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Falscher Freund


Poststempel sind oft mit überraschenden Geschichten verbunden. Und eine überraschendere als die folgende werden Sie heute schon nicht lesen. Das folgende Objekt erschien heute auf einer Auktions-Website:

„Poststempel beschriftet Poštovní úřad Ilnice in Tschechisch und Serbisch, aus der albanischen Siedlung von Ilnice / ca 1910 Albania, Ilnice, Czech postal station seal maker 36 mm“

Wirklich musste es ein historischer Moment gewesen sein, der Höhepunkt des Multikulturalismus „der glücklichen Zeiten des Friedens“, als das erste Postamt im albanischen Bergsdorf Ilnicë, unter den malerischen Bergen des Balkans, nicht weit von der heutigen mazedonischen Grenze geöffnet wurde. Und was für ein Postamt! Mit einem zweisprachigen, tschechischen und serbischen Stempel, und mit dem zweischwänziger Löwe anstelle dem zweiköpfigen österreichischen Kaisers- oder albanischen Königsadler. Und all dies im Jahr 1910, vier Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, und acht Jahre vor den großen mitteleuropäischen Grenzverschiebungen. Was für eine Harmonie der mitteleuropäischen Nationen! Ach, wenn es nur so geblieben hätte!


Aber es ist nicht so geblieben. Und vielleicht war es nie so. Was ist ja die Quelle dieser Lokalisierung? Die Tatsache, dass wenn man „Ilnice“ sucht, Google verweist auf das albanische Dorf „Ilnicë“. Es gibt kein anderes Ergebnis. Wenn man jedoch mit einem Minimum an gesundem Menschenverstand darüber denkt, wo und wann amtliche Inschriften auf Tschechisch und Kyrillisch gleichzeitig unter der Schirmherrschaft des zweischwänzigen Löwens gebraucht wurden, kommt man darauf, dass es nur in der schräg visavis gegenüberliegenden Ecke der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, im von Ungarn 1920 an die Tschechoslowakei abgetrennten Rusinsko geschehen sein konnte. Und dann ist es schon leicht zu finden, nicht weit von Nagyszőlős/Vinogradov, entlang der Ilnicka-Strom, das Dorf von Ilonca (in Tschechisch Ilnice, in Russinisch Ильниця, in Rumänisch Ilniţa, auf dem modernen ukrainischen offiziellen Namen Ільниця), dessen keine historische Namen, wie die auf dem Stempel, werden von Google bekannt.

In der Linguistik ist ein „faux-ami“, falscher Freund ein Wort, das in zwei Sprachen ähnlich klingt, aber eine verschiedene Bedeutung in jedem hat. So wie die tschechische Ilnice und die albanische Ilnicë. Die obige Auktionsbeschreibung weist darauf hin, dass ohne Sorgfalt und Kritik an der Quellen kann auch Google dein falscher Freund sein.

Wir konnten keine zeitgenössischen Postkarte von Ilonca finden. Dies ist aus dem benachbartem Ilosva, das näher an der Hauptstraße und dem Eisenbahn lag, und so konnte es mit mehreren Postkartenkunden rechnen. Schließlich liegt es noch näher an Ilonca als das albanische Ilnicë.

„Jüdische Tempel“. Denkmäler eines goldenen Zeitalters


Das Emanzipationsgesetz von 1867 – das heute vor hundertneunvierzig Jahren einstimmig vom ungarischen Parlament genehmigt wurde – eröffnete den Weg zum sozialen Aufstieg der ungarischen Juden. Gleichzeitig brachte der österreich-ungarische Kompromiss einen nie gesehenen wirtschaftlichen Aufschwung für das ganze Land mit sich. Die jüdische Bourgeoisie hatte allen Grund zu glauben, das Kanaan ist bereits hier (wie es in einem anderen Zusammenhang vom großen zeitgenössischen Dichter Sándor Petőfi gesagt wurde).

