Posts mit dem Label ukrainisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ukrainisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Ein Jahr in Subkarpatien


Am 17. Januar, als die Subkarpatischen Fotos von László Végh in Magyar Nemzet veröffentlicht wurden, teilte ich sie auf dem Facebook von río Wang. Jetzt, in Vorbereitung für unsere Galizien-Tour am Ende Aprils sah ich sie wieder, und ich dachte, sie auch auf dem Blog zu teilen, damit sie von mehr Menschen gesehen seien, und nicht nur in Ungarisch.

Olena zog vor vielen Jahrzehnten von Moskau nach Kőrösmező/Jassinja

„Dank dem József Pécsi Fotostipendium, hat der Fotoreporter von Magyar Nemzet Subkarpatien wiederholt besucht. Er traf sich mit Soldaten auf der Rückkehr vom Schlachtfeld, Familien, die um ihre Angehörigen trauerten, tatarische Flüchtlinge von der Krim. Und mit außergewöhnlichen Gastfreundschaft.

Man kann keinen großen Fotoreport ohne Vorbereitungen beginnen, also begann ich auch mit der Forschung, bevor ich nach Subkarpatien fuhr. Zunächst trat ich in Verbindung mit einem lokalen Journalisten, der mich an mehreren Stellen begleitete, führte mich einer Reihe von Personen ein, und, wenn nötig, mir übersetzte. Er war mein Fixer, als der Journalistenjargon diejenige Personen mit Lokalkenntnisse nennt, die im Zuge einer großen Feldarbeit die ausländischen Journalisten und Fotografen führen und unterstützen.

Das erste Mal, als ich dort ging, war es März. Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich ging nach Verbőc/Verbovec, zum Begräbnis eines im ostukrainischen Konflikt gefallenen Soldaten. Nach 316 Kilometern kam ich an der Grenze. Reisepass. Unterlagen. Kontrolle. Ankunft in Subkarpatien. Schlechte Straßen. Die Abdrücke der Vergangenheit, überall. Graue. Strömender Regen. Und auf dem Weg von Bereszász/Beregovo aus, Polizeistrafen. Nicht wenig. Fast eine Stunde Verspätung. Erschöpft kam ich zu meiner Unterkunft an.

Das Begräbnis von Viktor Márkusz. Er diente im 128. Berg-Infanterie-Regiment

So sehr ich auch es versuchte, konnte ich in den ersten paar Monaten den lokalen Rhythmus nicht aufnehmen. Dann wurde ich mehr und mehr Menschen vorgestellt, die mir geholfen haben. Zum Beispiel, Tante Slava, dessen Sohn ein 22-jähriger Vertragssoldat ist. Sie ist in ständigem Kontakt mit den Soldaten aus Subkarpatien an der Front, also sie kennte die Antworten auf alle meine Fragen, und half mir in allem. Andernfalls unterrichtet sie ukrainische Sprache in der ungarischen Klasse einer zweisprachigen Schule.

Und sehr oft hatte ich Glück. Zum Beispiel, in Kőrösmező/Jassinja, wo ich in die falsche Richtung in die Berge aufbrach, und so stolperte ich auf Olena, die aus Russland nach Subkarpatien umgezogen war. Oder einen Abend, als wir, auf dem Weg zu unserer Unterkunft, eine flackernde Kerze in einem benachbarten Fenster erblickten. Unser Gastgeber, eine ungarische Familie erzählte mir, dass eine alte Dame lebt dort, Mária András, der jeden Morgen und Abend betet auf dieser Weise. Es ist uns gelungen, sie zu besuchen, und sie erlaubte mir, ein paar Fotos von ihr zu machen, während sie betete. Oder Onkel Frédi in Fancsika/Fantschikovo, der über meine Wanderung in Subkarpatien und Fotografieren den Alltag der Menschen gehört hat. Er sagte einem Freund im Dorf, dass er mir seine Tauben gerne zeigen würde.


