Überblendung: Ferenc-Grube

Aknaszlatina/Солотвино, Ferenc Grube, 1908

Aknaszlatina/Солотвино, Ferenc Grube, 2012. Fotos von Márton Kállai

„Aknaszlatina oder Solotvyno, der einst blühende subkarpatische Salzbergwerk ständing entwickelt sich. Auf der Oberfläche, der Boden wurde gebrochen unter den ehemaligen Bergbau-Kolonien, und das die Gruben abwaschende Wasser hat Krater gebildet, während das Tote-Meer-ähnliche Erfahrung der an die Oberfläche brechende gesättigten Salzlösung ladet immer mehr Touristen, sich einzuweichen. Der Bergbau ist vorbei, und die lokale Ungarn, einmal die Mehrheit der Bergleute, werden immer mehr aus der Welt der neuen ukrainischen Entertainment ausgeschlossen. Eine neue Welt wird auf den Ruinen der Natur gebildet werden, während die alte lebt zusammen mit ihr in der Erinnerung.”

Aknaszlatina/Солотвино, Ferenc-Grube, 1910

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Ein mutiger Mann schwimmt zwischen den Bergbauhölzer auf dem salzigen Wasser des nach dem Einbruch der Ferenc-Grube gebildeten Kraters

Hapax legomenon


Jeder Ungar weiß, wo Újpest ist: eine ehemalige Industriestadt an der Donau, nun der vierte und nördlichste Bezirk von Budapest. Aber wo ist die Újpester Straße? Ich meine, wo ist jene Újpester Straße, mehr als vierhundert Kilometer von Újpest, wo es nur eine Zahl gibt, die 50, und die Häuser links und rechts davon tragen bereits den Namen вулиця Петра Грози, des rumänischen Politiker Petru Groza, der an der Versammlung von Alba Iulia in 1918 als erste die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien forderte, und der in 1945 wurde mit Unterstützung der sowjetischen Armee Premierminister der ersten rumänischen kommunistischen Regierung, so dass bei allen ukrainisch-rumänischen Spannungen verdient er, dass eine Straße nach im in der ukrainischen Солотвино, der ehemaligen ungarischen Aknaszlatina benannt seie?


Zwischen Ukraine und Rumänien die Theiß ist die Grenze, an der erst kürzlich eröffnete Übergangsstelle ein zweisprachiges Plakat verkündet: „Die Theiß, die uns verbindet” Auf der rumänischen Seite, in Sighetu Marmației, der ehemaligen ungarischen Máramarossziget, wo auch die rumänischen Ladenbesitzer bereitwillig dem Ausländer zuliebe auf ungarisch wechseln, die nach dem rumänischen Außenminister Nicolae Titulescu genannte und vom Hauptplatz ausgehende Straße unerwartet läuft gegen die Grenzstation: ursprünglich war sie offensichtlich nicht für eine so kurze Spannweite bestimmt. Hundert Meter und eine Stunde später, am der anderen Ufer führt sie als вулиця Сігітська, Sigheter Straße, an der Hauptstraße, entlang der in den benachbarten Tiszafejéregyháza (Біла Церква, Biserica Albă) die von Sighet in 1920 abgeschnittene Chassidim ihre in 1941 still gewordene Friedhof gründeten, und zur Statue des moldauischen Fürsten Ștefan cel Nare, neben dem an der Ecke, über dem Raiffeisen-Bankautomat, erscheint, nur auf einem Haus, die Inschrift Ujpesti-út, Újpester Straße, sicherlich aus der „Ungarischen Welt” zwischen 1938 und 1944 hier vergessen. Eine perfekte Ghost script.


Lebkuchenhäuschen in den flüsternden Kiefern



Zehlendorf, Waldsiedlung an der Krummen Lanke. Vollbild
An der U-Bahn Endhaltestelle Krumme Lanke, vor dem Verlassen der Stadt hinter uns und dem Absteigen in die Kiefer der großen Grunewald-Seenkette, nur ein paar Minuten zu Fuß finden wir eine gemütliche Waldsiedlung von traditionellen, winzigen deutschen Dorfhäusern mit kleinen Fenstern und hohen Dächern. Die leichte Anfahrt ist nicht zufällig. Die U-Bahn-Linie wurde genau wegen dieser Siedlung bisher hergeleitet. Die in der malerischen Umgebung des Kiefernwaldes gelegene exklusive kleine Häusergruppe wurde ursprünglich für SS-Offiziere und ihre Familienangehörigen gebaut.

