Posts mit dem Label Renaissance werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Renaissance werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Zwangsräumung ist süß in Pitigliano


Zumindest für die Juden. Sie kamen im 16. Jahrhundert aus dem Kirchenstaat in der Maremma, im Gebiet von Sovana und Sorano. Doch das Dekret von 1619 des Cosimo II de’ Medici vertrieb sie aus ihren Häusern und zwang sie, in Pitigliano umzusiedeln. Ihre Türen wurden mit Stöcken geschlagen, als Aufforderung zum Umzug, und die Juden von Pitigliano immer noch erinnern daran mit dem mit Honig und Walnüsse, Orangenschale und Anis bereiteten Kuchen genannt sfratto, “Zwangsräumung”.


Pitigliano, die aus Tuffstein gebaute Stadt etruskischen Ursprungs ist eine der schönsten Städte Italiens. Sie liegt an der Grenze der toskanischen Maremma und Latium, und wurde “Klein-Jerusalem” wegen ihrer bedeutenden jüdischen Gemeinde genannt, die von der Mitte des 16. Jahrhunderts hier ansiedelte. Sie waren meist sephardische Juden, die die Bulle von 1555 des Papsts Paul IV in diese Ecke der Toskana geschoben hat. Das Dekret schrieb ihnen vor, nur in bestimmten Straßen zu leben, um die Kontakte mit der christlichen Bevölkerung zu verhindern – damit das Ghetto institutionalisiert wurde –, und unterscheidende Kleider zu tragen. Später wurden diese Richtlinien auch vom Cosimo II de’ Medici eingeführt, und die Juden des Großherzogtum von Toskana mussten nach Pitigliano, in die Grafschaft der Orsini umziehen. Diese waren glücklich, die wohlhabende und gebildete jüdische Gemeinde zu beherbergen, die auch mit den ihnen übertragenen, durch Malaria befallenen Feuchtgebieten zufrieden waren.

In Pitigliano passten sich die Juden wohl in die örtliche Gemeinde ein, und genossen eine Freiheit des Handels und Handwerk, die ihnen in anderen Orten nicht gewährt wurde. 1571 wurden sie berechtigt, eine Kreditbank zu öffnen, und die dort arbeitenden Juden durften keine unterscheidenden Abzeichen tragen, und hatten das Recht zur bewaffneten Selbstverteidigung. Ihre Synagoge wurde 1598 gebaut. Nach der Annexion des Gebietes ins Großherzogtum von Toskana wurde das Ghetto auch hier eingeführt, die Handelstätigkeit der Juden beschränkt, und sie waren gezwungen, das gelbe Abzeichen zu tragen. Die Kreditbank wurde geschlossen, und die Bedingungen für die Bewohner des Ghettos allmächlich verschlechterten sich. In den 17. und 18. Jahrhundert auch die Juden auf der Flucht aus Castro zogen nach Pitigliano, so dass diese blieb die einzige jüdische Gemeinde in der Maremma. Mit dem Aufkommen der Habsburger im Jahre 1765 hat die Gemeinde ihre Rechte wiedergewonnen, und sie erreichten die vollständige Integration in die örtliche christliche Gemeinde. So sehr, dass es waren die Katholiken, die die Zerstörung ihrer Häuser während der antifranzösischen Revolte Viva Maria verhinderten. Die Gemeinde erreichte ihre Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Sie gründeten eine Schule, wo Juden und Christen gemeinsam studierten, hatten ihre eigene Bibliothek und ein Institut für die Pflege der armen Juden. Einige Schlüsselfgure des italienischen Judentums wurden in Pitigliano geboren, darunter die Servi Brüder, Gründer der Zeitschrift Vessillo Israelitico, und Rabbi Dante Lattes, Gründer des Verlages desselben Namens, der große Verdienste bei der Verbreitung der jüdischen Kultur in Italien hatte.

Die fortschreitende Normalisierung der jüdischen Gemeinde von Pitigliano war wahrscheinlich der Hauptgrund ihrer Auflösung. 1931 hatte die Gemeinde nur 70 Mitglieder statt der 400 des vorigen Jahrhunderts, und sie waren der jüdischen Gemeinde von Livorno unterstellt. Die Rassengesetze von 1938 haben sie auch nicht verschont. Heute leben nur fünf Juden in Pitigliano.

Dennoch ist der ehemalige jüdische Viertel noch intakt, und er kann besichtigt werden, einschließlich des weiblichen rituellen Bad, die das bereits von den Etruskern angewandete Heilwasser benutzte, des Weinkellers, der koscheren Schlächterei, der Bäckerei der ungesäuerten Brote, der Färbewerkstatt, der Zisterne, und nicht zuletzt der Synagoge. Sie wurde 1598 erbaut, und im 18. und 19. Jahrhundert sowie 1931 restauriert. Seine Fassade wurde im 18. Jahrhundert mit Rokokostuck verziert. Zum Zeitpunkt ihrer Schließung im Jahr 1956 wurde der Toraschrein in die Synagoge von Karmiel in Israel transferiert. Die letzte Restaurirung wurde 1995 auf die Kosten der Gemeinde von Pitigliano verrichtet, und heute hielt man wieder Gottesdienste in der Synagoge.

pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano pitigliano

Das jüdische Erbe und die kleine Dauerausstellung der jüdischen Kultur werden vom „Verein Klein-Jerusalem“ verwaltet. Ein aktives Fundraising ist im Gang für die Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs, die unterhalb dem Tuffstein der Stadt gelegen ist. Er hat etwa 280 Gräber. Ein kleiner Laden am Eingang des Ghettos bietet koschere Produkte an, einschließlich der oben genannten sfratto, die typische Süßigkeit von Pitigliano.