Und es waren die ungarischen Familien, die ihre Lieben im Krieg verloren haben. Ich verbrachte Stunden mit ihnen. Bei vielen Gelegenheiten habe ich nicht einmal meine Kamera herausgenommen, wir sprachen nur. Am 16. September war das Begräbnis von Sándor Lőrinc in Fancsika. Als ich den Nachricht gehört habe, sass ich in den Wagen, und fuhr zu der Familie den vorigen Abend. Ich stellte mich vor, ich sagte ihnen, wer ich war, woher ich kam, und was ich wollte. Ich sprach viel mit der Mutter Sándors, Tante Anna. Ich dürfte auch an der Nachtwache im kleinen Raum des kleinen Hauses, bei dem mit der ukrainischen Flagge bedeckten Sarg anwesend sein. Am nächsten Tag, bei dem Begräbnis gab es vielen Menschen, alle Bewohner des Dorfes. Und viele ukrainische Soldaten, die ich in Verbőc in März getroffen hatte. Sie begrüßten mir, und sagten dass sie hoffen, uns beim nächstes Mal in einem fröhlicheren Ereignis zu treffen.

Nach dem Begräbnis wollte ich nach Budapest zurück. Allerdings sagte Tante Anna, dass ich nicht gehen könne, bevor ich mit ihnen Abend esse. Ich entschuldigte mich, aber sie haben micht nicht gehen gelassen. Sie haben mir sogar Krapfen verpackt für die Straße. Budapest ist weit weg.

Fancsika/Fantschikovo. Begräbnis des in der Ostukraine gefallenen ungarischen Soldaten Sándor Lőrinc

Überall dort, wo ich während dieser Zeit in Subkarpatien ging, stieß ich auf einen freundlichen Empfang. Und nicht nur bei der ungarischen Familien. Ich besuchte auch tatarische Familien, die von der Krim geflohen waren, und mit denen wir durch ein Computer-Übersetzungsprogramm gesprochen haben. Die Kinder haben es wirklich genossen, wenn wir einander manchmal nicht verstanden haben, und wir uns durch Gesten erklärten. Activity. Ich habe Soldaten besucht, und Freiwillige, die für den subkarpatischen Soldaten auf dem Schlachtfeld Nahrung und Kleidung sammelten. In Aknaszlatina/Solotvino, unter den Ruinen des alten Salzbergwerks stießen wir auf Onkel Jura, der dort gearbeitet hatte, und ist heute ein Nachtwächter im Minengebiet. Wir trafen auch Onkel Béla, in dessen Garten einen großen „Krater“ gibt, weil der Boden über einer ehemaligen Mine eingestürzt hat.

Die Zahl der Ungarn in Subkarpatien wurde drastisch reduziert. In der Volkszählung von 2001 etwa hundertfünfzigtausend Personen erklärten sich Ungarn. Es gibt viele Mischehen, wo die Kinder nicht mehr Ungarisch sprechen. In der schlechten wirtschaftlichen Situation alle diejenigen, die es leisten können, suchen Arbeit im Ausland. Es ist viel schwieriger denjenigen, die entscheiden, zu bleiben. Sie leben auf wenig Geld von Tag zu Tag, aber sie glauben, dass es nicht hoffnungslos ist, zu bleiben, und dass sie eine Zukunft in ihrer Heimat haben. Die durch die Laune der Geschichte in den letzten hundert Jahren fünf Mal Besitzer gewechselt hat.

veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1 veghlaszlo1


Ostern auf dem Friedhof


Ostern ist in Lemberg nicht nur das Fest der Lebenden, sondern auch der Toten. Wie in anderen orthodoxen Regionen, besuchen zu diesem Zeitpunkt die Familien die Gräber ihrer Lieben, sie beten zusammen, und speisen das am vorigen Tag gesegnete Essen.

Der Łyczakowski-Friedhof ist der älteste erhaltene Friedhof Lembergs. Er wurde 1788 eröffnet, nachdem Joseph II die Grabstätten innerhalb der Stadtmauern geschlossen hat, und seitdem galt er als polnischer Pantheon. Eine große Anzahl von polnischen Künstler, Wissenschaftler und Aristokraten liegen hier, sowie die Märtyrer der Aufstände von 1830-1831 und 1863. Und in der südöstlichen Ecke des Friedhofs, in einer gesonderten Parzelle, die „Adlerjungen“, die zur Zeit des ukrainisch-polnischen Bürgerkrieg von 1918-1920 die einsame Lwów gegen die unabhängige ukrainische Armee verteidigten, während die von Piłsudski geführte polnische Armee die Rote Armee von Budjonny und Stalin von Warschau zurückschlag. Im 1924 erbauten Heldenfriedhof kann man Namen von Jungen und Mädchen auf den in langen Schlangen stehenden weißen Kreuzen lesen. Keiner von ihnen war älter als zwanzig. Zu Ostern kommt hier niemand, aber die frischen Blumen und die polnischen Fahnen beweisen häufige Besucher.

lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1 lyczakowski1

Nach der Vertreibung der Polen aus Lemberg im Jahre 1945 begann der Heldenfriedhof zu verfallen. Die Denkmäler wurden abgerissen, und die meisten der Gräber mit Panzern zerstört. Nur 2005, nach der festen Unterstützung Polens bei der ukrainischen „orangenen Revolution“ erhielt die polnische Regierung die Erlaubnis, die Nekropole wiederherzustellen. In der Zwischenzeit errichteten auch die Ukrainer ihren eigenen Heldenfriedhof in der unmittelbaren Nähe des polnischen. Auf ihrem höchsten Punkt steht Erzengel Michael an der Spitze einer hohen Säule, mit gezogenem Schwert, und im Friedhof reihen sich aneinander die Denkmäler und die wirklichen oder symbolischen Gräber der unabhängigen ukrainischen Armee von 1918, der ukrainischen SS-Division Galichina, der nationale Armee von Bandera, und der ukrainischen Partisanen, die bis 1955 gegen die sowjetischen Okkupanten kämpften. Sie sind über das ganze Jahr nicht nur von den Familienmitgliedern, sondern auch von der ukrainischen Armee, den Pfadfindern, und den patriotischen Vereinigungen bekränzt.

lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2 lyczakowski2

Im vergangenen Jahr eine dritte, neue Parzelle wurde im Heldenfriedhof eröffnet, die jetzt der am schnellsten wachsende Teil des Friedhofes ist. Hier wurden die bei der Verteidigung der Ostgrenzen des Landes gefallenen jungen Soldaten begraben. Die Kränze sind noch frisch auf den meisten Gräbern. Am Ostersonntag gibt es Besucher an fast jedem Grab, die Familie, Freunde, viele in Uniform, einige sogar besuchen zwei oder drei Gräber. Sie sind schon über der ersten Erschütterung, sie vollenden mechanisch und mit trockenen Augen die Rituale des Grabbesuches. Sie sprechen nicht, und essen auch nicht, nur legen auf das Grab aus dem mit sich gebrachten Osterkorb einen Osterkuchen, halbierte Eier, lammförmiges Gebäck.

lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3 lyczakowski3


Ostern in Lwiw



Die orthodoxe Kirche in Lemberg wurde zu Ehren der Dormitio der Jungfrau Maria (Uspeńska/Успенська) errichtet, aber in der Stadt ist sie als „die walachische Kirche“ (Wołoska/Волоська) bezeichnet, weil seine erste Version wurde zwischen 1547 und 1549 vom moldauischen Fürsten Alexandru Lăpușneanu finanziert. Nachdem sie 1571 niederbrannte, wurde sie von 1574 an in der vorliegenden Form von der religiösen Bruderschaft der orthodoxen Kaufleute der Stadt, die Uspenska Orthodoxe Bruderschaft wieder aufgebaut.

Die Bruderschaft, die auch die orthodoxe Druckerei und Schule der Stadt betätigte, wurde in der 1530er Jahren von den ruthenischen, griechischen und moldauischen Kaufleuten von Lwów gegründet, um sich besser einerseits gegen die Assimilationsversuche des Patriarchen von Moskau (die Kirche der späteren Ukraine war zu dieser Zeit von Moskau unabhängig, und direkt dem Patriarchen von Konstantinopel untergeordnet) und andererseits der Bestrebungen der polnischen katholischen Kirche zu verteidigen, die 1596 einen großen Teil der orthodoxen in eine von Rom abhängige griechisch-katholische Kirche konvertierte. Die Hauptschirmherr der Kirche war ebenfalls ein moldauischer Fürst, Ieremia Movilă, der Vater des Metropoliten von Kiew Petro Mohyla, der, als wir darüber schon geschrieben haben, sich um die Schaffung einer westlich gebildeten ruthenischen orthodoxen Kirche bemühte, und dessen einzigartige Experiment nur durch die Russifizierungsmaßnahmen von Peter der Großen unterbrochen wurden.

