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Von Mallorca bis Alguer

Alguer/Alghero, Mallorca Straße

Echt Mallorca! siehe: Electri city

„Die Schule der Sprache von Alguer, im Dienst der Identität Alguers. Wer seine Sprache nicht schätzt, liebt nicht seine Heimat!“

Es gibt Länder, die durch das Meer getrennt sind. Und es gibt andere, die durch das Meer verbunden sind. Die unendliche Wasserfläche, die für uns, Festlandmenschen die Grenze der bewohnten Welt darstellt, ist für sie die bewohnte Welt selbst, mit einem dichten Netz von Straßen. Ihre Städte kehren den Rücken den feindlichen Bergen, sie sind zum Meer hin geöffnet, sie schauen einander an von den gegenüberliegenden Ufern des Meeres. Wie das ehemalige Griechenland, das ehemalige Karthago, die ehemalige venezianisch-dalmatinische Gemeinschaft. Und das ehemalige Katalonien.


Auf der Karte schrumpfte das ehemalige katalanische Seereich erheblich. Es enthält nicht mehr Sizilien, weder Provence, Neapel oder Malta, viel weniger das Herzogtum Athen. Aber immer noch gibt es einen kleinen gelben Fleck irgendwo im Osten, in der Ecke von Sardinien, der diese Welt noch rund macht, und erlaubt ihr, ihre maritime Natur zu zeigen. Dies ist Alghero, im sardischen Alighèra, im lokalen sardischen Dialekt Liera. Auf Katalanisch Alguer.

Alguer, von hier

Im Mittelalter kämpften die beiden großen Seemächte, Katalonien – und sein Nachfolger, das Königreich von Aragon – und Genoa für Jahrhunderten um die Vorherrschaft über den östlichen Mittelmeerraum. Der Hafen von Alguerium, dieser herrliche Checkpoint wurde 1353 von den Katalanen von den geuesischen Doria erobert, und zu einem katalanischen Stützpunkt gemacht. Als die erste Beschreibung von Sardinien sagt über die auf der Insel gesprochenen Sprachen im Jahre 1759, zwei Generationen danach, dass Sardinien von Spanien unter piemontesische Herrschaft kam:

„Die auf Sardinien verwendeten Sprachen sind Sard, die natürliche Sprache des Landes, Spanisch und Katalanisch. Die erste ist die gemeinsame Sprache aller Art von Menschen, und die erste, die sie lernen. Es ist sehr schwierig zu schreiben, und somit wird es nur gesprochen. Jeder gebildete Mensch spricht Spanisch, und sie lehren es auch ihren Kindern. In dieser Sprache schreiben sie jeden Brief, Dokument, Schreiben, Vertrag, kurz gesagt, alles, was geschrieben werden muss. Die katalanische Sprache ist nicht allgemein, sie wird nur von den Einwohern von Alghero verwendet, und es wird auch in den meisten der weiblichen Klöstern gesprochen.“

Der örtliche dialekt des Katalanischen ist neben dem Italienisch immer noch eine Amtssprache in der Stadt. Es ist die Muttersprache von einem Viertel der Bevölkerung, aber praktisch jeder spricht es. Auf den in den Schulen und Universitäten Kataloniens, Valencias und Mallorcas ausgehängten Karten des katalanischen Sprachraums blüht stolz und wehmütig der kleine rote Punkt auf der Spitze von Sardinien, als Erinnerung an die einstige Größe und Zeichen der Zusammengehörigkeit. Wie die große katalanische Sängerin Maria Del Mar Bonet – von der wir oft zitierten – singt es in ihrem Lied Desde Mallorca a L’Alguer, Von Mallorca bis Alguer:


Maria Del Mar Bonet: Desde Mallorca a l’Alguer (2003, video hier)

Des de Mallorca a l’Alguer
els mocadors dels vaixells
van saludant-se a ponent,
les oliveres al vent,
antiga boira del cel,
fent papallones de verds.

Des de Mallorca a l’Alguer
la lluna diu cada nit:
«es mor la mar lentament».
El sol respon als matins:
«el foc avança roent,
per les muntanyes que veig».