Dieses Gefühl, diese stolze und zuversichtliche Stimmung der sozialen und wirtschaftlichen Emanzipation manifestierte sich in den großen Synagogen, die am Ende des Jahrhunderts gebaut wurden. Wie Tamás Halbrohr, emeritierter Ober der Synagoge von Szabadka/Subotica zitiert die Worte ihrer Erbauer, „wir bauen nicht Synagogen, sondern jüdische Tempel“, mit den christlichen Kirchen gleichrangige sakrale Zentren, deren repräsentative Ausgestaltung und architektonische Lösungen auch an den Tempel von Jerusalem und das mit ihm verbundene goldene Zeitalter erinnern. Solche waren die Hauptsynagogen der großen Städte, Budapest, Pozsony/Preßburg/Bratislava, Nagyvárad/Großwardein/Oradea oder Szeged, deren historistischer und oft orientalistischer Stil an die Jahrtausende der jüdische Geschichte anspielt. Oder die beeindruckenden Synagogen der großen ungarischen Tiefebene, Hódmezővásárhely, und vor allem Szabadka/Subotica, die die Motive des von den Budapester Architekten entwickelten „ungarischen Jugendstils“ verwenden für den Ausdruck ihrer Identifikation mit der ungarischen Nation.


Im vergangenen Jahr besuchten wir diese prächtigen jüdischen Tempel mit dem Filmteam von Eti Peleg. An jedem Ort sprachen wir mit Kunsthistorikern, Architekten, Lokalhistorikern, den Mitgliedern der lokalen Gemeinschaften, um die Absichten der einmaligen Baumeister und Auftraggeber und den sich in den Gebäuden verkörperten Geist der Zeit wieder erwecken. Den Geist einer Zeit, die, wenn wir sie nicht mit unserer nachträglicher Weisheit, durch das Prisma der eines halbes Jahrhundert späten Tragödie sehen, kann wirklich als das goldene Zeitalter de ungarischen Judentums betrachtet werden.

Der Film ist abgeschlossen, jetzt suchen wir Distributoren. In der Zwischenzeit veröffentlichen wir die folgende kurze Zusammenfassung. Und noch einmal möchten wir Dank sagen an alle, die uns bei der Vorbereitung geholfen haben.



Ein Jahr in Subkarpatien


Am 17. Januar, als die Subkarpatischen Fotos von László Végh in Magyar Nemzet veröffentlicht wurden, teilte ich sie auf dem Facebook von río Wang. Jetzt, in Vorbereitung für unsere Galizien-Tour am Ende Aprils sah ich sie wieder, und ich dachte, sie auch auf dem Blog zu teilen, damit sie von mehr Menschen gesehen seien, und nicht nur in Ungarisch.

Olena zog vor vielen Jahrzehnten von Moskau nach Kőrösmező/Jassinja

„Dank dem József Pécsi Fotostipendium, hat der Fotoreporter von Magyar Nemzet Subkarpatien wiederholt besucht. Er traf sich mit Soldaten auf der Rückkehr vom Schlachtfeld, Familien, die um ihre Angehörigen trauerten, tatarische Flüchtlinge von der Krim. Und mit außergewöhnlichen Gastfreundschaft.

Man kann keinen großen Fotoreport ohne Vorbereitungen beginnen, also begann ich auch mit der Forschung, bevor ich nach Subkarpatien fuhr. Zunächst trat ich in Verbindung mit einem lokalen Journalisten, der mich an mehreren Stellen begleitete, führte mich einer Reihe von Personen ein, und, wenn nötig, mir übersetzte. Er war mein Fixer, als der Journalistenjargon diejenige Personen mit Lokalkenntnisse nennt, die im Zuge einer großen Feldarbeit die ausländischen Journalisten und Fotografen führen und unterstützen.

Das erste Mal, als ich dort ging, war es März. Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich ging nach Verbőc/Verbovec, zum Begräbnis eines im ostukrainischen Konflikt gefallenen Soldaten. Nach 316 Kilometern kam ich an der Grenze. Reisepass. Unterlagen. Kontrolle. Ankunft in Subkarpatien. Schlechte Straßen. Die Abdrücke der Vergangenheit, überall. Graue. Strömender Regen. Und auf dem Weg von Bereszász/Beregovo aus, Polizeistrafen. Nicht wenig. Fast eine Stunde Verspätung. Erschöpft kam ich zu meiner Unterkunft an.

Das Begräbnis von Viktor Márkusz. Er diente im 128. Berg-Infanterie-Regiment

So sehr ich auch es versuchte, konnte ich in den ersten paar Monaten den lokalen Rhythmus nicht aufnehmen. Dann wurde ich mehr und mehr Menschen vorgestellt, die mir geholfen haben. Zum Beispiel, Tante Slava, dessen Sohn ein 22-jähriger Vertragssoldat ist. Sie ist in ständigem Kontakt mit den Soldaten aus Subkarpatien an der Front, also sie kennte die Antworten auf alle meine Fragen, und half mir in allem. Andernfalls unterrichtet sie ukrainische Sprache in der ungarischen Klasse einer zweisprachigen Schule.