Es ist deshalb kein Wunder, dass sich die Erscheinung der Kirche vom russischen Kirchenmodell unterscheidet. Sein fünfundsechsig Meter hoch Glockenturm, der nach seinem Erbauer, der kretische Kaufmann Konstantinos Korniaktos als Korniakt-Turm genannt wurde, erinnert italienische Renaissance-Stadttürme, und auch seine Schnitzereien Renaissance-Muster folgen. Im Einklang mit den früheren Bestrebungen nach Unabhängigkeit gehört sie heute wieder der autonomen Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die dreimal, 1921, 1942 und 1990 wiederaufstand, und die auf den Druck des Moskauer Patriarchats immer noch nicht von den anderen orthodoxen Kirchen anerkannt ist.

woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1 woloska1

Am Karfreitagsnachmittag ist das Grab des am Kreuz gestorbenen Christus, in den Seitenkapellen der orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen errichtet, und wird durch die ganze Nacht von den Gläubigen in langen Schlangen besucht. Am nächsten Tag gehen alle Familien der Stadt in ukrainischen Trachten zu Fuß ins Freilichtsmuseum der russinischen Holzkirchen, wo die Lebensmittel, die si in kleinen Körben mitbringen, von morgens bis abends gesegnet wird. Dieses gesegnete Essen wird am Sonntag Morgen, nach der Nacht der Auferstehungsmesse und Prozession von den Familien gegessen. Man kann gesegnete Kuchen und Eier sogar am Buffet des Hotels finden.


Segen der Lebensmittel im Freilichtsmuseum von Lemberg, 11. April 2015.


woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2 woloska2

Die Leute beginnt sich in der orthodoxen Kirche um halb zwölf zu versammeln. Sie verbreiten Teppiche auf den Steinboden, und verteilen die Prozessionsfahnen. Die Zeremonie beginnt kurz vor Mitternacht am heiligen Grab, wo der Schleier mit der Darstellung des toten Christus wird bald aufgehoben, und hinter der Ikonostase gebracht. Um Mitternacht verkünden sie inmitten großes Jubels die Auferstehung Christi, und eine Prozession läuft ab durch die Straßen von Lemberg. Wir kehren zum Haupteingang zurück, der nur einmal im Jahr – genau jetzt – geöffnet ist auf Antrag des Patriarchen, der die gute Nachricht bringt. Wir fahren zu Hause um ein Uhr, aber auf dem lokalen TV kann ich sehen, dass die Messe dauert bis vier Uhr morgens.


Orthodoxe Prozession und Auferstehungshymne, Lemberg, 11. April 2015.

woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3 woloska3

Briefe an Sankt Peter aus Ruthenien


Im Traktat Modus epistolandi, das heißt, Über die Kunst des Briefschreibens (1488), der in der ganzen Europa der Renaissance ziemlich populär war, gab Francesco Nigro präzise und detaillierte rhetorische Richtlinien für das Schreiben von nicht weniger als zwanzig Arten von Briefen. Das erste war das Commendatitium odr Empfehlungsschreiben, das seinerseits in zwei Unterarten, und die jeweils in vier verbindliche Teile getrennt wurden. Später haben viele andere Humanisten durch das Sammeln und die Anpassung der Ideen und Übungen der alten Progymnasmata ihren Senf zu diesen rhetorischen Standards dazugeben. Nicht nur Erasmus, Vives und Lipsius, die Liste ist viel länger: Gasparino Barzizza, Juan Lorenzo Palmireno, Giulio Cesare Capaccio, Bartolomé Bravo, Juan Vicente Peliger, Badius Ascensius, Sulpizio di Verola, Gaspar de Tejeda, Henri Estienne, Basin de Sendacourt, Heinrich Bebel, Valentinus Erythraeus, Pietro Bembo, Tomás Gracián Dantisco, Espinosa de Santayana, Moravus de Olomouc, und so weiter. Und obwohl bei keinem dieser Autoren finden wir eine Anweisung zur Formulierung von Empfehlungsschreiben an das Jenseits, doch hat es solche Briefe gegeben, sie wurden regelmäßig nach vorgeschriebene Formeln geschrieben, mit Streusand bestreut und versiegelt, und an nicht weniger als Sankt Peter selbst angeschrieben, in seine eigene Hände.

