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Tuschetien. Auf einem anderen Dach der Welt


Wir fahren bergauf auf dem in den Fels gehauten Weg. Wasserfälle laufen auf den senkrechten Wänden ab, sie fließen über den Weg vor uns durch, und auf dem Rand der Klippe stürzen sie unten in den schwindelerregeden Abgrund. Manchmal fahren wir bis zu den Achsen im den Weg überschwemmenden Strom. Der dünne Streifen der Straße verläuft um den Rand des Tales wie eine Niveaulinie, an der Spitze des Tales schlägt er scharf zurück und erhebt sich zum nächsten Pass. Der Stori-Fluss brüllt immer tiefer unter uns, die Gipfel des Großkaukasus sind immer steiler, und die Wolken, wie große graue Raubvögel, sinken immer tiefer über unsere Köpfe.



Du gehst wieder. Vom georgischen Volksalbum Idjassi (2005)

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Es ist Ende Juni. Der Schnee auf dem 2900 Meter hohen Abano-Pass schmilzte kürzlich ab, die Schneewände mit ihren fabigen Schichten erheben sich entlang des Weges wie Abschnitte von aderigen Mineralien. Dies ist die Wasserscheide des Kaukasus, von hier aus laufen die Flüsse nach Norden, über das Tal von Tuscheti und durch die dagestanische Grenze. Unter uns, das grüne Tuscheti-Gebirge. Vom Pass kann mann noch die schneebedeckten Kämme von Pirikita, der tschetschenischen Grenzgebirge sehen, die dann allmählich sinken sich, und erst in Tuscheti wieder spektakulär erscheinen.

Tuscheti und das Alazani-Tal an der nördlichen und südlichen Seite des Großkaukasus. Der 70 Kilometer lange unbefestigte Weg, der nur mit dem Allradantrieb oder zu Fuß passierbar ist, führt von Pshaveli durch den Abano-Pass nach Omalo. Tuscheti ist auf der kleinen Einlegkarte von Georgien rot markiert. (Vergrößern!)

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Es hat seit Tage geregnet. Kurz vor Tuscheti schlüpfte der Hang in den Fluss, und blockierte den Weg. Eine einsame Planierraupe versucht, die Schlammlawine abzuräumen, der ungleiche Kampf wird anscheinend für mehrere Tage dauern. Wir müssen ein paar hundert Meter oberhalb der noch bewegten Erde wandern, um dann dass in die aus den Dörfern von Tuscheti gesendeten Off-Road-Jeeps einzusteigen. Nur noch ein Paar einsame Klippen, einige Flussbögen unter uns, und hoch oben auf dem Berghang erscheint das erste einsame Dorf. Nach Ushguli, Xinaliq und Masouleh sind wir noch einmals auf einem der Dächer der Welt.


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Tuschetien ist die zweithöchste besiedelte Gebirgsregion Georgiens nach der nordwestlichen Swanetien, aber sie ist weitaus abgelegener. Ein einziger Weg führt hierher, derselbe siebzig Kilometer lange ungepflasterte Weg, durch den wir eben angekommen sind. Er ist nur von Anfang Juni bis Ende September befahrbar, weil der Pass im Rest des Jahres mit Schnee bedeckt ist. Zu dieser Zeit wird die Landschaft grün, und die Pflanzen beginnen eine spektakuläre Blüte, um den kurzen Sommer auszunutzen. Und zu dieser Zeit kommen auch die Einwohner Tuschetiens aus ihren Dörfern im Süden, entlang des Alazani-Flusses auf, wohin sie in den letzten Jahrzehnten heruntergezogen waren, um ihre Häuser zu reparieren, um die Pflege der Schafe und Kühe von den wenigen alten Männern, die im Winter die Tiere des ganzen Dorfes betreuen, zu übernehmen, und um den Touristen Unterkunft zu bieten, die auch in dieser archaischen Gegend Georgiens, wenn auch nicht massiv, sondern immer kühner erscheinen.