Sfratto, Zwangsräumung für vier Personen. Zutaten:
200 g Mehl, 100 g Zucker, eine Prise Salz, 1 dl Weisswein, 6 Esslöffel Olivenöl, 4 Gewürznelken, 150 g Honig der Maremma, Zimt, Muskatnuss, 200 g zerkleinerte Nüsse, Anissamen, Orangenschalen, Vanille, Ei.

Vorbereitung:
• Eine halbe Stunde vor der Herstellung des Teiges beginnen Sie, den Honig bei schwacher Hitze zu erwärmen.
• Geben Sie die Orangenschale, die Anissamen, die Nüsse, den Zimt und Muskatnuss dazu.
• Bereiten Sie den Teig mit dem Mehl, Olivenöl, Wein, Zucker, Vanille und Eingelb.
• Glätten Sie ihn dünn, und schneiden Sie es in etwa 25 cm lange und 6-7 cm breite Streifen.
• Füllen Sie sie mit der Mischung aus Honig usw., die sich inzwischen erkaltet hat.
• Rollen Sie die Streifen in Stöcken auf. Setzen Sie sie in den Ofen bei 170 °C für 15 Minuten.




In Sorano blieben nur wenige Spuren der jüdischen Präsenz: die via del Ghetto, die Ölmühle, die Klopfer der Türen des alten Gebäudes, das heute die Locanda Aldobrandeschi beherbergt, und der nahe gelegene ehemalige oil Getreidespeicher, vo wo man den Juden „Weizen-Darlehen“ gab. Die alte Synagoge wurde in einen Saal für kulturelle Veranstaltungen umgewandelt.


Briefe an Sankt Peter aus Ruthenien


Im Traktat Modus epistolandi, das heißt, Über die Kunst des Briefschreibens (1488), der in der ganzen Europa der Renaissance ziemlich populär war, gab Francesco Nigro präzise und detaillierte rhetorische Richtlinien für das Schreiben von nicht weniger als zwanzig Arten von Briefen. Das erste war das Commendatitium odr Empfehlungsschreiben, das seinerseits in zwei Unterarten, und die jeweils in vier verbindliche Teile getrennt wurden. Später haben viele andere Humanisten durch das Sammeln und die Anpassung der Ideen und Übungen der alten Progymnasmata ihren Senf zu diesen rhetorischen Standards dazugeben. Nicht nur Erasmus, Vives und Lipsius, die Liste ist viel länger: Gasparino Barzizza, Juan Lorenzo Palmireno, Giulio Cesare Capaccio, Bartolomé Bravo, Juan Vicente Peliger, Badius Ascensius, Sulpizio di Verola, Gaspar de Tejeda, Henri Estienne, Basin de Sendacourt, Heinrich Bebel, Valentinus Erythraeus, Pietro Bembo, Tomás Gracián Dantisco, Espinosa de Santayana, Moravus de Olomouc, und so weiter. Und obwohl bei keinem dieser Autoren finden wir eine Anweisung zur Formulierung von Empfehlungsschreiben an das Jenseits, doch hat es solche Briefe gegeben, sie wurden regelmäßig nach vorgeschriebene Formeln geschrieben, mit Streusand bestreut und versiegelt, und an nicht weniger als Sankt Peter selbst angeschrieben, in seine eigene Hände.

Nachrichten über diese Briefe kamen nach Spanien aus Ruthenien, als der Humanist, Numismatiker, Erzbischof von Tarragona und außerordentlich neugierige Mann, Don Antonio Agustín (1517-1586) notierte in seinem handschriftlichen Notizbuch. Auf Folio 23 dieses Alveolus genannten Buches finden wir diesen Bericht über die Tradition „der ruthenischen Kirche“: *


“Rutheni populi Moschouitarum sunt Polonis contigui, quorum regem adgnoscunt; et in religione Patriarcham Constantinopolitanum, cuius ritum, ceremonias et instituta sequuntur. Eorum prouincia nunc Russia nuncupatur. Lingua Dalmatica loquuntur, cuius per uniuersum orientem magnus usus est; characteres mixti Grecis atque Barbaris Sclauonicis quos appellant. Hi populi ridiculam consuetudinem exequiarum obseruant. Mortuorum enim parentes affines propinquí et amici, litteras ab Archiepiscopo prouintiae suae accipiunt, et sigillo et subscriptione firmatas: quibus Archiepiscopus sancto Petro scribit, mortuum propinquum et amicum commendans; rogans mortuo liceat in consortium coelitum adscribi. Quae littere mortui manui inseruntur; unaque cum iis, tamquam eas diuo Petro Vitae Innocentiaeque suae testes redditurus, sepelitur. Emuntur autem magno tales littere; neque cuiquam nisi soluenti pecuniam conceduntur. Quo fit, ut pauperes eas non accipiant, scribuntur lingua Dalmatica. Earum formulam, ex ea lingua translatam in Latinam a Georgio Ticinensi Lithphano, infra suscribi iussimus:

«MACARIVS Dei gratia Ecclesiarum Domini Dei nostri in hoc corruptibili mundo uicarius, tibi Petro qui olim summus Christi in terris uicarius extitisti, notificamus: quod nuper non sine ingenii moerore, Dilecti filii Ecclesiae Dei, nobis rettulerunt; quendam Nicolaum Gregorii Filium, hanc miseriis plenam uitam reliquisse; in aliumque felicem ac deliciis plenum mundum commigrasse. In quo fidelium omnium animulae, omnibus desiderato Domini nostri Jesuchristi, eiusque matris incorruptae intuitu frui ac gaudere numquam cessant. Quas opera tua in regnum coelorum, cuius ianitor et clauiger existis, esse admissas receptasque nemo ambigit. Nam eam clauium potestatem, ipse humani generis restauratos, tibi iam in coelis uero in terris indubie concessit, quos suarum Ecclesiarum in hoc mundo presides esse uoluit.

Cum igitur officii nostri sit ad te, de conuersatione eorum qui relicto hoc mundo istuc commigrant, rescribere, ideo, indubiam tibi litteris his nostris fidem facimus Nicolaum Gregorii Filium, toto tempore uitae suae pie ac christiane uixisse, neminem offendisse, ac omnia Ecclesiarum Dei praecepta, diligenter obseruasse. Quem, prius quam deo conditori suo spiritum commodaticium reddidisset, ab omnibus suis peccatis, quibus diuinam Maiestatem aliquando offendit, absoluimus. Et, propterea iustum esse censemus, quod in conspectum Domini Dei conditoris nostri admittatur; electorumque Dei numero tuis meritis precibusque adiutus, adscribatur. Quod ut pro more officioque tuo facias, supplices petimus. Datum, etc. Sub manu, et sigillo nostro.»” (Alveolus. Manuscrito escurialense S-II-18, Madrid, FUE, 1982, 33-35.)



„Die Ruthenen sind ein Volk der Moskoviten in der Nachbarschaft der Polen, dessen König sie als ihren Herrn anerkennen. In religiösen Dingen erkennen sie den Patriarchen von Konstantinopel an, und folgen seine Riten, Zeremonien und Institutionen. Ihr Region heißt jetzt Land der Russen. Sie sprechen die dalmatinische [kirchenslawische] Sprache, die im ganzen Osten weit verbreitet ist. Ihr Schreiben ist eine Mischung des griechischen Alphabets und der Buchstaben der barbarischen slawischen Sprache, wie sie es nennen. Dieses Volk hat einen lächerlichen Totenritus. Die Verwandten und engen Freunden des Verstorbenen erhalten einen vom Erzbischof der Diözese gesiegelten und unterschriebenen Brief, den der Erzbischof an Sankt Peter anschreibt, und in dem er den Verstorbenen in seine Freundschaft und Gesellschaft empfählt. Sie liegen diesen Brief in die Hände des Verstorbenen, und begraben ihn zusammen mit dem, als ein Zeugnis seines Lebens und Unschuld. Diese Briefe haben einen hohen Preis, und werden nicht gewährt, nur denen, die es bezahlen. Damit haben die Armen keinen Zugang zu ihnen. Sie werden in der dalmatinischen Sprachen erfasst. Ihr Text, übersetzt von Georg von Pavia aus dieser Sprache zu Latein, ist wie folgt:

»Makarios, durch die Gnade Gottes Stellvertreter der Kirche von Gott unser Herr in dieser vergänglichen Welt, geben wir es dir kunde, o Peter, der einst in diesem Land der höchste Stellvertreter Christi warst, dass vor kurzem wurden wir von einigen geliebten Kindern der Kirche Gottes besucht, die mit großen Schmerzen erzählt haben, dass ein bestimmter Nicholas, Sohn Gregors dieses Leben voller Elend verlassen hat, und wanderte in das glückliche Jenseits voller Freunde, wo die Seelchen aller Gläubigen nicht aufhören, sich der von uns allen gewünschten Vision unseres Herrn Jesus Christi und seiner unbefleckten Mutter zu erfreuen. Zu welcher ohne Zweifel du empfängst und lässt sie ein, als Torwächter des Reiches der Himmeln, da in dein Hand wurde die Macht der Schlüssel auf der Erde und im Himmeln vom Erneuer der Menschheit hinterlegt, der dich in dieser Welt der Überlegene seiner Kirche sein wollte.

Als es unsere Pflicht ist, über das Verhalten derer, die von dieser Welt zu derjenigen überziehen, dich zu berichten, lassen dir es ohne Zweifel bekannt sein, und bescheinigen wir es mit Glauben, dass Nicholas, Sohn Gregors, auf frommer und christlicher Art in der ganzen Zeit seines Lebens gelebt hat, niemandem wehtun, und alle Gebote der Kirche Gottes sorgfältig beobachtete. Und bevor er seine Seele an Gott, seinem Schöpfer auslieferte, haben wir ihn von allen Sünden absolviert, mit denen er jemals Seine Göttliche Majestät beleidigt hatte. Deshalb halten wir es für richtig, ihn in die Gegenwart Gottes, unseres Herrn zuzugelassen, und in die Zahl der Auserwählten einzuschreiben, mit Hilfe deiner Verdienste und Gebete. Wir beten zu dir, es zu gewähren, und zwar mit deiner üblichen Gnade und Herablassung. Datum usw. Von unserem Brief und Siegel.«“


Unsere Phantasie wird durch den honen Preis erregt, den man für diese Briefe an den Erzbischof zu bezahlen musste, und der sie an die Armen unzugänglich machte. Wie war der Schwarzmarkt dieser Briefe, die Grabräubereien, die Beseitigung des Namens des Verstorbenen in den Briefen, und ihr Legen in die Hände eines anderen, weniger wohlhabenden Verstorbenen, die raffinierten Techniken der Fälscher von Signaturen und Segel, mit denen sie den Torwächter des Himmels selbst irreführten… Oder ist vielleicht diese Ide völlig undenkbar für einen Ruthene, und kann nur in der pikaresken iberischen Phantasie entstanden?

