Ein Jahr in Subkarpatien


Am 17. Januar, als die Subkarpatischen Fotos von László Végh in Magyar Nemzet veröffentlicht wurden, teilte ich sie auf dem Facebook von río Wang. Jetzt, in Vorbereitung für unsere Galizien-Tour am Ende Aprils sah ich sie wieder, und ich dachte, sie auch auf dem Blog zu teilen, damit sie von mehr Menschen gesehen seien, und nicht nur in Ungarisch.

Olena zog vor vielen Jahrzehnten von Moskau nach Kőrösmező/Jassinja

„Dank dem József Pécsi Fotostipendium, hat der Fotoreporter von Magyar Nemzet Subkarpatien wiederholt besucht. Er traf sich mit Soldaten auf der Rückkehr vom Schlachtfeld, Familien, die um ihre Angehörigen trauerten, tatarische Flüchtlinge von der Krim. Und mit außergewöhnlichen Gastfreundschaft.

Man kann keinen großen Fotoreport ohne Vorbereitungen beginnen, also begann ich auch mit der Forschung, bevor ich nach Subkarpatien fuhr. Zunächst trat ich in Verbindung mit einem lokalen Journalisten, der mich an mehreren Stellen begleitete, führte mich einer Reihe von Personen ein, und, wenn nötig, mir übersetzte. Er war mein Fixer, als der Journalistenjargon diejenige Personen mit Lokalkenntnisse nennt, die im Zuge einer großen Feldarbeit die ausländischen Journalisten und Fotografen führen und unterstützen.

Das erste Mal, als ich dort ging, war es März. Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich ging nach Verbőc/Verbovec, zum Begräbnis eines im ostukrainischen Konflikt gefallenen Soldaten. Nach 316 Kilometern kam ich an der Grenze. Reisepass. Unterlagen. Kontrolle. Ankunft in Subkarpatien. Schlechte Straßen. Die Abdrücke der Vergangenheit, überall. Graue. Strömender Regen. Und auf dem Weg von Bereszász/Beregovo aus, Polizeistrafen. Nicht wenig. Fast eine Stunde Verspätung. Erschöpft kam ich zu meiner Unterkunft an.

Das Begräbnis von Viktor Márkusz. Er diente im 128. Berg-Infanterie-Regiment

So sehr ich auch es versuchte, konnte ich in den ersten paar Monaten den lokalen Rhythmus nicht aufnehmen. Dann wurde ich mehr und mehr Menschen vorgestellt, die mir geholfen haben. Zum Beispiel, Tante Slava, dessen Sohn ein 22-jähriger Vertragssoldat ist. Sie ist in ständigem Kontakt mit den Soldaten aus Subkarpatien an der Front, also sie kennte die Antworten auf alle meine Fragen, und half mir in allem. Andernfalls unterrichtet sie ukrainische Sprache in der ungarischen Klasse einer zweisprachigen Schule.

Und sehr oft hatte ich Glück. Zum Beispiel, in Kőrösmező/Jassinja, wo ich in die falsche Richtung in die Berge aufbrach, und so stolperte ich auf Olena, die aus Russland nach Subkarpatien umgezogen war. Oder einen Abend, als wir, auf dem Weg zu unserer Unterkunft, eine flackernde Kerze in einem benachbarten Fenster erblickten. Unser Gastgeber, eine ungarische Familie erzählte mir, dass eine alte Dame lebt dort, Mária András, der jeden Morgen und Abend betet auf dieser Weise. Es ist uns gelungen, sie zu besuchen, und sie erlaubte mir, ein paar Fotos von ihr zu machen, während sie betete. Oder Onkel Frédi in Fancsika/Fantschikovo, der über meine Wanderung in Subkarpatien und Fotografieren den Alltag der Menschen gehört hat. Er sagte einem Freund im Dorf, dass er mir seine Tauben gerne zeigen würde.


Und es waren die ungarischen Familien, die ihre Lieben im Krieg verloren haben. Ich verbrachte Stunden mit ihnen. Bei vielen Gelegenheiten habe ich nicht einmal meine Kamera herausgenommen, wir sprachen nur. Am 16. September war das Begräbnis von Sándor Lőrinc in Fancsika. Als ich den Nachricht gehört habe, sass ich in den Wagen, und fuhr zu der Familie den vorigen Abend. Ich stellte mich vor, ich sagte ihnen, wer ich war, woher ich kam, und was ich wollte. Ich sprach viel mit der Mutter Sándors, Tante Anna. Ich dürfte auch an der Nachtwache im kleinen Raum des kleinen Hauses, bei dem mit der ukrainischen Flagge bedeckten Sarg anwesend sein. Am nächsten Tag, bei dem Begräbnis gab es vielen Menschen, alle Bewohner des Dorfes. Und viele ukrainische Soldaten, die ich in Verbőc in März getroffen hatte. Sie begrüßten mir, und sagten dass sie hoffen, uns beim nächstes Mal in einem fröhlicheren Ereignis zu treffen.