Des de Mallorca a l’Alguer,
des de l’Alcúdia a l’Albuixer,
des de Maó a Cadaqués,
des de Montgó a es Vedrà,
des de Talltendre a Queixans,
de Porqueroles a Calp,
des de Mallorca a l’Alguer,
des de Dalt Vila a San Joan,
des de Tabarca a Forcall,
de Ciutadella a Llançà,
d'Espalmador a Alcanar,
de Torreblanca a Malgrat,
des de Mallorca a l’Alguer.

Vella remor de la mar:
les illes s’hi van gronxant,
i avui s'agafen les mans
des de Mallorca a l’Alguer.

Els mots que canta la gent:
vives paraules que entenc,
que tots parlam es mateix.
Von Mallorca bis Alguer
die Tücher der Boote
grüßen einander bei Sonnenuntergang
Olivenbäume im Wind
grüne Schmetterlinge in der alten
Nebel des Himmels

Von Mallorca bis Alguer
der Mond sagt jede Nacht:
„Das Meer stirbt langsam“,
die Sonne antwortet am Morgen:
„das rote Feuer bricht nach vorne
bis den Bergen am Horizont“.

Von Mallorca bis Alguer
von Alcúdia bis Albuixer
von Maó bis Cadaqués
von Montgó bis Vedrà
von Talltendre bis Queixans
von Porqueroles bis Calp
von Mallorca bis Alguer
von Dalt Vila bis San Joan
von Tabarca bis Forcall
von Ciutadella bis Llançà
von Espalmador bis Alcanar
von Torreblanca bis Malgrat
von Mallorca bis Alguer

das alte Rauschen des Meeres,
die Inseln wiegen auf ihm
sie geben sich die Hand
von Mallorca bis Alguer.

Die Worte, die die Leute singen
sind lebendige Worte, die ich verstehe,
weil wir alle sprechen auf der gleichen Weise

Der Golf von Alghero aus den sardinischen Bergen gesehen

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„Die Stadt von Alguer im Mondschein, mein Freund…“ Detail aus Salvador Esprius Gedicht Per a una suite algueresa, auf einem Obelisk im alten Hafen graviert

Überblendung: „...cor meum vigilat“


Die Darstellung, die wir hier sehen, ist jedenfalls ein weiteres Beispiel für das verborgene Leben der Bilder, das Aby Warburg so sehr beeindruckte, dass er stellte es als ein eigenes Phänomenon, Pathosformel genannt, in seiner Studie von 1905 über Dürers Beziehung zur klassischen Antiquität. Es handelt sich über ein mehr oder weniger unbewusstes Überleben von expressiven Bildformeln, das hier in der Form der aus dem Herzen des Wachmannes ausgießenden Strahlen Gestalt nimmt.



Die beiden Türen sind nur ein paar Meter voneinander entfernt in der Alstadt von Palma. Die erste ist in der carrer del Call, gegenüber dem the Restaurant „Las Olas“. Die andere an der Ecke von carrer de Sant Alonso und Santa Clara.

Carrer de Pont i Vich

Die Herz-Jesu-Plaketten mit der Großbuchstabenaufschrift „BENDECIRÉ” („Ich werde segnen“) * waren einmal anwesend auf fast alle Türen der Stadt. Heute nur wenige überleben auf den Innentüren, die direkt zu den Wohnungen öffnen. Auf der Straßenfront nur einige verfallende Beispiele sind überlassen. Ihr Platz wird durch dem neuen Bildtyp besetzt, dessen Anwesenheit an einer monatlichen Gebühr gebunden ist.


Claudio Monteverdi: Sacred Music. Roberto Gini, Lavinia Bertotti & Ensemble Concerto. „Ego dormio et cor meum vigilat“ (Ich schlafe, aber mein Herz liegt wach)

Müdes Wasser


Palma, entlang des Parque del Mar, unter den Fenstern des Bischofspalasts,
wo das Wasser die Wand am meisten annähert.