Und sehr oft hatte ich Glück. Zum Beispiel, in Kőrösmező/Jassinja, wo ich in die falsche Richtung in die Berge aufbrach, und so stolperte ich auf Olena, die aus Russland nach Subkarpatien umgezogen war. Oder einen Abend, als wir, auf dem Weg zu unserer Unterkunft, eine flackernde Kerze in einem benachbarten Fenster erblickten. Unser Gastgeber, eine ungarische Familie erzählte mir, dass eine alte Dame lebt dort, Mária András, der jeden Morgen und Abend betet auf dieser Weise. Es ist uns gelungen, sie zu besuchen, und sie erlaubte mir, ein paar Fotos von ihr zu machen, während sie betete. Oder Onkel Frédi in Fancsika/Fantschikovo, der über meine Wanderung in Subkarpatien und Fotografieren den Alltag der Menschen gehört hat. Er sagte einem Freund im Dorf, dass er mir seine Tauben gerne zeigen würde.


Und es waren die ungarischen Familien, die ihre Lieben im Krieg verloren haben. Ich verbrachte Stunden mit ihnen. Bei vielen Gelegenheiten habe ich nicht einmal meine Kamera herausgenommen, wir sprachen nur. Am 16. September war das Begräbnis von Sándor Lőrinc in Fancsika. Als ich den Nachricht gehört habe, sass ich in den Wagen, und fuhr zu der Familie den vorigen Abend. Ich stellte mich vor, ich sagte ihnen, wer ich war, woher ich kam, und was ich wollte. Ich sprach viel mit der Mutter Sándors, Tante Anna. Ich dürfte auch an der Nachtwache im kleinen Raum des kleinen Hauses, bei dem mit der ukrainischen Flagge bedeckten Sarg anwesend sein. Am nächsten Tag, bei dem Begräbnis gab es vielen Menschen, alle Bewohner des Dorfes. Und viele ukrainische Soldaten, die ich in Verbőc in März getroffen hatte. Sie begrüßten mir, und sagten dass sie hoffen, uns beim nächstes Mal in einem fröhlicheren Ereignis zu treffen.

Nach dem Begräbnis wollte ich nach Budapest zurück. Allerdings sagte Tante Anna, dass ich nicht gehen könne, bevor ich mit ihnen Abend esse. Ich entschuldigte mich, aber sie haben micht nicht gehen gelassen. Sie haben mir sogar Krapfen verpackt für die Straße. Budapest ist weit weg.

Fancsika/Fantschikovo. Begräbnis des in der Ostukraine gefallenen ungarischen Soldaten Sándor Lőrinc

Überall dort, wo ich während dieser Zeit in Subkarpatien ging, stieß ich auf einen freundlichen Empfang. Und nicht nur bei der ungarischen Familien. Ich besuchte auch tatarische Familien, die von der Krim geflohen waren, und mit denen wir durch ein Computer-Übersetzungsprogramm gesprochen haben. Die Kinder haben es wirklich genossen, wenn wir einander manchmal nicht verstanden haben, und wir uns durch Gesten erklärten. Activity. Ich habe Soldaten besucht, und Freiwillige, die für den subkarpatischen Soldaten auf dem Schlachtfeld Nahrung und Kleidung sammelten. In Aknaszlatina/Solotvino, unter den Ruinen des alten Salzbergwerks stießen wir auf Onkel Jura, der dort gearbeitet hatte, und ist heute ein Nachtwächter im Minengebiet. Wir trafen auch Onkel Béla, in dessen Garten einen großen „Krater“ gibt, weil der Boden über einer ehemaligen Mine eingestürzt hat.

Die Zahl der Ungarn in Subkarpatien wurde drastisch reduziert. In der Volkszählung von 2001 etwa hundertfünfzigtausend Personen erklärten sich Ungarn. Es gibt viele Mischehen, wo die Kinder nicht mehr Ungarisch sprechen. In der schlechten wirtschaftlichen Situation alle diejenigen, die es leisten können, suchen Arbeit im Ausland. Es ist viel schwieriger denjenigen, die entscheiden, zu bleiben. Sie leben auf wenig Geld von Tag zu Tag, aber sie glauben, dass es nicht hoffnungslos ist, zu bleiben, und dass sie eine Zukunft in ihrer Heimat haben. Die durch die Laune der Geschichte in den letzten hundert Jahren fünf Mal Besitzer gewechselt hat.

