Wolken eingezwängt zwischen den Bergen, direkt unterhalb die schmale Straße, in den Felsen geschnitzt, hoch über dem Tal des Flusses. Vielleicht ein schweigsamer Taxifahrer, der das Licht nicht einmal nach dem Einbruch der Dunkelheit einschaltet, allen Ernstes behauptend, dass es Benzin verbraucht, und der, um dein Land zu lokalisieren, fragt dich, wer ihre traditionelle Feinde sind. Vielleicht ein guter Freund, der die Passagen der aserbaidschanischen Literatur und Film auf die Region von Herzen zitiert, aber fährt hier zum ersten mal mit dir, zwei hundert Kilometer von seiner Heimatstadt Baku.
Im Post von Gestern haben wir die tatische Dörfer in Aserbaidschan erwähnt, über deren iranischen Dialekten der junge Gruenberg-Cvetinovic seine Doktorarbeit schrieb. Jetzt präsentieren wir die größte, Lahidsch, auch in Bildern. Die Fotos wurden von Aleksandr Cheban auf seiner Tour im Jahr 2011 in Aserbaidschan übernommen.
Der Südkaukasus wurde zum Teil des persischen Reiches im 6. Jahrhundert v. Chr., und persisch-sprechende ethnische Gruppen begannen in die Bergen aufzuwandern. Der Prozess beschleunigte sich unter den Sassaniden (3. bis 7. Jh. n. Chr.), wenn persische Garnisonen und Dörfern wurden angesiedelt in der nördlichen Grenzregion.
Seit dem 11. Jahrhundert türkische Stämme, die Vorfahren der modernen Aserbaidschaner, begannen zu besiedeln die Region, aber die iranische ethnische Gruppen haben bis zum heutigen Tag in den isolierten Tälern der Berge überlebt. Die Türken nannten sie Taten, sesshafte Bauern, aber sie haben keinen einheitlichen Namen für sich selbst. Einige Dörfer nennen sich Parsi, Perser, andere Daghli, Bergbewohner, während die Bewohner Lahidsch einfach Lohijan, diejenige von Lahidsch, da in der weiten Region gibt es keine andere Siedlung, mit der sie eine gemeinsame Identität haben könnten. Ein andere Hindernis einer gemeinsamen tatischen Identität ist, dass einige von ihnen schiitische, andere sunnitische Muslimen sind, noch andere armenische Christen, und obendrein auch die Bergjuden in Tatisch sprechen.
Lahidsch ist eine der ältesten bewohnten Siedlungen im modernen Aserbaidschan, mit mehreren hundert Jahre alten, erdbebenresistententen Steinhäusern, und einer tausend Jahre alten Kanalisation, eine der ältesten der Welt.
Lahidsch war seit dem Mittelalter eines der wichtigsten Zentren der aserbaidschanischen Handwerks. Das Dorf ist nach Gewerbe in drei Teile unterteilt, und jeder hat seinen eigenen Hauptplatz, Moschee, Hamam und Friedhof. Neben den Lederer und Teppichweber, das wichtigste Gewerbe war das der Kupferschmiede, noch heute verfolgt von vielen Meistern mit den traditionellen Techniken. Irgendwann lieferten sie für die gesamte region, bis zu Georgien und Süd-Russland im Norden, und nach Persien im Süden. Nach unkontrollierbaren Legenden sie bereiteten die Mütze des Monomach, die älteste Krone der russischen Zaren. Jetzt warten sie in den Geschäften am Erdgeschoss für die resolute Turisten, die auf den beschwerlichen Straßen so weit fahren.
Im synkretischen muslimischen Glauben des Dorfes wehrt die mumifizierte Katze den Böse ab
Ein fünfzehn Minuten langer Film des weißrussischen TV (in russischer Sprache) über das Dorf, in dem die obigen Bilder unerwartet zum Leben erwecken
Ich suchte etwas ganz anderes auf dem Regal, wenn ich meine zerfetzte Taschenausgabe von „Märchen und Legenden von Sistan”, eine kommentierte Ausgabe der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften entdeckte – und ich war überrascht zu erkennen, dass ich noch ein paar Verse der schönen russischen Übersetzung rezitieren konnte, und dass ich noch daran erinnerte, wie das Buch-Projekt geboren wurde nach der überraschenden Entdeckung einer sistanischen Legendenerzähler, der seit Jahrzehnten in einer kleinen Stadt in Turkmenistan lebte. Die Details aber waren schon unscharf, deshalb habe ich wieder dem Linguist und Dichter nachgesehen, der diese Geschichten aufgezeichnet und übersetzt hat. Einige sind kanonische Rustam-Legenden aus der Schahname, dem Buch der Könige, andere bislang unbekannte Legenden, die als historische Erzählungen erzählt wurden, und noch andere Volksmärchen, die sich in ihren eigenen Kanon fügten.