1937 richtete SS-Reichsführer Himmler ein Brief an das Reichsarbeitsministerium, laut dem es seine alte Wunsch war, den in der drei Berliner SS-Zentren arbeitenden Offizieren gesunde und ausreichend geräumige Wohnungen in einer geschlossenen und abgesonderten Wohnsiedlung zu sichern. Auf Grund des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit von 1937 hat das Ministerium billige Arbeitskräfte für die Immobilienentwicklung gesichert. Die daraus resultierende Wohnsiedlung ist ein gutes Beispiel für den anderen charakteristischen Trend der Architektur der NS-Zeit neben der Speerischen Monumentalität. Die durch die Propaganda des NS-Regimes unterstützte patriotische Stil fußte auf der Stuttgarter Schule, die einen konservativen Ansatz hatte, aber den Historismus ablehnte, und einen klaren Kontrapunkt des Neuen Bauens der Weimarer Republik darstellte.

Die dorfmäßige Häusergruppe, die reichlich aus den vom Regime favorisierten Elementen der Volksarchitektur schöpfte, wurde von Hans Gerlach in den Studios der Baugenossenschaft GAGFAH geplant, mit der Anwendung der in den zwanziger und dreißiger Jahren entwickelten Bautypen. Im Gegensatz zu den vorherigen GAGFAH-Bebauungspläne, die durch besondere Gärten umgenommene Einfamilienhäuser enthielten, Gerlach differenzierte die Gebäude nach der offiziellen Hierarchie, behandelte das Gebiet als eine parkähnliche Einheit und entwickelte an das Gelände anpassenden Straßenlinien.

Der aktuelle Lageplan (vergrößern). Durch Bewegen der Maus über die Straßennahmen können Sie die ehemaligen und moderne Namen lesen

Die politische Ideologie bestimmte nicht nur die Fassaden und Formen der einzelnen Gebäude, sondern auch den idealisierten dörflichen Charakter und die großen, meist fünf- oder sechs-Zimmer-Wohnungen, die das NS-Familienideal unterstützten: die zu Hause arbeitende Hausfrau und Mutter, und die Erziehung von je mehr Kindern mit wertvollen und kontrollierten arischen Genomen.

Diese idyllische familienzentrierte Konzeption fand eine positive Resonanz in weiten Kreisen der Bevölkerung. Meinungsumfragen zufolge, wenn die Mehrheit der aktuellen deutschen Bevölkerung behauptet, dass die NS-Zeit auch positive Eigenschaften hatte, denken sie vor allem an das System der Familienunterstützung. Aber sie neigen dazu, zu vergessen, dass die Bevölkerungs- und Familienpolitik mit einem Fokus auf den Krieg und auf der Grundlage von Rassismus wurde als ein einziges Set angeboten, dessen Ziel es war, eine schelle numerische Überlegenheit zu schaffen. Neben der Unterstützung der arischen Großfamilien enthielt es auch die Errichtung von Zuchthäuser für ledige arische Mütter, den Numerus Clausus der Frauen, die Zwangssterilisation der vermutlich Erbkrankheiten tragenden Frauen und die Tötung der mit solchen Krankheiten geborenen Kinder, die Todesstrafe für Abtreibung, und viele anderen ähnlichen Maßnahmen. Schließlich führte sie direkt dazu, dass während es zwar äußerst günstige Position einigen Gruppen gewährte, andere konnten nicht einmal ihr bloßes Leben behalten.