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Ein Friedhof in Bukowina


Wenn man die Renaissancenklöster von Bukowina besuchend von Radautz/Rădăuți nach Sereth/Siret fährt, und die Straße durch Dornești – in den Sprachen seiner verschollenen ungarischen und deutschen Einwohner, Hadikfalva oder Kriegsdorf – sich im Umbau befindet, muss man nach Norden, nach Măneuți abbiegen, um die ukrainische Grenze zu erreichen.

Die unbefestigte Straße führt durch große Felder, die fruchtbare Ebene des Flusses Suceava. In der Ferne, nicht so weit weg, sieht man den Rand des Tellers woher wir herunterstiegen, den Gebirgszug der Karpaten. Auf der rechten Seite ist die mäandernde Linie der Suceava von Weidenbäumen begleitet. Schafe grasen auf dem Flutgebiet. Am Rande des Dorfes, lange bevor man die ersten Häuser sieht, erreichen wir einen kleinen Friedhof auf der rechten Seite. Wir halten an.

Die Gräber sind seltsam gruppiert in diesem Friedhof. Am andren Ende, in der Nähe des Dorfes, wo es auch ein zweites Tor gibt, liegen einige Reihen von Grabsteinen mit rumänischen Inschriften. Parallel zur Straße, zwei oder drei weiteren rumänischen Grabsteine, ganz neue. Der größte zentrale Teil des Friedhofs ist mit hohem Gras bedeckt. Betonkreuze ergeben sich aus dem Gras. Auf ihnen, ungarische Inschriften.



Die Kreuze alle schauen auf die Straße, sie kehren den Rücken zum Dorf. Die rumänischen Gräber auf der anderen Seite schauen auf das Dorf. Es scheint, dass die Rumänen, die nach dem Krieg hier eingesiedelt wurden, fingen an, den Friedhof an der Seite gegenüber derjenigen der Vorkriegsbewohner zu verwenden. Dies hat die Kreuze vor der Zerstörung verteidigt. Sie wurden mit Gras und Gestrüpp bewachsen, und während jene aus Holz sicherlich verfaulten, doch die große Erfindung des Dorfes, die in den 1920er und 1930er Jahren gegossene Stahlbetonkreuze haben überlebt. In den 1990er Jahren, wenn sie anfingen, auch die Seite des Friedhofes entlang der Straße zu benützen, und sie haben den ganzen Friedhof aufgeräumt, waren bereits die Zeiten vorbei, wenn es üblich war, die ehemalige ungarischen, deutschen oder polnischen Gräber ohne eine Spur zu zerstören. Im Gegensatz zu den Friedhöfen der anderen vier ungarischen Dörfer in der Bukowina, Józseffalva, Hadikfalva, Istensegíts und Fogadjisten, der von Măneuți – Andrásfalva – ist geblieben als die einzige Erinnerung an die ehemaligen Siedlungen der Szekler von Bukowina.


Heute vor zweihundertzweiundfünfzig Jahren, am 7. Januar 1764 begann die österreichische kaiserliche Armee, die in Madéfalva (im Osten Siebenbürgers, heute Siculeni, Rumänien) sich versammelten Szekler mit Kannonen zu schießen, weil sie weigerten, die neu gegründete Grenzenregimenter zu betreten. Zweihundert Menschen starben, Tausende flohen über die Berge nach Moldawien, wo sie entweder die Bevölkerung der ungarischen Siedlungen in Gyimes und der Tschangos von Moldawien erhöhten, oder verstreuten sie sich in den rumänischen Dörfern. Als zehn Jahre später, im Jahre 1774 Österreich, im Austausch für ihre Neutralität im russisch-türkischen Krieg, die nördlichste Region von Moldawien erhielt, daraus sie die Provinz Bukowina bildeten, hat der neue, ungarische Gouverneur, General András Hadik die große Anzahl der dort lebenden Ungarn bemerkt, und sammelte er sie in fünf Dörfern, die für sie festgelegt wurden.

Auf der fruchtbaren Ebene wuch die Bevölkerung der Dörfer schnell, und die seit den 1880er Jahren aus hier ausschwärmenden rund zehntausend jungen Menschen haben eine Reihe von neuen Siedlungen gegründet, nicht nur in Siebenbürgen, sondern auch in Kanada und Brasilien. Ihre größte Reise begann jedoch im Jahre 1941, wenn die ungarische Regierung fast die gesamte Bevölkerung der fünf Dörfer in der fruchtbaren Region von Batschka umsiedelte, die in demselben Jahr aus Jugoslawien nach Ungarn zurückkehrte. Von dort mussten sie 1944 vor den serbischen Partisanen nach dem Komitat Zala in Transdanubien fliehen. Schließlich wurden sie in den Komitaten Tolna und Baranya angesiedelt, ironisch in den Häusern der von dort vertriebenen Schwaben. Ihre lange Reise wurde in der zweiteiligen Film Sír az út előttem (Die Straße weint vor mir, 1987) von Sándor Sára dargestellt.

