Des Sultans neue Kleider

Kemal Atatürk in Janitscharen-Uniform

Vor kurzem haben wir über das unruhige Schicksal der türkischen Übersetzung von Der Kleine Prinz geschrieben. In der Episode über die Entdeckung des Asteroiden B-612 des Kleinen Prinzes stellt Saint-Exupéry mit der Geschichte der türkischen Astronomen dar, wie sehr die Kleider machen Leute in den Augen der Erwachsenen:

„Doch zum Glück für den Asteroiden B-612, erließ der türkische Diktator ein Gesetz, welches seine Untergebenen unter Androhung des Todes zwang, ab sofort europäische Kleidung zu tragen. Also hielt der Astronom seinen Vortrag im Jahre 1920 erneut, gekleidet in imposanter Aufmachung und voller Eleganz. Diesmal wurde sein Bericht von jedermann akzeptiert.“

Der „türkische Diktator“ ist natürlich Kemal Atatürk, dessen Ehre ist vom Gesetz vorgeschrieben. Deshalb krümmten sich hin und her die türkischen Übersetzer für siebzig Jahre, um die Gesetzverletzterformel umzugehen. Einmal übersetzten sie es als „ein großer Führer der Türken“, dann als „ein türkischer Führer, der keinen Widerspruch ertrug“, bis die neue türkische Ausgabe in diesem Januar, am siebzigsten Todestag des Autors schließlich die genaue Übersetzung veröffentlicht hat. Diese wurde jedoch von keinem geringeren als von der Gewerkschaft der türkischen Bildungs- und Wissenschaftsarbeiter zensuriert, die es erfordern, das Buch, das das verbotene Wort enthält, aus der Liste der vom Ministerium für Bildung für die Schulen empfohlenen Bücher zu entfernen.

Die Geschichte ist jedoch noch nicth zu Ende.

Die Geschichte ist zu Ende. Sultan Mehmed VI Vahideddin verlässt Konstantinopel, 1922

Der Post wurde von uns im russischsprachigen Blog Dmitri Tschernisews, Ответы на незаданные вопросы übernommen, wo der Text Saint-Exupérys natürlich aus der russischen Übersetzung angeführt wurde:

„К счастью для репутации астероида В-612, турецкий султан велел своим подданным под страхом смерти носить европейское платье. В 1920 году тот астроном снова доложил о своем открытии. На этот раз он был одет по последней моде, – и все с ним согласились.“

„Zum Glück für den Asteroiden B-612, erließ der türkische Sultan ein Gesetz, welches seine Untergebenen unter Androhung des Todes zwang, europäische Kleidung zu tragen. Also hielt der Astronom seinen Vortrag im Jahre 1920 erneut, gekleidet nach der neuesten Mode – und alle waren mit ihm einverstanden.“


Die Übersetzung wurde in den 1950er Jahren durch der hervorragenden Nora Gal gemacht (wenn Sie sich erinnern, haben wir ihre Gedenktafel an der Wand ihres Geburtshauses während unserer Odessa-Tour gesehen. Warum hat sie den „türkischen Diktator“ mit „türkischen Sultan“ ersetzt? Vielleicht, um nicht die Empfindlichkeit der türkischen Völker der Sowjetunion zu verletzen? Zu dieser Zeit, um der Deportation der Meskheti-Türken und Krimtataren war dies kein relevanter Aspekt. Oder um Saint-Exupérys Fehler zu korrigieren? In der Tat war 1920 noch der Sultan auf Macht im Osmanischen Reich. Aber wenn dies ihre Absicht war, so hat sie einen anderen Fehler in den Text gepflanzt. Der Sultan hatte ja keinen Grund, im Jahre 1920 das zu befehlen, wofür Atatürk im Jahre 1925 viel mehr Grund gehabt hat. Es wäre einfacher gewesen, den fiktiven Vortrag des fiktiven Astronomen nach 1925 zu übertragen. Es ist wahr, dass denn die Übersetzung vom Originaltext offenbar abgewichen hätte.

Manchmal ist es einfach unnötig, sich über das im Originaltext versteckte unlösbare Problem Gedanken zu machen. Man muß es einfach übersetzen, wie es ist.

Kleine Prinzen

Ceci n’est pas une pipe

…ceci est une korn.