Darüber hinaus hatte die GAGFAH-Story auch seine dunklen Flecken. Das Unternehmen verwendete die vom Reichsarbeitsministerium gesicherte Zwangsarbeit der Buchenwald-Häftlinge. Mindestens fünfzehn der Mitglieder des Präsidialkollegiums des Unternehmens waren mittlere und obere Führungskräfte der NSDAP. Das System der miteinander verflochtenen Verantwortlichkeiten ist noch unklar, als GAGFAH hat ihr Finanzwesen der Ära bis zum heutigen Tag nicht transparent gemacht.

Die ursprünglichen Namen der fünfzehn Straßen der Wohsiedlung bieten eine gut durchgedachte Fassung der gründenden Ideologie. Die Namen wurden aus den mehreren tausend Vorschlägen ausgewählt, die für den August 1938 im Schwarzen Korps, der Zeitung der SS angekündigten Wettbewerb ankamen. Eine Gruppe von ihnen betont die Pflege und Vermehrung der reinen Rasse, und gleichzeitig zeigt den Platz der Frau in der Familie auf: Ahnenzeile, Brautpfad, Mütterstraße, Kinderreichtum. Eine andere Gruppe weist die wichtigsten NS-Tugenden auf: Treue, Dienst, Himmelsteig, und bietet ein Vorbild auch für Männer: Staffelweg. Schließlich tragen die vier Hauptlängsstraßen die Namen von vier NSDAP- oder SS-Gründer, und sie laufen zusammen in den sich am Eingang der Wohnsiedlung öffnenden Führerplatz.

Der verwirklichte Bebauungsplan der Wohnsiedlung berücksichtigte die natürliche Umwelt in vollem Umfang. Man bewahrte den bestehenden Waldcharakter. Die vielen erhaltenen Kiefer, die auch die Häuser von oben versteckten, sind auch in den alten Fotos zu sehen, und in den vergangenen Jahrzehnten hat die Vegetation zwischen den Häusern eine noch größere Rolle übernommen. Die Einheit von mehr als dreihundert Wohnungen besteht aus vier verschiedenen Kategorien, mit gleichwertigen Wohnungen innerhalb jeder Kategorie, die mit Berücksichtigung des Ranges zugewiesen wurden. Die höchsten Offiziere lebten in den Einfamilienhäusern in der Mitte der Wohnsiedlung, die mittleren Beamten in den Zweifamilien- und Reihenhäusern, und die noch kinderlosen Paare am Rande der Wohsiedlung, in den mehrgeschossigen Eigentumswohnungen entlang der Argentinischen Allee.

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Die Familienhäuser hatten vier Zimmer (zwei auf dem Straßen- und zwei auf dem Obergeschoß), Speisekammer, Küche, Badezimmer, Terrasse, Abstellraum für Kleider, und Dachboden. Jedes Gebäude hatte einen Keller, wovon ein Teil natürlich ein verstärkter Bunker war. Die Küche und das Badezimmer wurden mit Sanitär- und andere Geräten auf dem Standard der Zeit gut gerüstet. Die Häuser hatten auch einen Privatgarten.

Die Straßenfassade (links) und Gartenfassade (rechts) eines Einfamilienhauses.
Erdgeschoß und erste Etage.

Die Zweifamilien- und Reihenhäuser, obwohl in einer ökonomischeren Form, folgten die gleichen Grundsätze.

Straßenfassade (links) und Gartenfassade (rechts) eines Zweifamilienhauses.
Erdgeschoß und erste Etage


Straßenfassade (links) und Gartenfassade (rechts) eines Reihenhauses.
Erdgeschoß und erste Etage

Die Schrägdächer mit großem Spreizwinkel, die eine gute Nutzung des Dachraumes erlaubten, die mit Klappläden ergänzten geteilten Fenster und Türen, die holzgetäfelten, herausspringenden Dachfenstern oder die Blumenkästen reichen auch zur deutschen Volksarchitektur zurück. Die konsequent angewandten Farben fördern die gleiche Tradition: der gleichmäßig helle Putz ist durch rotbraune, dunkelgrüne und dunkelblaue Elemente geteilt.

