war, stürtzte ein riesiger schwarzer Wolf aus einem Stechpalmebusch hervor, und biß in ihre Hand ein. Das wilde Bestie verbiß sich so sehr in seine Beute, dass der wütende Kavalier konnte es in der Gegenwart des Königs ergreifen, erwürgen, und seinen Kopf von seinem Körper reißen. Vor diesem Abenteuer war das Wappen der Familie Ouseley „gold, ein Balken oben, ein Zobel“, aber bei dieser Gelegenheit gewährte der König seine Vermehrung mit „drei Stechpalmenblätter, grün“, und fügte hinzu „einen schwarzen Wolf mit einem gelösten roten rechten Hand im Mund, auf einer Fürstenkrone, mit dem Motto: »Mors Lupi, Agnis vita«“. Und es wird gesagt, dass in einer Kirche in Shropshire gab es ein Denkmal mit den Figuren dieses Kavaliers und seiner Frau, auf dem sie ohne der rechten Hand dargestellt wurde.“

Aus dem „Memoir of Sir Gore Ouseley” in Biographical Notices of Persian Poets; with Critical and Explanatory Remarks by The Late Right Honourable Sir Gore Ouseley, Bart., London & Paris 1846.

Einige Einzelheiten des Diploms des Löwen und der Sonne tragen eine gewisse Ähnlichkeit zu einer Firman in Nastaliq-Kalligrafie aus derzelben Zeit.

Eine von mehreren Unterschriften und Siegel auf der Rückseite:


__________________________

Von dem zweiten Dokument auf Armenisch ist nichts bekannt, und jede Hilfe wäre wilkommen. Seine Verbindung mit dem persischen Diplom kann kein Zufall sein, als sie das gleichen Datum haben. Als es 200 Jahre alt ist, kann sein Stil formell und höfisch sein. Wenn jemand bereit ist, eine Übersetzung irgendwelches Dokuments zu versuchen, bitte benachrichtige mich durch río Wang.


ouseley ouseley ouseley ouseley ouseley ouseley ouseley

„Solange du nicht sprichst, wird dich niemand stören, aber wenn du sprichst, sei bereit, was du sagst, zu stützen.“
Saʿdi: Gulistan

Revolutionäre Propaganda

„Hei, ich bin aus der Kutte gesprungen, trotz all meine Verwandten,
ließ ihn ein Priester sein, der es will!“

Auch alte Revolutionen und Gegenrevolutionen verwendeten Propaganda, alle Arten von Texten und Bildern, dadurch jede Schicht der Gesellschaft und jede Gruppe von Revolutionären ihre Botschaften verteilte.

Diese fünf Radierungen stammen aus der Französischen Revolution, 1789-1795.


Marco Beasley, Accordone – Marcia delle truppe Sanfediste. Von der CD Fra Diavolo: La musica nelle strade del Regno di Napoli (2010)
Eine gegenrevolutionäre Version von La Carmagnole, 1799 von den Sanfedianen gesungen, eine Volksbewegung gegen die Republik von Neapel, die Bauern und Briganten mit Unterstützung der Kirche mobilisierte. Die Bewegung erhob sich in Kalabrien unter dem Befehl des Kardinals Ruffo, und führte zu anti-Französische Ausschreitungen.

Die Revolutionären öffneten Vereine des freien Gesprächs. Diese rätselhafte
Radierung (1790) stellt den Verein als Bühne dar. Die Schauspieler führen
eine Parodie des Regimes auf, vor allem des Königs Doppelzügigkeit
(daher die Referenz der Apostelgeschichte 23 zur heuchlerischen
Sanhedrin), mit dem auf einem Seil tanzenden, und von einem
Priester (der Kirche) unterstützten König. Die auf der Bühne
tanzenden Persönlichkeiten dürfen maskierte Aristokraten
sein. Eine gut gekleidete Frau, vielleicht Théroigne de
Méricourt,
leitet das Orchester. Das begeisterte
Publikum erwartet die Auflösung.

Nach 1792, die internen und externen Kriege haben die Figur des neuen
Rattenfanger-Franzosen geschafft, zumindest in der revolutionären Propaganda

Im Jahre 1793 wurde der Teufel krank, als er zu viel Sansculotten gefrasst hatte.
Er scheint die moderate Fraktion zu symbolisieren, die versucht hatten, die
Radikaler zu unterdrücken, aber diese könnten schwer verdauert werden,
als sie sich stärker als der Teufel selbst bewährten. Er gibt es auf, und
sie fliehen in die „Société des Frères et Amis“ – die Gesellschaft
der Brüder und Freunde –, einer der linksextremistischen Klubs
während des Terrors. Im Hintergrund ein Wagen wartet darauf,
die Sträflinge zur Guillotine zu bringen, die der Teufel
durch die Ausleerung umgeworfen hat.

Nach dem Terror zeigt diese Radierung die Verbrüderung eines Jakobiners, ein Parteigänger von Robespierre, mit Discordia auf den Ruinen eines brennenden Dorfes.

Und die letzten Worte gehören zu dieser Wahren Gemeinen Guillotine:
„Eine gute Unterstützung der Freiheit, in der Tat!“

Masleniza

Boris Kustodiev: Maslenitsa, 1919

Nur ein paar Stunden, und mit der Verbrennung der Strohpuppe als Symbols des Winters beendet sich die Masleniza, die letzte Woche vor der morgen beginnenden orthodoxen Fastenzeit. In dieser Woche kann man schon kein Fleisch essen, aber Milch und Eier sind noch immer erlaubt. Deshalb ist das festliche Gericht der Woche die Eierkuchen, блины, woher der andere Namen dieser Woche, Блинница, Eierkuchenwoche kommt. Dies ist die Woche der Karnevalsvergnügungen, traditionell mit Jahrmarkten, Schlittenrennen, Feuerspringen. Und am Sonntag – wie heute den ganzen Tag im russischen Internet – jeder bittet um Verzeihung und jeder jedem verzeiht.

maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa maslennitsa

Die Szene der Masleniza von Nikita Mihalkovs Der Barbier von Sibirien (1998).
Reconstruktion des Historisch-Ethnographischen Theaters von Moskau.