Nach dem Begräbnis wollte ich nach Budapest zurück. Allerdings sagte Tante Anna, dass ich nicht gehen könne, bevor ich mit ihnen Abend esse. Ich entschuldigte mich, aber sie haben micht nicht gehen gelassen. Sie haben mir sogar Krapfen verpackt für die Straße. Budapest ist weit weg.

Fancsika/Fantschikovo. Begräbnis des in der Ostukraine gefallenen ungarischen Soldaten Sándor Lőrinc

Überall dort, wo ich während dieser Zeit in Subkarpatien ging, stieß ich auf einen freundlichen Empfang. Und nicht nur bei der ungarischen Familien. Ich besuchte auch tatarische Familien, die von der Krim geflohen waren, und mit denen wir durch ein Computer-Übersetzungsprogramm gesprochen haben. Die Kinder haben es wirklich genossen, wenn wir einander manchmal nicht verstanden haben, und wir uns durch Gesten erklärten. Activity. Ich habe Soldaten besucht, und Freiwillige, die für den subkarpatischen Soldaten auf dem Schlachtfeld Nahrung und Kleidung sammelten. In Aknaszlatina/Solotvino, unter den Ruinen des alten Salzbergwerks stießen wir auf Onkel Jura, der dort gearbeitet hatte, und ist heute ein Nachtwächter im Minengebiet. Wir trafen auch Onkel Béla, in dessen Garten einen großen „Krater“ gibt, weil der Boden über einer ehemaligen Mine eingestürzt hat.

Die Zahl der Ungarn in Subkarpatien wurde drastisch reduziert. In der Volkszählung von 2001 etwa hundertfünfzigtausend Personen erklärten sich Ungarn. Es gibt viele Mischehen, wo die Kinder nicht mehr Ungarisch sprechen. In der schlechten wirtschaftlichen Situation alle diejenigen, die es leisten können, suchen Arbeit im Ausland. Es ist viel schwieriger denjenigen, die entscheiden, zu bleiben. Sie leben auf wenig Geld von Tag zu Tag, aber sie glauben, dass es nicht hoffnungslos ist, zu bleiben, und dass sie eine Zukunft in ihrer Heimat haben. Die durch die Laune der Geschichte in den letzten hundert Jahren fünf Mal Besitzer gewechselt hat.

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Das armenische Alphabet


Trotz seines Alters – nächstes Jahr wird er achtzig sein – ist Andrej Bitow eine prominente Figur der russischen postmodernen Literatur. Seine Sammlung von surrealistischen Kurzgeschichten Дворец без царя (Palast ohne Zar) wurde mit dem Iwan Bunin Preis ausgezeichnet. Allerdings war sein erstes bedeutendes Werk die 1978, im Alter von neunundvierzig veröffentlichten Уроки Армении (Armenische Lektionen), in dem er die während seiner armenischen Reise gesammelten alltäglichen Beobachtungen und Reflexionen in eine subjektive Enzyklopädie zusammenstellt. Im vergangenen Jahr gewann dieses Buch den Yasnaya Polyana Preis, eine der angesehensten russischen literarischen Anerkennungen. Im Folgenden veröffentlichen wir einen Teil des Eintrags „Alphabet“.


„Allerdings war es wenn nicht die erste, so die zweite Frage, di mir auf armenischem Boden gestellt wurde: „Na, wie gefällt dir unser Alphabet? Sehr, nicht? Sag mal, aber ehrlich, welches gefällt dir besser, deines oder unseres?“

Es ist ein großartiges Alphabet: wie der Laut exakt der graphischen Darstellung entspricht! Alles bildet ein Ganzes und schließt sich zum Kreis. Das Zupackende des armenischen Sprachklangs („eine Wildkatze, das Armenische“, sagt Mandelstam) entspricht dermaßen dem Gußeisernen der armenischen Buchstaben, daß das Wort, in Schrift gefaßt, wie eine Kette klirrt. Und dermaßen klar stelle ich mir vor, wie diese Buchstaben in der Schmiede entstehen: geschmeidig biegt sich das Metall unter den Hammerschlägen, der Zunder platzt ab, und zurück bleibt jene schillernde Bläulichkeit, die für mich jetzt in jedem armenischen Buchstaben aufscheint. Mit diesen Buchstaben kann man lebendige Pferde beschlagen. Oder diese Buchstaben sollten aus Stein gehauen werden, denn Stein ist in Armenien so natürlich wie das Alphabet, sowohl Geschmeidigkeit wie Härte des armenischen Buchstabens stehen zum Stein nicht im Widerspruch. Und die obere Krümmung des armenischen Buchstabens gleicht so exakt der Schulter der alten armenischen Kirche oder ihrem Gewölbe, wie diese Linie auch in den Umrissen seiner Berge vorkommt und wie diese widerum den Linien der weiblichen Brust gleichen – dermaßen allgemeingültig ist für Armenien diese erstaunliche Verbindung von Härte und Weichheit, Starre und Geschmeidigkeit, Männlichem und Weiblichem, in der Landschaft wie in der Luft, in den Bauten wie in den Menschen, im Alphabet wie im Sprachklang.