Kein Prunk an den Fassaden, die einfachen Bauten strahlen Komfort und ein solides Wohlbefinden aus, der wahre Luxus ist durch die geräumigten Wohnungen und den natürlichen Umwelt, den nahe gelegten See und das Klima des Kiefernwaldes dargestellt. In der einfachen Gestaltung der Fassade spielte es eine Rolle, dass die Konstruktion aufgrund der niedrig geplanten Mieten ökonomisch ausgeführt werden musste.

Nach den ursprünglichen Plänen hätten die Wohngebäude mit öffentlichen Gebäuden in der Form einer unabhängigen städtischen Einheit ergänzt werden müssen. Obwohl einige Geschäfte und Bedienungseinheiten verwirklicht wurden, die entlang der nördlichen Seite der Wohnsiedlung, im Norden von der aktuellen Zwingerberger Weg geplanten öffentlichen Gebäude, der Kindergarten, das SS-Gemeindezentrum, die Bildungs-, Kultur- und Sportzentren wurden nie gebaut. Trotz dieser Mängel, die zu jener Zeit für vorübergehend gehalten waren, war die Wohnsiedlung ein großer Erfolg. Das geplante beispielhafte Gemeinschaftleben konnte jedoch nicht erreicht werden, da mit dem Fortschreiten des Krieges viele der Mieter starben oder verschwanden, und die Wohnsiedlung vor allem von Frauen und Kindern bewohnt war. Im Jahre 1945, nach der Flucht der übrigen Einwohnern blieben die meisten der Häuser leer, und die verlassenen Gebäude wurden von Flüchtlingen besetzt.

Gemäß den Bestimmungen der alliierten Streitkräfte wurden 1945 die Wohnungen im Rahmen der Entschädigung an die ehemaligen NS-Opfer zugeordnet. Auf der ersten Blick scheint diese Entscheidung durchaus ambivalent: aus dem KZ oder dem Keller der Gestapo in die Musterwohnsiedlung der Begünstigten des Regimes – aber zu einem zweiten Gedanken scheint es eine ziemlich logische Wahl. Die kürzlich errichteten Gebäude stellten eine herausragende architektonische Qualität dar, und waren in gutem Zustand. Ihre Verwendung war nur natürlich in der Knappheit von Wohnungen der zerstörten Stadt. Damals hat die Wohnsiedlung den Namen Krumme Lanke Waldsiedlung nach dem nahe gelegenen See erhalten. Die an die NS-Vergangenheit erinnernden Straßennamen wurden auch ersetzt, nur der Himmelsteig und Im Kinderland haben ihre ursprünglichen Namen behalten.

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Obwohl seine Vergangenheit immer noch widersprüchliche Gefühle auslöst, doch seine architektonische Qualität und historische Bedeutung sind unbestritten, so ist die ehemalige SS-Kameradschaftssiedlung seit 1992 unter Denkmalschutz. Heute sind die Häuser in Privatbesitz, und die Besitzer sind in der bewussten Erhaltung der architektonischen Werte durch die Informationsbroschüre der GAGFAH unterstützt. Die Gebäude sind in gleichmäßig guter Zustand, die Räume zwischen ihnen sind gut gepflegt, sie scheinen in jedem Detail ausgearbeitet werden, so dass man die Wertschätzung für die gebaute Umwelt fühlen kann. Nach dem Zustandekommen des Denkmalschutzes wurde vorgeschlagen, dass irgendein öffentlichen Denkmal die Aufmerksamkeit auf die Geschichte der Wohnsiedlung lenke, aber der Empfang ist widersprüchlich, als viele befürchten, dass sie so ein Nazi-Wallfahrtsort werden könne. Deshalb können wir kein Anzeichen mit Hinweis auf die Gründungsgeschichte finden.

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Ein interessanter Vergleich konnte das modernistische Wohnsiedlungsprojekt von Bruno Taut sein, nur eine Haltestelle entfernt, die nur ein paar Jahre früher, aber nach völlig anderer Formensprache und Ansatz gebaut wurde. Dies wird aber die Gegenstand eines anderen Posts werden.

