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Ein Jahr in Subkarpatien


Am 17. Januar, als die Subkarpatischen Fotos von László Végh in Magyar Nemzet veröffentlicht wurden, teilte ich sie auf dem Facebook von río Wang. Jetzt, in Vorbereitung für unsere Galizien-Tour am Ende Aprils sah ich sie wieder, und ich dachte, sie auch auf dem Blog zu teilen, damit sie von mehr Menschen gesehen seien, und nicht nur in Ungarisch.

Olena zog vor vielen Jahrzehnten von Moskau nach Kőrösmező/Jassinja

„Dank dem József Pécsi Fotostipendium, hat der Fotoreporter von Magyar Nemzet Subkarpatien wiederholt besucht. Er traf sich mit Soldaten auf der Rückkehr vom Schlachtfeld, Familien, die um ihre Angehörigen trauerten, tatarische Flüchtlinge von der Krim. Und mit außergewöhnlichen Gastfreundschaft.

Man kann keinen großen Fotoreport ohne Vorbereitungen beginnen, also begann ich auch mit der Forschung, bevor ich nach Subkarpatien fuhr. Zunächst trat ich in Verbindung mit einem lokalen Journalisten, der mich an mehreren Stellen begleitete, führte mich einer Reihe von Personen ein, und, wenn nötig, mir übersetzte. Er war mein Fixer, als der Journalistenjargon diejenige Personen mit Lokalkenntnisse nennt, die im Zuge einer großen Feldarbeit die ausländischen Journalisten und Fotografen führen und unterstützen.

Das erste Mal, als ich dort ging, war es März. Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich ging nach Verbőc/Verbovec, zum Begräbnis eines im ostukrainischen Konflikt gefallenen Soldaten. Nach 316 Kilometern kam ich an der Grenze. Reisepass. Unterlagen. Kontrolle. Ankunft in Subkarpatien. Schlechte Straßen. Die Abdrücke der Vergangenheit, überall. Graue. Strömender Regen. Und auf dem Weg von Bereszász/Beregovo aus, Polizeistrafen. Nicht wenig. Fast eine Stunde Verspätung. Erschöpft kam ich zu meiner Unterkunft an.

Das Begräbnis von Viktor Márkusz. Er diente im 128. Berg-Infanterie-Regiment

So sehr ich auch es versuchte, konnte ich in den ersten paar Monaten den lokalen Rhythmus nicht aufnehmen. Dann wurde ich mehr und mehr Menschen vorgestellt, die mir geholfen haben. Zum Beispiel, Tante Slava, dessen Sohn ein 22-jähriger Vertragssoldat ist. Sie ist in ständigem Kontakt mit den Soldaten aus Subkarpatien an der Front, also sie kennte die Antworten auf alle meine Fragen, und half mir in allem. Andernfalls unterrichtet sie ukrainische Sprache in der ungarischen Klasse einer zweisprachigen Schule.

Und sehr oft hatte ich Glück. Zum Beispiel, in Kőrösmező/Jassinja, wo ich in die falsche Richtung in die Berge aufbrach, und so stolperte ich auf Olena, die aus Russland nach Subkarpatien umgezogen war. Oder einen Abend, als wir, auf dem Weg zu unserer Unterkunft, eine flackernde Kerze in einem benachbarten Fenster erblickten. Unser Gastgeber, eine ungarische Familie erzählte mir, dass eine alte Dame lebt dort, Mária András, der jeden Morgen und Abend betet auf dieser Weise. Es ist uns gelungen, sie zu besuchen, und sie erlaubte mir, ein paar Fotos von ihr zu machen, während sie betete. Oder Onkel Frédi in Fancsika/Fantschikovo, der über meine Wanderung in Subkarpatien und Fotografieren den Alltag der Menschen gehört hat. Er sagte einem Freund im Dorf, dass er mir seine Tauben gerne zeigen würde.


Und es waren die ungarischen Familien, die ihre Lieben im Krieg verloren haben. Ich verbrachte Stunden mit ihnen. Bei vielen Gelegenheiten habe ich nicht einmal meine Kamera herausgenommen, wir sprachen nur. Am 16. September war das Begräbnis von Sándor Lőrinc in Fancsika. Als ich den Nachricht gehört habe, sass ich in den Wagen, und fuhr zu der Familie den vorigen Abend. Ich stellte mich vor, ich sagte ihnen, wer ich war, woher ich kam, und was ich wollte. Ich sprach viel mit der Mutter Sándors, Tante Anna. Ich dürfte auch an der Nachtwache im kleinen Raum des kleinen Hauses, bei dem mit der ukrainischen Flagge bedeckten Sarg anwesend sein. Am nächsten Tag, bei dem Begräbnis gab es vielen Menschen, alle Bewohner des Dorfes. Und viele ukrainische Soldaten, die ich in Verbőc in März getroffen hatte. Sie begrüßten mir, und sagten dass sie hoffen, uns beim nächstes Mal in einem fröhlicheren Ereignis zu treffen.