Nachrichten über diese Briefe kamen nach Spanien aus Ruthenien, als der Humanist, Numismatiker, Erzbischof von Tarragona und außerordentlich neugierige Mann, Don Antonio Agustín (1517-1586) notierte in seinem handschriftlichen Notizbuch. Auf Folio 23 dieses Alveolus genannten Buches finden wir diesen Bericht über die Tradition „der ruthenischen Kirche“: *


“Rutheni populi Moschouitarum sunt Polonis contigui, quorum regem adgnoscunt; et in religione Patriarcham Constantinopolitanum, cuius ritum, ceremonias et instituta sequuntur. Eorum prouincia nunc Russia nuncupatur. Lingua Dalmatica loquuntur, cuius per uniuersum orientem magnus usus est; characteres mixti Grecis atque Barbaris Sclauonicis quos appellant. Hi populi ridiculam consuetudinem exequiarum obseruant. Mortuorum enim parentes affines propinquí et amici, litteras ab Archiepiscopo prouintiae suae accipiunt, et sigillo et subscriptione firmatas: quibus Archiepiscopus sancto Petro scribit, mortuum propinquum et amicum commendans; rogans mortuo liceat in consortium coelitum adscribi. Quae littere mortui manui inseruntur; unaque cum iis, tamquam eas diuo Petro Vitae Innocentiaeque suae testes redditurus, sepelitur. Emuntur autem magno tales littere; neque cuiquam nisi soluenti pecuniam conceduntur. Quo fit, ut pauperes eas non accipiant, scribuntur lingua Dalmatica. Earum formulam, ex ea lingua translatam in Latinam a Georgio Ticinensi Lithphano, infra suscribi iussimus:

«MACARIVS Dei gratia Ecclesiarum Domini Dei nostri in hoc corruptibili mundo uicarius, tibi Petro qui olim summus Christi in terris uicarius extitisti, notificamus: quod nuper non sine ingenii moerore, Dilecti filii Ecclesiae Dei, nobis rettulerunt; quendam Nicolaum Gregorii Filium, hanc miseriis plenam uitam reliquisse; in aliumque felicem ac deliciis plenum mundum commigrasse. In quo fidelium omnium animulae, omnibus desiderato Domini nostri Jesuchristi, eiusque matris incorruptae intuitu frui ac gaudere numquam cessant. Quas opera tua in regnum coelorum, cuius ianitor et clauiger existis, esse admissas receptasque nemo ambigit. Nam eam clauium potestatem, ipse humani generis restauratos, tibi iam in coelis uero in terris indubie concessit, quos suarum Ecclesiarum in hoc mundo presides esse uoluit.

Cum igitur officii nostri sit ad te, de conuersatione eorum qui relicto hoc mundo istuc commigrant, rescribere, ideo, indubiam tibi litteris his nostris fidem facimus Nicolaum Gregorii Filium, toto tempore uitae suae pie ac christiane uixisse, neminem offendisse, ac omnia Ecclesiarum Dei praecepta, diligenter obseruasse. Quem, prius quam deo conditori suo spiritum commodaticium reddidisset, ab omnibus suis peccatis, quibus diuinam Maiestatem aliquando offendit, absoluimus. Et, propterea iustum esse censemus, quod in conspectum Domini Dei conditoris nostri admittatur; electorumque Dei numero tuis meritis precibusque adiutus, adscribatur. Quod ut pro more officioque tuo facias, supplices petimus. Datum, etc. Sub manu, et sigillo nostro.»” (Alveolus. Manuscrito escurialense S-II-18, Madrid, FUE, 1982, 33-35.)