Die Krumme Lanke

Ein Dreigroschenprogramm

Die sterblichen Menschen lässt du zu Stau…
Und sprichst: Kehrt zum Staub zurück, ihr Menschenkin…

Ein Programmvorschlag für einen freien halben Tag zwischen den für die nahe Zukunft geplanten grandiosen Mittel- und Osteuropäischen Reisen. Oder auch nur für drei freien Stunden. (Eine Synopsis)

Zur Szene der nächsten Reise fahren wir aus dem Herzen von Budapest, dem Blaha Lujza Platz ab. Nach etwa fünf Straßenbahnhaltestellen erreichen wir den Zielort. Sobald wir aussteigen, können wir zwischen drei Richtungen wählen.

Die gepflasterte Straße nach rechts führt zu den Plattformen des inzwischen aufgelösten Józsefvároser Bahnhofs.

Geradeaus ist die Straße in der nichts verloren. Dies ist das Ende unserer bekannten Welt.

Nach links, eine noch weniger bekannte Welt hinter dem vom größten Meister des ungarischen Jugendstils, Béla Lajta errichteten Tor. Kein Eingang, kein Ausgang.


Im fast leblosen Vordergrund, plötzlich erscheint ein intensiv lauschender Hund.


Wenn einer der Steintafeln mit einem lauten Krach zu Boden fällt, der Hund schritt vor, aber immer lauscht er intensiv. Jetzt auf uns.

Zuerst schauen wir um in dem geschlossenen Hof vor dem Baurest, der sein Kuppel schon vor einigen Jahrzehnten verloren hat, und wurde einst für rituellen Beerdigungszeremonien verwendet.

Wenn der Portier den Hund anliegt, und schiebt die Planke an der Ecke des Gebäudes, ähnlich dem Eingang eines Hühnerhof, ab, können wir in den Friedhof ein(aus)treten.

Um uns herum, die Gräber und Mausoleen der wichtigsten Persönlichkeiten der Post-Emanzipation (1867–) Zeit, der jüdischen Prominenten, die um die Wende des Jahrhunderts starben. Nur ein paar zufällige Grabsteine, beginnend vom Eingang:

• Vilmos Vásonyi, der sein Justizministerseid zur Tora nahm;
• Manfred Weisz, Gründer des Eisenwerks von Csepel, und seine Familie;
• Die Familie Bródy, feine Literaten;
• Lipót Aschner, Gründer des renommierten Glühbirnenfabrik Tungsram;
• Der Maler Adolf Fényes;
• Der Talmudgelehrter Vilmos Bächer;
• Das Mausoleum der Hatvany-Deutsch Familie, das durch eine spezielle breite Straße von draußen angefahren werden kann;
• Der doppelte Grabstein der Zwack-Familie, Erfinder und Hersteller des Likörs Unicum (1782);
• Die Buday Goldberger Familie, Textilindustriellen von Óbuda;
• Mózes Bloch, erster Direktor der rabbinischen Theologie;
• Stadtpolitiker Mór Wahrmann;
• Rabbi Samuel Lőw Brill;
• Bernát Friedmann, Verteidiger im Ritualmordprozeß von Tiszaeszlár;
• József Kiss, Dichter, Autor, religiöse Songschreiber, Publizist;
• Dávid Kaufmann, Hebräischer Gelehrter, Religionsphilosoph;

Von hier folgt man den kaum sichtbaren Pfad vor den Grabsteine und Mausoleen entlang der Wand, oder die beiden wichtigsten Straßen des Friehofs, die ein Kreuz zwischen den mit einem undurchdringlichen Busch bewachsten Grabzeilen.

Ausweichend, hoppelnd, springend auf den wackelnden Steine, versuchen wir, zum Eingang entlang den bröckelnden und geplünderten Gräber zurückzugehen.

Wir kommen am Ende unserer Reise. Sobald wir durch das Tor durchkommen, und unsere Gemütsstärke aufrichten, wir biegen nach rects ab. Bald kommen wir wieder zur um das Leben riechenden Realität des Telekiplatzes und Lujza und Dobozi Straßen der Józsefváros zurück.

Unsere Reise ist zu Ende, wir wünschen Ihnen viel weiteren Spaß.