Diese Alphabet wurde von einem genialen Menschen mit überwältigendem Gespür für seine Heimat erschaffen, wurde einmal und für alle Zeiten erschaffen – es ist volkommen. Jener Mensch war ein Ebenbild Gottes in den Tagen der Schöpfung. Als er das Alphabet erschaffen hatte, faßte er den ersten Satz in Schrift:

Ճանաչել զիմաստութիւն եւ զխրատ, իմանալ զբանս հանճարոյ

Čanačʿel zimastutʿiwn ew zxrat, imanal zbans hančaroy

In diesem Fall bedeutete der Satz auch, was da niedergelegt war:

Dass man Weisheit und Unterricht erlerne und verständige Reden verstehe.

(Sprüche Salomos, 1:1-2)

Als er das in Schrift gefaßt (eben nicht geschrieben, nicht gezeichnet) hatte, entdeckte er, daß ein Buchstabe fehlte. Darauf erschuf er auch diesen Buchstaben. Und seit der Zeit „steht“ das armenische Alphabet.

Für mich gibt es nichts Überzeugenderes als eine solche Geschichte. Man kann sich einen Menschen ausdenken, und man kann sich einen Buchstaben ausdenken, aber man kann sich nicht ausdenken, daß einem Menschen ein Buchstabe gefehlt hat. Das kann nur so gewesen sein. Also gab es auch den Menschen. Er ist keine Legende. Er ist ebenso eine Tatsache wie dieses Alphabet. Sein name ist Mesrop Maschtoz.

Ich würde Maschtoz ein Denkmal setzen in Gestalt jenes letzten Buchstabens, als steiernen Beweis, daß er recht hatte.“

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Allerdings sind den Armeniern alle Buchstaben gleichsam wichtig. Deshalb gedenken sie Maschtoz mit den Statuen jedes, in der Form der mittelalterlichen Khatschkar geschnitzten Buchstabe in Oshakan, im von ihm gegründeten Kloster, wo sein Grab ist eine Pilgerstätte allen armenischen Gläubigen, sowie in der nähe, im „Feld der armenischen Alphabet”.

Die anderen Bilder sind vom Kloster Ganzasar, Karabach, wo Maschtoz seine erste Klosterschule für den Unterricht der armenischen Schrift gründete

Der hebräische Seemann


Pola ist eine charmante Kleinstadt auf der istrischen Halbinsel, in der tiefen Bucht der Adria. Sie hat ein römisches Amphitheater und ein Siegestor, einen mittelalterlichen Hauptplatz und ein Renaissance-Rathaus, eine venezianische Festung, eine Markthalle aus der Zeit der Monarchie, und ein permanent geschlossenes archäologisches Museum. Und vor hundert Jahren hatte sie auch einen Militärhafen.

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Die Karte von Pola aus dem Baedeker Österreich-Ungarns von 1910. In hoher Auflösung hier. Durch einen Klick auf einen beliebigen Punkt können Sie die alten Postkarten durchblättern.

Die österreichische Marine wahlte 1859 den Hafen von Pola als ihre Hauptbasis und das Zentrum des Schiffbaus aus. So blieb es bis zum 31. Oktober 1918, dem letzten Tag des Krieges, wenn einige von D’Annunzio inspirierten italienischen Offiziere führten die spektakulärste Heldentat der italienischen Marine aus, und sprengten in die Luft im Hafen von Pola das Kriegsschiff Viribus Unitis, das Flaggschiff der Monarchie. Der einzige Schönheitsfehler des Unternehmens war, dass die Helden wussten nicht, dass der Krieg schon vorbei war, und das Schiff dem neu gegründeten südslawischen Staat übergeben geworden war, dessen vierhundert Schiffsmänner bei der Explosion starben.