A. L. Gruenberg-Cvetinovic
(in der westlichen Transliteration auch als Aleksandr Grjunberg bekannt)
Aleksandr Gruenberg-Cvetinovic war eine fascinierende Figur, ein Iranist und ein obsessiver Feldforscher, die unzählige kleine Sprachen in den abgelegenen Bergtälern des Kaukasus und Zentralasien dokumentierte, und viele Legenden und Volksgedichte übersetzte.
Mit 22 schloss er sein Studium der iranischen Linguistik an der Universität Leningrad ab. Im Jahr 1953 begann sein Studium am Institut für Sprachwissenschaft. Seine PhD Dissertation beschäftigte sich mit der Sprache der Tat von Nord-Aserbaidschan, die in einer Reihe von semi-isolierten Bergdörfer lebten. Im Gegensatz zu den damals zahlreicher jüdischen Tat von Dagestan, ein Teil der aserbaidschanischen Tat waren Schiiten, und andere armenischen Christen. Eine Gruppe, die berühmten Kupferschmiede von Lahidsch, noch hielten sich für Nachfolger der Persen, die in den legendären Zeiten des Schahname-Königs Kai Khosrow hier übersiedelt wurden.
Aber das meisten exotische Abenteuer des jungen Studenten passierte im Jahr 1958, in den Bergen von Badakhshan, Tadschikistan, auf der Yeti-Expedition der Akademie der Wissenschaften, die sich schell in eine Jagd nach die Sprachen und Folklore der Badakhschan-Bergbewohner entwickelte. Obwohl die westliche Welt die post-Everest Yeti-Begeisterung in 1955-56 schon überstanden hatte, war Russland in seiner üblicher Weise ein paar Jahre zurückgeblieben. Vladimir Obrutschev, der neunzig Jahre alt Patriarch der russischen Geologie brachte eine gewisse Unterstützung für die Hypothese des in den Bergen von Pamir – „das Dach der Welt”, wie man es stolz nannte – lebenden Yeti zusammen. Kirill Stanjukovitsch, ein renommierter Geobotaniker und Science-Fiction-Schriftsteller berichtete, dass ihm die Einheimischen über einen „wilden Mann” gesprochen hatten, den sie golub-yavan oder möglicherweise gul-bayavan nannten. Und im Jahr 1958 wurde Stanjukovitsch zum Leiter einer Expedition ernannt, an der irgendwie kein Primatenforscher Teil nahm – nur zwei Iranisten.
Der Sarez-See, der vermeintliche Lebensraum des golub-yavans, nach Kirill Stanjukovitsch
Aleksandr Gruenberg schloß der Expeditionsgruppe von Anna Rozenfeld an, die auch in Sankt Petersburg geboren wurde, aber eine Generation früher, und die auch Iranistin, Dialektforscherin, Folkloristin und Übersetzerin von Volksmärchen war. Anna Rozenfeld war ein Yeti-Skeptiker, die die Yeti-Frage als eine Gelegenheit für volkskundliche Sammlung auffasste. Zur Gruppe gehörten auch zwei Mitglieder ohne iranistischen Hintergrund: die junge Journalistin Valentina Bianki, Nichte des berühmten Naturforschers und Kinderbücher-Autors Vitalij Bianki, und der 55 Jahre alt Historiker und Soziologe Boris Porschnew, damals schon Vorsitzer der Abteilung westeuropäischer Geschichte am renommierten Institut für Geschichte, aber für die Nachwelt am besten für seine Yeti-Begeisterung bekannt. Jedes Mitglied der Expedition veröffentliche seinen eigenen Bericht über die Pamir-Abenteuer, aber es waren Porschnews Bände, die sie wirklich verewigten. Stanjukovitsch hat natürlich fiktive Geschichten über den Schneemann veröffentlicht, wo am Ende war es überhaupt nicht klar (wie in den echten Märchen), wie viel er aus den Erfahrungen der Expedition schöpfte, und wie viel seine Erfindung war. Die Rozenfeld-Gruppe forschte Pamiri-Sprachen, wie Vakhan, Shugnan, Rushan und Ishkashim, aber es stellte sich auch heraus, dass einige Chitrali-Stammesangehörige aus den südlichen Hängen des Hindukusch in Badakhshan lebten, als isolierte Nachfahren von den Sklaven, die im 19 Jahrhundert durch die berüchtigten zentralasiatischen Sklavenjäger entführt wurden.