Aber wenn ja, wie könnte einer dieser Briefe in die Hände von Don Antonio hinkommen?


ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags ukrflags
Unsere Abbildungen sind Prozessionsfahnen von ruthenischen Dörfer in der Sammlung des Lemberger Ikonmuseums


Das Lächeln der Madonna


In Rom, hinter der Hl. Klement-Kirche, wo die Straße steil aufwärts zur mittelalterlichen Abtei der Santi Quattro Coronati, und darüber weiter zur an der Stadtmauer stehenden Lateranbasilika führen beginnt, steht eine seltsame, verwitterte kleine Kapelle an der Ecke. Sie ist seltsam, denn sie ist offenbar Jahrhunderte älter als das Haus, zu welchem sie gesteckt wurde, aber auch wegen seiner Inschrift. Die meisten Straßenkapellen, Kreuze und Bildsäule bitten um Gebete zu einem bestimmten Zweck, und versprechen dafür eine bestimmte übernatürliche Unterstützung. Das auf die Marmortafel der kleinen Kapelle geschnitzte Gedicht, fordert jedoch den Passant nur auf, um sozusagen ohne jedes Interesse die Madonna zu grüßen.


Il sorriso di Maria
A questi luoghi allieterà
Se chi passa per la via
«Ave o Madre» a lei dirà.

Das Lächeln von Maria
wird diesen Ort durchglänzen
wenn wer auf der Straße passiert
„Ave, Mutter“ ihr sagen wird.


Giambattista Nollis Karte von 1748, unser Begleiter durch die Geschichte von Rom, zeichnet die Kapelle nicht, zumindest versieht er sie mit keiner Nummer. Es ist aber nicht unmöglich, dass sich der hervorstehende kleine Haken an der Ecke auf sie bezieht. Auf Antonio Tempestas Karte von 1593 kann mann aber die halbkreisförmige Kapelle an der Ecke deutlich erkennen, damals noch vor einem Garten oder Feld, gegenüber eines Wohnhauses, etwa auf halbem Weg zwischen der Hl. Klement und der Ss. Quattro Coronati.



Die kleine Straße trägt seit fast dreitausend Jahre den Namen via Querquengetulana, oder via dei Querceti nach dem Eichenwald, der auf Nollis Karte noch sichtbar ist. Nach Ferdinand Gregorovius monumentales achtbändiges Werk über das mittelalterliche Rom, wurde es aber seit dem frühen Mittelalter auch vicus Papissae, die Straße der Päpstin genannt, und zwar weil das Haus gegenüber zur Matrone der Familie Papa gehörte.

Erst im 11. Jahrhundert enstand eine andere Erklärung für den Namen der Straße, die dann ganz Europa in Aufregung versetzte. Der Dominikaner Jean de Mailly aus Metz erwähnt in einer Randnotiz seiner Weltchronik von 1099, dass er eine Geschichte gehört hatte, die er noch überprüfen muss. Demnach ist die Erklärung der Inschrift PPP auf einem Stein in Rom (eigentlich pecunia propria posuit, „errichtet auf eigene Kosten“), dass eine als Mann gekleidete Frau zum Papst gewählt wurde, und als sie während dem Reiten öffentlich ein Kind gebar, wurden beide vom Volk getötet, und auf ihrem Grab aufgeschrieben: Petre Pater Patrum, Papissae Prodito Partum – „Peter, Vater der Vater, enthüll die Geburt der Päpstin“. Es scheint, dass die Fremdenführer Roms bereits im 11. Jahrhundert hart für ihr Geld gearbeitet haben.

Die Story zog aber in die Skandalchronik des Mittelalters in jener Form hinein, die ihr von seinen Kollegen, dem Dominikaner und Bischof von Gniezno, Martin von Troppau im 13. Jahrhundert gegeben wurde. Martinus, offensichtlich unter der Inspiration des Namens der während seiner Amtseinführung in Rom gesehenen kleinen Straße, wollte schon auch den genauen Ort wissen, wo dieses unglaubliche Ereignis geschah, von dem vor vierhundert Jahren niemand gehört hatte.

