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Alles Fleisch ist Gras

Die wenigen Häuser von Öræfi sehen nach diese zum Meer hin offene Ebene

Jetzt sehen wir sie wie sie ist. Wir können uns aber die Torfkirche (Hofskirkja) der kleinen Gemeinde Öræfi im Süden von Island auch vorstellen als ein einfaches Bauernhaus, ein Ort der Zuflucht und des notwendigen Rückzugs mit einem Blick auf die desolate Wiesen entlang des Meeres. Man begrabt hier auch die Toten, unter einem unfreundlichen Erde und nach einem Leben harter Arbeit. Dieser Bereich war immer vom Rest der Insel getrennt, weil auf der benachbarten, leicht überfluteten Ebene war die Aufenthaltung jeglicher Straße unmöglich. Die steilen Felsen hinter der Kirche haben alle Alternative der Annäherung des Dorfes ausgeschlossen. Nun, als die Island-Ring ist vollständig und sicher, kann Öræfi aus Reykjavik in einem Atemzug erreicht werden.


Das Leben auf dem Bauernhof hat sich kaum verändert, seit die heutige Kirche zwischen 1883 und 1885 gebaut wurde. Sie wurde sicherlich über einer anderen errichtet, deren älteste schriftliche Erwähnung aus 1343 stammt. Das Gebäude in seiner jetzigen Form wurde aus ein Meter lang und 5-10 cm großen Blöcke von Strengur, Torf gebaut. Sie gehört zu einer Zeit, wenn diese Art in der ganzen Island weit verbreitet war. Die wenigen überlebenden Exemplare brauchen dringend Herstellung, wenn auch nur als Zeugnis einer weit entfernten Vergangenheit. Und natürlich damit sie in die die Insel nährende Touristindustrie integriert werden.


Allerdings scheint es, dass der Versuch, diese Gebäude als Teile des Welterbes zu schützen, wird zu ihrem Ende bringen. Ihr Baustoff ist sehr instabil – in der Tat, es ist lebendiges Material –, und sie erfordern ständige Aufmerksamkeit und schnelle Erneuerung. Die konservative Kulturpolitik dieser Gebäude, als ob sie mittelalterliche Gemälde wären, wo man den genauen Pinselstrich des Malers bewahren muss, hat dazu geführt, dass die wenigen traditionellen Meister, die immer noch mit diesen Techniken bauen, verweigern jede aktive Zusammenarbeit in ihrer Aufenthaltung. Sie beschweren, dass man von ihnen erfordert, sogar die Blöcke zu nummerieren und nach jedem Eingriff an ihre ursprünglichen Plätze zurückzusetzen. Für sie ist das Gebäude kein endgültig bestimmtes Wesen, sondern ein lebendiger Organismus, der durch Regeneration und nötigenfalls vollständige Erneuerung überleben muss, wie die Natur erneuert und explodiert sich in dieser vulkanischen Insel jedes Jahr nach dem Eis des Winters.


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Rund um die Kirche gibt es ganze Generationen von anonymen Gräbern, weichen Erdhügel. Auf einigen hat man die Kreuze erneuert, und die Plaques mit den Namen und Daten sind gut lesbar. Und es gibt auch einige, die wirklich jünger sind. Unter dem mehrere Monate lang dauernden kalten Eispanzer der Oberfläche erneuert sich das Land von Island jedes Jahr. Im Frühling sieht man wieder überall die vulkanischen Wurzeln der Insel. In diesem Friedhof ist es nicht schwer, die surrealistisch sentimentalische Dichtung der uruguayischen Juana de Ibarbourou nachzufühlen:

Amante: no me lleves, si muero, al camposanto.

A flor de tierra abre mi fosa, junto al riente
alboroto divino de alguna pajarera
o junto a la encantada charla de alguna fuente.

A flor de tierra, amante. Casi sobre la tierra,
donde el sol me caliente los huesos, y mis ojos,
alargados en tallos, suban a ver de nuevo
la lámpara salvaje de los ocasos rojos.

A flor de tierra, amante. Que el tránsito así sea
más breve. Yo presiento
la lucha de mi carne por volver hacia arriba,
por sentir en sus átomos la frescura del viento.

Yo sé que acaso nunca allá abajo mis manos
podrán estarse quietas.
Que siempre como topos arañarán la tierra
en medio de las sombras estrujadas y prietas.