Die Aufmerksamkeit von Gruenberg wandte sich daher zu den isolierten Diasporen der ethnischen Gruppen, deren Urheimat südlich der sowjetischen Grenze lag, aber die innerhalb der Grenzen der Sowjetunion studiert werden konnten. Zwischen 1958 und 1960 endteckte und dokuentierte er die Teymuri-, Jamshidi- und Sistani-Populationen in Saraghs und Kushka, im Süden von Türkmenistan. Dann hatte er die einmalige Gelegenheit, die seltenen Sprachen der Hindukusch-Täler zu studieren, als Übersetzer des afganischen Ministeriums für Bergbau. Zwischen 1963 und 1968 führte er umfangreiche Feldforschung im entlegenen Nuristan, dem legendären Zufluchtsort der Truppen von Alexander der Große, und dokumentierte zum ersten Mal Sprachen wie Munjani, Glangali und Kati. Leider erwartete ein großer Teil seines Feldmaterials noch Verarbeitung am Zeitpunkt seines plötzlichen Todes im Jahr 1995. Ein anderes unverwirklichtes Projekt war die gemeinsame Entwicklung zusammen mit der afganischen Akademie der Wissenschaften eines Dari-basierten Alphabets für Baludschi, Kafiristani, Pamiri und Pashai.
Saraghs-Baba-Mausoleum, Türkmenistan, 1024
Das tragbare Tonbandgerät revolutionierte die volkskundliche Sammlung, und im Jahr 1975 kehrte Gruenberg in Saraghs zurück, um die epischen Geschichten seines Sistani-Informanten Ismail Jarmamedov aufzunehmen. Ismail, geboren in 1915, gehörte zur ersten Generation der in Saraghs lebenden Sistanis. Gruenbergs poetische russische Übersetzungen von Jarmamedovs Märchen stellen mein geliebtes Buch von 1981 dar. Der Rustam-Zyklus der Sistani-Legenden ist ungewöhlich, als es aus teilweise rhythmisiertem Prose besteht, mit Gedichteinlagen. Die archaische Wortschatz und die einzigartigen wiederkehrenden verbalen Formeln und Wendungen der Handlung weisen darauf, dass er eine alte mündliche epische Tradition folgt, die an der Wurzel ganz verschieden von Firdausis Schahname sein kann. Da Rustam ein legendärer Held aus Sistan ist, und da in der sistanischen Version viele Namen und Ortstnamen anders klingen, Gruenberg meinte, dass dieser Legendenzyklus geht zu einem pre-Firdausi lokalen Epos zurück.
Angeblich ein trockener akademischer Aufsatz, ist das Buch der Märchen und Legenden von Sistan so wunderbar poetisch, dass es 75.000 Druckexemplar erreichte, und gewann eine riesige Popularität. Aleksandr Gruenberg nahm auch an zahlreichen anderen Übersetzungen zentralasiatischer Volkssagen und Märchen teil, oft ausdrücklich ihre poetischen Einlagen übersetzend. Er hat mit Hunderten von wunderbaren Versen zur Übersetzung von tatischen, türkischen und pamirischen Legenden und iranischen „anonymen Märchen” beigetragen. Die folgende wörtliche Übersetzung natürlich spiegelt nichts von ihrer Schönheit, aber für einen kleinen Vorgeschmack Gruenbergs Stil, stehe hier ein kanonisches Vorwort der Schahname-Kapiteln sowie anderer epischen sistanischen Geschichten:
Голос донесся с бескрайних небес,
с синего купола дальних небес:
«Мудрый рассказчик, дервиш-острослов
не надевает на слово оков;
страстным влюбленным, тоской обуянным,
мчится оно фарсанг за фарсангом,
ловко, как заяц, и сладко, как мед...».
Шайтан приказал нам посеять табак,
куришь — погибнешь, погибнешь и так!
Курит Аббас, что в Иране царем,
пусть себе курит, да дело не в нем...