Liebeslied aus Tuschetien. Vom Album Idjassi (2005)

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Die Bewohner Tuschetiens sind meist kakhetische Georgier, die einen alten georgischen Dialekt sprechen, und die nach ihrer eigenen Tradition im 4. Jahrhundert von der Christianisierung Georgiens hier, nach Norden geflohen sind. Der andere Teil der Bevölkerung, die Bats, die eine mit Tschetschenisch und Inguschisch verwandte Sprache spricht, ist im 16. Jahrhundert von der Islamisierung der nördlichen Seite des Kaukasus hier, nach Süden geflüchtet. Heute sind beide Völker nominell orthodox-christlich, aber die erste Kirche wurde erst vor kurzem im Tal eröffnet, und die vorchristlichen animistischen religiösen Traditionen sind noch sehr lebendig. Die Grenzen der bewohnten Gebiete werden mit heiligen Ramhornsäulen bezeichnet, und um jedem Dorf gibt es umzäunte Wiesen, wo sich die Männer für Fruchtbarkeitsritualen sammeln. Im Sommer ist es Aufgabe der kleinen Kinder, die in der Nähe dieser Wiesen spielen, die Touristinnen zu warnen, nicht in die heilige Gegend einzutreten, weil die Anwesenheit von Frauen ihre Macht brechen würde.


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Die zentrale Siedlung des Tales ist Omalo, ein lockeres Ensemble von jahrhundertealten Bauernhöfen um der Fünfturmschloss von Keselo. Die Festung, die sich sehr eindrucksvoll unter dem weißen Grat der dagestanischen Grenzgebirge erhebt, widerstand sogar dem Angriff der mongolischen Armee.


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Das andere Zentrum Tuschetiens, das mittelalterliche Dorf von Dartlo, ist fünfzehn Kilometer, ungefähr eine Stunde mit Allradantrieb entfernt, zum Westen von Omalo im Tal des Pirikita Alazani Flusses. Über dem Dorf erhebt sich der 4300 Meter hohe Dartlo-Berg, auf dessen Gipfel sich die tsetschenische, dagestanische und georgische Grenze zusammentreffen, und durch dessen Pässe die dagestanischen Räuber seit Jahrhunderten in Georgien einfielen. Gegen sie wurden die Festung von Dartlo und die Wachtürme der Dorfhäuser errichtet, die eher das Stil des Feindes, die nach oben spitz zulaufenden, konisch bedeckten tschetschenischen und inguschen Wachtürme auf der nördlichen Seite des Kaukasus, als die gerade mauerten georgische Türme Swanetiens nachahmen. Neben dem Dorf, jenseits des Baches, so dass sich die Toten nicht mit den Lebenden vermischen, liegt der Friedhof, wo die Gräber nach der alten kaukasischen Brauch nur mit einfachen Natursteinen, ohne Grabschrift bezeichnet werden. Die Häuser wurden wunderschön restauriert, sogar eine feine Kneipe im alten tuschetischen Stil wurde gebaut. Die Tuschetier, obwohl sie in die Täler herunterzogen waren, und nur den Sommer hier verbringen, anscheinlich halten ihr altes Dorf für ihre eigentliche Heimat.


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Im nächsten Sommer führen wir wieder eine Gruppe nach Tuschetien und die angrenzenden georgischen Regionen. Wenn Sie mit uns kommen möchten, schreiben Sie uns an wang@studiolum.com.


Wintermusik


Verlassend die Stadt von Alaverdi, die seit undenklichen Zeiten die gesamte Region mit Kupfer aus seinen unerschöpflichen Gruben versah, und die Brücke aus dem 12. Jahrhundert überquerend, auf dessen Balustraden vier steinernen Katzen schlummern in der Sonne, der steile Bergpfad wird schließlich Kloster Sanahin leiten. Über das Tal hinaus ist das Kloster von Haghpat sichtbar, und die beiden stehen auf gegenüberliegenden Seiten eines Nebentals des Debet-Flusses, der durch Armeniens nördlicher Provinz von Lori fließt. Laut Wikipedia bedeutet der Name „sanahin“ soviel wie „dies ist älter als das“, mit scheinbarem Hinweis auf seinen nahe gelegenen Rivalen.