„Die Ruthenen sind ein Volk der Moskoviten in der Nachbarschaft der Polen, dessen König sie als ihren Herrn anerkennen. In religiösen Dingen erkennen sie den Patriarchen von Konstantinopel an, und folgen seine Riten, Zeremonien und Institutionen. Ihr Region heißt jetzt Land der Russen. Sie sprechen die dalmatinische [kirchenslawische] Sprache, die im ganzen Osten weit verbreitet ist. Ihr Schreiben ist eine Mischung des griechischen Alphabets und der Buchstaben der barbarischen slawischen Sprache, wie sie es nennen. Dieses Volk hat einen lächerlichen Totenritus. Die Verwandten und engen Freunden des Verstorbenen erhalten einen vom Erzbischof der Diözese gesiegelten und unterschriebenen Brief, den der Erzbischof an Sankt Peter anschreibt, und in dem er den Verstorbenen in seine Freundschaft und Gesellschaft empfählt. Sie liegen diesen Brief in die Hände des Verstorbenen, und begraben ihn zusammen mit dem, als ein Zeugnis seines Lebens und Unschuld. Diese Briefe haben einen hohen Preis, und werden nicht gewährt, nur denen, die es bezahlen. Damit haben die Armen keinen Zugang zu ihnen. Sie werden in der dalmatinischen Sprachen erfasst. Ihr Text, übersetzt von Georg von Pavia aus dieser Sprache zu Latein, ist wie folgt:

»Makarios, durch die Gnade Gottes Stellvertreter der Kirche von Gott unser Herr in dieser vergänglichen Welt, geben wir es dir kunde, o Peter, der einst in diesem Land der höchste Stellvertreter Christi warst, dass vor kurzem wurden wir von einigen geliebten Kindern der Kirche Gottes besucht, die mit großen Schmerzen erzählt haben, dass ein bestimmter Nicholas, Sohn Gregors dieses Leben voller Elend verlassen hat, und wanderte in das glückliche Jenseits voller Freunde, wo die Seelchen aller Gläubigen nicht aufhören, sich der von uns allen gewünschten Vision unseres Herrn Jesus Christi und seiner unbefleckten Mutter zu erfreuen. Zu welcher ohne Zweifel du empfängst und lässt sie ein, als Torwächter des Reiches der Himmeln, da in dein Hand wurde die Macht der Schlüssel auf der Erde und im Himmeln vom Erneuer der Menschheit hinterlegt, der dich in dieser Welt der Überlegene seiner Kirche sein wollte.

Als es unsere Pflicht ist, über das Verhalten derer, die von dieser Welt zu derjenigen überziehen, dich zu berichten, lassen dir es ohne Zweifel bekannt sein, und bescheinigen wir es mit Glauben, dass Nicholas, Sohn Gregors, auf frommer und christlicher Art in der ganzen Zeit seines Lebens gelebt hat, niemandem wehtun, und alle Gebote der Kirche Gottes sorgfältig beobachtete. Und bevor er seine Seele an Gott, seinem Schöpfer auslieferte, haben wir ihn von allen Sünden absolviert, mit denen er jemals Seine Göttliche Majestät beleidigt hatte. Deshalb halten wir es für richtig, ihn in die Gegenwart Gottes, unseres Herrn zuzugelassen, und in die Zahl der Auserwählten einzuschreiben, mit Hilfe deiner Verdienste und Gebete. Wir beten zu dir, es zu gewähren, und zwar mit deiner üblichen Gnade und Herablassung. Datum usw. Von unserem Brief und Siegel.«“


Unsere Phantasie wird durch den honen Preis erregt, den man für diese Briefe an den Erzbischof zu bezahlen musste, und der sie an die Armen unzugänglich machte. Wie war der Schwarzmarkt dieser Briefe, die Grabräubereien, die Beseitigung des Namens des Verstorbenen in den Briefen, und ihr Legen in die Hände eines anderen, weniger wohlhabenden Verstorbenen, die raffinierten Techniken der Fälscher von Signaturen und Segel, mit denen sie den Torwächter des Himmels selbst irreführten… Oder ist vielleicht diese Ide völlig undenkbar für einen Ruthene, und kann nur in der pikaresken iberischen Phantasie entstanden?

Aber wenn ja, wie könnte einer dieser Briefe in die Hände von Don Antonio hinkommen?


ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags
Unsere Abbildungen sind Prozessionsfahnen von ruthenischen Dörfer in der Sammlung des Lemberger Ikonmuseums


Überblendung: Fibonacci




Dieses Foto der Sitzung vom 8. April des ukrainischen Parlaments mit der Analyse der Proportionen kann dem Betrachter drei Dinge suggerieren.