Dies zeigt auch, dass die Mannschaft der Flotte immer multi-ethnisch war, wie die Monarchie selbst. Heute fühlen insbesondere die Tschechen eine Sehnsucht nach das erste und letzte Meer ihrer Geschichte – wenn wir dasjenige nicht zählen, das Shakespeare gab ihnen –, und im letzten Jahr gedachten sie mit einer großen Ausstellung und einigen Memoiren der tschechischen und mährischen Schiffsleute der Monarchie, worüber wir bald berichten werden. Nach den Statistiken erfüllten sie und die Deutschen meist technische und organisatorische Aufgaben, die Mehrheit der Kanoniere waren ungarisch, während die Matrosen meist italienisch und kroatisch. Aber wir wissen auch über russinische, polnische und rumänische Schiffsleute, und um die Jahrhundertwende dienten auch vier jüdischen Seeoffizieren in Pola. Allerdings gab es nur einen hebräischen Seemann in der Monarchie: Aurél Göndör, der populäre Komiker von Budapest.



Aurél Göndör: Héber tengerész (Der hebräische Seemann), um 1909

Tudja rólam mindenki, hogy nem vagyok merész
Leider mégis vagyok én egy héber tengerész.
Tauli * lettem, be is hívtak engemet Pólába
S ott tartottak tengerésznek ebbe a gúnyába

Refr:
Hej, mondd Lipi, hitted-e, hogy tengerész leszel
Hogy életedben a hajón szolgálatot teszel
No de sebaj, nem busulok, sorsom bár nehéz:
Én vagyok az egyedűli Jordán-tengerész.

Hogyha már a kegyetlen sors engem idetett,
Ó, Jehova, hallgasd meg az én kérésemet:
Zsidó vagyok, vitorlázom sima Adrián,
Add meg nékem, Jordán vizén legyek kapitány.

Refr, azzal az utolsó sorral:
…én vagyok az egyedűli zsidó tengerész.

Hogyha járnak dühös szelek, s minden háborog
A hajó kész ringlispíl, amely forog-forog.
Én áthajlok a korláton, s mérgem kiadom
Fájó lelkem ott kóvályog zsidó piacon (?)

Refr:
…én vagyok az egyedűli Jordán-tengerész.

Én Istenem, hogy hiányzik a hajón a nő.
Éjjel csupa tűz a testem, és a fejem fő.
A tengertől ovakodjék Izráel szent népe:
Csak álmában áll előtte Vénusz asszonyképe.

Refr:
Lipi, Lipi, ne busulj, ha letelik időm
Hazamegyek, szabad leszek, lesz is szeretőm
Szőke-barna, mindenfajta, zsidó-keresztény,
Minden leány így kiált: Lipi derék legény!
Jeder weiß dass ich nicht abenteuerlich bin,
Leider bin ich trotzdem ein hebräischer Seemann.
Ich war tauli, * also wurde ich in Pola gebracht,
und dort als Seemann in dieser Uniform gehalten.

Refrain:
Hei, Lipi, hast du jemals gedacht, ein Seemann zu sein?
dass du jemals auf einem Schiff dienen werdest?
Es mach nichts, auch wenn dein Schicksal ist schwer:
Ich bin der einzige Jordan-Seemann.

Wenn der grausame Schicksal mich einmal hier brachte,
ach, Jehova, höre meine Bitte:
Ich bin ein Jude, ich segele auf der glatten Adria,
lass mich aber einmal Kapitän auf dem Jordan sein.

Refrain, mit dem letzten Vers:
…Ich bin der einzige jüdische Seemann.

Wenn böse Winde kommen, und alles aufwirbeln,
ist das Schiff ein Karusell, das immer nur umdreht.
Ich beuge mich über das Geländer, ich gieße meinen Zorn aus,
und meine Seele irrt auf dem jüdischen Markt um.

Refrain:
…Ich bin der einzige Jordan-Seemann.

Ach mein Gott, wie vermisse ich die Frauen auf dem Schiff!
In der Nacht ist mein Körper und Kopf all Feuer.
Behüte sich das heilige Volk von Israel vom Meer
wo man sieht die schöne Venus nur in Träumen.

Refrain:
Lipi, Lipi, es macht nichts, deine Zeit wird vorbei sein
Ich gehe nach Hause, ich werde viele Liebhaber haben.
Blondinen, Brunetten, alle Art, Juden und Christen,
alle Mädchen schreien: Lipi ist ein tapferer Bursche!