„Post hunc Leonem Iohannes Anglicus nacione Maguntinus sedit annis 2, mensibus 7º, diebus 4, et mortuus est Rome, et cessavit papatus mense 1. Hic, ut asseritur, femina fuit, et in puellari etate Athenis ducta a quodam amasio suo in habitu virili, sic in diversis scienciis profecit, ut nullus sibi par inveniretur, adeo ut post Rome trivium legens magnos magistros discipulos et auditores haberet. Et cum in Urbe vita et sciencia magnis opinionis esset, in papam concorditer eligitur. Sed in papatu per suum familiarem impregnatur. Verum tempus partus ignorans, cum de Sancto Petro in Lateranum tenderet, angustiata inter Coliseum et sancti Clementis ecclesiam peperit, et post mortua ibidem, ut dicitur, sepulta fuit. Et quia domnus papa eandem viam semper obliquat, creditur a plerisque, quod propeter detestationem facti hoc faciat. Nec ponitur in cathalogo sanctorum pontifcum propter mulieris sexus quantum ad hoc deformitatem.“

„Nach Leo [IV., 847-855] war der in Mainz geborene Johann Anglicus Papst für zwei Jahre, sieben Monate und vier Tage. Er starb in Rom, und danach gab es Vakanz im Papsttum für ein Monat. Es wird behauptet, dass dieser Johann eine Frau war, die als Mädchen in der Kleidung eines Mannes von ihrem Liebhaber nach Athen geführt wurde. Dort wurde sie in einer Vielfalt der Wissenszweige bewandert, so dass sie keine gleiche hatte, und nachdem unterrichtete sie in Rom die freien Künste und hatte große Meister unter ihren Studenten und ihrem Publikum. Eine hohe Meinung von ihrem Leben und Lernen enstand in der Stadt, und sie wurde zum Papst gewählt. Als Papst wurde sie jedoch schwanger von einem ihrer Höflinge. Als sie die genaue Zeit, wann die Geburt zu erwarten war, nicht kannte, hat sie ein Kind in einer kleinen Gasse zwischen dem Kolosseum und der Hl. Klement-Kirche geboren, als sie in einer Prozession von Petersdom zur Lateran ging. Nach ihrem Tod wurde sie im gleichen Ort begraben. Der Papst immer vermeidet diese Straße, und es wird von vielen angenommen, dass er dies aufgrund der Abscheu dieses Ereignisses tut. Noch ist sie auf der Liste der heiligen Päpste aufgenommen, sowohl wegen ihres weiblichen Geschlechts, und wegen der Garstigkeit des Skandals.“

Die Päpstin gebärt ihr Kind auf Jacob Kallenbergs Illustration zur Boccaccios De claris mulieribus (1533), und die Päpstin (Johanna Wokalek) in Sönke Wortmanns Film Die Päpstin (2009)


Die von der Lateran, dem Pfarrhaus des römischen Pontifex zum Petersdom, der heiligsten Wallfahrtskirche von Rom führende feierliche Route hatte eigentlich drei Versionen auf dieser Strecke. Die spektakulärste, die via S. Giovanni in Laterano, die 1588 von Sixtus V. zu Via Papalis erhöht wird, war im Mittelalter unpassierbar wegen die Ruinen des Ludus Magnus, der Gladiatorenkaserne neben dem Kolosseum. Aus Mangel an dieser gab es zwei alternative Routen: die malerische via Ss. Quattro Coronati – die wir auch während unserer Tour im Caelius folgen werden –, die jedoch wegen seiner extremen Steilheit nicht zu feierlichen Märschen geeignet war; und die alte Hauptstraße, die Via Labicana, wo jetzt die Straßenbahn zwischen der Lateran und dem Kolosseum verkehrt. Die mittelalterlichen Päpste wählten natürlich die letztere, aber das Volk von Rom suchte eine rationale Erklärung dafür, warum der Papst nicht die kürzere Route folgt, wie alle anderen. Und die, die suchen, werden finden.

Die Abtei Ss. Quattro Coronati, noch einsam auf dem Hügel Caelius, vor dem Bodenspekulation und Urbanisierung des späten 19. Jahrhunderts. Nun, das war der wirklich saftige Skandal im Caelius!

Die Legende der Päpstin wurde schließlich nicht von den Katholiken, sondern von den Protestanten mit den Methoden der humanistischen Textkritik widerlegt. Onofrio Panvinio, der großer römische Historiker aus dem 16. Jahrhundert hat sie noch für authentisch angenommen, und er versuchte lediglich, seine Details zu verschönern. Der Hugenotte David Blondel hat aber ihre Falschheit am Anfang des 17. Jahrhunderts deutlich ausgewiesen, und seitdem haben auch die Päpste seine Erwähnung zensiert.

Das Volk von Rom aber weiß, was es weiß. Päpste und Wissenschaftler kommen und gehen, die vicus Papissae wurde bis Militärspital erweitert, was durch Bodenspekulation errichtet wurde, ein Wohnblock wurde an der Stelle des Gartens gebaut, aber die Kapelle ist immer noch da. Das Caelius-Viertel, das erst am Ende des 19. Jahrhunderts in die Blutbahn der Stadt aufgenommen wurde, hält noch viele alte Traditionen und Gebäuden am Leben, die in anderen Teilen der Stadt schon vergessen sind. Wegen der Unterbindung kann der Grund der Gründung nicht angegeben werden, aber jeder ist vertraut mit ihm, und ihre Restauratoren aus dem 18. Jahrhundert bitten nur um einen Gruß an die Madonna, um die schlechte Erinnerung des Orts auszutreiben.