“Bretagne. Die Pfeife ist gut nur wenn sie gut brennt.” Collection Villard, Quimper. Aufgabestempel 5. 7. 1910

Die keltischen Sprachen erreichten ihre größte geographische Ausdehnung nicht in der Antike, vor der römischen Eroberung, sondern, wie Peter Burke schreibt, im Zeitalter der großen Entdeckungen. Am Beginn des 16. Jahrhunderts dienten auf den englischen und französischen Schiffen des Atlantiks vor allem Matrosen von den keltischen Küsten, aus Wales und Bretagne, damit Walisisch und Bretonisch waren die gemeinsamen Matrosensprachen am nördlichen Teil des Ozeans, vom Ärmelkanal bis zu den karibischen Inseln.

Die bretonischen Seefahrer unter französischer Flagge erreichten auch die fernen brasilianischen Küste, und sie brachten zum ersten Mal den Tabak nach Europa, zusammen mit seinem ursprünglichen indianischen Namen: betum. Das Wort wurde aus dem Bretonisch ins Französisch übertragen: pétun, pétuner, ʻTabak, rauchen’. Allerdings wurde es archaisch geworden, und heute nur noch die bretonische Sprache bewahrt das ursprüngliche indianische Wort: butun, butunad. Das Wort tobacco und seine Varianten in den modernen europäischen Sprachen, die die spanischen Sprachforscher der Renaissance aus den karibischen indianischen Sprachen ableiteten, kam in der Tat von dem mittelalterlichen arabischen tabbaq, ʻArzneikraut’ ins Spanisch in der Form tabaco bereits im 15. Jahrhundert, und ging auf dem umgekehrten Weg nach Amerika. Als Nicolás Monardes schreibt in seinem Joyful Newes Oute of the Newe Founde Worlde, von John Frampton 1577 ins Englisch übersetzt:

„Many haue giuen it [tobacco] the name, Petum, whiche is in deede the proper name of the Hearbe, as they whiche haue traueiled that countrey can tell.“

„Viele nennen [den Tabak] petum, das in der Tat der ursprüngliche Name dieses Krautes ist, wie es jeder sagen kann, der in jenem Land schon gereist hat.“


Der Gebrauch von Tabak wurde erstmals 1525 in der Bretagne und in ganz Europa dokumentiert. Die erste Tabakmanufaktur wurde hier, im Hafen von Morlaix, gefunden, wo die aus dem neuen Kontinent eingeführten und fals Heilpflanze verwendeten Tabakblätter getrocknet und dann in karottenförmige Stäbchen – auf Französisch carotte, im modernen Bretonisch karot – gerollt wurden. Die „Karotten”, die noch auf den Ladenschildern der Tabakladen der Bretagne sichtbar sind, wurden dann mit Messer geschnitten, als es für die Pfeife oder zum Kauen erforderlich war. Die Pfeife selbst wurde ursprünglich von Schafshorn gemacht, und nach ihre Trichterform (cornet) wurde es in Bretonisch korn gehießen.

„Darf ich dich stören?“ – „Natürlich.“ – „Gib mir meine Tabakkarotte [tabac en carotte], bitte, lass mir meine Pfeife stopfen.” Rauchende Frau in Morlaix. Artaud et Nozais, Nantes

Während im Zeitalter der Renaissance und Barock ist Rauchen in vielen Teilen Europas „vergeschlechtlicht“, zu einem ausschließlich männlichen Vergnügen geworden, in der Bretagne blieb es die Mittel zur Dämpfung von Müdigkeit und Hunger für beide Geschlechter, wie auch in seiner ursprünglichen Heimat. Die französischen Fotografen, die am Ende des 19. Jahrhunderts das Land durchstreichten, um ethnographische Bilder zu machen, varen ganz gefangengenommen vom Anblick der Preife rauchenden alten bretonischen Frauen, die dann zu unentbehrlichen Genrefiguren solcher Postkartenserien wie La Brettagne Pittoresque oder Types Bretons wurden. Jetzt hat philaevrand eine schöne Auswahl aus seiner Sammlung an dem zu den alten französischen Postkarten gewidmeten Cparama forum veröffentlicht.


Klervi Rivière – Marie-Aline Lagadic: Labousig ar hoad. Eine bretonischsprachige gwerz – Ballad – über einen Seemann, der ein Mädchen einlädet, zusammen mit ihm nach England zu überschiffen, aber sie lehnt in ab. Von der CD Femmes de Bretagne (Die Frauen der Bretagne, 1996).