Arrójame semillas. Yo quiero que se enraícen
en la greda amarilla de mis huesos menguados.
¡Por la parda escalera de las raíces vivas
Yo subiré a mirarte en los lirios morados!
Nimm mich nicht in den Friedhof, mein Liebe,
wenn ich sterbe, auf der Oberfläche öfne mir das Grab
neben dem göttlichen Treiben einer Voliere
oder der verzauberten Plauderei einer Quelle.

Auf der Oberfläche, mein Liebe. Fast darüber,
damit die Sonne meine Knochen wärmt, und die Augen
mit verlängerten Stielen kommen wieder zu sehen
die wilden Blitzen der roten Sonnenuntergänge.

Auf der Oberfläche, mein Liebe. Damit der Übergang
kürzer seie. Ich ahne den Kampf meines Leibes vor,
wieder an die Oberfläche zu kommen,
um die Frische des Windes in seinen Atomen zu fühlen.

Ich weiß, dass dort unten können meine Hände
nie still bleiben: wie Maulwürfe
gehen sie herum, die Erde kratzend
zwischen depressiven und schmalen Schatten.

Wirf Samen auf mich. Damit sie sich einwurzeln
im gelben Ton meiner sich auflösenden Knochen.
So entlang der braunen Leiter der lebenden Wurzeln
komme ich auf, dich in den Lilien zu schauen.



Die himmlische Sonne sank in den Nest des Ozeans (Iceland’s Folksong Heritage. Vom Album Classic Collection von Bjarni Dorsteinsson)

Ich bekam ein Gedicht


letzte Nacht, zu diesem auf Facebook veröffentlichten Bild der Moschee von Schuscha. Ich meine, nicht ich, aber es. Eine unbekannte britische Leserin, akousmata schrieb es, wenn sie das Bild teilte. Und ein paar Stunden später ergänzte sie es mit einer anderen Strophe. Ich weiß nicht, ob sie den Post selbst gelesen hatte, aber das Gedicht passt sowohl zur Geschichte als zur traumhaften, mutterleibähnlichen Schönheit der Moschee.

its raining outside.
theres an enemy in the garden.
inside, silent. just our breaths.
inside our temple, light.
I have bread for you, hidden from the storm
its still raining outside.
theres an enemy in the garden still.
inside, you and me. we walk, naked, towards the glass.
the enemy becomes blind, deaf and mute and lost.
inside our temple, I cover with clothes your nakedness, and likewise.
we are sister and brother

Das letzte Mal war es vor zehn Jahren, dass ich ein Gedicht zu einem Bild bekam, von Wang Wei. Es scheint eine lange Zeit, aber jede zehn Jahren ein gutes Gedicht zu inspirieren ist keine schlechte Ratio. Ich freue mich auf das nächste.

Polaroids von Rabati


Jacopo Miglioranzi forscht die Anthropologie der Religion in der südgeorgischen Stadt Akhaltsikhe unter den lokalen Armeniern und Georgiern. Über die jüdische Bevölkerung der Stadt hat er früher in río Wang geschrieben. Seine weiteren Aufsätze können Sie hier lesen.
„und siehe
es bewegt es bröckelt es verbreitet sich
und siehe
es bewegt es bröckelt es verbreitet sich
das eine erklärt Unabhängigkeit und geht weg
das andere schließt sich in seine Intimität ein
das dritte verkündet sich ein totaler Außenseiter“


Toleranz. Ein neues Wort. Bis vor kurzem konnte man es sehen in großen Buchstaben auf einer riesigen Werbetafel. Toleranz, dies empfing die Stadtbürger und Besucher, die in Rabati ankamen. Der älteste Viertel der Stadt Akhaltsikhe. Um den Viertel zu erreichen muss man eine große Straße überqueren, dann eine schmale Straße unter der Brücke der alten und stillgelegten Eisenbahn nehmen. Zwei Straßen. Zwei Formen der Toleranz. Auf der linken Seite, die Festung von Rabati, das Symbol der Toleranz. Touristen, Reisende, Backpackers, Grenzgänger. Junge Leute, die fotografieren und sich fotografieren lassen. Braute in Weiß gekleidet. Auf der rechten Seite, Rabati. Der Viertel. Touristen, Reisende, Backpackers, Grenzgänger. Junge Leute, die fotografieren und sich fotografieren lassen. Braute in Weiß gekleidet, weniger. Männer rauchen nervös ihre Zigaretten. Eine gelbe Marschrutka, ohne Räder, die im Sterben am Bahndamm liegt. Ich klettere zu den sterbenden Gleisen auf. Armenische Männer. Georgische Männer. Türkische Männer. Armenische Taxifahrer. Türkische Busse. Georgische Busse. Autos. Polizeistreife. Mehr Taxis. Einkaufstüten. Frauen mit Kindern. Armenische Jungen. Georgische Jungen. Armenische Mädchen. Georgische Mädchen. Russische Touristen. Polnische Touristen. Paare auf Motorrädern. Radfahrer.