Nach dem Begräbnis wollte ich nach Budapest zurück. Allerdings sagte Tante Anna, dass ich nicht gehen könne, bevor ich mit ihnen Abend esse. Ich entschuldigte mich, aber sie haben micht nicht gehen gelassen. Sie haben mir sogar Krapfen verpackt für die Straße. Budapest ist weit weg.

Fancsika/Fantschikovo. Begräbnis des in der Ostukraine gefallenen ungarischen Soldaten Sándor Lőrinc

Überall dort, wo ich während dieser Zeit in Subkarpatien ging, stieß ich auf einen freundlichen Empfang. Und nicht nur bei der ungarischen Familien. Ich besuchte auch tatarische Familien, die von der Krim geflohen waren, und mit denen wir durch ein Computer-Übersetzungsprogramm gesprochen haben. Die Kinder haben es wirklich genossen, wenn wir einander manchmal nicht verstanden haben, und wir uns durch Gesten erklärten. Activity. Ich habe Soldaten besucht, und Freiwillige, die für den subkarpatischen Soldaten auf dem Schlachtfeld Nahrung und Kleidung sammelten. In Aknaszlatina/Solotvino, unter den Ruinen des alten Salzbergwerks stießen wir auf Onkel Jura, der dort gearbeitet hatte, und ist heute ein Nachtwächter im Minengebiet. Wir trafen auch Onkel Béla, in dessen Garten einen großen „Krater“ gibt, weil der Boden über einer ehemaligen Mine eingestürzt hat.

Die Zahl der Ungarn in Subkarpatien wurde drastisch reduziert. In der Volkszählung von 2001 etwa hundertfünfzigtausend Personen erklärten sich Ungarn. Es gibt viele Mischehen, wo die Kinder nicht mehr Ungarisch sprechen. In der schlechten wirtschaftlichen Situation alle diejenigen, die es leisten können, suchen Arbeit im Ausland. Es ist viel schwieriger denjenigen, die entscheiden, zu bleiben. Sie leben auf wenig Geld von Tag zu Tag, aber sie glauben, dass es nicht hoffnungslos ist, zu bleiben, und dass sie eine Zukunft in ihrer Heimat haben. Die durch die Laune der Geschichte in den letzten hundert Jahren fünf Mal Besitzer gewechselt hat.

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Abschied von Jassinja


In den vergangenen Monaten kehrten wir hierfür oder dafür immer wieder zu Kőrősmező / Jassinia, das „deutsch-russische Dorf“ an der Quelle des Flusses Tisa unter dem zu Galizien leitenden Tatar-Paß zurück. Zunächst teilten wir die Entdeckungen unserer Tour im letzten Sommer, dann erinnerten wir uns an diejenigen, die „ihr Leben in einem Einwanderungsverfahren verlieren“, oder kletterten mit der Führung des ehemaligen Reisenden Sándor Török zur polnischen Grenze hinauf, und stiegen mit ihm an der Grenzstation in den Zug ein. Im gestrigen Post, als wir von dem Strukovska-Kirchenhügel herumschauten, und die seltsame Flaschenpost einer hundert Jahre alten Postkarte entschlüsselten, hatten wir einen Einblick in das bewegte Schicksal dieser Region. Jetzt, nachdem wir alles, was wir über sie sagen könnten, gesagt haben, lassen wir Jassinia für eine Weile, zumindest bis wir wieder eine Tour zur Quelle des Schwarzen Tisa führen können. Wir sagen Abschied mit den melancholischen Bildern des tschechischen Foto-Blogs ajedna, die, genau wie die Schriften Ivan Olbrachts, schön beweisen, mit wieviel Liebe und Sehnsucht sich auch ein anderes Volk an diese Region erinnert.


Dunaio, Dunaio, russinisches Volkslied, aufgenommen 2010


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Volksbestimmung


Als ich sie zum ersten Mal erblickte, durch das schmutzige Fenster der entlang dem Ufer der Moldau langsam vorwärts fahrenden Straßenbahn Nr. 5, konnte ich nicht gleich ihren Sinn auffassen. Waren sie wirklich eine Reihe von Propagandaplakaten für die tschechische Annexion von Subkarpatien? Waren sie wirklich absichtlich in diejenigen Steinrahmen angezeigt, die vor 1989 den Reisenden entlang einer der belebtesten Straßen von Prag kommunistische Propaganda schaustellten?

Ich habe meine Augen geschlossen, und dann wieder geöffnet. Ja, es schien wahr zu sein.


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Ist es Anzeichen für einen gewissen latenten Faden tschechischer Hoffnung, eine nostalgische Sehnsucht nach einer mythischen slawischen Vergangenheit, eine Gier nach der Wiedervereinigung von Československo mit dem verlorenen kleinen Bruder, Podkarpatská Rus? Der Vormarsch tschechischer Irredentisten, ermutigt vielleicht durch Putins Schlucken in einem Bissen der ganzen Krim?