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Die Postkarten mit identifizierbaren Orten auf der Karte der Bretagne

Noruz am Kotti


Noruz, 21 März, Neujahr in Persien und in den Nachbarländern:
Happy New Year, Persia
Noruz in der Altstadt von Baku
A rich Noruz table
Equinox
Children’s paintings for Noruz
The return of Noruz
Das Kottbusser Tor ist das Zentrum der fast hunderttausend Kurden in Berlin. Hier ist das kurdische Kultur- und Hilfsverein und die kurdische Bibliothek, und die surrealistischen Hochhäusern rund um den Platz sind bewohnt von einem erheblichen Zahl von Kurden, dessen Aktivisten protestieren gegen die hohen Mieten in der am Platz aufgestellten Holzbude. Es ist daher klar, dass sie auch die Noruz-Feier hier veranstalten mit Tanz und Scheiterhaufen, dessen Maßstab zu der Berliner Bedingungen gezähmt wurde.

Laut dem im kurdischen Restaurant Şehr-i Simit, also Brezelstadt ausgehängten Anschlag beginnt die Feier um fünf Uhr, aber schon um vier gibt es viele Leute auf dem Platz. Im Nieselregen wärmen sie sich mit dem von den Aktivisten angebotenen Tee, und nehmen am Gesellschaftsleben teil. Dann um halb fünf tritt jemand zum Laptop auf dem Lautsprecher, der aus einem Ölfaß gebastelt wurde, und startet die bereits zusammengestellten Tracklist. Dröhnende kurdische Musik füllt den Platz aus. Die Gruppen lösen sich schnell auf, die Leute stehen im Kreis. Es beginnt der Tanz, der bis spät in die Nacht fortgesetzt wird.


Sedigh Tarif & Kamkars Ensemble: Golah golah. Von der CD Kordaneh (2011).

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Der Duft von Noruz


Noruz, 21 März, Neujahr in Persien und in den Nachbarländern:
Happy New Year, Persia
A rich Noruz table
Equinox
Children’s paintings for Noruz
The return of Noruz
Die großen Feste der Kindheit haben ihre eigene Düfte, die in der Lage sind, die Bilder der Feier zusammenzufassen und auch nach vielen Jahren in allen Einzelheiten auszuwickeln. Weihnachten hat den Duft von Harz und von brennenden Wunderkerzen, Oster hat den Duft von Jasmin und mit dem Geruch des Rieselregens und der nassen Erde gemischem Weihrauch. Aber was für einen Duft haben die Feste, daran wir als Kinder nie teilgenommen haben? Was für einen Duft hat Noruz?

Noruz hat einen stechenden Rauchgeruch, der Rauch der Bratanstalten und der Rauch der auf den Plätzen und Innenhöfen zum nächtlichen Feuerspringen gelegenen Scheiterhaufen. Einen kühlen Kellergeruch, als wir uns auf dem Weg zum festlichen Abendessen durch die engen Gassen der Altstadt von Baku durchschlagen. Den Duft von Honig, Safran und Sultaninen.


Habil Aliyev (Kamantsche): Bayati Shiraz. Von der CD Kaman Möcüzesi (2002)

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Tauwetter


Gestern, als ich aufgestanden bin, habe ich den Schrei der ersten Schwalbe gehört. Ich beeilte zum Fenster, um es zu öffnen, aber sie war schon weg. Ich habe sie nicht mehr gehört, aber dies bedeutet, dass der Himmel in jedem Augenblick von ihrem Schreien und Zickzack gefüllt werden kann. In Island ganz in der Nähe dieses Sees stießen wir auf einen Strand, wo Tausende von Küstenseeschwalben nisteten. Diese Vögel kommen und gehen von einem Polarkreis zum anderen. Es ist das am meistens reisende Tier der Erde. Es fliegt in der Regel 80.000 Kilometer pro Jahr.

Die Schwalben und Seeschwalben sind von einer unaufhaltsamen Schreierei beschäftigt, sie schwatzen, als ob sie viel Dringendes zu erzählen hätten. Reisende haben immer viel zu erzählen. Wenn nicht, dann haben sie nicht gereist. Der niederländische Botschafter erzählte durch mehrere Abende dem König von Siam über die Wunder seines fernen Landes, reichlich schmückend seine Geschichte über was für ein Land es ist, so flach und so viel vom Meer schikaniert, wie sie ihre Häuser bauen, wie sie ihre Leinwände weben, wie sie ihre Kleidung färben, über die sozialen Zeremonien und die religiösen Riten. Er erzählte ihm auch, dass „das Wasser in seinem Land manchmal in der kalten Jahreszeit so hart werde, dass Menschen auf sie gehen, und sie könnte auch einen Elefanten tragen, wenn es dort solche gäbe. Der König antwortete ihm: »Bisher habe ich die seltsamen Dinge, die du mir gesagt hast, geglaubt, denn ich dich als einen besonnenen und ehrlichen Mann betrachtete, aber jetzt bin ich sicher, dass du lügest.»“ *

Reisende müssen sehr vorsichtig sein, nicht zu lügen, wenn sie darüber erzählen, was sie gesehen haben.