Verlorene Touristen in einem verlorenen Ort. Vielleich ich auch. Vielleicht nicht. Selbstbewusste Menschen. Menschen mit sicherer Arbeit. Menschen ohne Arbeit. Angestellte, die in der Stadt sicher sind. Angestellte, die hier unsicher sind. Ein orthodoxer Priest.

Ein Führer in der Hand: „Lonely planet“. Informationen. So viele Informationen, so viele Gewissheiten. Hier, so viele Informationen, so wenige Gewissheiten. Versteckten Orten. Verpasste Hotels und Museen. Taxifahrer fahren. „Führer?“ Taxifahrer führen. Sechzig Lari. „Taxifahrer, Führer!“

„Reisen die Wanderer, reisen die Verlierer
die mehr zu den Veränderungen angepasst sind

reist der Staub, reist der Wind
reist das Quellenwasser“

Eine Station. Frauen schreien. Marschrutka. Plätze, die zugewiesen werden, schon zugewiesene Plätze. „რამდენი?“ „ლარად“. Tickets. Mündliche Verträge. Geschäfte. „Nicht deine Geschäfte.“ Geschäfte auf der Haut des Touristen. Eingeborene. Ziele. Beobachter. Beobachtete. Von wem?
Die Stadt. Der Viertel. Gleise und Stationen. Verwirrung und Verwrirrungen. Schlamm und Asphalt.


Die Stadt. Königin Tamar. Eine Kirche. „ვისოლი“, „სმარტი“, „გარფი“, „ლუკოილი“. Geruch von Benzin. Das Gerichtsgebäude. Fußgänger auf der Fußgängerübergang. Stehende Autos und LKWs. Die Polizeistation.
Schlamm und Asphalt. Gefüllte Straßen. Orthodoxe Priester. Orthodoxie. Neue und alte Orthodoxien. „Mehr als neu.“ Beton. Neuer und alter Beton. Denkmal „1941-1945“. Orthodoxie. „C.C.C.P.“ Krieg. Kriege. „Der Krieg ist kalt.“
Religiöse Konflikte. Kirchen. Neue Kirchen, blühen. Alte Kirche, wieder blühen. Altmodisch neue. Neulich alte. „Der Frieden ist warm.“
Körper, die vom Zeichen des Kreuzes verbraucht wurden. Blicke und Seele, der Heiligkeit der Kirche gespendet.

„Jerusalem, Heiliges Jerusalem,
mein Herz sehnt sich nach die Anastasis, entlang der Via Dolorosa,
zu einem Heiligen Grab, der Grab niemals war, aber heilig ist er
durch den Glauben der Gläubigen, in der Gnade des Herrn, mein Gott
mein Herr, Jesuskind, Fleisch von der jungen Jungfrau und Mutter
vor Dich verneige ich mich, Dich verehre ich
für Dich entführt mein Herz der Herr, mein Gott“

Religiöse Vorbeigehende. Vorbeigehende Mönche. Achtung! Heiligkeit. სამება, die Dreifaltigkeit. Zeit zu spenden, Momente, Sekunden. Gebete. Auch wenn es keine Zeit gibt. Auch wenn man einzukaufen eilt. Am Steuer. Spazierend.


akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1 akhaltsikhe1

Gemeinschaft. Menschheit. Identität. Touristen, Reisende, Händler, Verkäufer, Straßenhändler, Ladenbesitzer, Krämer, Fahrer, Studenten, Arbeiter, Spieler, Arbeitslose, Priester, Mönche, Nonnen, Schwestern, Zeugen Jehova, Apostolische Gläubige. Journalisten und Fernsehkameras. Kameras. Autos, Lieferwagen, Lastkraftwagen. Mehr Studenten, Kehrer. Chinese, Georgier, Armenier, Juden, Russen, Türken. Mehr Georgier. Nur wenige Chinese. Viele Armenier. Juden. Rückkehre. Meskheti-Türken. Diasporas. Abfahrten. Italiener, Polen, Christen, rückkehrende. Musulmans, rückkehrende. Juden, abfahrende.