Ihre ehemaligen Häuser in der Bukowina wurden von rumänischen Flüchtlingen aus Bessarabien besetzt, die 1940 von der Sowjetunion annektiert wurde. Ihre katholischen Kirchen wurden in orthodoxe umgewandelt. Nur wenige Ungarn blieben in den fünf Dörfern. Die Nachkommen der in Tolna lebenden Bukowina-Szekler, die zuweilen hier kommen, um die ungarischen Gräber in Ordnung zu bringen, trafen sich mit ihnen zum letzten Mal in den 1990er Jahren.



Zwei Klagen aus Gyimes (Péter Hámori, Zsófia Lázár, 2006)

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Geistermeer


Der letzte Ausflug in diesem Jahr, zum Nagy-Kopasz („Großer Kahler“) in den Budaer Bergen. In der letzten Woche oder so, die meisten Ungarn wurde mit Nebel und grauen Wolken bedeckt, die Sonne erschien nur gelegentlich. Aber wenn man über die Nebelgrenze hinaussteigt, erreicht man eine andere Dimension, unpathed waters, undreamed shores. Als ob der Geist des Pannonischen Meeres wolle sein ehemaliges Becken wieder erobern, die Bergspitze werden zu Inseln und Halbinseln, die Aussichtstürme zu Leuchttürme im langsam rollenden, sonnenbeschienen Geistermeer. Die künstlich auf dem kahlen Südwestseite des Dolomithügels besiedelten Schwarzkiefern erinnern chinesische Tuschgemälde, als ihre Gruppen sich aus dem zwischen ihnen schwebenden Nebel auszeichnen. Ruhe, und ein Gefühl von Zeitlosigkeit.



Hossein Alizade: مه Meh (Mist). Vom Album ماه و مه Mâh o meh (Mond und Nebel, 2009).

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Abraham Ganz am Hindukush

Широка страна моя родная, ein weites Land ist Russland, es hat Platz für alle Völker. Wie Araz im gestrigen Post die aserbaidschanischen Fotos aus Prokudin-Gorskis russischem Reichsprojekt auswählte, so habe ich auch überprüft und gefunden mindestens zwei Fotos mit ungarischer Beziehungen unter den 1902 digitalisierten Farbbilder der Library of Congress.

Eine Suche nach „Ungarn“ in der Datenbank gibt ein einziges Foto. Sein ursprünglicher Titel ist nicht erhalten, aber auf Anraten des Elektroingenieurs Paul Cooper, und des ausländischen militärischen Experten Martin Chadzynski versahen es die Bibliothekare mit dem Titel „In Budapest, Ungarn gefertigter Generator in der Maschinenhalle eines Wasserkraftwerks in Iolotan, auf dem Fluss Murghab (zwischen 1905 und 1915)“.


Dieses Foto im Katalog der Library of Congress ist das Ergebnis der automatischen Rekonstruktion aus von Blaise Agüeras y Arcas. Die andere Version ist die handgefertigte Rekonstruktion von Walter Frankhausen aus 2001.


Das Wasserkraftwerk Hindukush von Iolotan wurde 1909 auf dem Fluss Murghab in Transkaspien (Закаспийская область), das heisst, im Südosten der modernen Turkmenistan gebaut. 1887 hat Zar Alexander III von den turkmenischen Stämmen hier, in der Nähe der antiken Stadt von Merv (heute ein Weltkulturerbe) ein riesiges Wüstenland gekauft, um dort dan modernen Nachfolger der legendären fruchtbaren Oase Merv zu schaffen. Durch der Einsiedlulng von hohol – ukrainischen – Siedlers in die Zarengüter hat man eine riesige moderne Modellwirtschaft, eine Art von Technopolis gegründet, mit extensiver Bewässerung, florierende Baumwollverarbeitung, und anderen Industrien. Das Kraftwerk Hindukush, das mit ihrer Produktion von 1350 kW das Wasserkraftwerk mit der höchsten Leistung des zaristischen Russlands war, wurde gebaut, um die Gegend mit Strom zu versorgen. (Zum Vergleich: im Jahr 1917 betrug die Gesamtleistung der vielen Tausenden von Wasserkraftwerken in Russland 19 MW.)