Ich bin nicht ganz sicher, wie ich „Jordan-Seemann” schreiben soll. Es kann kein Volksname (”jordanische Seemann“) sowie „hebräisch“ und „jüdisch“ sein. Der Autor konnte offensichtlich nicht das jordanische Königreich im Auge haben, das erst 1946 unabhängig wurde, und mit dem er sich onehin nicht identifiziert hätte. Vielleicht stellt er sich lieber als Matrose auf dem Jordan dar, wie er es auch in seinem Gebet bittet. Dieser Hinweis zeigt die post quem des Liedes, die Jahrhundertwende, wenn sowohl der Zionismus als der Sänger ihre ersten großen Erfolgen erzielten. Und die Tatsache, dass er sein Verlangen nach christliche Frauen offen verkünden kann, zeigt auf eine traurige ante quem, die er glücklicherweise nicht erlebte. Er starb 1917, noch vor der Auflösung der österreichisch-ungarischen Pola.

Ist es vielleicht er, Aurél Göndör, am Ausgang in Pola? (Fortepan)

…und im Dienst?

Die um 1909 veröffentlichte Grammophonscheibe wurde zusammen mit vielen anderen Scheiben Auréls Göndör vom Gramofon Online digitisiert. Und jetzt das Ungarische Jüdische Museum und Archiv von Budapest feiert mit sie ihre Zentenarausstellung, die morgen, Samstag Abend um 20:155 geöffnet wird. Wir empfehlen den Besuch allen unseren Lesern. Mazel tov!


Alles Fleisch ist Gras

Die wenigen Häuser von Öræfi sehen nach diese zum Meer hin offene Ebene

Jetzt sehen wir sie wie sie ist. Wir können uns aber die Torfkirche (Hofskirkja) der kleinen Gemeinde Öræfi im Süden von Island auch vorstellen als ein einfaches Bauernhaus, ein Ort der Zuflucht und des notwendigen Rückzugs mit einem Blick auf die desolate Wiesen entlang des Meeres. Man begrabt hier auch die Toten, unter einem unfreundlichen Erde und nach einem Leben harter Arbeit. Dieser Bereich war immer vom Rest der Insel getrennt, weil auf der benachbarten, leicht überfluteten Ebene war die Aufenthaltung jeglicher Straße unmöglich. Die steilen Felsen hinter der Kirche haben alle Alternative der Annäherung des Dorfes ausgeschlossen. Nun, als die Island-Ring ist vollständig und sicher, kann Öræfi aus Reykjavik in einem Atemzug erreicht werden.


Das Leben auf dem Bauernhof hat sich kaum verändert, seit die heutige Kirche zwischen 1883 und 1885 gebaut wurde. Sie wurde sicherlich über einer anderen errichtet, deren älteste schriftliche Erwähnung aus 1343 stammt. Das Gebäude in seiner jetzigen Form wurde aus ein Meter lang und 5-10 cm großen Blöcke von Strengur, Torf gebaut. Sie gehört zu einer Zeit, wenn diese Art in der ganzen Island weit verbreitet war. Die wenigen überlebenden Exemplare brauchen dringend Herstellung, wenn auch nur als Zeugnis einer weit entfernten Vergangenheit. Und natürlich damit sie in die die Insel nährende Touristindustrie integriert werden.


Allerdings scheint es, dass der Versuch, diese Gebäude als Teile des Welterbes zu schützen, wird zu ihrem Ende bringen. Ihr Baustoff ist sehr instabil – in der Tat, es ist lebendiges Material –, und sie erfordern ständige Aufmerksamkeit und schnelle Erneuerung. Die konservative Kulturpolitik dieser Gebäude, als ob sie mittelalterliche Gemälde wären, wo man den genauen Pinselstrich des Malers bewahren muss, hat dazu geführt, dass die wenigen traditionellen Meister, die immer noch mit diesen Techniken bauen, verweigern jede aktive Zusammenarbeit in ihrer Aufenthaltung. Sie beschweren, dass man von ihnen erfordert, sogar die Blöcke zu nummerieren und nach jedem Eingriff an ihre ursprünglichen Plätze zurückzusetzen. Für sie ist das Gebäude kein endgültig bestimmtes Wesen, sondern ein lebendiger Organismus, der durch Regeneration und nötigenfalls vollständige Erneuerung überleben muss, wie die Natur erneuert und explodiert sich in dieser vulkanischen Insel jedes Jahr nach dem Eis des Winters.


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Rund um die Kirche gibt es ganze Generationen von anonymen Gräbern, weichen Erdhügel. Auf einigen hat man die Kreuze erneuert, und die Plaques mit den Namen und Daten sind gut lesbar. Und es gibt auch einige, die wirklich jünger sind. Unter dem mehrere Monate lang dauernden kalten Eispanzer der Oberfläche erneuert sich das Land von Island jedes Jahr. Im Frühling sieht man wieder überall die vulkanischen Wurzeln der Insel. In diesem Friedhof ist es nicht schwer, die surrealistisch sentimentalische Dichtung der uruguayischen Juana de Ibarbourou nachzufühlen:

Amante: no me lleves, si muero, al camposanto.