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Die Fotos wurden an der Mündung des Gletschers Breiðamerkurjökull, am See Jökulsárlón, Island aufgenommen

Briefe an Sankt Peter aus Ruthenien


Im Traktat Modus epistolandi, das heißt, Über die Kunst des Briefschreibens (1488), der in der ganzen Europa der Renaissance ziemlich populär war, gab Francesco Nigro präzise und detaillierte rhetorische Richtlinien für das Schreiben von nicht weniger als zwanzig Arten von Briefen. Das erste war das Commendatitium odr Empfehlungsschreiben, das seinerseits in zwei Unterarten, und die jeweils in vier verbindliche Teile getrennt wurden. Später haben viele andere Humanisten durch das Sammeln und die Anpassung der Ideen und Übungen der alten Progymnasmata ihren Senf zu diesen rhetorischen Standards dazugeben. Nicht nur Erasmus, Vives und Lipsius, die Liste ist viel länger: Gasparino Barzizza, Juan Lorenzo Palmireno, Giulio Cesare Capaccio, Bartolomé Bravo, Juan Vicente Peliger, Badius Ascensius, Sulpizio di Verola, Gaspar de Tejeda, Henri Estienne, Basin de Sendacourt, Heinrich Bebel, Valentinus Erythraeus, Pietro Bembo, Tomás Gracián Dantisco, Espinosa de Santayana, Moravus de Olomouc, und so weiter. Und obwohl bei keinem dieser Autoren finden wir eine Anweisung zur Formulierung von Empfehlungsschreiben an das Jenseits, doch hat es solche Briefe gegeben, sie wurden regelmäßig nach vorgeschriebene Formeln geschrieben, mit Streusand bestreut und versiegelt, und an nicht weniger als Sankt Peter selbst angeschrieben, in seine eigene Hände.

Nachrichten über diese Briefe kamen nach Spanien aus Ruthenien, als der Humanist, Numismatiker, Erzbischof von Tarragona und außerordentlich neugierige Mann, Don Antonio Agustín (1517-1586) notierte in seinem handschriftlichen Notizbuch. Auf Folio 23 dieses Alveolus genannten Buches finden wir diesen Bericht über die Tradition „der ruthenischen Kirche“: *


“Rutheni populi Moschouitarum sunt Polonis contigui, quorum regem adgnoscunt; et in religione Patriarcham Constantinopolitanum, cuius ritum, ceremonias et instituta sequuntur. Eorum prouincia nunc Russia nuncupatur. Lingua Dalmatica loquuntur, cuius per uniuersum orientem magnus usus est; characteres mixti Grecis atque Barbaris Sclauonicis quos appellant. Hi populi ridiculam consuetudinem exequiarum obseruant. Mortuorum enim parentes affines propinquí et amici, litteras ab Archiepiscopo prouintiae suae accipiunt, et sigillo et subscriptione firmatas: quibus Archiepiscopus sancto Petro scribit, mortuum propinquum et amicum commendans; rogans mortuo liceat in consortium coelitum adscribi. Quae littere mortui manui inseruntur; unaque cum iis, tamquam eas diuo Petro Vitae Innocentiaeque suae testes redditurus, sepelitur. Emuntur autem magno tales littere; neque cuiquam nisi soluenti pecuniam conceduntur. Quo fit, ut pauperes eas non accipiant, scribuntur lingua Dalmatica. Earum formulam, ex ea lingua translatam in Latinam a Georgio Ticinensi Lithphano, infra suscribi iussimus:

«MACARIVS Dei gratia Ecclesiarum Domini Dei nostri in hoc corruptibili mundo uicarius, tibi Petro qui olim summus Christi in terris uicarius extitisti, notificamus: quod nuper non sine ingenii moerore, Dilecti filii Ecclesiae Dei, nobis rettulerunt; quendam Nicolaum Gregorii Filium, hanc miseriis plenam uitam reliquisse; in aliumque felicem ac deliciis plenum mundum commigrasse. In quo fidelium omnium animulae, omnibus desiderato Domini nostri Jesuchristi, eiusque matris incorruptae intuitu frui ac gaudere numquam cessant. Quas opera tua in regnum coelorum, cuius ianitor et clauiger existis, esse admissas receptasque nemo ambigit. Nam eam clauium potestatem, ipse humani generis restauratos, tibi iam in coelis uero in terris indubie concessit, quos suarum Ecclesiarum in hoc mundo presides esse uoluit.