Es ist fast ein Jahr her, dass ich erst dort war, ein paar Stunden nach einem Spätwinter-Schneefall. Die Luft war frisch und kühl, und in der Nachmittagssonne tropfte das Wasser reichlich von den Ästen, die durch ihren schnell zerfallenden Gewicht noch stark verbeugten. Wie ich es oft beim Besuch ungewohnter Orten tue, habe ich eine Tonaufnahme dieser Atmosphäre gemacht.

Ich freue mich zu sagen, dass die Aufnahme auf die Liste der „Best Winter Music von 2016“ der Website A Closer Listen aufgenommen wurde

„Die Filecasts von nula gehören zu den geheimnisvollsten online. Regelmäßig veröffentlicht er Fieldaufnahmen, die Zeit und Ort mit besonderem Kraft wachrufen. Diese kommt aus dem armenischen Kloster von Sanahin, wo „die späte Winterschnee ist nass und schwer, und sie trieft ergiebig in der Nachmittagssonne“. Die Aufnahme erinnert daran, dass der Wechsel der Jahreszeiten auch eine spirituelle Veränderung wiederspiegeln kann, wo die schwere Belastung leichter wird, die Herzen sind geschmolzen, und die Augen wenden sich wieder der Sonne. Auch von Interesse ist nulas neueste Komposition, cold fire.“


Musik des Winters in Sanahin. Aufnahme von Lloyd Dunn, Februar 2016 (11'10")

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Siehe auch den ursprünglichen Post auf meiner Website.

Schuscha, die Stadt der Wunder


„Als unsere berühmte Vorfahren, ach, Khan, in dieses Land kamen, wo sie einen großen und gefürchteten Namen erworben, schrien sie auf: „Kara bak!“ – „Siehe, dort gibt es Schnee!“ Seitdem heißt das Land Karabach. Sein älterer Name war Sjunik. Weil du musst wissen, ach, Khan, dass unsere Heimat ist sehr alt und berühmt. Die Karauli, dunkle Geister leben in unseren Bergen, und sie hüten unermessliche Schätze. Unsere Wälder haben heilige Steine, und heilige Quellen entspringen dort. Wir haben alles. Geh in die Stadt, und schau dich um – arbeitet jemand? Fast niemand! Ist jemand traurig? Niemand! Ist jemand nüchtern? Niemand! Du wirst erstaunt sein, mein junger Herr!

Ich war in der Tat erstaunt, an wie große Lügner diese Leute sind. Es gibt keine Märchen, die sie nicht erfinden würden, um ihre Heimat zu verherrlichen. Erst gestern versuchte ein stattlicher Armenier mich davon zu überzeugen, dass die christliche Kirche von Maras in Schuscha 5000 Jahre alt sei.

Schuscha ist die Stadt der Wunder. Sie wurde in den Bergen, auf einer Höhe von fünftausend Meter gebaut, in der Umarmung von Wälder und Flüsse. Armenier und Muslime leben hier friedlich nebeneinander. Seit Jahrhunderten war sie eine Brücke zwischen den Ländern des Kaukasus, Persien und der Türkei. Mit liebenswürdig kindlicher Übertreibung nennen die Einheimischen ihre kleine Lehmhütten „Paläste“. Sie sind nie müde, vor ihren Türen sitzend und ihre Pfeifen rauchend wieder und wieder aneinander zu erzählen, wie die Generäle von Karabach das russische Reich und den Zar selbst gerettet haben, und was für ein schreckliches Schicksal sie geschlagen haben würde, wenn sie ihren eigenen Schutz an jemandem anderem vertraut hätten.“


Kurban Said: Ali und Nino, 1938. (Der in Pariser Exil geschriebene
aserische Roman erzählt über der pre-1914 Schuscha)


Am späten Nachmittag kommen wir in die Stadt Schuscha, in Aseri Şuşa, in Armenisch Schuschi. Die Lehmhütten sind längst verschwunden, und sowjetische Wohnblocke besetzen ihren Platz. Von den Palästen, den im 18. und 19. Jahrhundert von geschnitzten Stein gebauten zweistöckigen Häusern stehen viele noch in der Altstadt. Was sie gemeinsam haben, ist, dass sie ganz oder teilweise ohne Dächer und ausgebrannt stehen.