Die Sache schien mir auch einigermaßen satirisch, also wandte ich zum Internet, um mehr zu erfahren. Es ist wahr, dass vor 1989 die sechs Steinrahmen in der Wand, die den Letná-Hügel von den nach Edvard Beneš und Kapitän Otakar Jaroš genannten Ufern trennt, für die sozialistische Propaganda benützt wurden. Nach dem Regimewechsel fielen sie aber in Vergessenheit. Seit 2005 sind sie wieder als öffentliche Kunstgalerie namens Artwall verwendet.

Die aktuelle Ausstellung, Verchovina, ist von der als „Kassaboys“ bekannten Gruppe von slowakischen Künstlern aus Košice (auf ungarisch Kassa) veranstaltet. Die Plakate dienen als Dokumente einer fiktiven Volksbestimmung zur Wiedervereinigung der Tschechoslowakei mit Subkarpatien, die ein integraler Bestandteil der Republik zwischen 1918 und 1939 war. Die Künstler selbst sagen, dass das Werk eine Reaktion auf die aktuellen Ereignisse in der Ukraine ist, wo eine in der Wirklichkeit inszenierte fiktive Volksbestimmung die Krim wieder unter russische Herrschaft gebracht hatte. Und ihre Wahl der Reihe der Parolen: Integration, Verbindung, Zugehörigkeit, Annexion sind eine Erwägung der möglichen Zukunft von Podkarpatská Rus (und, pars pro toto, der gesamten Ukraine) in Bezug auf die EU.

referendum referendum referendum referendum referendum referendum referendum Die ursprünglichen Plakate zeigen, dass sie durch Zugabe der roten Parolen auf den Illustrationen eines deutschprachigen Reiseprospekts von Subkarpatien aus den 1930er Jahren zusammengesetzt wurden

Sie können mehr auf der Website Artwall (auf Slovakisch) und in diesem Artikel der Website Aktualně.cz (auf Tschechisch) erfahren.


Frasin

”Kőrösmező [Yasinia]. Gebet der Holzflößer bei der Ankunft des Dammwassers“


„Ngs. [Nagyságos] Tabéry Géza urnak, Oradea-Mare, Kálvária útca 21.

Édes Gézám,
oly szép ez a vidék, ahol járunk, hogy idekivánunk benneteket is. Pompás helyek, kitünő koszt, szegény zsidók és rongyos oroszok… Igen érdekes helyek. Cseh-lengyel határnál, néha átjárunk 14°-os pilseni sört inni Csehiába. Kár hogy oly kevés a hátralevő idő, de vigaszul szolgál, hogy visszatértünk utján ujra meleg és értékes aranyos közeletekben leszünk pár órára. Igen nagy szeretettel gondolunk rátok! Károly.”
„An den Gnädigen Herrn Géza Tabéry, Oradea-Mare, Kálvária Str. 21.

Mein lieber Géza,
diese Region, wo wir sind, ist so schön, dass wir wünschen, ihr seiet hier. Herrliche Plätze, gutes Essen, arme Juden und verlumpte Russen… Sehr interessante Orte. Manchmal überqueren wir die tschechisch-polnische Grenze, um in Tschechien 14° Pilsener Bier zu trinken. Schade, dass es so wenig Zeit blieb, aber ein Trost ist, dass wir auf unserer Heimfahrt einige Stunden in ihrer warmen, wertvollen und freundlichen Gesellschaft verbringen werden. Wir denken an ihr mit viel Liebe! Károly.“

Nach dem früheren Post möchten wir noch für ein paar weitere in Kőrösmező/Yasinia bleiben. Aber bis der nächste fertig wird, laden wir unsere Leser zu einem neuen Spiel ein.

Kőrösmező/Yasinia im heutigen Subkarpatien/Zakarpattya, Ukraine
Wie es bekannt ist, gehörte Kőrösmező/Jassinja (damals Jasiňa) zwischen den beiden Weltkriegen zusammen mit dem ganzen Subkarpatien zur Tschechoslowakei, und wurde de facto nur 1944, und de jure 1947 zur Ukraine übertragen. Doch die obige Postkarte, die wir auf einer Auktions-Website gefunden haben, wurde mit einer gedruckten rumänischen Beschriftung und rumänischer Marke aus Kőrösmező/Yasinia (hier Frasin genannt) nach Oradea-Mare gesendet. Daneben schreibt der Absender auch, dass sie nach Tschechien „übergehen,“ um dort Pilsener Bier zu trinken.

Wie ist das möglich?

Und im allgemeinen ist eine alte Postkarte, wie dies immer eine Flaschenpost, die über eine Anzahl von komplizierten und interessanten Geschichten benachrichtigt. Welche Geschichten können hinter dieser Karte stehen, einschließlich der rumänischen Marke und der überdruckten ungarischen Bezeichnung „Levelezőlap“ (Postkarte), des Adressats und Oradea-Mare, des „Gebets der Holzflößer“ und der Flößer von Kőrösmező; und ob diese letzten zu den „armen Juden“ oder den „verlumpten Russen“ gehörten?

Wir beten unsere gewöhnliche Experten, vor dem Kommentieren die „außenstehenden“ Leser für ein paar Stunden herumraten zu lassen, und in der Zwischenzeit uns ihre eventuelle Materialien zum Post in der Vorbereitung über diese Geschichte zu senden. :)