A flor de tierra abre mi fosa, junto al riente
alboroto divino de alguna pajarera
o junto a la encantada charla de alguna fuente.

A flor de tierra, amante. Casi sobre la tierra,
donde el sol me caliente los huesos, y mis ojos,
alargados en tallos, suban a ver de nuevo
la lámpara salvaje de los ocasos rojos.

A flor de tierra, amante. Que el tránsito así sea
más breve. Yo presiento
la lucha de mi carne por volver hacia arriba,
por sentir en sus átomos la frescura del viento.

Yo sé que acaso nunca allá abajo mis manos
podrán estarse quietas.
Que siempre como topos arañarán la tierra
en medio de las sombras estrujadas y prietas.

Arrójame semillas. Yo quiero que se enraícen
en la greda amarilla de mis huesos menguados.
¡Por la parda escalera de las raíces vivas
Yo subiré a mirarte en los lirios morados!
Nimm mich nicht in den Friedhof, mein Liebe,
wenn ich sterbe, auf der Oberfläche öfne mir das Grab
neben dem göttlichen Treiben einer Voliere
oder der verzauberten Plauderei einer Quelle.

Auf der Oberfläche, mein Liebe. Fast darüber,
damit die Sonne meine Knochen wärmt, und die Augen
mit verlängerten Stielen kommen wieder zu sehen
die wilden Blitzen der roten Sonnenuntergänge.

Auf der Oberfläche, mein Liebe. Damit der Übergang
kürzer seie. Ich ahne den Kampf meines Leibes vor,
wieder an die Oberfläche zu kommen,
um die Frische des Windes in seinen Atomen zu fühlen.

Ich weiß, dass dort unten können meine Hände
nie still bleiben: wie Maulwürfe
gehen sie herum, die Erde kratzend
zwischen depressiven und schmalen Schatten.

Wirf Samen auf mich. Damit sie sich einwurzeln
im gelben Ton meiner sich auflösenden Knochen.
So entlang der braunen Leiter der lebenden Wurzeln
komme ich auf, dich in den Lilien zu schauen.



Die himmlische Sonne sank in den Nest des Ozeans (Iceland’s Folksong Heritage. Vom Album Classic Collection von Bjarni Dorsteinsson)

Ich bekam ein Gedicht


letzte Nacht, zu diesem auf Facebook veröffentlichten Bild der Moschee von Schuscha. Ich meine, nicht ich, aber es. Eine unbekannte britische Leserin, akousmata schrieb es, wenn sie das Bild teilte. Und ein paar Stunden später ergänzte sie es mit einer anderen Strophe. Ich weiß nicht, ob sie den Post selbst gelesen hatte, aber das Gedicht passt sowohl zur Geschichte als zur traumhaften, mutterleibähnlichen Schönheit der Moschee.

its raining outside.
theres an enemy in the garden.
inside, silent. just our breaths.
inside our temple, light.
I have bread for you, hidden from the storm
its still raining outside.
theres an enemy in the garden still.
inside, you and me. we walk, naked, towards the glass.
the enemy becomes blind, deaf and mute and lost.
inside our temple, I cover with clothes your nakedness, and likewise.
we are sister and brother

Das letzte Mal war es vor zehn Jahren, dass ich ein Gedicht zu einem Bild bekam, von Wang Wei. Es scheint eine lange Zeit, aber jede zehn Jahren ein gutes Gedicht zu inspirieren ist keine schlechte Ratio. Ich freue mich auf das nächste.

Schuscha, die Stadt der Wunder


„Als unsere berühmte Vorfahren, ach, Khan, in dieses Land kamen, wo sie einen großen und gefürchteten Namen erworben, schrien sie auf: „Kara bak!“ – „Siehe, dort gibt es Schnee!“ Seitdem heißt das Land Karabach. Sein älterer Name war Sjunik. Weil du musst wissen, ach, Khan, dass unsere Heimat ist sehr alt und berühmt. Die Karauli, dunkle Geister leben in unseren Bergen, und sie hüten unermessliche Schätze. Unsere Wälder haben heilige Steine, und heilige Quellen entspringen dort. Wir haben alles. Geh in die Stadt, und schau dich um – arbeitet jemand? Fast niemand! Ist jemand traurig? Niemand! Ist jemand nüchtern? Niemand! Du wirst erstaunt sein, mein junger Herr!

Ich war in der Tat erstaunt, an wie große Lügner diese Leute sind. Es gibt keine Märchen, die sie nicht erfinden würden, um ihre Heimat zu verherrlichen. Erst gestern versuchte ein stattlicher Armenier mich davon zu überzeugen, dass die christliche Kirche von Maras in Schuscha 5000 Jahre alt sei.