(Teilnahmegebühr: 2 Fahrkarten; über 65 Jahre, gratis)

Odessa


Odessa 1905, with the sites of Río Wang’s posts. Full size

• On the Deribasovskaya, at the corner of Rishelievskaya…
• The spirit of Odessa
• Odessa Tales
• The Greek Odessa
• The flea market in Odessa
• The Moldavanka
• Faces from the City Park
• Stairways of Odessa
• The Fanconi Café’s teaspoon found
• Odessa 1931. Color photos by Branson DeCou
• Courtyards in the Polish Street
• New Year in Odessa
• Odessa, the city of marvels
• Odessa, ghost city
• Odessa, 2. Mai 2014
Travel reports:
• Odessa, minute by minute, April 2013
• East Unlimited, April 2013
• Together in Odessa, October 2012

“Apart from decks, it smelt of acacias, dry seaweed, the camomile in the cracks of the sea wall, and of tar and rust. Occasionally, all these smells were washed away by a special after-storm smell from the open sea. It was quite unlike, and could not be mistaken for anything else. It was as though a girl’s arm, cool from bathing, were brushing my cheek.”
Konstantin Paustovsky, 1920


Hände


Familienalbum:
• Alba, 1867
• Hong Kong, 1897
• Marseille, 1900
• Paris, 1904
• Valenciennes, 1918
• Buenos Aires, 1930
—   Bist du das, auf diesem Foto?
—   Hm, ich weiß nicht. Ich bin nicht sicher. Wo hast du es gefunden?
—   In der großen Schachtel, zusammen mit den anderen.
—   Ich kann es sein… oder vielleicht seine Schwester…
—   Die Schwester von Georges?
—   Ich bin nicht sicher, vielleicht bin es ich. Das Foto ist unscharf, sowieso.
—   Wenn es bist du, du hast dich bewegt. Ich mag das weiße Bettuch und die Bretterwand. Ich stelle mich vor, als deine Eltern in dieser Messe im Norden, in Valenciennes herumlaufen. Sie gehen zufällig der Bude des Fotografs vorbei, du hast gerade erst begonnen zu laufen, und sie, stolz auf dich, möchten ein Foto machen lassen.
—   Meinst du?
—   Allerdings wissen sie nicht, wie es zu tun. Die Erwachsene sitzen auf dem Stuhl vor dem Bettuch, der Fotograf sagt ihnen nicht zu bewegen, und er fixiert ihr Porträt auf einem weißen Hintergrund.
—   Mit den Falten des Bettuchs… wirklich das Foto des armen Mannes!
—   Ja, natürlich. Dein Vater ist in der Nähe des Fotografs, wir sehen ihn nicht, sie diskutieren, die Männer, unter sich – oh, wie sollen wir es tun… das Kind sollte nicht anfangen, zu weinen… sie sollte sich nicht bewegen… Es ist deine Mutter, die das Foto wollte, denke ich, und jetzt hat sie Angst, das du abfallen würdest, so hält sie dich fest.
—   Ich habe gerade angefangen zu laufen, sagtest du.
—   Wahrscheinlich wollte sie im Moment der Aufnahme deine Hand lassen und zurücktreten, aber du standest noch nicht sicher auf den Füßen. So konnte sie es wahrscheinlich nicht besser machen… Vielleicht gab es auch eine zweite Aufnahme, eine schärfere, die der Fotograf schnitt um, und die jetzt verloren ist. Siehst du, auf diese könnte man die Hand, die dich hält, deutlich sehen:


—   Hm, nicht wirklich. Ich erinnere mich nicht. Und überhaupt, vielleicht bin ich nicht dies. Wenn ich dies bin, denn frage ich mich, warum meine Mutter nicht auf dem Bild ist, Seite an Seite mit mir. Ein Foto, wo ich auf dem Schoß meiner Mutter sitzen würde, weißt du? Zwar gibt es ein Foto aus der Gefangenschaft…
—   Sie wollten wahrscheinlich ein Porträt von dir, nur dir.
—   Nur mir. Falls sie mich verlieren.
—   Sie hatten ein anderes Kind verloren, nicht wahr?
—   Hm, hm. Oder vielleicht ist es nicht meine Mutter… aber wer? Ein Nachbar? Die Amme? Schau mal: die Amme nahm mich mit zu der Messe, sie hat mich einen kleinen Eimer gekauft, wir kommen zur Bude des Fotografs an und… Gibt es irgendein Bild von mir mit meiner Mutter irgendwo?
—   Ja und neint. Erinnerst du dich an dieses Dokument?