Das Kraftwerk Hindukush auf einer Postkarte vom 24. Januar 1911. Aus der Serie „Ansichten Turkestans“

Prokudin-Gorski besuchte die Region zweimal, zuerst in 1906-1907, dann 1911. Aus Bezirk Merv haben wir 68 seine Fotos: neben den Ruinen der antiken Stadt Merv und den ethnographischen Bildern turkmenischer Hirten finden wir vor allem Bilder der Baumwollfelder und Baumwollfabriken, sowie des Wasserkraftwerks. Dieses letzteres, das er offensichtlich nur auf der Expedition von 1911 fotografieren könnte, wird von sechs Fotos in der Library of Congress vertreten. Da das Registrierungalbum, das nach der Expedition zusammengesetzt wurde, ist nicht überliefert, enthielt der Katalog keine Information über die Lage der meisten Fotos. Sie wurden vom internationalen Projekt „The Legacy of Prokudin-Gorsky“ identifiziert.

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Damals war in Ungarn nur die Ganz Werke in der Lage, einen so leistungfähigen Generator herzustellen. Das Unternehmen wurde 1845 vom schweizerischen Abraham Ganz als Eisengießerei und Maschinenfabrik gegründet, dessen ursprüngliches Gebäude in Buda seit 1964 als ein Museum funkzioniert. 1869 hat sein Nachfolger András Mechwart das Unternehmen mit einer Elektroabteilung erweitert, und machte es zu einer weltberühmten Firma, und einer der größten Unternehmensgruppe der österreich-ungarischen Monarchie. Die Ganz und Co. Danubius Elektrische, Maschinen-, Wagen- und Schiff-Fabrik GmbH lieferte Maschinen in der ganzen Europa und Asien. In Odessa habe ich selbst die von ihnen hergestellten alten Schiffskrane gesehen. Nach dem Krieg wurde es verstaatlicht, und 1959 mit dem benachbarten Lokomotiven- und Wagenfabrik unter dem Namen Ganz-MÁVAG. In meiner Kindheit war dieser bezirkgroße Gebäudeblock in Kőbánya, am Industriestadtrand von Budapest eine Stadt in der Stadt, die einem erheblichen Anzahl der einheimischen Arbeiter Arbeitsplätze gab. Wir haben bereits den Gesang über Lenin von ihrem Chor und Orchester zitiert. Dann mit der politischen Wende von 1989 wurde das Unternehmen stillgelegt und im Namen der sogenannte Privatisation verschleudert, an der ich als Dolmetscher für italienische Investoren auch teilnahm. Seitdem funkzioniert der Gebäudeblock als der größte chinesische Markt Europas. Sein wertvollster Teil ist das kleine chinesische Lokal, das ich nach so vielen Jahren immer noch für eines der besten chinesen Restauranten in Budapest halte.

Das Wasserkraftwerk Hindukush von Joloten wurde jedoch nicht durch der politischen Wende erschüttert. Es arbeitet kontinuierlich seit mehr als einem Jahrhundert mit der Originalausstattung, über die tinmekun im Jahr 2011, genau ein Jahrhundert nach den Fotos Prokudin-Gorskis auf yandex.ru eine Fotoserie veröffentlichte. Es ist klar, dass im Maschinenhalle nichts geändert wurde. Die gleichen Bodenfliesen, die gleiche Aufteilung der Fenster, die gleichen Maschinen, das gleiche grelle Licht auf dem Boden. Und auch der Messingtafel hat die gleiche Aufschrift, wie vor hundert Jahren.




Ганцовская электр[отехническая] комп[анія] въ Будапештѣ – Ganz Elektrotechnische Werke, Budapest

Übrigens war der Import der modernsten westlichen Ausrüstung keine seltene Sache im zaristischen Russland. Auf einem anderen Foto von Prokudin-Gorski sehen wir eine Sägemaschine in der Tischlerei der Eisenhütte von Zlatoust, die nach seinem Messingtafel in Berlin-Reinickendorf hergestellt wurde, nur einige S-Bahn-Haltestellen von wo ich jetzt dies schreibe. Die Fabrik von Reinickendorf existiert noch. Ich bin neugierig, ob auch die von Zlatoust vorhanden ist, mit der Maschine innen.



Über das andere Foto Prokudin-Gorskis mit ungarischer Beziehungen werden wir in einem nächsten Post schreiben.