Cum igitur officii nostri sit ad te, de conuersatione eorum qui relicto hoc mundo istuc commigrant, rescribere, ideo, indubiam tibi litteris his nostris fidem facimus Nicolaum Gregorii Filium, toto tempore uitae suae pie ac christiane uixisse, neminem offendisse, ac omnia Ecclesiarum Dei praecepta, diligenter obseruasse. Quem, prius quam deo conditori suo spiritum commodaticium reddidisset, ab omnibus suis peccatis, quibus diuinam Maiestatem aliquando offendit, absoluimus. Et, propterea iustum esse censemus, quod in conspectum Domini Dei conditoris nostri admittatur; electorumque Dei numero tuis meritis precibusque adiutus, adscribatur. Quod ut pro more officioque tuo facias, supplices petimus. Datum, etc. Sub manu, et sigillo nostro.»” (Alveolus. Manuscrito escurialense S-II-18, Madrid, FUE, 1982, 33-35.)



„Die Ruthenen sind ein Volk der Moskoviten in der Nachbarschaft der Polen, dessen König sie als ihren Herrn anerkennen. In religiösen Dingen erkennen sie den Patriarchen von Konstantinopel an, und folgen seine Riten, Zeremonien und Institutionen. Ihr Region heißt jetzt Land der Russen. Sie sprechen die dalmatinische [kirchenslawische] Sprache, die im ganzen Osten weit verbreitet ist. Ihr Schreiben ist eine Mischung des griechischen Alphabets und der Buchstaben der barbarischen slawischen Sprache, wie sie es nennen. Dieses Volk hat einen lächerlichen Totenritus. Die Verwandten und engen Freunden des Verstorbenen erhalten einen vom Erzbischof der Diözese gesiegelten und unterschriebenen Brief, den der Erzbischof an Sankt Peter anschreibt, und in dem er den Verstorbenen in seine Freundschaft und Gesellschaft empfählt. Sie liegen diesen Brief in die Hände des Verstorbenen, und begraben ihn zusammen mit dem, als ein Zeugnis seines Lebens und Unschuld. Diese Briefe haben einen hohen Preis, und werden nicht gewährt, nur denen, die es bezahlen. Damit haben die Armen keinen Zugang zu ihnen. Sie werden in der dalmatinischen Sprachen erfasst. Ihr Text, übersetzt von Georg von Pavia aus dieser Sprache zu Latein, ist wie folgt:

»Makarios, durch die Gnade Gottes Stellvertreter der Kirche von Gott unser Herr in dieser vergänglichen Welt, geben wir es dir kunde, o Peter, der einst in diesem Land der höchste Stellvertreter Christi warst, dass vor kurzem wurden wir von einigen geliebten Kindern der Kirche Gottes besucht, die mit großen Schmerzen erzählt haben, dass ein bestimmter Nicholas, Sohn Gregors dieses Leben voller Elend verlassen hat, und wanderte in das glückliche Jenseits voller Freunde, wo die Seelchen aller Gläubigen nicht aufhören, sich der von uns allen gewünschten Vision unseres Herrn Jesus Christi und seiner unbefleckten Mutter zu erfreuen. Zu welcher ohne Zweifel du empfängst und lässt sie ein, als Torwächter des Reiches der Himmeln, da in dein Hand wurde die Macht der Schlüssel auf der Erde und im Himmeln vom Erneuer der Menschheit hinterlegt, der dich in dieser Welt der Überlegene seiner Kirche sein wollte.

Als es unsere Pflicht ist, über das Verhalten derer, die von dieser Welt zu derjenigen überziehen, dich zu berichten, lassen dir es ohne Zweifel bekannt sein, und bescheinigen wir es mit Glauben, dass Nicholas, Sohn Gregors, auf frommer und christlicher Art in der ganzen Zeit seines Lebens gelebt hat, niemandem wehtun, und alle Gebote der Kirche Gottes sorgfältig beobachtete. Und bevor er seine Seele an Gott, seinem Schöpfer auslieferte, haben wir ihn von allen Sünden absolviert, mit denen er jemals Seine Göttliche Majestät beleidigt hatte. Deshalb halten wir es für richtig, ihn in die Gegenwart Gottes, unseres Herrn zuzugelassen, und in die Zahl der Auserwählten einzuschreiben, mit Hilfe deiner Verdienste und Gebete. Wir beten zu dir, es zu gewähren, und zwar mit deiner üblichen Gnade und Herablassung. Datum usw. Von unserem Brief und Siegel.«“