Durch die aufgesprengten Eisentore der Kapelle von rissigen, römisch-rot gemalten Wänden hineinguckend, kann man ein Madonna-Fresko sehen, dessen Alter ist schwer zu sagen, aber vielleicht kann es zum Ende des 15. Jahrhunderts datiert werden. Ihre Gesichtszüge sind bereits verwischt worden, aber ihr Lächeln durchglänzt noch die auf dem Tor angesteckten trockenen Blumen und Votivbänder, und die reich auf dem Ziegeldach und in den Rissen des Pflasters wächsende Mittelmeerflora, das Gedächtnis des verschwundenen Eichenwaldes.


sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso sorriso


Der Blick der Statuen


In der Zeit der Gegenreformation, in der Champagne des 16. Jahrhunderts wurde es zur Gewohnheit, in den Kirchen Statuen zu errichten: viele, sehr realistische und komplett farbige Statuen – lebende Statuen, sozusagen. In Troyes, der Ort einer der wichtigsten Messen Europas, die zahlreichen Kirchen, jede mit ihren eigenen Zünften und Bruderschaften, hatten viele Steinfiguren, im Chor, an der Basis der Bogen, oder vom Gewölbe des Presbyteriums hinunterblickend.


Die meisten ihrer Bildhauer bleiben unbekannt. In der Regel haben sie ihre Werke nicht signiert, und ihre Verträge mit ihren Auftraggebern sind verschwunden. Es bleiben nur die Statuen, die noch heute still und aufmerksam in den Kirchen stehen. In Chaource, in der Nähe von Troyes, ist die Kirche mit mehr als hundert Statuen von einer hervorragenden Qualität eingerichtet. Und hier hat der Meister von Chaource eine der schönsten Grablegungen Europas hinterlassen.

frenchstatues1 frenchstatues1 frenchstatues1

Man geht jenseits der großen Grisaille-Fenster des Jüngsten Gerichts, dann fünf Schritten unten. Der Ort ist eigentlich keine Krypta, noch eine Seitenkapelle, noch ein Grab – aber er sieht aus wie einer. Man steigt ein paar Schritte ins Zwielicht, fast in die Dunkelheit.

In die Dunkelheit eingetreten, bevor wir die Gruppe der Grablegung erblicken, weichen wir zurück angesichts der zwei steinernen Wachen, die auf beiden Seiten der Tür stehen.

frenchstatues2 frenchstatues2 frenchstatues2 frenchstatues2 frenchstatues2 frenchstatues2

Die Wachen. Überlebensgroß, ihre Augen sind voller Angst. Seit 1515 beobachten sie, was sie nicht glauben, vor dem Einschlafen und Erwachen bei der Auferstehung. Seit 1515 stehen sie dort in ihren Renaissance-Kostümen, mit Speeren in der Hand.

Dann, als unsere Augen sich zum Halbdunkel gewöhnen, treten wir vor. Hier sind Nikodemus, die Jungfrau Maria, Johannes, Maria Salome und Maria Magdalena mit einer Vase voll mit Parfüm, Maria Kleophas, und Joseph von Arimathäa an den Füßen Christi. Und der Körper aus weißem Stein, völlig glatt von Jahrhunderten von Gestreichel. Alle Figuren sind größer als wir, eben genug, um uns in der Lage der Demut zu halten, während sie unaussprechlich menschlich sind. Die geduldigen und aufmerksamen Hände aus Stein pausen für einen Moment vor dem Schließen der Leichentuch. Und die Augen aus Stein schauen ohne Überquerung unseres Blickes, denn sie beobachten, was niemand je gesehen hat, und in ihrem Erstauen, dass sie es sehen, wenden sie sich wieder zu ihren eigenen Gedanken.

Hier, im Schatten begegnet man den Gedanken, er wartete für uns seit 1515, und man fühlt sehr klein vor ihm.

frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3 frenchstatues3

Weit weg vom Ararat


Unter den vielen ethnischen Gruppen des historischen Ungarn sind vielleicht die Armenier die am wenigsten bekannt. Zwar haben viele von uns eine/n Bekannte siebenbürgischen armenischen Ursprungs, und in den frühen 1990er Jahren, nach der Einführung des neuen Gesetzes über die ethnischen Minderheiten sahen wir mit Überraschung die Vielzahl der neu gebildeten armenischen Lokalregierungen, aber die genaue Herkunft und Zeitpunkt der Ankunft der Armenier zu Ungarn und die erhebliche Rolle, die sie vom 18. bis 20. Jahrhundert spielten, wurde erst kürzlich im Detail in solchen Bände dargesteltt, als Az erdélyi örmények története von Miklós Gazdovits (Geschichte der Siebenbürger Armenier, 2006), Gyergyói örmények könyve von Dezső Gazda (Buch der Armenier von Gyergyó, 2007), oder das von Sándor Őze und Bálint Kovács herausgegebene Örmény diaszpóra a Kárpát-medencében (Armenische Diaspora im Karpatenbecken, 2006-2007). Das macht so herasuragend die Ausstellung Weit weg vom Ararat – Armenische Kultur im Karpatenbecken des Historischen Museums von Budapest, die zum ersten Mal einen Überblick über die Geschichte und Kultur der Armenier in Ungarn gibt.