Als wir auf den steilen Straßen heraufklettern, verstehen wir, warum Schuscha der Schlüssel zu Stepanakert im Karabach-Krieg war, warum die aserbaidschanische Artillerie noch im Februar 1992 hier anhielt, als die armenische Armee bereits in die benachbarte Khojaly marschierte, sie von ihrem Flughafen abschneidend und die aserische Bevölkerung der Stadt erschlagend; warum das armenische Hauptquartier in Stepanakert es übernahm, die Bergstadt auf Kosten eines massiven Blutverlusts zu belagern und einnehmen, und warum die Zerstör8ng von 8-9 Mai, des Tages des Sieges, auch ihnen den Sieg über Karabach brachte. Wir schauen von den Resten der Stadtmauer nach unten. Sechshundert Meter unter uns, nur wenige Kilometer entfernt liegt die Hauptstadt von Karabach, die die aserbaidschanische Artillerie vom 10. Januar ab vier Monate lang bombardierte, fast alle Häuser zerstörend, und etwa zweitausend Zivilisten tötend.

Der Hauptgrund für die Zerstörung von Schuscha war nicht so sehr die kurze Belagerung, sondern die armenische Zivilisten, die die Invasionsarmee folgend die Wohnungen der aserischen Bevölkerung, die aus die Stadt geflohen waren, geplündert und niedergebrannt haben. Aber dies war nicht die erste Zerstörung von Schuscha in diesem Jahrhundert. Nach dem ersten Weltkrieg, während des territorialen Konflikts zwischen der kurz unabhängigen armenischen und aserbaidschanischen Staaten, am Ende März 1920 haben die aserbaidschanische Armee und die aserischen Einwohner von Schuscha für drei Tage die armenische Bevölkerung der Stadt massakriert und das Armenierviertel zerstört. Von den von Kurban Said gelobten siebzehn Kirchen blieben nur zwei, die, aus Mangel an Gläubigen, das sowjetische System in Lagerhäusern umgewandelt überlebten. Von den 45 tausend Bewohnern der Vorkriegszeit blieben nur fünftausend. Deshalb konnte Ossip Mandelstam so spät wie 1931, während seiner kaukasischen Reise diese Zeilen aufzeichnen:

…Так, в Нагорном Карабахе,
В хищном городе Шуше
Я изведал эти страхи,
Соприродные душе.

Сорок тысяч мертвых окон
Там видны со всех сторон
И труда бездушный кокон
На горах похоронен.
...Und in Nagorno-Karabach,
in der zerstörten Stadt Schuscha
sah ich Dinge, die ebenso
schrecklich für die Seele waren.

Vierzigtausend tote Fenster
gähnen auf jeder Seite, und der
leere Kokon der ehemaligen Arbeit
als Friedhof auf dem Berg liegt.

Shusha, Ruinen des armenischen Viertels, um 1920

Heute ist die Situation umgekehrt. Die armenische Kathedrale wurde restauriert, ebenso wie mehrere Häuser in ihrer Nachbarschaft. Hier leben die viertausend Einwohner der Stadt – die vor 1992 15.000 Menschen hatte –, vor allem aus Aserbaidschan geflüchtete Armenier. Heute ist es das aserische Viertel, das tot ist.

Auf den ehemaligen Marktplatz ankommend fühlt es, als ob wir die Stadt verlassen hätten. Die Asphalt endet, wir stolpern im Schlamm, zwischen tiefen Pfützen von schmelzendem Schnee. Die Fenster der sowjetischen Wohnblücke gähnen schwarz und leer. Dem sowjetischen Kulturhaus ist nur die Fassade mit dem Stalinbarock-Tympanon geblieben. Am Ende des Platzes steht noch die 1787 gebaute Obere Moschee. Die schwarze Plakette vor ihr gibt es bekannt, dass sie unter staatlichen Schutz steht. Tatsächlich wurde der kleine aserische Friedhof in seinem Garten, im Gegensatz zu dem Friedhof von Julfa, nicht verwüstet. Der staatliche Schutz schützt aber nicht von der Zeit, die die Mosaikbedeckung der Minarette und die Bögen und Ziegelfassade der Moschee langsam zugrunde richtet. Auf Fotos aus 2007 haben die Minarette noch ihre Dächer. Heute sehen wir nur eine seltsame Struktur an ihrer Stelle, die wahrscheinlich zur Abhebung der Dächer diente, wenn sie bereits in Gefahr gerieten, von selbst zu fallen.