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Straße Sant Francesc, Ecke Pare Nadal


A Palma la processó del Divendres Sant –la del Sant Enterrament– dibuixa gairebé un cercle des de la Plaça de Sant Francesc fins l’Esglèsia del Socors passant pel carrer de Sant Francesc, el de Colom, la Plaça Major i un bocí de Sant Miquel abans de tombar cap al carrer de Josep Tous Ferrer i enfilar la Porta de Sant Antoni. In Palma die Karfreitagsprozession – das Heilige Begräbnis – stellt mehr oder weineger einen Kreis von der Sant Francesc Platz zur Kirche der Jungfrau des Beistandes dar, durch die Straßen Sant Francesc und Colom, die Plaça Major und einen Teil der Sant Miquel, bevor es sich auf die Straße Josep Tous Ferrer einbiegt, und an der Porta de Sant Antoni vorbeigeht.


Nosaltres no ens moguérem de la cantonada del carrer del Pare Nadal, el lloc més estret de tot el recorregut, on els carros s’han de mirar molt per no tocar les parets i on els tambors ressonen més fort. La processó començà devers les set i a les onze encara partien les darreres confraries.Wir verlassen nicht die Ecke der Pare Nadal, den engsten Punkt der ganzen Strecke, wo die carros müssen große Sorge tragen, die Wände nicht zu berühren, und wo die Trommeln am lautesten tönen. Die Prozession beginnt um sieben, und bis elf Uhr passieren auch die letzten Bruderschaften vorbei.


La fosca a voltes creix i cal encendre
la llàntia del cor: qui pot entendre
la nua veritat ama el soscaire.
–Llorenç Moyà–
Manchmal die Dunkelheit wächst, denn entzündest du
die innere Leuchte: der die nackte
Wahrheit versteht, liebt die Einsamkeit.
–Llorenç Moyà– *


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Die Segnung der Tiere


Der Heilige Antonius, der Schutzpatron der Tiere blickt nieder so freundlich und aufmunternd auf die am Morgen seines Festes vor seiner Kirche in Palma aufmarschierenden Tiere, als ob es nicht er gewesen wäre, der die vorige Nacht die Versuchung von Tausenden von Dämonen ertragen musste. Alle Tiere von Mallorca werden hier vertreten, von den Polizeipferden durch die Blindenhunde zu den kompletten Hüherhöfe auf mit Blumen geschmückten Karren. Vielleicht sogar der Elefant und Kamel sind hier, die am 6. Januar zusammen mit den Heiligen Drei Königen im Hafen von Palma landen, und entlang der Promenade Bearn marschieren, aber ich weiß nicht, dieses Jahr habe ich zu spät gekommen, nur die Kleinen wurden für mich verlassen.


Dudelsack und Trommel: Die Segnung der Tiere vor der Kirche des Heiligen Antonius in Palma, 17. Januar 2014. Aufnahme von Lloyd Dunn.

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Der Winter geht, der Frühling kommnt

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Letzte Nacht vergeblich versuchten die Dämonen den Heiligen Antonius in allen Städten von Mallorca: der heilige Einsiedler blieb treu seinem Gelübde. Die wütenden Dämonen sammelten sich am Tor von Palma an, und marschierten mit feurigen Wagen durch die Stadt, bevor sie im Hafen entschwunden. Nächstes Jahr werden sie härter versuchen.


Parade der Dämonen in 17. Januar 2014, am Tag des Heiligen Antonius. Aufnahme von Lloyd Dunn

Die Uhr der Juden


Wir haben schon darüber geschrieben, dass die einmal rote, jetzt geschwärzte Porphyrsäulen, die die östliche Fassade des Baptisteriums San Giovanni in Florenz einfassen, von den Pisanern nach der Plünderung von Madina Mayūrqa in 1115 hier gebracht wurden. Dies ist eines der sehr wenigen noch bestehenden Relikte der muslimischen Architektur dieser wunderschönen Stadt, über die Ibn al-Labbâna so gesungen hat:
Diese Stadt hat von der Taube ihren Kragen genommen
   und der Pfau hat sie mit ihren Federn bekleidet.
Das Wasser ihrer Brunnen ist wie Wein
   und wie Pokalen sind ihre Höfe.
Die Besucher des Doms von Florenz wissen wahrscheinlich wenig über die exotische Herkunft dieser Säulen, die so weit weg von ihrer Heimat herkommen.