Unsere Phantasie wird durch den honen Preis erregt, den man für diese Briefe an den Erzbischof zu bezahlen musste, und der sie an die Armen unzugänglich machte. Wie war der Schwarzmarkt dieser Briefe, die Grabräubereien, die Beseitigung des Namens des Verstorbenen in den Briefen, und ihr Legen in die Hände eines anderen, weniger wohlhabenden Verstorbenen, die raffinierten Techniken der Fälscher von Signaturen und Segel, mit denen sie den Torwächter des Himmels selbst irreführten… Oder ist vielleicht diese Ide völlig undenkbar für einen Ruthene, und kann nur in der pikaresken iberischen Phantasie entstanden?

Aber wenn ja, wie könnte einer dieser Briefe in die Hände von Don Antonio hinkommen?


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Unsere Abbildungen sind Prozessionsfahnen von ruthenischen Dörfer in der Sammlung des Lemberger Ikonmuseums


Sieben Tage Georgien


Man kann nicht ein Land in sieben Tagen kennenlernen. Das ist nicht das, was wir auf unserer ersten georgischen Tour versuchen. Wir möchten lieber einen Vorgeschmack aller typischen Regionen des Landes haben, von den schneebedeckten Täler Swanetiens zu den majestätischen kahlen Bergketten Dschawachetiens, von den nebligen Gipfeln der Georgischen Heerstraße zu den Weinbergen Kachetiens. Und wir möchten die wichtigsten historischen Monumente Georgiens besuchen: die Klöster von Gelati, Ananuri und Alaverdi, die Kathedrale von Mzcheta, die Altstädte von Tiflis und Kutaissi, das Höhlenkloster Vardzia, die Festung Achalziche, die mittelalterlichen Wehrtürme der swanetischen Dörfer.

Wir haben bereits eine erste Zusammenfassung der Tour veröffentlicht. Im Folgenden skizzieren wir die Route und das Programm der sieben Tage, so dass diejenige, die sich schon dafür angemeldet haben, es im Sessel durchsuchen und sich darauf vorbereiten können, und die, die es noch nicht getan haben, dazu verleitet werden, sich jetzt zugesellen.

Die Karten können auf Vollbild vergrößert werden, indem Sie auf das Link „More options“ klicken. Nur die wichtigsten Haltestellen wurden angezeigt, aber wir werden auch an vielen anderen Orten für einige herrlichen Aussichten und historischen Sehenswürdigkeiten anhalten. Wenn die Karten dafür eine Idee geben, lassen Sie es uns wissen.

Die Orte, die wir besuchen, werden allmächlich auf río Wang vorgeführt. Es lohnt sich daher, den Blog und die Übersicht unserer Posts über den Kaukasus zu verfolgen.

Nach dieser ersten Tour planen wir auch weitere Reisen, wo wir tiefer mit einigen besonders schönen und archaischen Regionen Georgiens vertraut sein werden: mit den Bergdörfern von Swanetien, den alten einsamen Siedlungen Tuschetiens, den bemalten mittelalterlichen Klöstern von Ratscha, den Festungsklöstern Kachetiens, oder der sich entlang der aserbaidschanischen Grenze hinziehenden Höhlenklöstern von David Garedscha. Ihre Empfehlung aufgrund der Eindrücke dieser ersten Tour wird helfen uns zu bestimmen, mit welchem zu beginnen.


1. Kutaissi und die benachbarten Klöster: Gelati, Motsameta

Unser Flugzeug landet früh am Morgen in Kutaissi, so dass wir ein paar extra Stunden Schlaf verdienen. Frühstück um zehn, um elf fahren wir mit dem Bus zu den mittelalterlichen Klöstern von Gleati und Motsameta (Weltkulturerbe) ab, in der Nähe von Kutaisi. Am Nachmittag bewandern wir die Altstadt von Kutaissi. Abendessen im Hotel, wohin es mir gelungen ist, ein georgisches Volksmusik-Ensemble einzuladen.




2. Von Kutaissi nach Swanetien

Nach dem Frühstück fahren wir nach Swanetien, einer der archaischsten Bergregionen Georgiens ab. Nach Zugdidi, wo der Weg zu steigen beginnt, werden wir immer wieder anhalten, im Inguri-Tal, neben dem Wasserspeicher, an den bemalten mittelalterlichen Kirchen und den Dörfern mit Wehrtürmen. Auf der kurvigen Bergstraße erreichen wir am Nachmittag unsere Unterkunft in Mestia. Wir schauen uns in der Altstadt mit Wohntürmen um, und besuchen das reiche Museum für Völkerkunde. Traditionelles georgisches Abendessen im Familiengästehaus.