Слова — это шерсть, я же войлок валяю;
слова — молоко, я же масло сбиваю.
Ложь безграничная — вот мой рассказ.
Верблюд на блохе едет в город Шираз.
Ива и тополь, сосна и чинар
сладких плодов не приносят нам в дар;
гранат и айва, померанец и тут
сочные щедро плоды нам дают.
Хлебом пусть станет вершина Ходжа,
в мясную шурпу Хильменд превратится.
Явился старик, чтоб шурпой подкрепиться.
«Много не съесть мне,— старик говорит.—
Стар я, устал я, и почка болит.
Съел я три сотни бараньих голов,
ножек без счета — а все же не сыт!»
Eine Stimme wurde aus dem grenzenlosen Himmel gehört,
aus der blauen Kuppel des fernen Himmels:
„Weise Geschichtenerzähler, scharfzüngiger Dervisch
stell dein Wort frei, fliege es wie du wünschst,
jage es wie en sehnsuchtsvoller Liebhaber,
viele Parasangen auf einmal ablaufend,
flink, wie ein Hase, und flüssig, wie Honig!
Teufel gab uns Tabak und lehrte seinen Genuß.
Rauchen tötet dich, aber du wirst sowieso sterben.
Abbas, Schah von Iran hat auch geraucht, aber
lass ihn sein, denn diese Geschichte ist nicht über ihn.
Worte sind Wolle – ich mache Filze davon;
Worte sind Milch – ich mache Butter davon.
Meine Geschichte ist auch unmöglichen Lügen gespinnt,
ein Kamel reitet auf einem Floh in Shiraz.
Pappel und Weide, Zypressen und Pinien
geben uns keine Frucht zu speisen;
Granatapfel und Quitte und Maulbeerbäume
gefallen allen mit ihren süßen Früchten.
Wandle der Hojja-Berg in ein Haufen Brot um,
wandle der Helmand-Fluß in Lammsuppe um!
Ein alter Mann kommt für die nahrhafte Suppe.
Ich kann nicht viel essen, so sagt der Alte,
ich bin müde und schwach, und mein Bauch tut weh,
Ich aß ganze Haufen von gekochten Lammfleisch,
ich aß dreihundert Lammköpfe,
aber ich möchte noch ein bißchen mehr.”
In den letzten Jahren hat das Hozeye Honari Musical Center in Teheran in 32 CDs eine umfassende Sammlung der lebenden Schahname- und epischen Tradition aus den verschiedenen Provinzen des Iran veröffentlicht. Wir haben nur sechs der zweiunddreißig, und die sistanische CD ist nicht unter ihnen. Hören wir stattdessen diese lokale Version des Schahnames von einem lorestanischen (Westlicher Iran, Zagros-Gebirge) Geschichtenerzähler.
Karpatt, Pensez à demain (Denke an Morgen). Aus der CD Sur le quai (2011).
Unsere für 15-16 März geplante Reise nach Subotica/Szabadka, Serbien ist last minute nicht nur, weil aufgrund einer längeren Grippe ich konnte sie organisieren und ankündigen gerade jetzt, zehn Tage vor der Anfahrt. Aber auch, weil vielleicht dies ist der letzte Moment, dass wir das Stadtzentrum von Subotica, der Wiege der ungarischen Jugendstils noch intakt sehen, wie es während der Wohlstand der Wende des Jahrhunderts blühte, und wie es dann im Jahre 1920 von der neuen Grenze in einen Dornröschenschlaf erstarrt wurde.
Es verlautet seit einer langen Zeit, dass die Gemeinde Subotica einen großen Teil des historischen Stadtzentrums zerstören wolle, damit Einkaufszentren an ihrer Stelle zu bauen. Der Abriss wurde bereits mit dem renommierten Volkstheater auf dem Hauptplatz, zwei schönen Paläste von Ferenc J. Raichle, der Schöpfer des Jugendstils in Subotica, und vielen anderen Gebäude begonnen, deren Platz ist nun von Betonmonster besetzt, deren Bau aber wegen der Krise abgebrochen ist. Doch im Herbst 2012 hat die Gemeinde einen neuen Urbanisierungsplan vorgeschlagen, der nicht weniger als 1063 Gebäude in der historischen Innenstadt abbrechen, und damit praktisch das ganze architektonische Erbe des Jugendstils in Subotica vernichten würde.