Ebenso, wer vor dem Rathaus von Palma hält, und auf die Uhr aufschaut, die die Fassade dominiert und die Glocken im von der Spitze des Gebäudes lauernden Glockenturm klingelt, kennt wahrscheinlich nicht die Legende über ihre Herkunft, einer der seltsamsten Legenden, die über die sich in Mallorca niedergelassenen Juden ausbreitet wurden:
Post destructionem Hierusalem, tempore Helii Adriani […] Quo tempore omnes maiores rabini iudeorum docti in Legi mosayca appicuerunt cum suo navigio Maioricis cum horologio quod tenebant Hierosolimis, quod est hodie in turri Maioricarum que dicitur Horarum, quam post conquistam Maioricarum per regem Jacobum effectam christiani edificaverunt iungendo et campanam quam antea iudei non habuerunt. (G. Llompart und J. Riera i Sans, Hg.: „La Historia de Sancta Fide Catholica de Benet Espanyol (1548): la primera història dels jueus de la Ciutat de Mallorca”, Fontes Rerum Balearium, III (1979-1980), 141-194.)
Das heißt, wie Benet Espanyol in seiner Historia de Sancta Fide Catholica (1548) schreibt, es war kein anderer, als die gelehrtesten Rabbiner auf der Flucht aus der zerstörten Jerusalem in Kaiser Hadrians Zeit, die die Uhr vom einen Ende des Mittelmeeres zum anderen, aus dem Tempel von Jerusalem in ihre neue Heimat Palma gebracht haben. Um genau zu sein, bezieht sich der Autor auf die Uhr, die in seiner Zeit die Stunden an der Spitze des Glockenturms neben der Victoria-Kapelle der Dominikanerkirche und -Kloster zeigte. Das Kloster wurde am Rand des jüdischen Viertels, an der Stelle der durch Jaime I im Jahre 1231 angeeigneten jüdischen Grundstücke und Häuser gebaut, und es wurde 1837 irrational und eilig zerstört, nur wenige Tage vor der Ankunft der Entscheidung aus Madrid, die ihren Abriss verbot. Der Glockenturm stand noch für ein paar Jahre, aber als sein Zustand immer schlimmer wurde, hielt man es 1849 für ratsam, ihn abzureißen, und seine alte Glocke zusammen mit der Uhr an der Fassade des Rathauses anzubringen. Die Uhr trägt das Datum von 1849, aber der vorliegende Mechanismus stammt in dem Jahr 1862. Damals wurde die alte Uhr mit einer neuen, aus Paris gebrachten ersetzt, die seitdem die Zeit mit großer Genauigkeit zeigt.

Die Umgebung der St. Dominik-Kirche und des Glockenturms auf der Karte von Palma von Antonio Garau (1644) (vergrößern). María Barceló hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie in Bolletí de la Societat Arqueològica Lul·liana (Nr. 68, 2012, 27-33.) einen umfassenden Überblick über die Wechselfälle der Uhr und des Glockenturms im Mttelalter gegeben: „Notes sobre la Torre de les Hores i el rellotge de la Ciutat de Mallorca“.

Wir wissen nicht mehr über die legendäre Uhr und die gelehrten Rabbiner. Es ist sicher nur, dass man seit 1385 oder 1386 die Stunden des Tages und der Nacht (und später auch die Viertel- und Halbstunden) mit einer Glocke hier, an der höchsten Stelle der Stadt gemeldet hat. Als die Glocke von einem Silberschmied namens Pere Figuera gegossen wurde, und die Uhr seit 1513 von einem anderen Figuera, Bartomeu erhalten war, der sein Amt auch an seinen Sohn übertrug, so ist der Glockenturm in der Stadt noch „En Figuera“ – „der Figuera“ – genannt. Im Jahre 1680 wurde die Glocke abgebrochen, und musste neu gegossen werden: diese ist diejenige, die wir jetzt hören. Die Uhr wird nun von Meister Pere Caminals, Neffe der Schwester meiner Großmutter und Sohn, Enkel und Urenkel des berühmten Uhrmachers von Palma verwaltet.