„verkrüppelter sauberer Luft und sterile Basare
Taxifahrer, nomadische Kameltreiber, Radio hören
sie wissen, wie das Wetter sein wird
im Anfang war das Wort
im Anfang war das „Pravda“
Wort und Wahrheit, Wort und Wahrheit“

CCCP – “Radio Kabul”


Jungen, Kinder, alte Männer. Gehweg. Touristbar. Zigaretten. Die gleichen Männer wie früher. „რაბათი?“ „აქედან“. Ich bin im Viertel. Ein Junge kommt aus einem Geschäft aus. Er sieht mich an. Sie sehen mich an. Travertinhäuser. Müde Häuser. Alte Häuser. Ein Mercedes. Kleider hängen. Schrott, Holz und Reifen. „Ein riesiger Erdrutsch,“ Rabati. Rabat ist. Rabati sind. Verloren. Alte Frauen, Armenier. „ԲարևՁեզ ქალბატონო, ექლესია, სად არის?“, „იქააა“, melodisch.

Georgier, Meskheti-Türken, Armenier, Juden, Türken, Russen. Einmal. Paskevitsch, Puschkin. Ein Taxi geht bei mir mit hoher Geschwindigkeit vorbei.

„es ist ein Seitenpfad, eine fluide Göttlichkeit
eine Stilkonvergenz mit dem prähistorischen Primitive
die Wirklichkeit ist die Wirklichkeit
normale Langeweile
tödliche Langeweile“

Viertel. Toleranz? „ԲարևՁեզ, სინაგოგი სადა?“ „ნახე, იქ“, „մերսի“.


Keine mehr Touristen. Keine mehr Reisende. Synagogen. Moscheen. Kirchen. Einmal. Jetzt Diasporas. Widerstände. Rückkehre und Abfahrten. Ein kleines Jerusalem?

„Besessenheiten setzen sich
auf die glänzenden Städte
von vergangenen Überfällen
von zukünftiger Shows
die einsamen Fahrte
die arroganten Wege
alle sind slecht beendet
ohne Erklärngen
ohne Jubel
in den kleinen Geschichten
der denkenden Köpfe”

Häuser. Hunde. Eine Frau mit ihrer Tochter. Sie sehen nicht mich an. Ein Fremder. „Die Wirklichkeit ist die Wirklichkeit.“
Ruinen.
Entlang der Straße. Fast niemand. Dies ist nicht die Stadt, dies ist Rabati. Der Viertel. Geschichten. Grenze. Identitäten auf dem Spiel.
Die Glocke klingelt nicht. Das Minarett singt nicht. Schweigen.

„Die Sufis drehen sich im Kreis im Raum
in der Zeit
Die Vertikale erhöhen sich, die Mönche in der Abgeschniedenheit
bewegungslos
das Niedrige und das Hohe reisen ohne Schnörkel
sie fallen schwindelig ab…
sie fallen schwindelig ab…“


Ich steige auf der, was aus der Straße geblieben ist. Die alte Synagoge. Leer. Sowjetische Vergangenheit. Leer. Ein zerstörtes Haus. Schlamm. Ein Kind am Fenster. Henne. Eine andere Synagoe. Ein Vorhängeschloss. Mehr Häuser.

„verschwindet sich die Stadt, verblasst sich der Verkehr
verblasst sich
beherrscht die Poesie: der Mond geht auf
er geht hoch
und fällt ab“

Խաչքար. Kreuze. Davidsterne. Bibelstelle. Evangelische Stelle. Alte und neue Testamente. Koranstelle. Imperialistische Stelle. Sozialistische Stelle: „l’atmosphère n’est plus la même”.
Ein Hügel. Keine Bäume. Eine alte Hütte. Eine Zeichnung: Mickey Mouse. Entstehende Grabsteine. Hohes Gras. Tote Namen. Armenier.
Ein bisschen weiter. Eine Mauer. Ein Vorhängeschloss. Entstehende Grabsteine. Tote Namen. Juden.