—   Ah, der Ausweis — ja, natürlich. Wir gingen, meine Mutter und ich, auf die Kommandatur, um es ausfertigen zu lassen, einen Tag nach meiner zwölften Geburtstag, im August 1918. Mein Geburtstagsausweis…


—   Und das, das ist kein Passfoto.
—   Nun, es war Krieg! Zunächst wurde die Stadt besetzt. Dann, ab Mai 1918, wurde Valenciennes bombardiert: ich habe die Gymnasiumaufnahmeprüfung in einem Keller übergeben, die Flugzeuge flogen über der Stadt Tag und Nacht, und Bomben fallen überall. Dann, in September sahen wir die Ankunft der Flüchtlingen aus Douai und Cambrai. Und als die Deutschen uns in Oktober evakuierten, mussten wir diese Karte immer mit uns tragen.
—   Evakuierten?
—   Die Front näherte, wir waren auf dem Weg geworfen, meine Mutter und ich. Wir gangen nach Mons, Liège. In der Tat, kümmerte sich niemand in dieser Zeit, um sich fotografieren zu lassen.
—   Und doch brauchte man ein Foto für die Karte.
—   Wir bastelten ein, denke ich.
—   Sieh sorgfältig: versteckt unter dem Stempel, dein linker Arm erstreckt sich aus dem Bild.


—   Nun, ja?
—   In der Schachtel gab es auch dieses Bild deiner Mutter.
—   Bilder meiner Mutter in dieser Schachtel? Zusammen mit meinen Fotos?
—   Ja, ein oder zwei. Dieses, in einem Paket von blauen Papier – deine sind in einem weißen Paket eines Studios aus Boulevard Montparnasse. Schau mal.


—   Ich sehe. Eine Hand auf ihren Schulter.
—   Deine Hand auf ihre Schulter. Und derselbe blaue Stempel der Kommandatur. Wurden ihre Papiere vielleicht am selben Tag gemacht?
—   Oh nein, sie hatte seit langem seinen Ausweis. Sie musste das Foto schon lange vorher geschnitten. So meine Mutter ging in Valenciennes mit meiner Hand in ihren Ausweis herum… Stell dir vor, dass ich in jenem Moment sterbe… unter den Bomben, die auf die Stadt fielen. Meine Mutter hätte mit einer kleinen schwarzen Kralle auf der Schulter geblieben. Ich hätte für die Ewigkeit ihr Gefangener geblieben.
—  Sie hätte für die Ewigkeit dein Gefangener geblieben. Bist du noch immer wütend auf sie? Nach einer so langen Zeit, jetzt, als ihr beide tot seid? Schau mal, wir können das Bild problemlos rekonstruieren:


—   Ja, ich sehe, ein Studiofoto. Wir beide posierten vor einen bemalten Leinwand, ich lag meine Hand auf ihrer Schulter, als der Fotograf sag mir, wir sahen ins Objektiv, keiner von uns lächelte – es war Krieg –, und dann, dann schnitt sie unser Foto in zwei, für die verdammte Papiere. Nur stell dich vor, wir posierten für meinen Vater, um ein Foto zu meinen Vater zu schicken.
—   Dein Vater?
—   Mein Vater war Gefangener irgendwo im Osten. Und sie schnitt das Foto in zwei, anstatt es zu schicken.
—   Vielleicht ist es eine andere Kopie? Vielleicht gab es ein erstes Foto, das zu deinem Vater geschickt wurde, und ein anderes, das sie für die Deutscher in zwei geschnitten hat?
—   Hm, wirklich, ich erinnere mich an nichts. Ich bin so weit weg.