Schuscha, Obere Moschee, 1988

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Unter dem Marktplatz, hinter dem ehemaligen Kulturhaus liegt die 1874 gebaute Untere Moschee, jetzt in ähnlichem Zustandt. Kinder spielen im Hof. Wenn sie uns erblicken, wenden sie sich an uns mit einem unerschrockenen Vertrauen, und zeigen sie uns die von unter den benachbarten Ruinen gesammelte Rüstkammer. „Aserbaidschaner. Sie wurden von den Aserbaidschanern hintergelassen.“ „Und wohin sind sie gegangen?“ „Zurück in Aserbaidschan.“ „Und ihr seid von dort gekommen?“ „Gar nicht. Wir sind aus Schuschi. Wir sind doch keine bezhentsy, Flüchtlinge!“

Sie zeigen uns die geheimen Treppe in die Minarette und an die Spitze der Kuppeln hinauf. Die Bögen des Gebäudes sind von unten gesehen noch intakt, aber von oben kann man sehen, dass zwischen den freiliegenden, ohne Dach verlassenen Kuppeln wachsen junge Bäume, die die Ziegelgewölbe langsam zersplittern werden.


Unsere Begleiter folgen uns, sie wollen uns alles zeigen. „Diese waren persische Häuser.“ „Nicht aserische?“ „Nein, nein. Die Aserbaidschaner lebten dort. Hier lebten die Perser.“ „Und was ist mit ihnen geschehen?“ „Sie sind auch weg.“ „Und dies war das Gefängnis“, zeigen sie auf den verfallenen Keller des Kulturhauses. Wir fragen nicht, wer hat wen dort eingesperrt.

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Als wir auf der Hauptstraße zurückspazieren, nach dem Rat von Mustafa Agha prüren wir über, ob jemand arbeitet. Wir freuen uns zu sehen, dass man in fast jedem Torweg arbeitet, man packt Esel, schneidet Fleisch, näht und Töpfe macht, und ein Fotograf nimmt in seinem Studio auf, wie es war, als in Schuscha noch Armenier und Muslime friedlich nebeneinander lebten.

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„Ach, Khan“, sagte Mustafa Agha. „Deine Vorfahren führten Kriege, aber du bist im Haus der Weisheit gesessen, und du bist ein gebildeter Mann. Also hast du über Kunst gehört. Die Perser sind stolz auf Saʿadi, Hafez und Ferdausi, die Russen auf Puschkin, und im fernen Westen lebte ein Dichter namens Goethe, der ein Gedicht über den Teufel geschrieben hat.“

„Sind alle diese Dichter auch von Karabach?“ fragte ich ihn.

„Nein, mein edler Herr, aber unsere Dichter sind besser, auch wenn sie nicht bereit sind, ihre Worte in das Gefängnis der toten Buchstaben einzuschließen. Sie sind zu stolz, ihre Gedichte abzuschreiben. Sie singen sie.“



Qubanin ag almasi (Weiße Äpfel von Quba), in Bayati Shiraz Mugham-Modus, von Miralan Miralanov gesungen. Aus dem Album Aserbaidschanische Liebeslieder. Karabach, und insbesondere Şuşa waren das Zentrum der traditionellen aserischen Mugham-Musik.

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Kommen Sie mit uns nach Georgien!