Die Ausstellung versucht es nicht, allumfassend zu sein. Es gruppiert nur um einige Kernthemen eine große Zahl ungarisch-armenischer Kunstobjekte, dessen Mehrheit werden nun zum ersten Mal in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert. Obwohl die Themen durch kurze Beschreibungen eingeführt werdn, und auch die Gegenüberstellung der Objekte an sich auf einen historischen und thematischen Faden deutet, jedoch – und das ist unsere einzige, aber schwerwiegende Kritik – gerade wegen der Unbekanntheit dieser Geschichte und dem bahnbrechende Charakter der Ausstellung hätte es erforderlich gewesen, den historischen und sozialen Kontext dieser Objekte, Personen und Orten in einem Katalog im Detail zu präsentieren.

armenian1 armenian1 armenian1 armenian1 armenian1

Der Weg durch die über 400 Jahre der Geschichte der Armenier in Ungarn beginnt am Ararat, als das grundlegende Bezugspunkt der nachsintflutlichen Menschheit und vor allem der Armenier, von dem die im 17. Jahrhundert in Siebenbürgen einwandernden Armenier in der Tat weit entfernt waren. Aber ein Beweis dafür, dass sie die Erinnerung an die Ursprünge bewahrt haben, ist der aus dem 19. Jahrhundert stammende, und an der armenisch-katholischen Pfarrei von Budapest bewährte Silbergürtel mit eingelegten Edelsteinen, dessen einzelne Stücke Veduten von alten armenischen Städten, Varaghavank, Van, Etschmiadzin, Aghtamar darstellen (jedes Bild kann mit dem Maus vergrößer werden).

armenian2 armenian2 armenian2 armenian2 armenian2 armenian2 armenian2 armenian2 armenian2

In der Mitte des Raums der Anfänge sind wir vom Ikon von St. Gregor der Erleuchter, Apostel der Armenier begrüßt, dank dessen Bemühungen Armenien in 301 das erste christliche Land wurde. Es ist ein schöner Übergang vom Ararat zur anderen, siebenbürgischen Hälfte des Raums, dass das in der armenischen Kirche von Szamosújvár/Gherla bewährte Ikon des Bischofs aus dem 3. Jahrhundert im Stil des siebenbürgischen Volksbarock gemalt wurde, ebenso wie seine auf dem Hauptplatz des armenischen Viertels Isfahans stehende Statue die Züge der Figuren des persischen Heldenepos trägt.



Die siebenbürgische Ansiedlung ist nur durch wenigen Archivbildern und Objekte – Brautkasten und ein Paar Hochzeit-Medaillons der Issekutz-Familie – aus „den vier armenischen Gemeinden“, Szamosújvár (Gherla, Armenopolis, Հայաքաղաք–Hayakaghak), Erzsébetváros (Eppeschdorf, Dumbrăveni), Gyergyószentmiklós (Gheorgheni), Csíkszépvíz (Frumoasa) wachgerufen, vor allem aus der ersten, dessen Kirchensammlungen einen großen Teil der ausgestellten Material lieferten.

armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3 armenian3

Der nächste Raum illustriert die Geschichte des armenischen Buchdrucks mit einer großen Anzahl von nie ausgestellten Bücher aus armenischen Sammlungen im Karpatenbecken, darunter die weltweit erste gedruckte armenische Bibel und armenisches Lehrbuch. Dieses Thema bietete auch die Gelegenheit der Ausstellung, die für das fünfte Zentenarium der Veröffentlichung des ersten gedruckten armenischen Buches, des vom venezianischen Hakob Meghapart („Jakob, der Sündiger“) an der Wende von 1512-13 gedruckten Gebetbuches Urbatagirk, das „Freitagsbuch“ organisiert wurde.

Die kurzen Zusammenfassungen zu den einzelnen Vitrinen geben einen Überblick über die Geschichte der armenischen Typographie. Die Buchdruckerei von Hakob Meghapart wurde durch seinen Nachfolger nach Konstantinopel umsiedelt, wo im 18. Jahrhundert über 300 Werke in mehr als zwanzig armenischen Druckereien veröffentlicht wurden. Allerdings stammt der Großteil der Bücher der siebenbürgischen Armenier, die sich im späten 17. Jahrhundert mit der katholischen Kirche vereinigten, aus der Typographia Polyglotta der römischen Propaganda Fide: bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kennen wir 44 hier veröffentlichte Werke in armenischer Sprache. Das Mechitaristen-Orden, das in 1701 in Konstantinopel gegründet wurde und seit 1715 bis zum heutigen Tag auf der Insel St. Lazarus in Venedig tätig ist – die „armenischen Benediktiner“, die größten Exponenten der Armenologie jener Zeit – gaben ihre armenische Bücher bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in italienischen Druckereien aus, aber im Jahre 1789 gründeten sie ihre eigene Buchdruckerei, wo sie Hunderte von Bücher in fast vierzig Sprachen veröffentlichten. Durch der armenischen Diaspora erreichten diese auch an den entlegenen Provinzen des Osmanischen Reiches. Im Jahr 1773 hat eine Gruppe der venezianischen Mechitaristen in Triest, und in 1810 in Wien umgesiedelt, wo sie eine wichtige wissenschaftliche und ausgeberische Tätigkeit entwickelt haben.