Das war – dies wurde. Das Volkstheater auf dem Hauptplatz
Allerdings gehen wir nach Subotica nicht zu begraben, aber um das reiche architektonische Erbe einer am Jahrhundertwende sich dynamisch entwickelnden, lebendigen Stadt, sowie die Geschichte hinter diesem Erbe zu entdecken. Ausgehend vom Hauptplatz, werden wir von Haus zu Haus in dem vom Jugendstil und Eklektizismus geprägten alten Viertel der Stadt wandeln, die soziale Struktur der Stadt, die räumlichen und sozialen Beziehungen ihrer vielen ethnischen Gemeinschaften – Ungarn, Deutsche, Bunjevci, Serben, Juden – und die Entwicklung des historischen Stadtzentrums erkunden. Wir besuchen die beiden herausragenden Denkmälern, für deren Bau die aufstrebende Stadtführung mit einem guten Sinn zwei hervorragenden Jugendstil-Architekten, Dezső Jakab und Marcell Komor verpflichtet hat: die Synagoge (1908), eindeutig die schönste Synagoge in der zeitgenössischen Ungarn, und das Rathaus (1912), das auch zu den schönsten Jugendstil-Rathäuser des Landes gehörte. Wir werden die im Blog schon vorgestellte „Jugendstil in Subotica”-Ausstellung besuchen. Und schließlich werden wir den berühmten fin-de-siècle Erholungsort in Palić / Palics, die Jugendstil-Bauten entlang der Palićer See, des letzten Überbleibsel der uralten Pannonischen Meer zu besuchen.
Am 15, Freitag Morgen um 7 fahren wir mit dem Kleinbus von Budapest ab. Um 10-11 kommen wir nach Subotica an, und beginnen unsere Stadtrundfahrt. Inzwischen setzen wir uns für eine kurze Mittagspause im Jugendstil-Bau des Volkskreises oder nur in der serbischen Konditorei gegen die Synagoge, um die am wenigsten Sonnenlicht-Zeit zu verlieren. Um fünf gehen wir an die Ausstellung, dann freie Stadtbesichtigung.
Am 16, Samstag treffen wir uns auf dem Hauptplatz, der an diesem Tag ein Hochzeit-Schauplatz ist, mit wechselnder balkanischen Blechmusik und in Eleganz konkurrierende Hochzeitsgäste, und vor allem mit dem Rathaus, das an diesem Tag für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Nach dem Rathaus gehen wir in die Synagoge über, und nachdem zur Palićer See. In Palić werden wir im Seerestaurant Mittag essen, und von dort fahren wir nach Budapest zurück.
Die Teilnahmegebühr beträgt 70 Euro, die die Reise von Budapest nach Subotica und zurück, die Unterkunft mit Frühstück, und die geführte Tour beinhaltet. Einzelzimmerzuschlag: 15 Euro. Anmeldeschluss: 8. März, Freitag.
Emmanuel Fremiet (1824-1910): Gorilla entführt eine Frau, zweite Fassung, 1887 (die erste, vom Pariser Salon abgelehnte Fassung: 1858). Nantes, Musée des Beaux-Arts
Karikatur von Homer Davenport gegen den New York dominierenden „Crokerism“ (der Einfluss von Richard Croker), 1898
Illustration von Aubrey Beardsley (1894-1895) zu Poes Der Doppelmord in der Rue Morgue (1841)
Journal des Voyages, 31. Januar 1909. (Eine frühere Ausgabe von 1885 hier, und ihr Modell – eine der wichtigsten Quellen des Gorilla-Wahnsinns des 19 Jhs – hier und hier).
„Zerstört diese wütende Bestie! Trete in die amerikanische Armee ein!“ Anti-deutsches anglo-amerikanisches Kriegsplakat, 1917-1918 (Norman Lindsays australische Fassung von 1918 hier)
„Zerstört die deutsche Bestie!“ Nikolai Khaldogins Foto, Leningrad, Blokade, Dezember 1941 – Februar 1942. Das ursprüngliche Plakat hat nicht überlebt, aber seine farbige Version wurde 2011 für eine Filmaufnahme vorbereitet.
Gino Boccasile: Faschistische Propaganda-Briefmark mit einem amerikanischen Soldat, der die Venus von Milo verschleppt, und dieselbe Briefmark auf einem Umschlag in der von den Deutschen besetzten Norditalien, 1944, von hier
Ein ganz kleines Schiff ging auf dem Meer.
Es beleuchtete stark, für sich selbst, und um gefunden zu werden.