Einem Außerirdischen, dass die Irdischen führen alle ihre Handlungen, auch die leidenschaftlichsten, nach komplizierten rituellen Regeln aus, wie ein großer Tanz.

Einem Irdischen, dass das Gesetz des goldenen Schnitts bestimmt alles.

Einem zynischen Irdischen, dass das Muster des goldenen Schnitts mit ein bisschen Mühe auf alles bezogen werden kann.

Ein Fotograf weiß, dass bis er zum Fotografieren im Parlament kommt, werden Tausende von Bildern mit dem goldenen Schnitt durch ihn gesehen, gelobt und gemacht sein, so dass er durch bloße Gewohnheit solche schießt, dann er wählt unter den Dutzenden von Aufnahmen zur Veröffentlichung diejenige aus, die zu jene am nächsten sind, und wenn nötig, auch diese werden geschnitten (wie hier, wo durch das Abschneiden der rechten Hand wird eine perfekte pyramidale Komposition für einer perfekte goldene Schnitt geopfert).

Und ein Kunsthistoriker weiß, dass er den goldenen Schnitt als universelles Gesetz nur auf solchen Bildern analysieren darf, wo er ausgezeigt werden kann.

Volksbestimmung


Als ich sie zum ersten Mal erblickte, durch das schmutzige Fenster der entlang dem Ufer der Moldau langsam vorwärts fahrenden Straßenbahn Nr. 5, konnte ich nicht gleich ihren Sinn auffassen. Waren sie wirklich eine Reihe von Propagandaplakaten für die tschechische Annexion von Subkarpatien? Waren sie wirklich absichtlich in diejenigen Steinrahmen angezeigt, die vor 1989 den Reisenden entlang einer der belebtesten Straßen von Prag kommunistische Propaganda schaustellten?

Ich habe meine Augen geschlossen, und dann wieder geöffnet. Ja, es schien wahr zu sein.


referendum2 referendum2 referendum2


Ist es Anzeichen für einen gewissen latenten Faden tschechischer Hoffnung, eine nostalgische Sehnsucht nach einer mythischen slawischen Vergangenheit, eine Gier nach der Wiedervereinigung von Československo mit dem verlorenen kleinen Bruder, Podkarpatská Rus? Der Vormarsch tschechischer Irredentisten, ermutigt vielleicht durch Putins Schlucken in einem Bissen der ganzen Krim?

Die Sache schien mir auch einigermaßen satirisch, also wandte ich zum Internet, um mehr zu erfahren. Es ist wahr, dass vor 1989 die sechs Steinrahmen in der Wand, die den Letná-Hügel von den nach Edvard Beneš und Kapitän Otakar Jaroš genannten Ufern trennt, für die sozialistische Propaganda benützt wurden. Nach dem Regimewechsel fielen sie aber in Vergessenheit. Seit 2005 sind sie wieder als öffentliche Kunstgalerie namens Artwall verwendet.

Die aktuelle Ausstellung, Verchovina, ist von der als „Kassaboys“ bekannten Gruppe von slowakischen Künstlern aus Košice (auf ungarisch Kassa) veranstaltet. Die Plakate dienen als Dokumente einer fiktiven Volksbestimmung zur Wiedervereinigung der Tschechoslowakei mit Subkarpatien, die ein integraler Bestandteil der Republik zwischen 1918 und 1939 war. Die Künstler selbst sagen, dass das Werk eine Reaktion auf die aktuellen Ereignisse in der Ukraine ist, wo eine in der Wirklichkeit inszenierte fiktive Volksbestimmung die Krim wieder unter russische Herrschaft gebracht hatte. Und ihre Wahl der Reihe der Parolen: Integration, Verbindung, Zugehörigkeit, Annexion sind eine Erwägung der möglichen Zukunft von Podkarpatská Rus (und, pars pro toto, der gesamten Ukraine) in Bezug auf die EU.

referendum referendum referendum referendum referendum referendum referendum Die ursprünglichen Plakate zeigen, dass sie durch Zugabe der roten Parolen auf den Illustrationen eines deutschprachigen Reiseprospekts von Subkarpatien aus den 1930er Jahren zusammengesetzt wurden

Sie können mehr auf der Website Artwall (auf Slovakisch) und in diesem Artikel der Website Aktualně.cz (auf Tschechisch) erfahren.