3. In den Bergen Swanetiens: von Mestia nach Uschguli

Ein Tagesausflug in die Berge, zur höchstgelegene (2100 m) Siedlung Europas, Uschguli, das Land der mittelalterlichen Wohntürme. Wir werden mit Langlaufbus die 45 Km lange Strecke in 3-4 Stunden zurücklegen, während wir eine atemberaubende Berglandschaft genießen werden. Spaziergang in den drei Teilen des Dorfes Uschguli, traditionelles georgisches Mittagessen. Zurück nach Mestia, Abendessen nach Hausmannsart.




4. Von Mestia nach Tiflis

Der längste Weg unserer Reise in einem Atemzug. In sieben Stunden steigen wir von den Bergen zum Tal des Mtkwari/Kura-Flusses ab, und kommen entlang des Flusses in die Hauptstadt an. Auf dem Weg halten wir ein paar Mal an, um sich auszuruhen, und für einige Sehenswürdigkeiten, aber wir versuchen, Tiflis so schnell wie möglich zu erreichen, denn diesen Nachmittag widmen wir zur gemeinsamen Besichtigung der Stadt. Da unser Hotel im Zentrum der Altstadt liegt, können Sie an den nächsten zwei Abenden, die wir in Tiflis verbringen, die Stadt auf eigene Faust erkunden. Am Abend traditionelles Abendessen in einem ausgezeichneten georgischen Restaurant im jüdischen Viertel.




5. Mzcheta und die Georgische Heerstraße

Wir beginnen den Tag in der alten georgischen Hauptstadt Mzcheta, unweit von Tiflis, die immer noch das Zentrum der georgischen Kirche ist. Nach dem Besuch der Kathedrale und der Dschwari (Heiliger Kreuz) Kirche – Georgiens erste christliche Kirche – auf dem Hügel auf der anderen Seite des Flusses, fahren wir auf der ehemaligen Georgischen Heerstraße ab, die über atemberaubenden Serpentinen durch den Großen Kaukasus führt, und über die Grenze nach Russland leitet. Auf halbem Weg stoppen wir am Festungskloster Ananuri, eine der schönsten georgischen Klöster. Wir kehren relativ spät, zum Abendessen nach Tiflis zurück.




6. Das Tal von Kachetien

Wir bewandern eine sanftere Bergregion, das Tal von Kachetien, die georgischen Weinregion. Wir besuchen einige historischen Festungsklöster – Ikalto, Alaverdi und Gremi, und die Ruinen der ehemaligen Hauptstadt der Königreich Kachetien herum dieser –, die byzantinische Bergstadt Sighnaghi mit einer herrlichen Rundschau, und neben ihr das Kloster St. Nino, die Missionärin von Georgien aus dem 4. Jahrhundert.




7. Die Festung Achaltziche und das Höhlenkoster Vardzia

Die längste Straße unserer Tour, aber auch der besten Qualität, so dass wir ihren größteren Teil bis zum Mittag zurücklegen. Denn kommen wir in die Stadt von Achaltziche an der türkischen Grenze an, das Zentrum der georgischen Juden und Armenier, wo wir die ehemalige Festung und Karawanserei besuchen und die Altstadt bewandern. Dann fahren wir zum Höhlenkloster-Komplex von Vardzia im Tal des Oberlaufes des Mtkwari/Kura-Flusses aus. Zum Abendessen kommen wir in Kutaissi an, und am nächsten Morgen früh gehen wir in den Flughafen.




Die europäische Tracht


Einer der weltweit besten Sprachbücher ist Der kleine Prinz. Es wurde sogar in die kleinsten Sprachen übersetzt worden, und fast alle haben eine Hörbuch-Version. Seine Struktur, als ob es wirklich für ein Sprachbuch bestimmt wäre, es geht vom Einfaches in Richtung des Komplexes. In der Armee, um die schleppende Zeit totzuschlagen, habe ich von ihm Französisch gelernt, und ich weiß noch immer auswendig die ersten Kapitel. Später habe ich es benutzt, Chinesisch zu lernen, Persisch zu üben in der schönen Übersetzung und Rezitation des großen modernen Dichters Ahmad Shamlou, und Italienisch zu unterrichten. Ich habe es in mehreren Übersetzungen, unter anderem in Wiener Dialekt, auf Baskisch, in der römischen Umgamgssprache, und in assyrischer Version. Aber auf Türkisch hatte ich es irgendwie noch nicht. Nicht dass es schwierig sein würde, es zu erhalten. Am Ende des letzten Jahres ist das Copyright der Werken von Saint-Exupéry, der 1944 gestorben worden ist, abgelaufen, und in den ersten Januartagen veröffentlichten dreißig türkische Verläge das Buch in neue Übersetzungen, in mehr als 130.000 Exemplaren. Die günstigste Ausgabe ist zum Verkauf für 1 Lira, weniger als die Hälfte eines Euro.