Ein ungarischer Drucker aus Siebenbürgen hat auch eine entscheidende Rolle in der Geschichte der armenischen Typographie gespielt. Der einflussreichste armenische Drucker, Voskan Yerevantsi hat seine Druckerei in Amsterdam in 1660 gegründet, und als er mit den verfügbaren armenischen Schriftarten unzufrieden war, beauftragte er den dort arbeitenden Miklós Kis of Misztótfalu, eine neue armenische Druckschrift zu entwerfen, die sich schnell in ganz Europa verbreitete, und seine verschiedene Versionen noch in Gebrauch sind.

armenian4 armenian4 armenian4 armenian4 armenian4 armenian4 armenian4 armenian4

Ein besonderer Raum ist gewidmet, offensichtlich aufgrund der Reichhaltigkeit des Materials, zu den Denkmälern der siebenbürgischen armernisch-katholischen Kirche, Porträte von Prelaten, Kirchenkleider, votive und Altarbilder. Die aus Szamosújvár/Gherla stammenden drei Porträte stellen nicht unbedingt die größten Persönlichkeiten dar, sie hätten auch jemanden anderen gewählt können, wie Bischof Minas Zilifdarean (1610-1686), unter dessen Führung die Armenier in Siebenbürgen einwanderten. Jedoch sind diese drei Porträte gute Darstellungen des breiten sozialen und geographischen Spielraums der armenischen Intellektuellen, und ihre Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen kulturellen Zentren. Der in Moldau geborene Oxendio Virziresco (Verzár) (1655-1715) studierte im römischen Missionskolleg der the Propaganda Fide. Seit 1685 arbeitete er, zuerst unter großem Widerstand, aber am Ende mit einem vollen Erfolg, an der Verenigung der siebenbürgischen Armenier mit der katholischen Kirche, und in 1690, nach dem Tod von Bischof Minas, wurde er zum Führer der armenischen Kirche in Siebenbürgen. Stephano Roska (1670-1739) stammte aus einer armenischen Familie von Kamenets-Podolsk. Er war armenischer Provost in Stanislawów (heute Ivano-Frankiwsk), und im Namen des armenischen Erzbischofs von Lemberg besuchte er die vier armenischen Gemeinden von Siebenbürgen, wo er eine Reihe von wichtigen religiösen Gesellschaften gründete. Mihály Theodorovicz (1690-1760) wurde in Bistritz/Beszterce/Bistrița, damals eine wichtige armenische Siedlung, geboren, und hat vom Handelsassistent zum Archidiakon von Szamosújvár geworden. Er baute die erste armenische Steinkirche von Szamosújvár, die Salamonkirche (1723-25), und hat den Gregorianischen Kalender eingeführt. Maria Theresia ernannte ihn Bischof, das aber schließlich keine kirchliche Anerkennung erhielt: seit jener Zeit gehören die armenisch-katolischen Gemeinden Siebenbürgens unter dem römisch-katholischen Bischof von Gyulafehérvár/Alba Iulia.

Von den 1770er Jahren war der Kult um die Königin des Rosenkranzes in Szamosújvár in Blume, und ihre Schutznahme wurde in der Anzahl von Votivbilder anerkannt, die als Zeichen der Dankbarkeit für die Rettung aus einiger großen Gefahren angeboten wurden. Auf den hier ausgestellten Bildern sagen ein der Hochflut entgangene Ritter, ein Feuer überlebte Familie, und eine von der Krankheit genesen Frau Dank der Fürsprache der Jungfrau Maria.


armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5 armenian5


armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6 armenian6


Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Beziehungen der Armenier mit ihren ehemaligen Zentren im Krim und Anatolian locker, aber der Weg zum Aufstieg in die ungarische Bourgeoisie war offen für sie. Sie änderten ihre Sprache für ungarisch, und unter all den ethnischen Minderheiten nahmen sie im größten Maß Teil in der Führung und Finanzierung des ungarischen Freiheitkampfes von 1848-49. Zwei der berühmten dreizehn Generäle, die am 6. Oktober 1849 von den Österreichern in Arad hingerichtet wurden, Ernő Kiss und Vilmos Lázár waren Armenier, sowie auch General János Czetz, der im Exil zum Gründer der argentinischen Kriegsgeographischen Instituts wurde, das unter seiner Leistung die kartographische Aufnahme des ganzen Landes ausführte. Nach dem Ausgleich von 1867 zwischen dem Hof von Wien und der ungarischen politischen Elite nahmen die Armenier in großer Zahl Teil am politischen und kulturellen Leben Ungarns. Der letzte Raum ist ein Porträtgalerie ihrer prominentesten Vertreter.

Auf der anderen Seite, als Ausgleich für die Assimilation, wurde die Ideologie des Armenismus geboren, mit dem Ziel der Stärkung der armenischen Identität. Seine Anhänger begannen ausgebreitete Forschungen der Geschichte der siebenbürgischen Armenier, starteten die Zeitschrift Armenia in Szamosújvár, und in 1905 gründeten sie das Armenisches Museum (das gerade jetzt, im März 2013 seine in den 1950er Jahren verstaatlichten Sammlungen zurückerhielt). Einige Verträter des Armenismus, wie Kristóf Lukácsy und Kristóf Szongott schlossen sich auch an der Forschung der ungarischen Vorgeschichte, und in mehreren Veröffentlichungen die sprachliche Verwandtschaft der ungarischen und armenischen Sprachen verteidigten. Die Vitrine des letzten Raums präsentiert eine Auswahl von Publikationen über armenische Themen aus dem 19. und 20. Jahrhundert.


armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7 armenian7


Die Wände des aus der Ausstellung ausführenden Flurs sind mit Fotos von armenischen Familien aus der Wende des Jahrhunderts, Dokumenten der Alltagsgeschichte bekleidet. Hunderte von Leben und Geschichten, die deutlich zeigen, wie viel in dieser Geschichte noch zu forschen ist. Und in diesem Sinne ist der Titel dieser Fotosammlung, Spiegelfragmente, in der Tat für die gesamte Ausstellung gültig.

araratfotos araratfotos araratfotos


armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8 armenian8