Ich bin gerade in der Vorbereitung der armenischen Tour von 2. bis 10. Mai, ich werde die genaue Route und Kosten (mehr oder weniger die gleiche wie der georgischen Tour) am 20. Februar veröffentlichen. Als aber die Flugtickets jetzt preiswert sind, kaufen Sie es jetzt, wenn Sie sich schon fest entschlossen haben. Allerdings schreiben Sie mir bevor das, weil der Kleinbus für die erste Woche schon fast voll ist.
Nach die vier sehr erfolgreichen Kaukasusreisen des letzten Jahres laden wir unsere Leser wieder nach Georgien. Wir fahren dort im Mai, wenn die Berge leuchtend grün sind, die Bäume blühen, und die außergewöhnlich schöne georgische Landschaft noch schöner als sonst ist. Wir fahren in der Nacht von 9. Mai mit dem Billigflug Wizzair aus Budapest nach Kutaissi, und kommen am 17. Mai in der Morgendämmerung zurück. Bis dann gibt es noch viele Zeit für die Vorbereitugen. Trotzdem kündige ich die Reise so früh an, weil die Flugtickets jetzt wirklich preiswert sind, und nach der letztjährigen Erfahrungen erhöht sich ihr Preis schnell. Deshalb wenn Sie teilnehmen möchten, schreiben Sie mir bis Freitag, 15 Januar an wang@studiolum.com, damit ich sehen könne, wie viele wir sind und einen genauen Preis kalkulieren könne, und  wer schon sicher ist, das Ticket schon jetzt kaufen könne.

Während der Exkursionen des letzten Jahres haben wir das ganze Land bewandert, von den nordwestlichen Bergen von Swanetien durch die östliche Weinregion Kachetiens zu den südlichen Höhlenklöstern von Samzche. Dieses Jahr spenden wir weniger Zeit im Bus, und mehr in den schönsten Regionen des Landes, in Swanetien und auf der georgischen Heerstraße, und widmen mehr Zeit der Entdeckung von Tiflis. Wir besuchen auch einige außergewöhnlich schöne und berühmte Regionen, für die wir letztes Jahr keine Zeit hatten: die Klosterkirche von Gergeti unter dem nördlichen under dem nördlichen Grenzgebirge Kazbegi, die aus den sozialistischen Zeiten hintergebliebenen Seilbahnen von Chiatura, und die Einsiedelei von Katskhi. Wir reisen mit klimatisiertem modernem Minibus, in Tiflis und Kutaissi vernachten in Vier-Sterne-Hotels und in Swanetien und Kazbegi in Familienpensionen. Die geplanten Kosten der Reise sind ca. 550 € (Hotels mit Frühstück, und in den Pensionen auch mit traditionellem Abendessen, Bus und Führung), die ich an diesem Wochenende,  in der Kenntnis der endgültigen Teilnehmerzahl genau bestimmen kann.

Zur Vorbereitung empfehle ich die Ankündigung der Tour des letzten Jahres sowie unsere gesammelten Posts über Georgien zu lesen (die kontinuierlich vermehrt werden). Im Folgenden skizziere ich die Route und Programm der sieben Tagen, so dass diejenige, die sich bereits registriert haben, können es im Sessel durchlesen und sich darauf vorbereiten, und diejenige, die es noch nicht getan haben, dazu verleitet seien, jetzt beizutreten.

Die Karten können mit dem Link „More options“ auf Vollbild vergrößert werden. Nur die wichtigsten Haltestellen wurden angezeigt, aber wir werden auch an vielen anderen Orten für einige herrlichen Aussichten und historischen Sehenswürdigkeiten anhalten. Wenn die Karten dafür eine Idee geben, lassen Sie es uns wissen.


Mze Shina: Shairebi. Folksmusik aus Swanetien. Vom Album Ushba.


1. Von Kutaissi nach Swanetien

Unser Flugzeug kommt am frühen Morgen in Kutaissi an. Um Zeit zu sparen, fahren wir sofort nach Swanetien, eine der archaischen und schönsten Bergregionen Georgiens ab. Wir haben zwei zusätzliche Stunden zum Schlafen im Bus, und der Morgen dämmert auf uns schon im Inguri-Tal, neben Europas tiefsten Wasserspeicher. Auf dem Weg halten wir auch an anderen Stellen an, bei bemalten mittelalterlichen Kirchen und in Dörfern mit tausend Jahre alten Wachtürmen. Auf der kurvigen Bergstraße erreichen wir am Nachmittag unseren Unterkunft in Mestia. Wir schauen in der Altstadt mit Wohntürmen um, und besuchen das reiche Museum für Völkerkunde. Traditionelles georgisches Abendessen in der Familienpension.