Schuscha ist die Stadt der Wunder. Sie wurde in den Bergen, auf einer Höhe von fünftausend Meter gebaut, in der Umarmung von Wälder und Flüsse. Armenier und Muslime leben hier friedlich nebeneinander. Seit Jahrhunderten war sie eine Brücke zwischen den Ländern des Kaukasus, Persien und der Türkei. Mit liebenswürdig kindlicher Übertreibung nennen die Einheimischen ihre kleine Lehmhütten „Paläste“. Sie sind nie müde, vor ihren Türen sitzend und ihre Pfeifen rauchend wieder und wieder aneinander zu erzählen, wie die Generäle von Karabach das russische Reich und den Zar selbst gerettet haben, und was für ein schreckliches Schicksal sie geschlagen haben würde, wenn sie ihren eigenen Schutz an jemandem anderem vertraut hätten.“


Kurban Said: Ali und Nino, 1938. (Der in Pariser Exil geschriebene
aserische Roman erzählt über der pre-1914 Schuscha)


Am späten Nachmittag kommen wir in die Stadt Schuscha, in Aseri Şuşa, in Armenisch Schuschi. Die Lehmhütten sind längst verschwunden, und sowjetische Wohnblocke besetzen ihren Platz. Von den Palästen, den im 18. und 19. Jahrhundert von geschnitzten Stein gebauten zweistöckigen Häusern stehen viele noch in der Altstadt. Was sie gemeinsam haben, ist, dass sie ganz oder teilweise ohne Dächer und ausgebrannt stehen.

Als wir auf den steilen Straßen heraufklettern, verstehen wir, warum Schuscha der Schlüssel zu Stepanakert im Karabach-Krieg war, warum die aserbaidschanische Artillerie noch im Februar 1992 hier anhielt, als die armenische Armee bereits in die benachbarte Khojaly marschierte, sie von ihrem Flughafen abschneidend und die aserische Bevölkerung der Stadt erschlagend; warum das armenische Hauptquartier in Stepanakert es übernahm, die Bergstadt auf Kosten eines massiven Blutverlusts zu belagern und einnehmen, und warum die Zerstör8ng von 8-9 Mai, des Tages des Sieges, auch ihnen den Sieg über Karabach brachte. Wir schauen von den Resten der Stadtmauer nach unten. Sechshundert Meter unter uns, nur wenige Kilometer entfernt liegt die Hauptstadt von Karabach, die die aserbaidschanische Artillerie vom 10. Januar ab vier Monate lang bombardierte, fast alle Häuser zerstörend, und etwa zweitausend Zivilisten tötend.

Der Hauptgrund für die Zerstörung von Schuscha war nicht so sehr die kurze Belagerung, sondern die armenische Zivilisten, die die Invasionsarmee folgend die Wohnungen der aserischen Bevölkerung, die aus die Stadt geflohen waren, geplündert und niedergebrannt haben. Aber dies war nicht die erste Zerstörung von Schuscha in diesem Jahrhundert. Nach dem ersten Weltkrieg, während des territorialen Konflikts zwischen der kurz unabhängigen armenischen und aserbaidschanischen Staaten, am Ende März 1920 haben die aserbaidschanische Armee und die aserischen Einwohner von Schuscha für drei Tage die armenische Bevölkerung der Stadt massakriert und das Armenierviertel zerstört. Von den von Kurban Said gelobten siebzehn Kirchen blieben nur zwei, die, aus Mangel an Gläubigen, das sowjetische System in Lagerhäusern umgewandelt überlebten. Von den 45 tausend Bewohnern der Vorkriegszeit blieben nur fünftausend. Deshalb konnte Ossip Mandelstam so spät wie 1931, während seiner kaukasischen Reise diese Zeilen aufzeichnen:

…Так, в Нагорном Карабахе,
В хищном городе Шуше
Я изведал эти страхи,
Соприродные душе.

Сорок тысяч мертвых окон
Там видны со всех сторон
И труда бездушный кокон
На горах похоронен.
...Und in Nagorno-Karabach,
in der zerstörten Stadt Schuscha
sah ich Dinge, die ebenso
schrecklich für die Seele waren.

Vierzigtausend tote Fenster
gähnen auf jeder Seite, und der
leere Kokon der ehemaligen Arbeit
als Friedhof auf dem Berg liegt.

Shusha, Ruinen des armenischen Viertels, um 1920

Heute ist die Situation umgekehrt. Die armenische Kathedrale wurde restauriert, ebenso wie mehrere Häuser in ihrer Nachbarschaft. Hier leben die viertausend Einwohner der Stadt – die vor 1992 15.000 Menschen hatte –, vor allem aus Aserbaidschan geflüchtete Armenier. Heute ist es das aserische Viertel, das tot ist.