„Säe, säe – wenn auch weit von den Grenzen
wie die Sterne, wie die Wellen, säe.
Egal, wenn die Spatzen deine Samen verwüsten –
Gott wird anstelle von ihnen Perlen säen.“


„Sie fallen schwindelig ab…
sie fallen schwindelig ab…
sie fallen schwindelig ab…
sie fallen schwindelig ab…“


Alle Zitate in Kursivschrift, mit Ausnahme des vorletzten, das aus dem Gedicht „Säe“ des armenischen Dichters Daniel Varujan ist, sind Liede der italienischen Bands „CCCP – Fedeli alla linea“ und „C.S.I.“. Die Titel, in der Reihenfogle der Zitate, sind: CCCP, „Depressione caspica“; C.S.I. „In viaggio“; CCCP, „C.C.C.P.“; CCCP, „Guerra e Pace“; CCCP, „Paxo de Jerusalem“; CCCP, „Radio Kabul“; C.S.I. „Depressione caspica“; CCCP, „Noia“; CCCP, „B.B.B.“; CCCP, „Noia“; C.S.I., „In viaggio“; CCCP, „Campestre“; CCCP, „Inch’allah – ça va“; C.S.I., „In viaggio“.



Das tschechische Meer


Lahvová pošta, Flaschenpost. Es scheint fast absurd, dass solch ein Begriff in einer Sprache, wo man so etwas nie begegnet, erschaffen wurde. Die Natur hat Tschechien das Meer verweigert. So wurde es zur Aufgabe der Literatur, es ihr zu schenken, wie Shakespeare im Wintermärchen, und Radek Malý in seinem kürzlich veröffentlichten Kindergedichtband Moře slané vody, Meer mit Salzwasser.

Zavřete oči.
Slyšíte, jak šumí?
Nadechnĕte se té vůnĕ.
Zašeptejte:
Čechy leží u moře.
Schließ die Augen.
Hörst du, wie es braust?
Atme diesen Duft ein.
Flüster: Böhmen
liegt am Meer.


Als Kind eines anderen Binnenlandes kann ich die Sehnsucht nach das Meer voll und ganz verstehen, als man versucht, aufgrund des blauen Himmels jenes andere Unendliche zu vorstellen, von Muscheln, Schiffe und Inseln träumt, bereitet sich in Kőbánya, ein Seemann zu werden, und schließlich die erste Begegnung.

První vzpomínka

Oči
mám plné
veliké slané vody

Objala zemi kolem pasu

Plujeme
Die erste Erinnerung

Meine Augen
mit dem großen
Salzwasser gefüllt

Es liegt die Erde um die Hüfte an

Wir schwimmen


Blessed shore, sagt Shakespeare über die tschechische Meeresküste, und so soll es wirklich sein. Aber er fügt hinzu: unpathed waters, undreamed shores, das nicht wahr sein kann, da es taucht immer wieder in den Träumen auf, man wandert es so oft kreuz und quer.

O cestĕ

Zeptej se moře na cestu
Řekne ti: všechny cesty jsou tu
Vítr tĕ vezme do všech koutů
a není snadné nalézt tu
jednu
která
nevede ke dnu
nekončí včera
nevede k zemi lidožroutů

Ale já ji najdu, tati
najdu ji, a pak se vrátím
Über den Weg

Frag das Mer über den Weg
es wird sagen: alle Wege sind hier
der Wind bringt dich in jede Ecke
aber es ist nicht leicht zu finden
den einen
derjenige
führt nicht in die Tiefe
endet nicht gestern
führt nicht ins Land der Menschenfresser

Aber, Vater, ich werde es finden!
Ich werde es finden, und dann kehre ich zurück.


Das Schönste in diesen Kindergedichten ist, dass sie nicht banal, nicht künstlicht, nicht affektiert lustig sind, wie die meisten von Erwachsenen für Kinder geschriebenen Gedichte. Sie sind geräumig und persönliche und zu fortsetzen, wie das Meer, wie der Traum. Und diese beiden verschmelzen sich an der tschechischen Küste.

Velrybo velrybičko

Vidĕl jsem velrybu
bylo to ve snu
byla jak ostrov Byla noc

Dlouze se dívala
až na dno klesnu
pak připlula mi na pomoc

Dokud jsou velryby
nebudem sami
na moři ani za noci

Ale až nebudou
co bude s námi?
Kdo připluje nám pomoc?
Wal, Wälchen

Ich sah einen Wal
es war im Traum
er war wie ein Insel. Es war Nacht

er schaute lang
in die Tiefe
dann schwamm er mir zu Hilfe

Solange es Wale gibt
bleiben wir nicht allein
auf dem Meer, noch in der Nacht

Aber wenn sie vorbei werden
was wird mit uns sein?
Wer wird uns zu Hilfe schwimmen?


Auch die Illustrationen, von Pavel Čech, sind wie Träume. Wie Kinderträume: ein wenig Salz, ein wenig Tinte, ein Lavoir Wasser – das endlose Meer. Und wie tschechische Träume. Vor der bröckeligen Mauer und dem zerschlissenen Rahmen, wer konnte nicht Josef Sudeks Lavoir erkennen, und von nun an, wer konnte nicht in Sudeks Lavoir und Gläser Pavel Čechs Meer sehen?