Die dünne Mondsichel und die Milchstraße blinzelten zurück.
Es setzte alle Navigations-Fähigkeiten ein.
Vielleicht seine Karten waren alt. Oder ein Fehler schlich sich in die Berechnung ein.
Manchmal als ob etwas verschob am Rand des Horizonts.
Niemand.
Wir haben mehrmals über die seltsamen Koinzidenzen geschrieben, die Spanien und Ungarn, diese zwei fines terrae des alten Europa mit geheimnisvollen Fäden verbinden. Als ein neueres Beispiel veröffentlichte die ungarische und spanische Presse in der gleichen Woche, dass dank der Krise und dem erstaunlich ähnlichen politischen Klima, aus beiden Ländern 500.000 Menschen auf der Suche nach Arbeit in Ausland gingen. Was natürlich bedeutet eine unterschiedliche Proportion in Ungarn, als in Spanien mit seiner fünfmal größer Bevölkerung.
Und es ist noch erstaunlicher, dass jene, die in den letzten hundert Jahren Spanien verließen, haben von ihrer Heimat Abschied genommen und sich im Ausland an sie erinnert mit dem Lied der ungarischen Bettler.
José Serrano, Canción húngara, von José Carreras gesungen
Das Lied ist die letzte Arie der traditionellen Zarzuela – Stück von Volkstheater – Alma de Dios, wo die ungarischen Bettler als eine bunte Nebenepisode auftauchen, um ihr Heimweh zu besingen. Vielleicht sogar der Ungar und sein Bär sungen es während ihrer Wanderung in der Dörfern der Pyrenäen. Das Stück, das in 1907 von José Serrano, der Autor der Hymne von Valencia geschrieben wurde, wurde durch dieses Lied in ganz Spanien sehr beliebt gemacht. Als Wang Wei sich daran erinnert:
In den 10er und 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, mit dem Erfolg der Zarzuela (vor allem in der Gesellschaft von Madrid, wovon die Mode im ganzen Land verbreitete) wurde dieses Lied sehr bekannt, und von allen Arten von Menschen im ganzen Land gehummt. Meine Großmutter sung es mit einem solchen Gefühl, als ob sie eine ungarische Vertriebene wäre. Ich denke, ein wichtiger Grund dafür war, dass in diesen Jahren viele Menschen aus Spanien nach Amerika ausgewanderten. Auch der Vater meiner Großmutter bewegte in dieser Zeit nach Havanna, um Arbeit zu suchen. Er kehrte nach Hause mit mehr oder weniger dem gleichen Geld, als er abfuhr, aber nach langen Jahren von Trennung von seiner Familie, und natürlich älter und enttäuschter.
Andere haben sich auch daran erinnert, dass ihre Ur-Großvater während der Arbeit auf dem Feld immer dieses Lied sung. Und es kann kein Zufall sein, dass es in den letzten Jahren eine neue Popularität gewonnen hat, von solchen Meistern durchgeführt, wie José Carreras, Alfredo Kraus und Plácido Domingo.
Canta, mendigo errante,
cantos de tu niñez,
ya que nunca tu patria
volverás a ver.
Hungría de mis amores,
patria querida,
llenan de luz tus canciones,
mi triste vida.
Vida de inquieto
y eterno andar,
que alegro solo
con mi cantar.
Canta vagabundo,
tus miserias por el mundo,
que tu canción quizá
el viento llevará
hasta la aldea
donde tu amor está.
Es caminar siempre errante
mi triste sino,
sin encontrar un descanso
en mi camino.
Ave perdida,
nunca he de hallar
un nido amante
donde cantar.
Sing, wandernder Bettler
die Lieder deiner Kindheit,
denn wirst du schon niemals
mehr deine Heimat sehen.
Ungarn, meine Liebe,
mein geliebtes Land,
deine Lieder füllen mit Licht
mein trauriges Leben.
Mein rastloses Leben
und ewige Wanderschaft,
die ich nur durch Gesang
kann aufheitern.
Besing, Vagabund,
dein Elend in der Welt,
vielleicht dein Lied
wird von dem Wind genommen
in das ferne Dorf
wo deine Liebe lebt.
Eine ewige Wanderschaft
ist mein trauriges Schicksal,
ohne eine Pause
auf dem Weg zu finden.
Ein verlorener Vogel,
ich kann niemals finden
ein liebevolles Nest,
wo zu singen.