Wenn jemand eine türkischsprachige Küçük Prens braucht, sollte es jetzt kaufen. Und nicht nur wegen des Preises, sondern auch, weil – wie Kaya Genç weist darauf in seinem Blog hin – das ist die erste Ausgabe, die schließlich einen für 70 Jahre verwurztelten Übersetzungsfehler ausbessert. Der Fehler ist, versehentlich, genau in demjenigen Kapitel, wo der Autor die Türken erwähnt, wie folgt:


„Ich habe tatsächlich Grund zu der Annahme, dass es sich bei dem Planeten, von dem der kleine Prinz kam, um den Asteroid handelt, der als B-612 bekannt ist. Dieser Asteroid wurde lediglich ein Mal durch ein Teleskop gesehen. Von einem türkischen Astronom im Jahre 1909.

Danach präsentierte der Astronom seine Entdeckung bei einer großen Vorführung auf dem Internationalen Astronomischen Kongress. Allerdings trug er eine türkische Tracht und somit wollte niemand seinen Worten glauben. Erwachsene sind nun mal so…

Doch zum Glück für den Asteroiden B-612, erließ der türkische Diktator ein Gesetz, welches seine Untergebenen unter Androhung des Todes zwang, ab sofort europäische Kleidung zu tragen. Also hielt der Astronom seinen Vortrag im Jahre 1920 erneut, gekleidet in imposanter Aufmachung und voller Eleganz. Diesmal wurde sein Bericht von jedermann akzeptiert.“



Der „türkische Diktator“ ist natürlich Kemal Atatürk, der Schöpfer des säkularen türkischen Staates, der in seinem „Hutgesetz“ von 1925 das Tragen des Fez, des Schleiers und anderer traditionellen Kleidung verbotete. Allerdings haben die Diktatoren die seltsame Angewohnheit, dass sie nicht lieben, Diktatoren genannt zu werden. In der Türkei existiert noch das Gesetz, das die Beleidung Atatürks mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft. Es ist daher verständlich, dass die Übersetzer diesen Ausdruck bisher vermeidet haben.

Ahmet Muhip Dıranas, der türkische Übersetzer Baudelaires, der 1953 Den kleine Prinz zunächst übersetzte für das Magazin Çocuk ve Yuva (Kind und Heim), das zur Unterstützung der Waisenkinder der Soldaten des Ersten Weltkrieges gegründet wurde, versuchte den Unmut der Waisen, die zu diesem Zeitpunkt schon über vierzig waren, auf der folgenden Weise abzubiegen:

„Glücklicherweise begannen die Türken, unter der Anleitung eines großen Führers, sich als Europäer anzukleiden…“

Die nächste Übersetzung, die 1995 von Tomris Uyar und Cemal Süreya vorbereitet wurde, formuliert es etwas anders:

„Ein türkischer Führer, der keinen Widerspruch ertrug, hatte einen Tag ein Gesetz ausgestellt: von nun an sollten alle als Europäer gekleidet sein, ansonst wurden sie zum Tode verurteilt.“

Die Übersetzung von 2015, schreibt Kaya Genç, gibt schon genau den originalen französischen Satz wieder. „Bis jetzt wurden keine Beschwerden eingereicht“, beendet er seinen Post. In der Tat ist dies nicht genau so.


Ein offizieller Protest gegen das Buch wurde angemeldet, und sogar nicht von der deutlich sekulären Armee, oder von einer engagierten Atatürk-Fanclub. Die Website der Gewerkschaft der Türkischen Bildungs- und Wissenschaftsarbeiter veröffentlichte den Anspruch, das Buch, das das verbotene Wort enthält, aus der Liste der vom Ministerium für Bildung für die Schulen empfohlenen Bücher zu entfernen.

Die Diktatoren haben lange Hände, und auch weither versuchen sie zu verhindern, die Dinge mit ihren Namen zu benennen. Genau damit enthüllen sie, das sie sind, was sie sind.

Karikatur von Selçuk Erdem

Fortführung…