Andere Stadt



Konstantinos Kavafis: Η Πόλις (Die Stadt). Musik von K. G. Eklektos

Η Πόλις

Είπες· «Θα πάγω σ' άλλη γή, θα πάγω σ' άλλη θάλασσα,
Μια πόλις άλλη θα βρεθεί καλλίτερη από αυτή.
Κάθε προσπάθεια μου μια καταδίκη είναι γραφτή·
κ' είν' η καρδιά μου – σαν νεκρός – θαμένη.
Ο νους μου ως πότε μες στον μαρασμό αυτόν θα μένει.
Οπου το μάτι μου γυρίσω, όπου κι αν δω
ερείπια μαύρα της ζωής μου βλέπω εδώ,
που τόσα χρόνια πέρασα και ρήμαξα και χάλασα».

Καινούριους τόπους δεν θα βρεις, δεν θάβρεις άλλες θάλασσες.
Η πόλις θα σε ακολουθεί. Στους δρόμους θα γυρνάς
τους ίδιους. Και στες γειτονιές τες ίδιες θα γερνάς·
και μες στα ίδια σπίτια αυτά θ' ασπρίζεις.
Πάντα στην πόλι αυτή θα φθάνεις. Για τα αλλού – μη ελπίζεις –
δεν έχει πλοίο για σε, δεν έχει οδό.
Ετσι που τη ζωή σου ρήμαξες εδώ
στην κώχη τούτη την μικρή, σ' όλην την γή την χάλασες.
Die Stadt

Du sprachst: Ich gehe in ein anderes Land, zu einer anderen See,
eine andere Stadt werde ich finden, besser als diese, wo
aller meinen Mühen ist das Scheitern vorgegeben
und mein Herz – als sei es tot – begraben. Wie lange
verharrt noch mein Geist in diesem Morast?
Wohin ich meine Auge wende, wohin ich auch schaue, sehe ich
nur die schwarzen Ruinen meines Lebens hier, wo ich
so viele Jahren verbrachte, verfehlte und verdarb.
Neue Plätze findest du nicht, du findest keine andere Seen.
Die Stadt wird dir folgen. Durch dieselbe Straßen
wirst du streifen, in denselben Vierteln
wirst du altern, im denselben Haus
greiselst du. In dieselbe Stadt wirst du
immer ankommen. Nach anderen Orten
– Hoffnung fahr – gibt es kein Schiff für dich,
keine Straße. Wie du dein leben hier verdarbst,
so hast du es in der ganzen Welt verwüstet.

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Abschied

Ibn al-Labbâna (11. Jh.):   Mallorca


مدینة میورقة     


بلد اعارته الحمامة طو قها
      وکساه حلة ریشه الطاووس
وکانما تلك المیاه مدامة
      وکان قیعان الدیار کئوس


Medina Mayurqa

Diese Stadt hat von der Taube ihren Kragen genommen
       und der Pfau hat sie mit ihren Federn bekleidet.
Das Wasser ihrer Brunnen ist wie Wein
       und wie Pokalen sind ihre Höfe.

Poemas del Río Wang

Wang Wei (699-761) zieh oft vom Hofe zu seinem Landgut im Tal des Flusses Wang zurück, wo er – wie es Julio César Abad Vidal im Vorwort zu ihre von Pilar González España übersetzte Gedichte schrieb – “dejaba que las horas transcurrieran, y obraran en él su influjo”.

Mit seinem Freund Pei Di machten sie lange Ausflüge im Tal, und als eine Art poetisches Spiel, beide beschrieben für den anderen, was sie sahen.

Dies ist, wie die schöne Sammlung von Tang-Dichtung Gedichte des Flusses Wang geboren wurde.

Dies ist, wie wir auch tun in dieser Sammlung.

Wir gedenken ihrer mit ihrem ersten Gedicht, in den Sprachen von uns beide.

Tor des Animes, Mallorca 新家孟城口
古木馀衰柳
来者复为谁
空悲昔人有。




nueva casa
cerca de los muros de Meng

viejos árboles
algunos sauces mortecinos

me pregunto

quién habitará este lugar
después de mí

por quien ya lo habitó
inútil es la tristeza



új ház
Meng falánál

vén fák
korhadó füzek

vajon

ki lakik majd itt
utánam

a volt lakót
gyászolni minek