Auf den ehemaligen Marktplatz ankommend fühlt es, als ob wir die Stadt verlassen hätten. Die Asphalt endet, wir stolpern im Schlamm, zwischen tiefen Pfützen von schmelzendem Schnee. Die Fenster der sowjetischen Wohnblücke gähnen schwarz und leer. Dem sowjetischen Kulturhaus ist nur die Fassade mit dem Stalinbarock-Tympanon geblieben. Am Ende des Platzes steht noch die 1787 gebaute Obere Moschee. Die schwarze Plakette vor ihr gibt es bekannt, dass sie unter staatlichen Schutz steht. Tatsächlich wurde der kleine aserische Friedhof in seinem Garten, im Gegensatz zu dem Friedhof von Julfa, nicht verwüstet. Der staatliche Schutz schützt aber nicht von der Zeit, die die Mosaikbedeckung der Minarette und die Bögen und Ziegelfassade der Moschee langsam zugrunde richtet. Auf Fotos aus 2007 haben die Minarette noch ihre Dächer. Heute sehen wir nur eine seltsame Struktur an ihrer Stelle, die wahrscheinlich zur Abhebung der Dächer diente, wenn sie bereits in Gefahr gerieten, von selbst zu fallen.

Schuscha, Obere Moschee, 1988

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Unter dem Marktplatz, hinter dem ehemaligen Kulturhaus liegt die 1874 gebaute Untere Moschee, jetzt in ähnlichem Zustandt. Kinder spielen im Hof. Wenn sie uns erblicken, wenden sie sich an uns mit einem unerschrockenen Vertrauen, und zeigen sie uns die von unter den benachbarten Ruinen gesammelte Rüstkammer. „Aserbaidschaner. Sie wurden von den Aserbaidschanern hintergelassen.“ „Und wohin sind sie gegangen?“ „Zurück in Aserbaidschan.“ „Und ihr seid von dort gekommen?“ „Gar nicht. Wir sind aus Schuschi. Wir sind doch keine bezhentsy, Flüchtlinge!“

Sie zeigen uns die geheimen Treppe in die Minarette und an die Spitze der Kuppeln hinauf. Die Bögen des Gebäudes sind von unten gesehen noch intakt, aber von oben kann man sehen, dass zwischen den freiliegenden, ohne Dach verlassenen Kuppeln wachsen junge Bäume, die die Ziegelgewölbe langsam zersplittern werden.


Unsere Begleiter folgen uns, sie wollen uns alles zeigen. „Diese waren persische Häuser.“ „Nicht aserische?“ „Nein, nein. Die Aserbaidschaner lebten dort. Hier lebten die Perser.“ „Und was ist mit ihnen geschehen?“ „Sie sind auch weg.“ „Und dies war das Gefängnis“, zeigen sie auf den verfallenen Keller des Kulturhauses. Wir fragen nicht, wer hat wen dort eingesperrt.

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Als wir auf der Hauptstraße zurückspazieren, nach dem Rat von Mustafa Agha prüren wir über, ob jemand arbeitet. Wir freuen uns zu sehen, dass man in fast jedem Torweg arbeitet, man packt Esel, schneidet Fleisch, näht und Töpfe macht, und ein Fotograf nimmt in seinem Studio auf, wie es war, als in Schuscha noch Armenier und Muslime friedlich nebeneinander lebten.

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„Ach, Khan“, sagte Mustafa Agha. „Deine Vorfahren führten Kriege, aber du bist im Haus der Weisheit gesessen, und du bist ein gebildeter Mann. Also hast du über Kunst gehört. Die Perser sind stolz auf Saʿadi, Hafez und Ferdausi, die Russen auf Puschkin, und im fernen Westen lebte ein Dichter namens Goethe, der ein Gedicht über den Teufel geschrieben hat.“

„Sind alle diese Dichter auch von Karabach?“ fragte ich ihn.

„Nein, mein edler Herr, aber unsere Dichter sind besser, auch wenn sie nicht bereit sind, ihre Worte in das Gefängnis der toten Buchstaben einzuschließen. Sie sind zu stolz, ihre Gedichte abzuschreiben. Sie singen sie.“



Qubanin ag almasi (Weiße Äpfel von Quba), in Bayati Shiraz Mugham-Modus, von Miralan Miralanov gesungen. Aus dem Album Aserbaidschanische Liebeslieder. Karabach, und insbesondere Şuşa waren das Zentrum der traditionellen aserischen Mugham-Musik.

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