2. In den Bergen Swanetiens: von Mestia nach Uschguli

Ein Tagesausflug in die Berge, zur höchstgelegene (2100 m) Siedlung Europas, Uschguli, das Land der mittelalterlichen Wohntürme. Wir werden mit Langlaufbus die 45 Km lange Strecke in 3-4 Stunden zurücklegen, während wir eine atemberaubende Berglandschaft genießen werden. Spaziergang in den drei Teilen des Dorfes Uschguli.  Am späten Nachmittag, auf dem Weg zurück nach Hause fahren wir mit der Seilbahn zum Aussichtsturm oberhalb Mestia hinauf, von wo aus wir die höchsten Gipfel des Kaukasus sehen können. In Mestia, traditionelles georgisches Abendessen.




3-4. Von Mestia nach Tiflis und ein Tag in Tiflis

Die längste Straße unserer Reise: in sieben Stunden kommen wir aus den Bergen ins Tal der Mtkvari/Kura ab, und fahren entlang des Flusses in die Haupstadt. Auf dem Weg halten wir ein paar Mal an, um sich auszuruhen und einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, einschließlich der legendären Festung von Surami und des Museums Stalins in Gori. Unser Hotel in Tiflis liegt im Zentrum der Alstadt, so dass an diesem und am nächsten Abend kann man die Stadt auch auf eigene Faust erkunden. Am nächsten Tag bewandern wir die Altstadt, den früheren Palastbezirk rund um der Metekhi-Kirche, den muslimischen Viertel mit den türkischen Bädern und der Moschee, den alten armenischen Kaufmannsbezirk, die Kala, und über ihm die mittelalterlichen Kirchen des Bethlehem-Viertels. Am Abend, traditionelles Abendessen in einem ausgezeichneten georgischen Restaurant im jüdischen Viertel, wo ich noch einmal die Folk-Band von drei Mädchen aus Swanetien einladen werde, die uns bereits im letzten Jahr so sehr fasziniert haben.




5-6. Von Mzcheta entlang der georgischen Heerstraße zu Kazbegi und zurück

Wir beginnen den Tag in der alten georgischen Hauptstadt Mzcheta, nicht weit von Tiflis, die immer noch das Zentrum der georgischen Kirche ist. Nach dem Besuch der Kathedrale und der Jvari (Heiligkreuz) Kirche – Georgiens erstes christliches Heiligtum – auf dem Hügel auf der anderen Seite des Flusses, machen wir uns auf die ehemalige georgischen Heerstraße, die über atemberaubende Serpentinen durch den Großen Kaukasus zur Grenze nach Russland führt. Auf halbem Weg halten wir bei der Klosterfestung Ananuri, eines der schönsten georgischen Klöster an, und auch in ein paar anderen Stellen, einschließlich des Jvari-Passes, mit herrlichem Blick auf beide Seiten des Kaukasus. Über den Bergpass steigen wir bis den Fuß des Kazbegi, der höchste Gipfel Georgiens ab, wo wir die Nacht verbringen. Am nächsten Tag fahren wir mit Jeeps zum Kloster Gergeti hinauf, die die einzige vor der Sintflut gebaute Kirche Georgiens ist :) Auf dem Weg halten wir bei der Kirche von Sioni an, dann überqueren wir wieder den Jvari-Pass, und am Abend kommen wir in Tiflis zurück.




7. Von Tiflis durch Chiatura und Katskhi bis Kutaissi

In unserem letzten Tag in Georgien besuchen wir zwei große Sehenswürdigkeiten, die ins letztjährige Programm nicht aufgenommen wurden: die Schlucht von Chiatura mit der Vielzahl von Seilbahnen kreuz und quer durch die um ihr herum gebaute Bergbaustadt, und das Kloster von Katskhi mit der auf dem vierzig Meter hohen Monolithen gebauten, tausend Jahre alten Einsiedelei. Unsere letzte Haltestelle und die Krönung der Reise wird das königliche Kloster Gelati, eines der schönsten georgischen Klöster, die Grabstätte der georgischen Könige. Diese Nacht schlafen wir in Kutaissi, und in der Morgendämmerung fahren wir zum Flughafen.